Burt Bacharach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burt Bacharach (2008)

Burt Bacharach [/bɝt-ˈbæ.kə.ˌɹæk/] (* 12. Mai 1928 in Kansas City, Missouri) ist ein US-amerikanischer Pianist und Komponist. Seit 1957 gehört er zu den erfolgreichsten Komponisten Amerikas, rund 130 seiner Werke haben die Single-Charts seiner Heimat erreicht.[1] Ein Großteil seiner Lieder entstand in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Texter Hal David und im Anschluss daran mit Carole Bayer Sager. Besonders erfolgreich waren die mit David in den 1960er und 1970er Jahren verfassten Songs für Dionne Warwick.[2] Für seine Leistungen erhielt Bacharach so gut wie alle wichtigen Preise der Entertainmentindustrie, darunter mehrere Grammys, Oscars und Golden Globes.

Karriere[Bearbeiten]

Bacharach wurde 1928 als Sohn eines Journalisten und einer Musiklehrerin in Kansas City geboren und wuchs in New York auf. Er studierte Musik unter anderem an der McGill-Universität und am Mannes-Konservatorium, u.a. bei dem Komponisten Darius Milhaud.[3] 1947 schrieb er einen ersten Song für den Bandleader Sammy Kaye.

Ab Mitte der 50er Jahre bis 1961 tourte er als Pianist, Arrangeur und später auch Bandleader mit Marlene Dietrich. Nebenbei schrieb er auch schon erste Hits für verschiedene Interpreten, etwa Perry Como (Magic Moments, 1958). Damit begann auch seine langjährige Zusammenarbeit mit Texter Hal David (1921–2012). Die beiden lernten sich 1957 in den Brill-Building-Büros der Paramount kennen und hatten im gleichen Jahr einen ersten Hit mit The Story of My Life.[4]

1961 begann seine eigentliche Karriere als Komponist; er entdeckte auch die Sängerin Dionne Warwick, mit der ihn und Hal David eine langjährige Partnerschaft verband. Bis in die 1970er wurde Bacharach sehr bekannt und populär als Komponist und Produzent sanft arrangierter Popmusik, die damals von vielen Kritikern als Easy Listening verschrien war. Besonders mit dem Texter Hal David, aber auch mit Kollegen wie Bob Hilliard und Neil Diamond (Heartlight) schrieb er eine große Anzahl weltweit erfolgreicher Hits, wie Walk on By, Make It Easy on Yourself (für Warwick), I Never Fall in Love Again (für Jill O’Hara in dem Musical Promises, Promises, 1968) oder This Guy's in Love with You. Insgesamt komponierte Bacharach 60 US-„Top-Forty“-Hits.[5]

Für seinen Soundtrack (Raindrops Keep Fallin’ on My Head) zu dem Film Zwei Banditen erhielt er den Oscar. Einen Bruch erlebte seine Karriere kurz darauf in den frühen 1970er-Jahren, als der Film Lost Horizon, für den er mit Hal David und Dionne Warwick die Musik geschrieben hatte, an der Kinokasse floppte und er sich mit seinen Partnern zerstritt.[6]

Im Jahr 1993 kam es zu einer erneuten Zusammenarbeit von Bacharach, David und Warwick für das Album Friends Can Be Lovers, schließlich noch einmal 1999 für die Filmbiographie von Jacqueline Susann, Isn’t She Great?, für den sie den Song On My Way beisteuerten. Bacharachs letzter großer Erfolg war das Album Painted from Memory, das in Zusammenarbeit mit Elvis Costello 1999 entstand, sowie im gleichen Jahr der Song Walkin’ Tall mit dem Text von Tim Rice.

Bacharach hatte einige Cameo-Auftritte in Hollywood-Filmen, zum Beispiel in allen drei Austin-Powers-Filmen oder in der Serie Nip/Tuck.

Seine Musik[Bearbeiten]

Zu den bekanntesten Interpreten seiner Musik zählen Dionne Warwick, Marlene Dietrich, Connie Francis, Aretha Franklin, Luther Vandross, Jack Jones, Tom Jones, The Carpenters, Sérgio Mendes, Elvis Costello, Neil Diamond, Frank Sinatra und Dusty Springfield. 2007/08 hat Trijntje Oosterhuis (Traincha) zwei Alben mit Neuinterpretationen teilweise zusammen mit Bacharach aufgenommen. Seine Musik wird für die eingängigen Melodien und den eigenen Sound von vielen Kollegen - wie Brian Wilson, Frank Zappa, John Zorn und Noel Gallagher gelobt, der durch gezielten Einsatz von Klavier, Oboe und Streichern entsteht. Bacharach selbst sagt, dass seine Musik stark von Maurice Ravels Werk Daphnis und Chloe beeinflusst sei; daher rühre sein Gespür für üppige Instrumentierungen und den Einsatz im Pop unüblicher Instrumente wie Glockenspiel und Triangel, wie bei "You'll Never Got to Heaven", Vibraphon bei "Make It Easy on Yourself". Seine Arbeiten für Dionne Warwick fußen auf Gospel und Rhythm and Blues; Titel wie "I'll Never Fall in Love Again" und "Paper Mache" verströmen die luftig-leicht Atmosphäre des Bossa Nova.[7]

Bacharachs Songs sprengen die Erwartungen von dem, was ein Popsong sein sollte. Komplexe Harmonien und Akkordwechsel mit unerwarteten Wendungen und Modulationen, unübliche Tempi- und Rhythmus-Verschiebungen, in einer Vielzahl von Takten ... aber bei ihm hört sich das Ganze so natürlich an, dass du es nicht mehr aus deinem Kopf herauskriegst und nicht aufhörst, es zu pfeifen. (...) Das ist mehr als einfache Popsongs; da gibt es tiefschürfende Erforschungen des Musikmaterials, welches mit der gleichen Sorgfalt und Geduld studiert und bewahrt werden sollte wie manch andere großen Kunstwerke.

John Zorn [8]

Privatleben[Bearbeiten]

Burt Bacharach war viermal verheiratet, mit Paula Stewart, der Schauspielerin Angie Dickinson, der Songtexterin Carole Bayer Sager, mit der zusammen er einige Stücke schrieb, und gegenwärtig mit Jane Hanson. Er hat vier Kinder. Nebenbei betreibt er seit Anfang der 1970er auch eine eigene Pferdezucht (Vollblüter). Nikki, das einzige gemeinsame Kind von Burt Bacharach und Schauspielerin Angie Dickinson, nahm sich 2007 im Alter von 40 Jahren das Leben. Sie litt am Asperger-Syndrom.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Außer dem erwähnten Oscar erhielt er im Jahr 2001 den inoffiziellen Nobelpreis für Musik, den Polar Music Prize, zusammen mit Karlheinz Stockhausen und Robert Moog. Ende 2005 veröffentlichte er nach etlichen Jahren Pause noch einmal ein Solo-Album (wobei auch teilweise Chris Botti, Elvis Costello und Rufus Wainwright mitwirkten), „At This Time“, eine wütende Abrechnung mit der amerikanischen Regierungspolitik der letzten Jahre – wieder verpackt in seinem typischen Sound und ausgezeichnet mit einem Grammy. Am 10. Februar 2008 wurde Burt Bacharach mit dem Lifetime Achievement Award geehrt, der sein Lebenswerk als Musiker und Songwriter in besonderer Weise würdigt.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Bacharach findet seinen Ursprung im deutschen Städtchen Bacharach (auch unter Bacharach am Rhein bekannt) im Mittelrheintal im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Er verweist auf die deutsch-jüdischen Wurzeln der Familie Burt Bacharachs.[9]

Werke[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

Filmmusiken[Bearbeiten]

Musical[Bearbeiten]

Bekannte Hits[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ken Bloom: The American Songbook - The Singers, the Songwriters, and the Songs - 100 Years of American Popular Music - The Stories of the Creators and Performers. New York City, Black Dog & Leventhal, 2005
  • Holger Liebs: Mach's dir leicht, auch wenn's schwer ist. Zu komplex für Easy Listening: Burt Bacharach, der den Melancholie-Soundtrack unseres Lebens schuf, wird achtzig. Süddeutsche Zeitung Nr. 109 vom 12. Mai 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burt Bacharach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausführliche Liste seiner Hits, musicvf.com, abgerufen am 17. August 2013
  2. Die Stimme, der Aal und das Buddelschiff: Dionne Warwick im Interview, Neue Musikzeiting, 25. November 2009, abgerufen am 17. August 2013
  3. H. Liebs zufolge verdankt sich diese gewisse "Burtness" seiner quecksilbrigen Schmelzkaskaden, deren vertrackte Tiefenstrukturen wie Kontrastverstärker wirken, dem Beispiel der polytonalen und polyrhythmischen Kompositione Milhauds.
  4. vgl. Bloom, S. 184.
  5. Viele davon mehrfach, erscheinen sie doch immer wieder in neuen Coverversionen. So existieren zum Beispiel alleine von (They Long to Be) Close to You mittlerweile (2005) über 300 Versionen auf Tonträger.
  6. zit. nach Holger Liebs
  7. Holger Liebs in SZ Nr. 109, vom 12. 5. o8
  8. Ken Bloom: The American Songbook - The Singers, the Songwriters, and the Songs - 100 Years of American Popular Music - The Stories of the Creators and Performers. New York City, Black Dog & Leventhal, 2005
  9. Burt Bacharach: Die Stimme Hollywoods, stern.de, Interview vom 12. August 2008, abgerufen am 17. August 2013