Burlesque

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Dieser Artikel behandelt die historische Gattung des Unterhaltungstheaters. Für den gleichnamigen Film siehe Burlesque (Film). Für die heutige Form siehe New Burlesque.
Plakat für eine Burlesque-Show (1898)

Burlesque nannte sich eine Gattung des US-amerikanischen Unterhaltungstheaters hauptsächlich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die dem American Vaudeville nahestand, aber als zentrale Attraktion den Striptease präsentierte.

Die Künstlerinnen entkleideten sich nicht vollständig, sondern entledigten sich nur gewisser Kleidungsstücke. Das Ausziehen von Handschuhen konnte dabei zur erotischen Attraktion werden. Als der Striptease nach 1930 zum wirklichen Ausziehen wurde, löste sich die Verbindung von Moderation, Tanz, Gesang und angedeutetem Striptease auf.

Etymologie[Bearbeiten]

Unter Burlesque verstand man ursprünglich eine humorvolle theatralische Darstellung mit parodierenden und grotesken Elementen. Der Name Burlesque stammt vom italienischen Wort burla für „Schabernack“, welches wiederum vom lateinischen Wort burra für „Lappalie“ abstammt. Im spanischen Theater des Siglo de Oro gab es eine Comedia burlesca, Varianten der Burleske gab es überall in Europa seit dem 17. Jahrhundert.

Britische Ursprünge[Bearbeiten]

Die Bedeutungsverschiebung von der Burleske im Sinn eines grob-komischen Theaterstücks zur Burlesque als erotisch aufreizender Show erfolgte im 19. Jahrhundert in London. (Eine parallele Bedeutungsverschiebung ergab sich vom französischen Vaudeville als leichter Komödie zum American Vaudeville als Reihung artistischer Nummern.)

Burlesque Show nannte sich zunächst eine britische Version der Pantomime, etwa bei James Planché. Im Viktorianischen Zeitalter wurde diese Burlesque zum Symbol für eine Populärkultur der Arbeiter, die sich mit kalkulierter Grobheit gegen die aristokratische Hochkultur richtete. Die Verbindung mit Revue-Elementen gab diesen Veranstaltungen etwa seit der Jahrhundertmitte eine erotische Konnotation.

US-Burlesque[Bearbeiten]

Gypsy Rose Lee wurde für ihre Burlesque Shows berühmt

Anfänge[Bearbeiten]

Den Ursprung hatte die US-Burlesque in Gastspielen britischer und französischer Travestie-Shows seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo Frauen in Hosen auftraten (was aufreizend wirkte, weil Frauen im Alltag noch nahezu ausschließlich mit langen Röcken bekleidet waren, vgl. Hosenrolle). Die Tänzerin Lydia Thompson brillierte mit Trikot und kurzen Röcken in der Burlesque. Ab 1868 wurde sie in New York City zum gefeierten Star.

Die moderne Burlesque als Bühnenshow entstand unter dem Einfluss der großen Pariser Varietétheater wie Moulin Rouge und Folies Bergère, die von den Ziegfeld Follies imitiert wurden, am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Burlesque griff Motive aus den Sideshows der Zirkusse auf und entwickelte sich zu einer eigenständigen Gattung des Unterhaltungstheaters, als die Beliebtheit des US-Vaudevilles Ende der 1920er-Jahre schwand.

Popularität erlangte die Burlesque als preiswertes erotisches Entertainment durch jene Wanderzirkusse, die den angedeuteten Striptease, der mit frechen Sprüchen garniert wurde, als Rahmenprogramm in ihren Sideshows („Carny-Shows“) anboten. Diese Shows zielten auf ein einfaches Publikum und boten keine in sich geschlossene Handlung, lediglich ein hübsches Mädchen, das sich auszog, sowie etwas Glamour und Amüsement. Ein wichtiges Element der Burlesque waren Einlagen bekannter Komiker, während die akrobatischen Nummern, die im Stummfilm übertroffen wurden, an Bedeutung verloren.

Minsky’s Burlesque[Bearbeiten]

Ihre Glanzzeit erlebte die Burlesque als eigenständiges Genre in den Jahren vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die New Yorker Burlesque Show ist eng mit dem Namen der Brüder Abe, Billy und Herbert Minsky verbunden (Minsky's Burlesque), die 1912–1937 eine Reihe von Unterhaltungs-Etablissements hauptsächlich für ein Publikum von Einwanderern aus bescheidenen Verhältnissen führten. Seit 1931 unterhielten sie sogar eine Spielstätte am Broadway (siehe New Victory Theatre). Der Kinofilm Die Nacht, als Minsky aufflog (The Night They Raided Minsky's, 1968) mit Jason Robards über die angebliche Erfindung des Striptease im Jahr 1925 vermittelt einen Eindruck der alten Burlesque-Show.

Eine der bekanntesten amerikanischen Burlesque-Artistinnen war Gypsy Rose Lee, die den Striptease mit gebildetem Smalltalk verband (vgl. den Song „Zip“ aus dem Musical Pal Joey, 1940). Jule Styne und Stephen Sondheim porträtierten sie 1959 in dem Musical Gypsy.

Zu den Komikern in der Burlesque gehörten W. C. Fields, Phil Silvers oder Abbott und Costello.

Nachklang und Wiederbelebung[Bearbeiten]

Lili St. Cyr in der späteren Zeit.

Die Burlesque existierte danach in unterschiedlichen Formen weiter und versuchte sich an modernere Erscheinungen wie die Pin-up-Kultur der 1950er-Jahre anzupassen. In dieser Zeit waren Darstellerinnen wie Betty Page oder Lili St. Cyr in Darbietungen zu sehen, die sich Burlesque nannten. Mit dem Beginn der sexuellen Revolution ab den 1960er-Jahren – einerseits durch die verstärkte Verbreitung von Pornographie und andererseits durch die Frauenbewegung – hatte sich das Genre überlebt. Seit den 1990er-Jahren versuchen verschiedene amerikanische Theatertruppen, die Burlesque unter dem Motto Neo-Burlesque oder New Burlesque wiederzubeleben. Aktuell ist Dita Von Teese eine bekannte Burlesque-Tänzerin.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Robert C. Allen, Alan Trachtenberg: Horrible Prettiness: Burlesque and American Culture. Cultural Studies of the United States. University of North Carolina Press, Chapel Hill / London 1991, ISBN 978-0807843161.
  •  Liz Goldwyn: Pretty Things: The Last Generation of American Burlesque Queens: The Last Golden Generation of American Burlesque Queens. 1. Auflage. Collins Design, 2006, ISBN 978-0060889449.
  •  Dita von Teese: Die Kunst der Burlesque - Die Kunst des Fetisch. 3. Auflage. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2007 (Originaltitel: Burlesque and the art of Teese, übersetzt von Madeleine Lampe), ISBN 978-3-89602-752-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burlesque – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien