Burzum

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Burzum (Begriffsklärung) aufgeführt.
Burzum
Burzum2010.svg
Allgemeine Informationen
Genre(s) Black Metal (bis 1996), Ambient (ab 1997), Metal (ab 2010)
Gründung 1991
Website www.burzum.org
Gründungsmitglieder
Varg Vikernes
Gastmusiker
Tomas „Samoth“ Haugen
Øystein „Euronymous“ Aarseth (†)

Burzum ist ein Black-Metal- und Ambient-Projekt des Norwegers Varg Vikernes, der im Zusammenhang mit der Band zunächst das Pseudonym Count Grishnackh verwendete.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem Vikernes in den späten 1980er Jahren in den Bands Kalashnikov und Uruk-Hai gespielt und 1991 die Band Old Funeral verlassen hatte, entschloss er sich, im Alleingang Musik zu machen.[1] Der für sein Ein-Mann-Projekt verwandte Name Burzum entstammte, wie auch Uruk-Hai (nach der fiktiven Rasse der Uruk-hai), der Schwarzen Sprache J. R. R. Tolkiens (nachzulesen bei Der Herr der Ringe). Burzum bedeutet wörtlich ‚Dunkelheit‘ (Bûrz ‚dunkel‘ und Nominalisierungssuffix -um):

“The ‘darkness’ of the Christians was of course my ‘light’. So all in all it was natural for me to use the name Burzum.”

„Die ‚Dunkelheit‘ der Christen war natürlich mein ‚Licht‘. Daher war es selbstverständlich für mich, den Namen ‚Burzum‘ zu benutzen.“

Varg Vikernes: A Burzum Story: Part I – The Origin And Meaning[1]

Vikernes zufolge stand hinter der Band, deren Botschaft sich auf das Lied Feeble Screams from Forests Unknown beschränke, ein okkultes bzw. magisches Konzept[1]; auf dem Debüt etwa finden sich unter anderem Bezüge zum Cthulhu-Mythos und der sumerischen Mythologie.

Wenngleich Burzum ein Ein-Mann-Projekt war, waren bei den ersten beiden Veröffentlichungen auch Gastmusiker beteiligt; die Hintergrundgeräusche bei Dungeons of Darkness und Den onde kysten sowie das Gitarrensolo im an Bathory angelehnten[2] Lied War spielte der Mayhem-Gitarrist Øystein „Euronymous“ Aarseth, der das Debüt Burzum und die EP Aske auf seinem Label Deathlike Silence Productions veröffentlichte; auf dieser spielte Tomas „Samoth“ Haugen von Emperor Bass. Zwischenzeitlich plante Vikernes, eine Besetzung aufzustellen, um Konzerte geben zu können; als Schlagzeuger nannte er in einem Interview Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg (Mayhem, Arcturus),[3] in einem Artikel auf seiner offiziellen Seite erwähnt er, dass Erik Olivier „AiwarikiaR“ Lancelot (Ex-Valhall, Ex-Ulver) als Schlagzeuger vorgesehen war.[4]

Als Cover für Burzum-Alben dienten unter anderem ein Foto der niedergebrannten Fantoft-Stabkirche in Bergen (für die EP Aske, von Vikernes als „Rock-’n’-Roll-Album“ bezeichnet,[5] der ein Feuerzeug mit dem Cover als Aufdruck beilag[6]) und Bilder des norwegischen Malers Theodor Kittelsen. Das Artwork der ersten beiden Alben ist von einem AD&D-Modul inspiriert, das des dritten und vierten von skandinavischen Märchen.[1] Alle Alben bis 1996 wurden im selben Studio (Grieghallen) aufgenommen und von Eirik „Pytten“ Hundvin produziert. Das Album Hvis lyset tar oss widmete Vikernes Fenriz von Darkthrone und Demonaz von Immortal. Den Gesang auf Filosofem nahm Vikernes nach eigenen Angaben über das Mikrofon eines Headsets auf.[7][4]

1993 überlegte Vikernes, von Deathlike Silence Productions zu Earache Records zu wechseln. Er traf sich deshalb mit den Labelinhabern in England; im Laufe des Gesprächs gab er rassistische und rechtsextreme Äußerungen von sich, die die Labelinhaber zunächst als Versuch, „böse“ zu erscheinen, abtaten; nach seiner Rückreise entschieden diese sich allerdings gegen eine Zusammenarbeit, da die von ihm geäußerten Standpunkte mit dem Label inkompatibel waren.[8] Im selben Jahr ermordete Vikernes Aarseth. Eigens zur Veröffentlichung weiterer Burzum-Alben gründete Tiziana „Diamanda“ Stupia in Suffolk, England, das Label Misanthropy Records.

1994 wurde Vikernes wegen des Mordes an Aarseth, Brandstiftung an mehreren norwegischen Kirchen sowie des Besitzes von Sprengstoffen zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt und wandte sich immer mehr der rechtsextremen Szene zu. Für den sich vor allem in Osteuropa großer Beliebtheit erfreuenden neonazistischen Flügel des Black Metal, den „National Socialist Black Metal“ (NSBM), ist Vikernes zur Symbolfigur und Burzum zu einer Band mit Kultstatus geworden.[9][10] Bezüglich der Zuordnung Burzums zum NSBM streiten sich allerdings die Black-Metal-Szene und externe Berichterstattung: Diese stuft Burzum oftmals als NSBM-Band ein.[10][11][12][13][14] Von der Szene selbst wird das Projekt aber nicht zum NSBM gezählt, da offen rassistische Gesinnung oder politische Aussagen in den Texten nicht zu finden sind: Auch die Begleittexte zu den nach seiner Zuwendung zum Rechtsextremismus veröffentlichten instrumentalen Alben, die Themen der germanischen Mythologie aufgreifen, sind „nicht offen neonazistisch. Sie spiegeln vielmehr seinen heidnischen Glauben und handeln von Figuren aus norwegischen Volksmärchen und Sagen.“[15] Einen Bezug zur NS-Ideologie stellt dagegen das im Zusammenhang mit einem Befreiungsversuch durch eine Gruppe norwegischer Rechtsextremisten erschienene Burzum-T-Shirt mit einem SS-Totenkopf und dem Aufdruck „Support your local Einsatzkommando“ her.

2009 wurde Vikernes auf Bewährung entlassen. Er kündigte an, neun Titel für ein neues Burzum-Album mit dem Titel Den hvite guden (‚Der weiße Gott‘)[16] verfasst zu haben, das er 2010 veröffentlichen wolle[17]. Dieses solle unter anderem zwei unveröffentlichte Stücke aus der Frühzeit Burzums beinhalten.[16] Im Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung distanzierte Vikernes sich erneut von der heutigen Black-Metal-Szene, die in seinen Augen nichts mit Burzum oder der frühen norwegischen Szene zu tun habe.[18] Vikernes zufolge sei der Titel nicht rassistisch zu verstehen, sondern steht für Balder, der als „der weiße Gott“ bekannt sei, weil er eine solare Gottheit und wegen seines Aufenthalts im Totenreich bleich sei.[19] Nachdem ihm nach eigener Aussage unterstellt wurde, mit dem Titel rassistische Ideologien zu verherrlichen, benannte er das Album daraufhin in Belus um, welches der indoeuropäische Name für Balder sein soll.[20] Belus wurde am 8. März 2010 offiziell veröffentlicht. Für den 7. März 2011 wurde der Nachfolger Fallen angekündigt.[21] Außerdem kündigte Vikernes an, nach der Promotion von Fallen an einem Album mit neu aufgenommenen Liedern von Hvis Lyset tar oss, Filosofem und möglicherweise Aske arbeiten zu wollen. Außerdem wolle er Neuaufnahmen von Liedern der ersten beiden Alben unter dem Titel From the Depths of Darkness veröffentlichen.[22] Nach der Veröffentlichung von From the Depths of Darkness kündigte Vikernes für den Mai 2012 das Album Umskiptar an, das er im September 2011 aufgenommen habe[23] und dessen Texte allesamt der Vǫluspá entstammen[24]. Im Gegensatz zu früheren Alben hat dieses „auch die eigentlich recht treue Anhängerschaft des Norwegers ordentlich gespalten: Schlecht bis mäßig wird das dritte Album der Post-Knast-Ära von der Hörerschaft aufgenommen; kritisiert wird die vorgebliche Langweile und vor allem das Fehlen des wehklagenden Geschreis, seit jeher Hauptmerkmal von BURZUM.“[25]

Stil[Bearbeiten]

Typisch für die vor Vikernes’ Haftzeit entstandenen Burzum-Alben sind die treibenden Gitarren-Riffs und Drums. Letztere wurden laut Vikernes im Studio improvisiert, zum Zeitpunkt der Aufnahme des innerhalb von 19 Stunden fertiggestellten[4] Debütalbums habe er erst seit drei Monaten Schlagzeug gespielt[7]. Durch monotone und wiederkehrende Abschnitte wird oftmals eine hypnotisierende Atmosphäre geschaffen.[26] Auf den frühen Werken fanden sich bereits rein elektronische Titel, die beiden in Haft entstandenen Alben wurden ausschließlich auf Keyboards eingespielt und werden daher nicht mehr dem Black Metal, sondern dem Ambient zugeordnet. Der Gesang ist auf einigen Alben hoch kreischend, auf anderen bewusst übersteuert oder verzerrt worden. Als musikalische Einflüsse gab Vikernes für den späteren Black Metal wegweisende Thrash-Metal-Bands der frühen 1980er Jahre wie Destruction, Hellhammer, alte Kreator, Celtic Frost und Bathory, aber auch die zu seinem damaligen Umfeld zählenden Bands Thorns, Darkthrone und Mayhem an.[7][27] Auch Euronymous beschrieb Burzum als Mischung aus Bathory, Hellhammer und Mayhem.[28]

Der Stil Burzums insbesondere auf Filosofem gilt als Inspirationsquelle für den in den 2000ern aufkommenden sogenannten Blackgaze, eine Kombination aus Black-Metal- und Shoegazing-Elementen.[29]

Auf den Alben, die Vikernes nach seiner Entlassung veröffentlichte, rückte er vom Stil seiner frühen Alben ab. Vikernes setzte zunehmend auch klar gesprochene Passagen und Klargesang ein und spaltete damit die Anhänger seiner Musik.[30] Auf Umskiptar fehlen die charakteristischen Schreie komplett, Vikernes wechselt zwischen Flüstern, Sprechen und klarem Gesang.[25] Vikernes’ Aussprache des Altnordischen wurde als „stümperhaft“ kritisiert.[25]

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben
Belus
  NO 23 10/2010 (3 Wo.) [31]
[31]
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/vorläufige Chartplatzierung

Demoaufnahmen[Bearbeiten]

  • 1991: Burzum I
  • 1991: Burzum II
  • 1992: Burzum (Promo)

Alben[Bearbeiten]

EPs[Bearbeiten]

VHS[Bearbeiten]

Zusammenstellungen[Bearbeiten]

  • 1995: Burzum/Aske
  • 1998: 1992-1997
  • 2002: Anthology
  • 2008: Anthology
  • 2011: From the Depths of Darkness (Neuaufnahmen von Liedern der ersten beiden Alben)

Sampler-Beiträge[Bearbeiten]

  • 1998: Et hvitt lys over skogen auf Presumed Guilty

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Varg Vikernes: A Burzum Story: Part I - The Origin And Meaning. 2004, abgerufen am 2. März 2010 (englisch).
  2. Interview with Josh of Abruptum zine (Feb. 1998)
  3. An interview w/ Mayhem answered by the Cunt
  4. a b c Varg Vikernes: A Burzum Story: Part VI - The Music. 2005, abgerufen am 2. März 2010 (englisch).
  5. Sounds of Death #4 1994
  6. Burzum - Aske.
  7. a b c Interview with Burzum in Terrorizer #28
  8. Burzum signs with Earache?
  9. Verfassungsschutzbericht 2003 des Freistaates Thüringen.
  10. a b Stile. Rechtsrock entwickelte sich weiter und öffnete sich für andere Stile. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.
  11. Stieg Larsson, Devin Burghart, Justin Massa: Catching a Wave: William Pierce, Cymophane, and the National Socialist Black Metal Underground.
  12. Rainer Fromm: Rassistischer Hass im Word Wide Web. Die weltweite Vernetzung von Neonazis im Internet.
  13. Christian Dornbusch: Unheilige Allianz. Black Metal zwischen Heidentum und Neonazismus. In: analyse & kritik. zeitung für linke Debatte und Praxis, Nr. 428, 8. Juli 1999.
  14. Schwarz-Braun Metallic: eine rassistische Black Metal-Band und ihr "unpolitisches" Umfeld.
  15. Unheilige Allianzen, S. 39
  16. a b Artikel auf Powermetal.de
  17. Varg Vikernes im Interview mit dem Dagbladet, zitiert nach Blabbermouth.net
  18. Varg Vikernes: A Burzum Story: Part X - The White God. 14. November 2009, abgerufen am 19. November 2009 (englisch).
  19. Varg Vikernes: A Burzum Story: Part XI - Birds Of A Feather Flock Together. 19. November 2009, abgerufen am 26. November 2009 (englisch).
  20. Varg Vikernes: A Burzum Story: Part XII – Belus. 2. Dezember 2009, abgerufen am 3. Dezember 2009 (englisch).
  21. Burzum - Discography - Official Releases - "Fallen" 2011.
  22. Cosmo Lee: Interview: Burzum.
  23. Burzum and Varg Vikernes news and updates.
  24. "Umskiptar" 2012.
  25. a b c Thomas L.: BURZUM: Umskiptar. Nonpop, 29. August 2012, abgerufen am 30. August 2012.
  26. Martin Wickler: Naer Mataron. River At Dash Sealding. In: Metal Hammer, Juni 2003, S. 104.
  27. BURZUM in "Orcustus - The Shadow Of The Golden Fire" mag in early '92.
  28. Interview im Close Up
  29. Wolves in the Throne Room. ANUS, abgerufen am 4. Mai 2014.
  30. Thomas L.: BURZUM: Umskiptar. Nonpop, 5. Juni 2011, abgerufen am 30. August 2012.
  31. a b Burzum in den norwegischen Album-Charts, zugegriffen am 3. November 2010