bwin.party digital entertainment

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bwin.party digital entertainment
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN GI000A0MV757
Gründung 1997
Sitz Gibraltar
Leitung Norbert Teufelberger
Mitarbeiter 1.449 (06-2009)
Umsatz 768,9 Mio. Euro (Stand: 2012)[1]
Branche Sportwetten und Online Poker
Produkte Online-Gaming-ProdukteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.bwinparty.com

Die bwin.party digital entertainment ist ein Anbieter von Sportwetten und Online-Spielen. Das Unternehmen ging im März 2011 aus dem Zusammenschluss der österreichischen bwin Interactive Entertainment AG (früher betandwin) und PartyGaming plc hervor. Angeboten werden Sportwetten, Poker, Casinospiele und Soft-Games.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

bwin.party digital entertainment hat seinen Sitz in Gibraltar und ist an der London Stock Exchange notiert. Bwin ist nach dem Zusammenschluss mit Party Gaming 2011 eine Marke des Tochterunternehmens ElektraWorks und bietet täglich etwa 30.000 Sportwetten in 90 Sportarten an.

Geschichte[Bearbeiten]

Marke bwin

bwin wurde im Dezember 1997 gegründet. Im August 2001 wurde die Firma SKP Piribauer Sportwetten GmbH, die bis dato mehrere Wettterminals in Österreich (hauptsächlich in Gastronomiebetrieben und Tankstellen) betrieb, zu 100 % übernommen. Durch den Kauf von SKP erwarb bwin auch eine Hard- und Software, die einen schnellen Einstieg in den Internet-Direktvertrieb öffnete.

Seit dem Jahr 2002 ist die bwin Interactive Entertainment AG mit 50 % atypisch-stiller Gesellschafter der im Bundesland Sachsen zugelassenen betandwin e. K. mit Sitz in Neugersdorf, Deutschland.

Im Jahr 2006 übernahm bwin die schwedische Firma Ongame e-solutions AB und baute dadurch den Bereich der Online-Pokerspiele aus. Dazu wurden durch einen Aktiensplit bzw. an der Börse fast 600 Mio. Euro neues Kapital gezeichnet bzw. geschaffen, und der Aktienkauf der Ongame-Aktien damit finanziert.

Am 13. Oktober 2006 unterzeichnete George W. Bush ein Gesetz, den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (Abschnitt VIII des SAFE PORT Act), der die Überweisung von einem Finanzinstitut an ein Internet-Glücksspielunternehmen untersagt, wobei fantasy sport, Online-Lotterien und Pferde- bzw. Hunderennen davon ausgenommen wurden. Allerdings hatte es schon Anfang April 2006 zum H.R. 4777 zum Verbot ungesetzlicher Wetten eine im Internet nachlesbare Anhörung des Repräsentantenhauses gegeben[2], und in der amerikanischen Presse, u. a. der New York Times, wurde kurze Zeit später darauf hingewiesen, dass es im Sommer 2006 als Teil der „American Value Agenda“ eine Abstimmung darüber geben werde.[3] Insofern war spätestens ab 5. April 2006 voraussehbar, dass diese Frage substantiell für den weiteren Geschäftsverlauf von ongames und bwin sein würde.[4] Im Ergebnis weist die Bilanz von bwin für das Jahr 2006 ein Defizit von mehr als 500 Mio. Euro auf. Kritisch in der Öffentlichkeit wurden in diesem Zusammenhang sehr hoch erscheinende Vorstandsgehälter diskutiert, u. a. dass die beiden Vorstände von bwin im gleichen Zeitraum zuvor nicht unerhebliche Aktienoptionen wahrgenommen haben, die Manfred Bodner am 7. März 2006 netto 13 Mio. Euro und Norbert Teufelberger am gleichen Tag 8,2 Mio. Euro erbracht haben. Kritisiert wurde auch, dass beide Geschäftsführer eine Woche später erneut jeweils 650.000 Aktien zum Stückpreis von 2 Euro erhielten, die zum damaligen Kurs einem Kurswert von jeweils 65 Mio. Euro entsprachen (vgl. Directors’ Dealings).[5] Kritisch hinterfragt wurde auch, ob der Entwurf des HR 4777, der vom Republikaner Bob Goodlatte am 16. Februar 2006 dem Justizausschuss zugeleitet wurde,[4] nicht den CEOs von bwin, Teufelberger und Bodner zum Zeitpunkt ihrer Aktienverkäufe bereits bekannt war, und warum dieser Umstand im Sinne eines erheblichen Geschäftsrisikos weder in den Quartalsberichten noch im Rahmen einer Ad-hoc-Mitteilung erwähnt wurde. Seit dem 12. Mai 2006 und weit vor der Verabschiedung des UIGEA, fiel die Aktie von ihrem Hoch von 104 Euro immer weiter zu neuen Tiefpunkten, obwohl erst im Oktober 2006 das Aus für die Pokerangebote in den USA beschlossen wurde.

Am 1. August 2006 wurde die neue Marke bwin eingeführt.

Am 15. September 2006 wurden die beiden Vorstände Norbert Teufelberger und Manfred Bodner überraschend auf einer Pressekonferenz in Monaco wegen Vergehen gegen das französische Glücksspielgesetz verhaftet. Nach einer Befragung durch einen Untersuchungsrichter wurden die beiden Vorstände am Abend des 18. September 2006 gegen eine Kaution wieder aus der Haft entlassen. Ein Verfahren wurde laut bwin nicht eingeleitet.[6] Für die schnelle Haftentlassung der beiden Vorstände wurde auch von österreichischen (Ex-)Politikern, darunter die damalige Justizministerin Karin Gastinger, in Frankreich interveniert. Gastinger soll dafür nach ihrem Rückzug aus der Politik einen Beratervertrag vom Wettunternehmen erhalten haben.[7] Gegen Teufelberger und Bodner wurde 2013 in dieser Sache ein Verfahren in Frankreich eingeleitet.[8] Beide Angeklagten erschienen nicht zum Verhandlungstermin in Nanterre am 19. September 2013. Die zuständige Richterin vertagte das Verfahren auf den 3. April 2014.[9]

Seit der Saison 2007/08 ist bwin als Sponsor im Fußball engagiert, so z. B. als Trikotsponsor von Real Madrid. Der Vertrag mit dem Team lief zunächst drei Jahre,[10] wurde aber bis einschließlich 2012/2013 verlängert.[11] Von 2010 bis 2013 erwarb bwin zudem die Namensrechte am Portugiesischen Ligapokal.[12]

Am 7. September 2009 bestätigte der Vorstand der bwin Interactive Entertainment AG Übernahmeverhandlungen mit Gioco Digitale S.p.A. zu führen, um 100 % an der Gioco Digitale zu erwerben.[13]

bwin und Party Gaming vollendeten am 31. März 2011 den am 26. August 2010 angekündigten Zusammenschluss beider Unternehmen. Die Marken blieben weitestgehend bestehen und werden von unterschiedlichen Tochterunternehmen der entstandenen Holding bwin.party digital entertainment fortgeführt. Die Marke bwin wird von der in Gibraltar ansässigen ElectraWorks Limited betrieben.[14]

Anfang des Jahres 2012 hatte die Belgian Gaming Commission (BGC) bwin.party, mit anderen Anbietern, auf eine Blacklist gesetzt, die von den vier größten Internet Providern des Landes blockiert werden musste. Eine diesbezügliche Klage von bwin.party gegen die Belgian Gaming Commission wurde im Juni 2012 abgewiesen. Im November 2012 wurde der nunmehrige bwin.party CEO Norbert Teufelberger in Belgien während einer Konferenz verhaftet, weil das Unternehmen trotz Verbots seine Glücksspiele weiterhin unter anderen Internetadressen belgischen Kunden angeboten hatte. Um eine Lizenz für Belgien zu bekommen, ging bwin.party Mitte Dezember 2012 eine Partnerschaft mit den Belcasinos, einer Tochtergesellschaft der Partouche Group, ein.[15] Das Strafverfahren gegen Teufelberger wurde eingestellt.[16]

Sonderstellung Deutschland[Bearbeiten]

Das deutsche Sportwettenportal bwin.de wurde bis zum 24. August 2009 unter der Firma betandwin e. K. (ab August 2006: bwin e.K.) als Einzelunternehmen von Steffen Pfennigwerth mit einer stillen Beteiligung der bwin Interactive Entertainment AG betrieben. Pfennigwerth hatte am 11. April 1990 aufgrund des Gewerbegesetzes (GewG) der DDR vom 6. März 1990[17] eine Erlaubnis vom Gewerbeamt Löbau erhalten, ab 1. Mai 1990 in Neugersdorf ein Wettbüro für Sportwetten zu eröffnen.

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 28. März 2006 [18] war das staatliche Monopol für Sportwetten in seiner damaligen Form mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, und die entsprechenden Gesetze und Verordnungen waren zum 31. Dezember 2007 neu zu fassen. Für zulässig wurde die Aufrechterhaltung des Monopols für Sportwetten nur unter der Voraussetzung erklärt, dass es konsequent an der Bekämpfung von Suchtgefahren ausgerichtet ist und keinen fiskalischen Interessen des Staates dient. Da nach Ansicht der Richter das damalige Angebot von Oddset sich nicht ausreichend an diesem Ziel orientiere, wurden für Oddset strenge Vorgaben hinsichtlich der Werbung, seiner Angebote und des Jugend- bzw. Spielerschutzes bis zu einer gesetzlichen Neuregelung gemacht.

Gleichzeitig hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Ordnungsbehörden bis zu einer gesetzlichen Neuregelung auf der Grundlage des geltenden Glücksspielrechts gegen alle illegalen Glücksspielanbieter vorgehen und deren Tätigkeit untersagen können. Betroffen hiervon war – jedenfalls soweit es um Wettangebote an Bewohner der alten Bundesländer geht – auch bwin, weil die in der DDR erteilte Konzession nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts allenfalls für die neuen Bundesländer galt. [19][20]

bwin hielt den Entscheidungen der deutschen Gerichte entgegen, dass die Vermittlung von Sportwetten an in der EU konzessionierte Buchmacher nach geltendem EU-Recht und der Rechtsprechung des EuGH (Lindman, Gambelli und bald auch Placanica) zulässig sei, also keineswegs als „illegal“ bezeichnet werden könne. Hieraus folge nach Ansicht von bwin, dass der Staat bei einem Vorgehen gegen EU-Buchmacher und ihre Agenten in Deutschland Gefahr laufe, sich im Rahmen der Staatshaftung schadensersatzpflichtig zu machen, weil das EU-Recht Vorrang vor deutschem Recht hat. Dem steht jedoch die Aussage des Bundesverfassungsgerichts entgegen, das sich in seinem Urteil auch zur gemeinschaftsrechtlichen Komponente geäußert hat. Demnach laufen die Anforderungen des deutschen Verfassungsrechts parallel zu den vom Europäischen Gerichtshof zum Gemeinschaftsrecht formulierten Vorgaben. Nach dessen Rechtsprechung ist die Unterbindung der Vermittlung in andere Mitgliedstaaten mit dem Gemeinschaftsrecht nur dann vereinbar, wenn ein Staatsmonopol wirklich dem Ziel dient, die Gelegenheiten zum Spiel zu vermindern, und die Finanzierung sozialer Aktivitäten mit Hilfe einer Abgabe auf die Einnahmen aus genehmigten Spielen nur eine nützliche Nebenfolge, nicht aber der eigentliche Grund der betriebenen restriktiven Politik ist.[21] Die Vorgaben des Gemeinschaftsrechts entsprechen damit nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts denen des Grundgesetzes.

Die EU-Kommission hat Anfang April 2006 u. a. gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, in dem die widersprüchliche und uneinheitliche Behandlung von Sportwetten und Lotterien und sonstigen Formen des Glücksspiels erläutert werden soll.

Am 10. August 2006 entzog der Freistaat Sachsen bwin die Konzession. Das Unternehmen kündigte jedoch von vornherein an, gegen diese Entscheidung sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen, verbunden mit Schadenersatzforderungen bis zu 500 Mio. Euro.[22] Am 13. Dezember 2007 bestätigte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen die Gültigkeit der 1990 in der DDR erteilten Lizenz. bwin e.K. darf demnach nach der bis zum 31. Dezember 2007 geltenden Rechtslage in Sachsen Sportwetten auch über das Internet anbieten und bundesweit bewerben. Als Auflage gibt das OVG an, die Angebote mit einem entsprechenden Hinweis zu versehen, dass Personen, die sich in den alten Bundesländern aufhalten nicht teilnehmen dürfen.[23]

Am 31. Januar 2008 eröffnete die EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen des am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag der Länder, da dieser im Widerspruch zur europäischen Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit stehe. [24]

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte mit Beschluss vom 14. Oktober 2008 die Verfassungsmäßigkeit des in Deutschland nach dem Glücksspielstaatsvertrag geltenden Internetverbots für Sportwetten und Sportwettenwerbung.

Am 22. Juli 2009 bestätigte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof Untersagungsbescheide der Regierung von Mittelfranken, durch die bwin verboten wird, in Bayern über das Internet Sportwetten anzubieten oder für Sportwetten zu werben.[25] Daraufhin stellte bwin e. K. am 25. August 2009 sein Sportwettenangebot ein. Die internationale Seite www.bwin.com, die von einem gibraltarischen bwin-Unternehmen betrieben wird, ist in Deutschland noch zu erreichen. Dabei darf sich der Spieler bei einer Teilnahme aber laut AGB von bwin.com nicht in den Bundesländern Sachsen, Baden-Württemberg oder Hessen aufhalten.[26]

Mit Urteil vom 8. September 2009 entschied der Europäischen Gerichtshof im portugiesischen Verfahren Liga Portugesa gegen bwin und erklärte Internetverbote von Sportwetten für europarechtskonform.[27] Am 4. März 2010 veröffentlichten die Generalanwälte beim Europäischen Gerichtshof ihre Schlussanträge in den deutschen Verfahren. Sie sahen darin den Glücksspielstaatsvertrag als europarechtskonform an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der deutsche Glücksspielmarkt in Zahlen Abgerufen am 16. April 2014.
  2. INTERNET GAMBLING PROHIBITION ACT OF 2006
  3. Urgent – H.R. 4777 Update
  4. a b The Leach Bill (H.R. 4411) – The Unlawful Internet Gambling Enforcement Act of 2005 & The Goodlatte Bill (H.R. 4777) – To Amend the Wire Act To Expand and Modernize the Prohibition Against Interstate Gambling
  5. Übersicht: Eigengeschäfte von Organmitgliedern und leitenden Angestellten
  6. bwin mit Update zur aktuellen Lage. In: boerse-express.com, 19. September 2006
  7. Florian Horcicka: Korruptionsverdacht: bwin-Belohnung für Karin Gastinger., In: format.at, 31. August 2012
  8. Frankreich klagt bwin.party-CEO Norbert Teufelberger an. In: format.at, 9. Juli 2013
  9. Steven Bradbroke: Bwin.Party CEO Teufelberger A No-Show At French Court Hearing., calvinayre.com, 20. September 2013
  10. Real Madrid C.F. - Official Web Site - Three year deal. In: realmadrid.com. Abgerufen am 15. April 2013 (eng).
  11. Bwin and Real Madrid Renew Shirt Deal. In: sponsorpitch.com. Abgerufen am 15. April 2013 (eng).
  12. Bwin seal sponsorship of Portuguese Liga Cup - Sports Sponsorship news - Soccer Europe - SportsPro Media. In: sportspromedia.com. Abgerufen am 15. April 2013.
  13. EANS-Adhoc: bwin Interactive Entertainment AG
  14. Fusion von bwin mit PartyGaming ist durch, Der Standard, 28. Januar 2011
  15. bwin.party bekommt offizielle Glücksspiel-Lizenz für Belgien., poker.de, 7. März 2013
  16. Strafverfahren gegen bwin-Chef eingestellt., format.at, 15. November 2012
  17. GBl. DDR I S. 138.
  18. BVerfG, Urteil vom 28. März 2006, Az. 1 BvR 1054/01, Volltext und BVerfG, Pressemitteilung Nr. 25/2006 vom 28. März 2006.
  19. BVerwG, Urteil vom 21. Juni 2006, Az. 6 C 19.06, Volltext und BVerwG, Pressemitteilung Nr. 34/2006 vom 22. Juni 2006.
  20. Rheinischer Merkur: Die Lage ist eindeutig
  21. EuGH, Urteil vom 6. November 2003, Az. C-243/01, - Gambelli u.a., Slg. 2003, I-13076, Rn. 62.
  22. manager-magazin.de
  23. news-aktuell presseportal
  24. automobilsport.com (onlinemagazin)
  25. Regierung Mittelfranken
  26. Allgemeine Geschäftsbedingungen von BWIN.COM in der Fassung vom 16. Februar 2012
  27. EuGH, Urteil vom 8. September 2009, Az. C-42/07, Volltext - Liga Portuguesa de Futebol Profissional.

Weblinks[Bearbeiten]