Burgwald

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Burgwald (Begriffsklärung) aufgeführt.

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Burgwald
Blick vom Christenberg über den Gerhardsberg im Burgwald zum Rothaargebirge (mit dem Bollerberg) im Hintergrund

Blick vom Christenberg über den Gerhardsberg im Burgwald zum Rothaargebirge (mit dem Bollerberg) im Hintergrund

Höchster Gipfel Knebelsrod (443,1 m ü. NHN)
Lage Landkreise Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf; Nord- und Mittelhessen (Deutschland)
Teil des Westhessischen Berglandes
Burgwald (Hessen)
Burgwald
Koordinaten 51° 0′ N, 8° 48′ O51.0007938.800049443.1Koordinaten: 51° 0′ N, 8° 48′ O
Karte des Burgwaldes
Blick vom Christenberg in die Wetschaft-Senke; im Hintergrund die Sackpfeifen-Vorhöhen und ihr Namensgeber im Rothaargebirge mit Kohlenberg (583 m, halbrechts, zweigipfelig), Sackpfeife (674 m, rechts der Mitte, sehr breit, mit Sendemast), und Arennest (592 m, halblinks)

Der Burgwald ist ein an nordöstlichen Randlagen maximal 443,1 m ü. NHN[1] und sonst mäßig hohes Mittelgebirge des Westhessischen Berglandes in Nord- und Mittelhessen (Deutschland).

Der „eigentliche“ Burgwald wird durch die Bundesstraße 3 in den bis auf Rodungen um Siedlungen durchgehend bewaldeten nördlichen Burgwald und den deutlich kleineren und zu großen Teilen landwirtschaftlich genutzten südlichen Burgwald im Südosten aufgeteilt. Von der ostansässigen Bevölkerung wird „Burgwald“ oft als Synonym für den nördlichen Burgwald verwendet.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Burgwald befindet sich in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf. Nach Nordosten geht er in den – montaneren – Kellerwald über, nach Osten schließen sich hinter dem Wohratal die zur Oberhessischen Schwelle gezählten Gilserberger Höhen an. Nach Süden folgen hinter dem Tal der Ohm das Amöneburger Becken und die Lahnberge, jenseits der Lahn schließlich der Marburger Rücken. Im Westen grenzt die Wetschaft-Senke, im Nordwesten die Eder den Burgwald von den sich anschließenden Ausläufern des Ostsauerländer Gebirgsrandes, der Ostabdachung des Rothaargebirges, ab. Höchste Erhebung ist der im Norden gelegene Knebelsrod.

Der Burgwald wird von diesen Orten eingerahmt: Frankenberg im Norden, Haina, Gemünden und Wohratal im Osten, Rauschenberg im Südosten, Cölbe im Süden, Wetter im Südwesten und Münchhausen sowie Battenberg im Westen. Innerhalb des bewaldeten Mittelgebirges liegen Burgwald, Rosenthal und Bracht.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten]

Der Burgwald (Haupteinheit 345) wird zum Westhessischen Berg- und Senkenland (Haupteinheitengruppe 34; auch nur Westhessisches Bergland genannt) gezählt, welches sich von Gießen im Süden in etwa bis Kassel und Korbach im Norden zieht. Von den zum Burgwald gezählten Senken längs der Täler der Flüsse Wetschaft, Wohra und Ohm sowie der Nordabdachung unmittelbar südlich des Edertals abgesehen, teilt sich der eigentliche Burgwald vor allem in die Naturräume Nördlicher (345.1) und Südlicher Burgwald (345.2) auf, wobei der Nördliche Burgwald den überwiegenden Teil der Waldfläche ausmacht, während der Südliche Burgwald nur den (Bruch-)Teil des Waldes darstellt, der seit Menschengedenken durch den Verkehrsweg von Marburg nach Kassel (Bundesstraße 3) vom Kernwald abgeschnitten ist. Da etwa die Hälfte des einstigen Waldes südlich der B 3 zur ackerbaulichen Nutzung gerodet wurde – insbesondere der komplette Teil nördlich der Stadt Rauschenberg wie auch der Südwesthang bei Sindersfeld – handelt es sich um gerade noch etwa 1500 Hektar zusammenhängende Waldfläche, die zum Staatsforst Rauschenberg gehören.

Die naturräumliche Haupteinheit Burgwald gliedert sich wie folgt:[2][3][4]

  • 345 Burgwald (494,28 km²)
    • 345.0 Wetschaft-Senke (121,61 km², Westen)
    • 345.1 Nördlicher Burgwald (204,79 km²)
    • 345.2 Südlicher Burgwald (49,64 km²)
    • 345.3 Wohratal (38,26 km², südlicher Osten)
    • 345.4 Buntstruth (22,98 km², Nordosten)
    • 345.5 Frankenberger Oberland
      • 345.50 Bottendorfer Flur (26,40 km², westlicher Norden)
      • 345.51 Geismarer Platte (21,63 km² ohne Hauberner Hecke, östlicher Norden)
        • 345.510 Hauberner Hecke (8,97 km², Südosten der Platte)

Während die fast unbewaldete Wetschaft-Senke sich deutlich von den eigentlichen bewaldeten Buntsandsteinrücken des Burgwaldes unterscheidet, setzen diese sich jenseits der größeren Flusstäler nach Südwesten und Osten fort:

Flüsse[Bearbeiten]

Über den Burgwald verläuft ein Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide zwischen Rothaargebirge und Kellerwald, der überwiegende Teil entwässert jedoch nach Süden zur Lahn und damit zum Rhein. Die im Norden grenznah verlaufende Eder wird dem gegenüber nur von wenigen nennenswerten Bächen aus dem Burgwald gespeist, da der Höhenschwerpunkt des Mittelgebirges deutlich nach Nord(ost)en verlagert ist.

Im Folgenden werden die wichtigsten Flüsse des Burgwaldes im Uhrzeigersinn geordnet, beginnend an der östlichen Südseite der Rhein-Weser-Wasserscheide, aufgeführt.[5]
Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind, je nach Flusssystem, in die DGKZ-Ziffern nach den Ziffern des jeweiligen Zielflusses (z. B. Lahn=258, Eder=428) Bindestriche eingefügt.

Name
Ziel-
fluss
Länge
[km]
Einzugsgebiet
[km²]
Abfluss
(MQ) [l/s]
Bemerkungen
DGKZ
Bach von Römershausen SchweinfeWohra 5,1 10,1 75 nordöstlicher Grenzfluss 258282-4
Holzbach SchweinfeWohra 9,3 18,0 131 258282-8
Bentreff Wohra 13,1 48,9 268 25828-4
Wadebach Wohra 4,0 12,7 84 Nahtstelle zum Südl. Burgw. 25828-72
Rauschenberger Bach Wohra 2,7 6,9 48 Südl. Burgwald 25828-92
Teufelsgraben Ohm 5,0 Südl. Burgwald 2582-X
Schwarzenbornbach Rotes Wasser 5,6 8,8 50 25896-6
Rotes Wasser Ohm 18,6 51,0 221 2589-6
Bach aus dem Langen Grund Rotes Wasser 6,9 9,0 35 25896-8
Rosphe Wetschaft (Unterlauf) 8,2 18,6 76 25818-8
Mellnau Wetschaft (Unterlauf) 7,3 8,8 62 25818-72
Bach vom Christenberg Wetschaft (Unterlauf) 6,0 6,8 35 25818-52
Silberbornbach Wetschaft (Unterlauf) 2,7 4,8 28 25818-32
Wetschaft-Oberlauf (*) Lahn 13 36,1 226 bis Ernsthausen 258-18
Senkelbach Wetschaft 5,6 11,6 83 25818-2
Bach vom Lichtenberg WollmarWetschaft 7,5 7,5 70 kreuzt einen Nordwest-Ausläufer längs der B 236 258184-4
Nemphe Eder 14,2 38,4 294 428-198
Kaltes Wasser Nemphe 8,8 15,0 112 428198-4
Lengelbach(**) Eder 3,4 6,7 59 bis Dainrode; Grenzbach 428-32

(*) Die Wetschaft ist im Unterlauf bis zu ihrer Mündung in die Lahn Grenzfluss und hat insgesamt 29 km Länge, verfügt über ein Einzugsgebiet von 196,2 km² und hat einen Abfluss von 1702 l/s. Indes kommt die Hälfte ihres Wasser (810 l/s) mit dem erst spät mündenden Treisbach aus dem Rothaargebirge bzw. den Sackpfeifen-Vorhöhen. Weitere 278 l/s kommen von der Wollmar – ebenfalls aus den Vorhöhen.

Beide erwähnten Flüsse tragen zur Flusshochzeit mit der Wetschaft je mehr Wasser bei als diese selber, wobei die Wollmar teilweise auch aus dem Burgwald gespeist wird (siehe Tabelle). Addiert man die Abflüsse der Zuflüsse des Wetschaft-Unterlaufes plus den aufgeführten Wollmar-Nebenfluss hinzu, kommt man bereits auf etwa 500 l/s. Damit bleibt die Wetschaft der mit Abstand am meisten Wasser aus dem Burgwald führende Fluss.

(**) Der Lengelbach ist insgesamt 11,4 km lang, besitzt ein Einzugsgebiet von 25,8 km² und führt 210 l/s. Jedoch verlässt er bereits kurz nach seiner Quelle den „eigentlichen“ Burgwald.

Geologie[Bearbeiten]

Der Burgwald besteht aus Buntsandstein. Im Erdzeitalter Trias vor ca. 220 Millionen Jahren lagerten sich Sedimente aus dem Rheinischen Schiefergebirge in das südlich davon gelegene Germanische Becken ab. Es entstand eine Schichttafel, die in mehrere Stücke zerbrach, als das Gebiet im Tertiär wieder angehoben wurde. Diese Stücke wurden dann zu den Bergen und Hügeln des heutigen Burgwaldes.

In seinen westlichen bis nordöstlichen Randsenken Wetschaft-Senke, Frankenberger Oberland und Buntstruth ist der Burgwald von einem Zechsteingürtel umgeben, der den Buntsandstein von den Schiefergesteinen des Ostsauerländer Gebirgsrandes und des Kellerwaldes abtrennt; die Grenztäler von Wetschaft, Ohm und Wohra in der Südhälfte sind stark lösshaltig.[6]

Klima[Bearbeiten]

Im Burgwald ist es deutlich kälter als in den umliegenden Gegenden. Er liegt im Windschatten des Rothaargebirges, das mit Höhen bis 800 Meter einen Teil der milden Westwinde abfängt. Insbesondere in der zentralen Mulde, den Franzosenwiesen, entsteht in vielen Nächten ein Kaltluftsee. Denn die dort vorhandenen Torfmoose verdunsten große Mengen an Flüssigkeit (bis zu 20 Mal so viel wie eine gleich große Wasserfläche), was eine gewisse Verdunstungskälte bewirkt. Die gegen Abend absinkende sich abkühlende Luft fließt durch die zuführenden Täler in den zentralen Kessel. In Kombination mit der vor Ort abgekühlten Luft (äußert sich auch durch eine hohe Nebelhäufigkeit) entstehen Kaltluftseen, die über Nacht erhalten bleiben. Diese Phänomene sind zum Beispiel auch aus dem Bayerischen Wald bekannt.

In den umliegenden Dörfern kommen häufig Spät- oder Frühfröste vor. Langzeitmessungen der Universität Marburg auf den Franzosenwiesen ergaben, dass es in jedem Monat des Jahres zu Nachtfrösten gekommen ist. Im Sommer kann der Temperaturunterschied im Tagesverlauf bis zu 30 Grad Celsius betragen.

Die durchschnittlichen Jahresniederschläge liegen bei 700 mm und damit deutlich unter den Niederschlagssummen der angrenzenden Mittelgebirge, da sich der Burgwald im Regenschatten des Rothaargebirges befindet. Auf den Franzosenwiesen werden nur 535 mm erreicht.

Insgesamt ist das Klima des Burgwalds mit seinen relativ geringen Niederschlägen und größeren Temperaturgegensätzen deutlich kontinentaler als das der umliegenden Regionen, mikroklimatisch aber durch hohe Luftfeuchtigkeit in Bodennähe auch sehr atlantisch getönt. Diese Kombination ermöglicht Pflanzen- und Tierarten aus sehr unterschiedlich getönten Klimaten das Überleben.

Namensbedeutung[Bearbeiten]

Die Bedeutung und Herkunft des Namens Burgwald ist unbekannt. Nach einer Theorie leitet sich der Name von den zahlreich vor- und frühgeschichtlichen Burgen wie dem Christenberg ab. Möglicherweise war die ursprüngliche Bedeutung auch einfach „Bergwald“.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Christenberg

Die bisher frühesten Spuren menschlicher Tätigkeit im Burgwald sind altsteinzeitliche Werkzeuge wie Steinklingen und Schaber zur Fleischbearbeitung, die bei Willershausen gefunden wurden. Bei Bracht wurde eine bandkeramische Siedlung aus der Zeit von 4500 v. Chr. entdeckt. Damals gab es im Burgwald große Bestände an lichten Traubeneichenwäldern, die mit Hänge-Birke, Gemeiner Hasel, Weiden, Espen und Kiefern durchsetzt waren. Seit ca. 1800 v. Chr. wurden die Eichen aus klimatischen Gründen zurückgedrängt und die Buche begann den Waldbestand zu dominieren. Aus dieser Zeit sind einige Hügelgräber erhalten.

In der Eisenzeit wurde das westlich vom Burgwald gelegene Tal der Wetschaft zwischen 750 und 300 v. Chr. von den Kelten besiedelt. Der Christenberg (Kesterburg) war ein keltischer Fürstensitz und Fliehburg zugleich. Diese keltische Burg wurde durch einen Brand zerstört. Etwa in der zweiten Hälfte des 1. Jhdts. v. Chr. drangen wahrscheinlich versprengte Teile germanischer Stämme in die Burgwaldregion vor, die sich dann mit anderen Gruppen zum Stamm der Chatten verbanden.

Seit dem Jahr 469 n. Chr. gehörten die Chatten zum Reich der Franken und im 7. Jahrhundert wurde auf dem Christenberg eine neue karolingische Festungsanlage gegen die Sachsen errichtet. Nach dem Ende der Sachsenkriege war der Christenberg hauptsächlich als kirchliches Zentrum von Bedeutung.

Zahlreiche mittelalterliche Siedlungsversuche im inneren Burgwald scheiterten v. a. am ungünstigen Klima und den armen Böden. Der Wald war zunächst ein königlicher Forst und gelangte im Mittelalter in den Besitz der Landgrafen von Hessen. Er wurde aber auch von den Bauern der umliegenden Dörfer intensiv genutzt. Insbesondere wurden Rinder, Schafe und Schweine zur Mast in den Wald getrieben. Es entstanden sogenannte Hutewälder mit großen, weit voneinander entfernt stehenden Bäumen, insbesondere Eichen und Buchen. Zudem wurde auch massiv Holz eingeschlagen unter anderem für die Frankenberger Silber- und Kupferminen. Dies hatte zur Folge, dass etwa um 1800 im Burgwald nur noch sehr wenige Bäume vorhanden waren.[8]

Seit 1464 besaß die Landgrafen von Hessen das alleinige Jagdrecht im Burgwald. Das Jagdschloss Wolkersdorf wurde zwischen 1481 und 1484 und das Jagdschloss Bracht 1744 erbaut. Beide wurden durch den sogenannte Herrenweg mitten durch den Burgwald verbunden. In diesen Jahren wird auch von heftigen Konflikten um das Jagdrecht berichtet. Im Jahr 1533 ließ der Landgraf Philipp eine größere Anzahl von Bürgern aus Rosenthal wegen Wilderei verhaften. Ihnen gelang jedoch der Ausbruch aus dem Gefängnis. Am 23. Juni 1623 wurde der Förster Hans Glas im Burgwald von Wilderern erschossen, am 28. Juni 1676 starb Oberförster Hans Roß in einem Feuergefecht mit Wilderern. Die Landgrafen jagten hauptsächlich Wildschweine, im 18. Jahrhundert hatte sich aber das Rotwild aufgrund von Fütterungen so stark vermehrt, dass Landgraf Wilhelm VIII. im September 1772 in 6 Jagden über 450 Stück erlegte. Zur Zeit des Königreichs Westphalen nutzte auch König Jérôme Bonaparte das Jagdschloss Wolkersdorf.

Im 19. Jahrhundert wurde der Burgwald intensiv mit Fichten, Kiefern und Weißtannen aufgeforstet. Seit dieser Zeit dominieren Nadelbäume im bisher reinen Laubwaldgebiet. Insbesondere die Fichten mit ihren flachen Wurzeln führten zu einer Regeneration des stark degradierten Bodens und wuchsen zudem auch noch sehr schnell.

Gegenwärtig wird der Laubwaldanteil im Burgwald wieder erhöht.

Franzosenwiesen[Bearbeiten]

Die Franzosenwiesen
Moorkomplex an den Franzosenwiesen

Die Franzosenwiesen liegen in einer Senke mitten im Burgwald. Sie bestehen aus einem ökologisch wertvollen Komplex von Mooren, Feuchtwiesen, Stillgewässern und Auenwäldern. Sie werden in West-Ost-Richtung vom Roten Wasser, einem nördlichen Nebenfluss der Ohm, durchflossen. Das Gebiet steht unter Naturschutz und ist Bestandteil des länderübergreifenden Schutzgebietsystems Natura 2000.

Bis zum 18. Jahrhundert war das damals als die „Brücher“ bezeichnete Gebiet ein Moor. Im Jahr 1725 überließ Landgraf Karl es hugenottischen Siedlern aus Schwabendorf zur Nutzung. Im westlichen Teil der seitdem so genannten Franzosenwiesen ist das Moor erhalten geblieben. Der östliche Teil wurde entwässert und als Heuwiese genutzt. Die Hugenotten waren verpflichtet, von dem geernteten Heu alle dort stehenden Scheunen zur Wildfütterung aufzufüllen, nur das übrig gebliebene Heu und Moos durften sie nach Schwabendorf mitnehmen.

Als Folge der Aufhebung der feudalen Vorrechte in der Landgrafschaft Hessen-Kassel werden die Franzosenwiesen ab 1848 Allodialbesitz der Schwabendorfer Landwirte.

Ab dem Jahr 1898 begannen die Bauern, ihre Grundstücke an den preußischen Forstfiskus zu verkaufen. Diese wurden teilweise mit Nadelbäumen aufgeforstet.

Im Jahr 1985 gehörten von den 65 Grundstücken 45 der Forstverwaltung und die restlichen 20 Privatpersonen. Zwei Jahre später, 1987 wurden die Franzosenwiesen unter Naturschutz gestellt.

Es ist geplant, die Nadelgehölze zu entfernen und die Entwässerungsgräben zu verschließen. Dadurch sollen sich die Feuchtwiesen in Richtung Übergangs- bzw. Schwingrasenmoor entwickeln. Die restlichen Privatflächen sollen angepachtet bzw. gekauft werden.[9] [10]

Naturschutz[Bearbeiten]

Das Hungertal mit gleichnamigen Naturschutzgebiet
Parzellen auf den Franzosenwiesen mit privaten Fichtenforsten

Die besondere Schutzwürdigkeit des Burgwaldes zeigte sich schon sehr früh durch die Nachweise seltener Tier- und Pflanzenarten. Gerd Hoyer wies 1966 den Rauhfußkauz nach, bald darauf wurden weitere seltene Vogelarten festgestellt. Seit Ende der 1950er Jahre wurde der Burgwald auch botanisch und bryologisch untersucht und vor allem Dr. Kurt Kellner konnte viele Besonderheiten nachweisen, zum Beispiel Sphagnum imbricatum.

Anfang der 1970er Jahre wurde die Trasse der Bundesautobahn 4 mitten durch den Burgwald geplant und eine Wasserentnahme im großen Stile wurde diskutiert. Durch diese akut drohende Gefahr begann sich Widerstand zu organisieren und 1977 wurde die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ e. V. gegründet. Diese setzte sich in Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzverbänden wie NABU und HGON für den Erhalt des Burgwaldes ein.

Im weiteren Verlauf war die Unterschutzstellung besonders wertvoller Lebensräume prioritär, aber auch deren Untersuchung wurde forciert. Im Laufe der Zeit wurden zehn Naturschutzgebiete ausgewiesen, die als FFH-Gebiet ins Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen wurden. Der Kern des Burgwaldes wurde als Vogelschutzgebiet in dieses Schutzgebietsnetz aufgenommen.

Aktuell gelten die Bestrebungen der Naturschutzverbände zum einen der wieder neu in der öffentlichen Diskussion aufgekommenen A4 zum anderen eigenen Renaturierungsprojekten und der aktiven Kommunikation mit Landnutzern, vor allem der Forstverwaltung. Durch Umstellen auf naturgemäßen Waldbau und das große Interesse der Zuständigen vor Ort an den Belangen des Naturschutzes ist gute Zusammenarbeit möglich und wird aktiv durchgeführt.

Ein Problem ist allerdings, dass einige Landwirte, denen Grundstücke im NSG Franzosenwiesen gehören, diese nach wie vor nicht an das Land Hessen verkaufen wollen. Auf ihnen stehen immer noch Fichtenforste, die im Hochmoorgebiet wie ein Fremdkörper wirken. Deshalb kann auch die Wiedervernässung der östlichen Franzosenwiesen nicht in Angriff genommen werden.

Baum-Veteranen[Bearbeiten]

Gerichtseiche am Galgenberg bei Rosenthal
Mindestens 700-jährige Sommerlinde in Himmelsberg

Im Burgwald gibt es zahlreiche mehrere hundert Jahre alte Bäume. Meistens handelt es sich dabei um Eichen.

So findet sich beim Forsthaus am Hirschberg ein Bestand von 13 sogenannten Hute-Eichen, die, in großräumigen Abständen gepflanzt, einst der Schweinemast dienten, von denen das markanteste Exemplar 8 m Stammumfang misst.

Anderswo finden sich an vielen Stellen im Inneren des Waldes alte Eichen.

In der Rodung von Rosenthal schließlich steht in markanter Höhe die Gerichtseiche am Galgenberg (über 7 m Stammumfang), deren Name bereits andeutet, dass Gerichte nicht nur tagten, sondern auch vollzogen wurden.

Der mit Abstand markanteste und älteste Baum (mindestens 700 Jahre, 9 m Stammumfang) indes ist eine Sommerlinde und steht mitten im Dorf Himmelsberg im äußersten Südlichen Burgwald.

Berge[Bearbeiten]

Aussichtsgerüst auf dem Knebelsrod
Der Südwestrand des Burgwaldes bei Oberrosphe

Diese Liste enthält eine Auswahl von Bergen und Bergkuppen des Burgwalds – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN), wenn nicht anders genannt in der Regel laut BFN[1]:

  • Knebelsrod (443,1 m), Norden, südöstlich von Friedrichshausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Todtenhöhe (424,1 m), Norden, nordöstlich von Willersdorf, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Heukopf (420,8 m), Norden, nordöstlich von Willersdorf, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Wasserberg (412,2 m), im Westen, südöstlich von Rosenthal-Roda, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Tauschenberg (406,7 m), im Süden, nordwestlich von Bracht, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Geiersköpfe (405,2 m), im Südwesten, nordnordöstlich von Mellnau, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Schönelsberger Kopf (401 m), im Westen, nordöstlich von Rosenthal-Roda, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Gerhardsberg (398,7 m), Westrand, östlich von Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Pfaffenkopf (391,6 m), Nordwesten, südöstlich von Burgwald (Industriehof), Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Hohehardt (ca. 391 m), im Nordwesten, südöstlich von Rosenthal-Roda, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Christenberg (387,4 m), Westrand, östlich von Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Stirnhelle (387,5 m), Südwesten, östlich von Oberrosphe, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Finsterkopf (386,2 m), im Nordwesten, nordöstlich von Burgwald (Industriehof), Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Sattelkopf (383,7 m), Südwesten, östlich von Mellnau, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Himmelsberg (ca. 381 m), äußerster (Nord-)Westen, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Alter Rauschenberg (376 m), Süden, südsüdwestlich von Rauschenberg-Schwabendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Großer Hirschberg (361,3 m), Süden, südlich von Bracht, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Galgenberg (358 m), Osten, nördlich von Wohra, Landkreis Waldeck-Frankenberg
  • Hauptkopf (357,1 m), im südöstlich gelegenen Mönchwald, bei Rauschenberg-Albshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Auf dem Siegel (ca. 344 m), Süden, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Söhler (ca. 338 m), Südosten, südwestlich von Wohratal-Langendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Kainsberg (324,3 m), westlich des Burgwalds, bei Münchhausen-Wollmar, Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Eibenhardt (301,5 m), südlichster Berg des Burgwalds (an Nahtstelle zu Lahnbergen), nordöstlich von Cölbe, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Boucsein: Der Burgwald. Elwert, Marburg 1955.
  •  Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) (Hrsg.): Naturschutz- und Entwicklungskonzeption Burgwald. Wohratal 1996 (kein ISBN, kann für 12,80 Euro bei der HGON gekauft werden).
  •  Karl Junk, Heiner Salz: Steinmale im Burgwald. Geschichte und Geschichtchen von 52 Steinmalen im Burgwald. Burgwald-Verlag, Cölbe-Schönstadt 2003, ISBN 3-936291-19-5.
  •  Gerhard Wagner, Eva Merz, Ursula Mothes-Wagner, HGON (Hrsg.): Der Burgwald. Wohratal 1995 (Broschüre ohne ISBN).
  •  Günther Wilmink, Annette Schmidt, Anne Archinal, Lothar Feisel: Faszination Burgwald. Eigenverlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-00-035842-5.

Allgemeine Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burgwald – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Burgwald (Gebirge) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 111 Arolsen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  3. Gerhard Sandner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1960. → Online-Karte (PDF; 4,9 MB)
  4. Karte und Legende zu den Naturräumen Hessens (Online-Kopie von Die Naturräume Hessens, Otto Klausing 1988) im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie
  5. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  6. LAGIS: Geologische Karte Hessens
  7. vgl. Wagner u. a., S. 4.
  8. vgl. Wagner u. a., S. 12ff
  9. Geschichte der Franzosenwiesen
  10. Hessisches Umweltministerium über Planung Franzosenwiesen