Buruli-Ulkus

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Klassifikation nach ICD-10
A31.1 Infektion der Haut durch sonstige Mykobakterien
Infektion durch Mycobacterium ulcerans [Buruli-Ulkus]
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das Buruli-Ulkus (Ulcus tropicum) ist eine in den Tropen verbreitete infektiöse Erkrankung der Haut und Weichteile mit Bildung zum Teil ausgedehnter Geschwüre. Erreger ist das atypische Mykobakterium (MOTT) Mycobacterium ulcerans, das mit den Erregern von Tuberkulose und Lepra verwandt ist.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Verbreitet ist die Erkrankung in vielen Ländern West-, Zentral- und Ostafrikas, kommt aber auch in Südasien, Lateinamerika und Australien vor. Häufig ist die ländliche Bevölkerung in der Nähe von Gewässern oder Sumpfland betroffen. Beispielsweise lag die Prävalenz in mehreren ländlichen Regionen der Demokratischen Republik Kongo zwischen 0 und 27,5 pro 1000.[1]

Die Übertragungsmechanismen sind nicht völlig geklärt. Möglich scheint die Übertragung durch bestimmte Mückenarten.

Klinik[Bearbeiten]

In den meisten Fällen sind die Extremitäten betroffen, bei Kindern können die Ulzerationen überall vorkommen. Aus einer papelartigen bis knotigen Hautschwellung heraus entwickelt sich das Geschwür, das erhebliche Ausdehnung annehmen kann. Verhängnisvoll ist, dass die Läsion schmerzlos ist und daher oft erst sehr spät einem Arzt vorgestellt wird. Nach Monaten bis Jahren heilt sie gelegentlich von selbst aus, allerdings kann es auch zu schweren Verstümmelungen, narbigen Kontrakturen oder Lymphödemen kommen.

Diagnose und Behandlung[Bearbeiten]

Buruli-Ulkus an der Hand eines peruanischen Patienten. A) zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. B) Der Ulkus vier Wochen später. C) Chirurgisches Débridement, fünfeinhalb Wochen nach Diagnosestellung. D) Verheilte Wunde fünf Monate nach A und ein Monat nach autologer Hauttransplantation

In Endemiegebieten wird die Diagnose in der Regel klinisch unterstützend durch die Mikroskopie aus Wundabstrichen oder Feinnadelaspiraten auf säurefeste Stäbchenbakterien nach Ziehl-Neelsen als first-line Test im Feld gestellt. Die histopathologische Untersuchung exzidierten Gewebes oder von 3 mm Stanzbiopsien stellt eine hochsensitive und spezifische Methode dar, ist jedoch in Endemiegebieten meist nicht verfügbar. Die labordiagnostische Nachweismethoden mit der höchsten Sensitivität und Spezifität stellt die PCR der repetitiven Insertionssequenz IS2404 des M. ulcerans Genoms dar, und ist als konventionelle PCR oder real-time PCR nur in nationalen Referenzlaboren verfügbar. Die kulturelle Anzüchtung des Bakteriums ist geprägt von einer niedrigen Sensitivität (40-70 %) und einer langen Inkubationszeit von mindestens 6 Wochen; somit ist diese Methode für die zeitnahe Diagnostik und Einleitung der Therapie ungeeignet, stellt jedoch derzeit die einzige Möglichkeit zum Viabilitätsnachweis der Erreger dar, welcher insbesondere bei Therapieversagern und Rezidiven für weitere Therapieentscheidungen notwendig ist.[2]


Die Therapie erfolgte bis 2004 weitgehend mittels chirurgischer Exzisionen, wobei Rezidivraten bis zu 30 % berichtet wurden, da die Mykobakterien weit bis ins makroskopisch gesund erscheinende Gewebe vordringen. Eine rein chirurgisch kurative Therapie ist vorwiegend bei prä-ulcerativen Formen der Erkrankung erfolgversprechend.[3] Seit 2004 empfiehlt die WHO eine standardisierte antimykobakterielle Therapie mit Rifampicin p.o. und Streptomycin i.m. über 8 Wochen, die derzeit als hocheffizient eingestuft wird. Seit Einführung dieses Therapieregimes werden Rezidivraten von unter 2 % berichtet. Antibiotikaresistenzen sind lediglich bei Monotherapie mit Rifampicin aus Ghana berichtet worden und stellen derzeit noch keinen limitierenden Faktor für eine erfolgreiche Chemotherapie dar.[4] Erste klinische Studien zur Anwendung eines rein oralen Therapieregimes mit Rifampicin und Clarithromycin zeigten erfolgversprechende Ergebnisse vorwiegend bei früh diagnostizierten Erkrankungsfällen.[5] [6]


Konsequentes Erhitzen der betroffenen Areale auf Temperaturen von 40 °C inaktiviert die Bakterien und wird derzeit im Feldversuch erprobt. In einer ersten Studie bekamen sechs Buruli-Patienten mehrere Wochen lang Verbände mit entsprechenden Paketen aufgelegt. Alle Geschwüre heilten, Rückfälle waren auch 18 Monaten nach Abschluss der Behandlung nicht zu beobachten. Jetzt sollen die Methode an einer größeren Zahl von Patienten weiter erprobt und die Funktionsmechanismen im Detail erforscht werden.[7]
Wie kürzlich Wissenschaftler feststellten, könnte die beobachtete heilende Wirkung bestimmter Illite (Tonmineralien) auf antibakterielle chemische Prozesse zurückzuführen sein und somit zukünftig kostengünstige Präparate ermöglichen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Delphin Mavinga Phanzu, Patrick Suykerbuyk u. a.: Burden of Mycobacterium ulcerans Disease (Buruli Ulcer) and the Underreporting Ratio in the Territory of Songololo, Democratic Republic of Congo. In: PLoS Neglected Tropical Diseases. 7, 2013, S. e2563, doi:10.1371/journal.pntd.0002563.
  2. M. Beissner, K. H. Herbinger, G. Bretzel: Laboratory diagnosis of Buruli ulcer disease. In: Future microbiology. Band 5, Nummer 3, März 2010, S. 363–370, ISSN 1746-0921. doi:10.2217/fmb.10.3. PMID 20210548. (Review).
  3. K. H. Herbinger, D. Brieske, J. Nitschke, V. Siegmund, W. Thompson, E. Klutse, N. Y. Awua-Boateng, E. Bruhl, L. Kunaa, M. Schunk, O. Adjei, T. Löscher, G. Bretzel: Excision of pre-ulcerative forms of Buruli ulcer disease: a curative treatment? In: Infection. Band 37, Nummer 1, Februar 2009, S. 20–25, ISSN 1439-0973. doi:10.1007/s15010-008-8073-4. PMID 19139811.
  4. M. Beissner, N. Y. Awua-Boateng, W. Thompson, W. A. Nienhuis, E. Klutse, P. Agbenorku, J. Nitschke, K. H. Herbinger, V. Siegmund, E. Fleischmann, O. Adjei, B. Fleischer, T. S. van der Werf, T. Loscher, G. Bretzel: A genotypic approach for detection, identification, and characterization of drug resistance in Mycobacterium ulcerans in clinical samples and isolates from Ghana. In: The American journal of tropical medicine and hygiene. Band 83, Nummer 5, November 2010, S. 1059–1065, ISSN 1476-1645. doi:10.4269/ajtmh.2010.10-0263. PMID 21036838. PMC 2963970 (freier Volltext).
  5. W. A. Nienhuis, Y. Stienstra, W. A. Thompson, P. C. Awuah, K. M. Abass, W. Tuah, N. Y. Awua-Boateng, E. O. Ampadu, V. Siegmund, J. P. Schouten, O. Adjei, G. Bretzel, T. S. van der Werf: Antimicrobial treatment for early, limited Mycobacterium ulcerans infection: a randomised controlled trial. In: Lancet. Band 375, Nummer 9715, Februar 2010, S. 664–672, ISSN 1474-547X. doi:10.1016/S0140-6736(09)61962-0. PMID 20137805.
  6. WHO: Buruli ulcer. Information, Education and Communication (IEC) materials. (online)
  7. Thomas Junghanss, Alphonse Um Boock, Moritz Vogel, Daniela Schuette, Helmut Weinlaeder, Gerd Pluschke, David J. Diemert: Phase Change Material for Thermotherapy of Buruli Ulcer: A Prospective Observational Single Centre Proof-of-Principle Trial. In: PLoS Neglected Tropical Diseases. 3, 2009, S. e380, doi:10.1371/journal.pntd.0000380.
  8. Lynda B. Williams, Shelley E. Haydel, Rossman F. Giese, Jr., Dennis D. Eberl: Chemical and Mineralogical Characteristics of French Green Clays Used for Healing. In: Clays and Clay Minerals. 56, 2008, S. 437–452, doi:10.1346/CCMN.2008.0560405.

Weblinks[Bearbeiten]

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