Business Angel

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Ein Business Angel (kurz BA, selten auch Unternehmensengel) ist jemand, der sich finanziell an Unternehmen beteiligt und gleichzeitig die Existenzgründer mit Know-how und Kontakten in einer typischerweise sehr frühen Phase unterstützt. Meist handelt es sich dabei um erfolgreiche Gründer, die nach dem Verkauf oder Börsengang ihres ehemaligen Unternehmens Kapital und Know-How in junge Unternehmen einbringen, oder um erfahrene Unternehmer oder leitende Angestellte, die aufgrund ihrer langen Berufstätigkeit über mehr Management-Erfahrung und Kontakte verfügen als die Gründer der betreuten Unternehmen selbst.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die typischen Eigenschaften einer BA-Beteiligung sind die Kapitalinvestitionen (2008 von durchschnittlich 100.000 Euro) und deren Smart-Capital-Charakter sowie die Beratung. Neben der rein finanziellen Investition agiert der Business Angel nämlich auch als Coach bzw. Business Coach. Hochgerechnet lag das Volumen der Beteiligungen der Business-Angel im Jahre 2007 in Deutschland bei etwa 400 Millionen Euro, in den USA bei 25 bis 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr. In den USA gibt es etwa drei Millionen Business Angels.[1]

Business Angels werden mit ihren Beteiligungen meistens kurz nach oder während der Gründung aktiv, also in einer Phase, die im jungen Unternehmen mit einer hohen Dynamik verbunden ist. Hier zeigt sich der wesentliche Unterschied zu einer Venture-Capital-Beteiligung, die oft erst in einer späteren Phase erfolgt und dann nur noch aus einer rein finanziellen, dafür aber oftmals größeren Investition besteht.

Im Unterschied zu Business Angels werden bei Corporate Angels keine Investitionen in das unterstützte Unternehmen getätigt.

Netzwerke[Bearbeiten]

Business Angels sind häufig in Netzwerken organisiert. In Deutschland gibt es etwa 40 Netzwerke mit vielfach regionaler Ausprägung. Sie dienen als Anlaufstelle für Kapital suchende Unternehmen und stellen den Kontakt zu geeigneten Unternehmensengeln her. Voraussetzung für einen Erstkontakt sind meist ein Geschäftsplan oder eine Präsentation. Es existieren keine Zertifikate oder Standards für diese Netzwerke z. B. über den sensiblen Umgang mit Ideen und Strategien innerhalb des Netzwerkes.

Gründungswettbewerbe[Bearbeiten]

Um einen möglichst großen Kreis an Gründungsinteressenten anzusprechen, führen BA-Netze in der Regel Geschäftsplan-Wettbewerbe durch, die von Seminaren begleitet werden. Dabei besteht für Business Angels und Gründungsinteressierte die Möglichkeit, sich kennenzulernen und sich gegenseitig voneinander zu überzeugen. Zu den Seminarinhalten gehören meistens die Grundlagen über Ideengenerierung und Strategie sowie die formalen Voraussetzungen zur Erstellung eines erfolgversprechenden Geschäftsplans. Wesentliche Voraussetzungen für eine BA-Beteiligung sind die lokale Nähe und ein solides Vertrauensverhältnis zwischen Existenzgründer und Business Angel.

Profil von BA-Investitionen[Bearbeiten]

Die Investitionen von Business Angels sind sehr riskant. Der Business Angel fordert im Gegenzug für sein Engagement in der Regel einen sehr hohen Return on Investment. Da ein hoher Prozentsatz dieser Investitionen komplett verloren gehen, wenn die Start-Up-Unternehmen scheitern, versuchen professionelle BAs Unternehmen zu finden, die das Potenzial haben, innerhalb von fünf Jahren die Anfangsinvestition zu verzehnfachen, mit Hilfe von Ausstiegsszenarien wie z.B. einen Börsengang oder eine Unternehmensübernahme. Durch das hohe Risiko und den hohen Prozentsatz an verlorenem Kapital sinkt der interne Zinssatz für ein erfolgreiches Portfolio auf etwa 20 bis 30 Prozent. Trotz des hohen Zinssatzes ist das Business-Angel-Kapital für die Kapitalempfänger attraktiv, da kostengünstigere Kapitalquellen wie z.B. die Finanzierung durch traditionelle Bankkredite für die jungen Unternehmen in der Gründungsphase nicht zugänglich sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther, Ute/Kirchhof, Roland (Hrsg.): "Leitfaden für Business Angels". Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) in Zusammenarbeit mit dem VentureCapital Magazin, München 2012, ISBN 978-3943021332.
  • Thomas Raueiser: Syndizierungsstrategien von Business Angels. Eul, Lohmar und Köln 2007, ISBN 3-89936-593-3.
  • Matthias Wallisch: Der informelle Beteiligungskapitalmarkt in Deutschland. Rahmenbedingungen, Netzwerke und räumliche Investitionsmuster. Herbert Utz Verlag, München 2009, ISBN 978-3-8316-0875-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.banson.net/index.php?id=7