Burgruine Rusteberg

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Burgruine Rusteberg
Burg Rusteberg auf einem Stich von Merian 1646

Burg Rusteberg auf einem Stich von Merian 1646

Alternativname(n): Rustenberg
Entstehungszeit: um 1120
Burgentyp: Höhenburg, Gipfellage
Erhaltungszustand: Kapellen-, Wall-, Grabenreste
Ständische Stellung: Grafen, Klerikale
Ort: Marth, Rustenfelde und Arenshausen
Geographische Lage 51° 23′ 10,3″ N, 10° 0′ 12,4″ O51.38619110.003438397Koordinaten: 51° 23′ 10,3″ N, 10° 0′ 12,4″ O
Höhe: 397 m ü. NN
Burgruine Rusteberg (Thüringen)
Burgruine Rusteberg

Die Burgruine Rusteberg, auch Rustenberg genannt, ist eine verfallene Gipfelburg auf einem isolierten Berggipfel zwischen den Gemeinden Marth und Rustenfelde im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Lage[Bearbeiten]

Die Burg Rusteberg befindet sich auf dem steil aus dem Leinetal aufragenden kegelförmigen Rusteberg (397,6 m ü. NHN), etwa 10 km westlich der Kreisstadt Heiligenstadt. Die Bergkuppe aus Muschelkalk ist ein Zeugenberg innerhalb der Buntsandsteinlandschaft des westlichen Eichsfeldes. Im Mittelalter verlief hier eine wichtige Heer- und Handelsstraße über Arenshausen und Uder in das Eichsfeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Carl Duval: Der Rusteberg (um 1840)

Die zunächst nur schwach befestigte Höhenburg auf dem Rusteberg wurde 1123 erstmals urkundlich erwähnt und bereits um 1160 durch Landgraf Ludwig II. von Thüringen wieder zerstört.

Unter Erzbischof Adalbert I. wurde das Mainzer Territorium im Eichsfeld noch im 12. Jahrhundert bedeutend erweitert und durch den Bau einiger Burgen gesichert. Die herausragende Bedeutung des Rusteberg wird in der Folgezeit durch zahlreiche Beurkundungen, zugleich Nachweis für Aufenthalte der Erzbischöfe, und die Einrichtung eines Burggrafenamtes unterstrichen. Militärisch und administrativ wurde der Burggraf von Rusteberg durch Ministerialen, das waren Mitglieder der Familie Knorr, später Knorring, bis 1441, als die Familie emigrierte nach Litauen[3], und Vögte unterstützt, im 13. Jahrhundert stellten die Häuser Everstein und Wittgenstein die Burggrafen.[1] Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts übertrugen die Erzbischöfe dem aufstrebenden Heiligenstadt zahlreiche administrativen Aufgaben. Auf der Burg blieb noch bis 1540 die Amtsverwaltung (Vogteiamt) erhalten, welche als letzter der Vizedom Siegfried von Bültzingslöwen führte. Während des Bauernkrieges wurde die zur Festung ausgebaute Anlage von den Bauernhaufen weiträumig umgangen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von Hessen-Kasselschen Truppen eingeschlossen und musste schließlich übergeben werden, kam aber im Westfälischen Frieden an Kurmainz zurück. 1749–1750 erbaute die Amtsverwaltung am Fuße des Burgberges ein Verwaltungsgebäude (Schloss Rusteberg). In diesem Zusammenhang begann der Abbruch der bis dahin noch weitgehend intakten Burganlage, deren Steine als Baumaterial dienten.[2] Die Burgkapelle diente der Bevölkerung noch bis in die jüngste Vergangenheit als Andachtsort.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ruine der Burgkapelle St. Michaelis

Von der ehemaligen Burg und spätmittelalterlichen Festungsanlage sind noch Reste der äußeren Befestigungsanlagen, teilweise verschüttete Gewölbekeller und die Ruine der Burgkapelle erhalten, die im 19. Jahrhundert unter Verwendung von Trümmerresten um einen im Norden angebauten Rundturm und eine Eingangsfassade im Westen ergänzt wurde.[2] Das frühere Aussehen und die Lage der Hauptgebäude sind auf einer von Matthias Merian publizierten Ansicht deutlich erkennbar. Demnach bestand die Burganlage aus der Kernburg in Gipfellage, um die sich eine halbmondförmige, stark befestigte Vorburg legte. Der im Süden des Berges angelegte Hauptzugang wurde mit einem bastionsartigen Vortor zusätzlich verstärkt. Eine Ringwall-Graben Befestigung umgab die mit weiteren Mauern und Türmen geschützte Burganlage. Nach dem Abtragen der Hauptgebäude sind diese heute lediglich noch als Bodenunebenheiten zu bemerken. Der einstige Bergfried hatte eine Grundfläche von 7,7 mal 7,7 Meter und eine Mauerstärke von 1,7 Meter.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl Duval: «Rusteberg» In: Das Eichsfeld. Sondershausen 1845, S. 398–421.
  •  Hans Patze (Hrsg.): «Rusteberg» Thüringen. In: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 9, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 365-367.
  •  Thomas Bienert: «Rusteberg» - Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 133-134.
  •  Michael Köhler: «Rusteberg» - Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 41-42.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

3 Möller-Paulsen-Knorring, Familiengeschicht, Genealogi und Heraldik von familien Knorr-Knorring-von Knorring, Jyväskylä, 2000, ISBN 952-5130-053

  1. Carl Philipp Emil von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein, Mecke Druck und Verlag Duderstadt, Reprint 2007, S. 506
  2. a b  Walter Rassow, Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt (Hrsg.): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt. Otto Hendel, Halle a. d. S. 1909, Rusteberg (altes und neues Schloss), S. 305–312.

Weblinks[Bearbeiten]