Bytom

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Dieser Artikel beschreibt die oberschlesische Großstadt Bytom (Beuthen); die gleichnamige niederschlesische Stadt Beuthen an der Oder steht unter Bytom Odrzański.
Bytom
Wappen von Bytom
Bytom (Polen)
Bytom
Bytom
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 69,32 km²
Geographische Lage: 50° 21′ N, 18° 55′ O50.34805555555618.92Koordinaten: 50° 20′ 53″ N, 18° 55′ 12″ O
Einwohner: 173.439
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 41-900 bis 41-936
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Breslau/OpoleKrakau
Schienenweg: Katowice–Herby Nowe/Kluczbork
Bytom–Gliwice
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 69,32 km²
Einwohner: 173.439
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 2502 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2462011
Verwaltung (Stand: 2012)
Stadtpräsident: Damian Bartyla
Adresse: ul. Parkowa 2
41-902 Bytom
Webpräsenz: www.um.bytom.pl
Beuthen um 1910
Das Stadtgebiet auf einer alten Landkarte: Beuthen mit Schomberg und Rossberg
Die Trinitatiskirche
Der Ring
Stadtverwaltung
Das Oberschlesische Museum

Bytom [ˈbɨtɔm], (deutsch Beuthen O.S., schlesisch Beuthn), ist eine kreisfreie Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien im südlichen Teil Polens, rund 320 km südwestlich der Landeshauptstadt Warschau und rund 85 km nordwestlich von Krakau. Vorherrschende Industrie war traditionell der Steinkohlebergbau im Oberschlesischen Kohlerevier, einem der größten Steinkohlevorkommen in Mitteleuropa, den Strukturwandel überstand jedoch nur die Carsten-Zentrum-Grube.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wurde 1136 als Bithom erstmals erwähnt und besitzt seit 1254 deutsches Stadtrecht. Durch Aufteilung des Herzogtums Oppeln wurde die Stadt 1281 Sitz des Herzogtums Beuthen, das 1289 unter böhmische Oberhoheit kam. Seit 1450 wurde die Stadt Beuthen genannt. Sie kam 1526 zusammen mit Böhmen zum Habsburgerreich und wurde 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen angegliedert.

Durch Industrialisierung und Bergbau (Steinkohle-, Zink- und Bleierzvorkommen in der Umgebung) erlebte die Stadt im 19. Jahrhundert einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Am 1. April 1890 wurde Beuthen zum Stadtkreis erhoben. 1894 wurde die erste Straßenbahnlinie, 1899 die Stadtbibliothek eröffnet.

In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 votierten 59,4 Prozent der Oberschlesier für Deutschland und 40,6 Prozent für Polen. Abweichend von den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde die Region zwischen beiden Staaten geteilt. Der gesamte Verlauf vom Kriegsende bis zur Teilung war von drei polnischen Aufständen begleitet. Beuthen, dessen Einwohner zu 75 % für die weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Reich gestimmt hatten, verblieb bei Deutschland, wurde jedoch zur Grenzstadt zum nun polnischen Ostoberschlesien.[2]

In der Stadt befand sich eine am 2. Juli 1869 eröffnete Synagoge. Sie wurde während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 niedergebrannt. Die jüdische Gemeinde Beuthens gehörte zu den ersten Opfern des Holocausts und wurde vollständig ausgelöscht. Eine Gedenktafel am ehemaligen Standort der Synagoge erinnert heute an die zahlreichen Opfer.

Am 27. Januar 1945 wurde Beuthen von der Roten Armee besetzt und unter polnische Verwaltung gestellt. Das Beuthener Rathaus wurde zerstört. Die deutschen Bewohner, soweit sie nicht bereits vor den anrückenden Sowjetsoldaten geflüchtet waren, wurden größtenteils aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben. In der seither „Bytom“ genannten Stadt lebt jedoch auch heute noch eine große Anzahl von Menschen deutscher Herkunft.

Der Abbau großer Kohlevorkommen unter der Stadt wurde zur Zeit der Volksrepublik Polen rücksichtslos vorangetrieben. Die Folgen dieses Bergbaus stellen heute das größte Problem Bytoms dar. Im gesamten Stadtgebiet kann es zum plötzlichen Absacken des Bodens und der darauf befindlichen Gebäude kommen. Derartige Ereignisse sind schwer vorhersehbar, zumal es an einer Kartierung der gefährdeten Gebiete und des exzessiven Kohlebergbaus mangelt. Aufgrund der daraus resultierenden schlechten Investitionssicherheit fließen heute nur sehr wenige Investitionen nach Bytom und die Zahl der Erwerbslosen ist mit rund 30 % dementsprechend hoch. Die Bausubstanz in der gesamten Stadt ist weitgehend verfallen, und durch das Absacken des Bodens stehen viele Gebäude schief.

Manche Gebäude sind bereits renoviert. Im Stadtzentrum sind die Bahnhofsstraße (Dworcowa) und der Markt (Rynek) verkehrsfrei. Ein großes neues Einkaufszentrum wurde im Stadtzentrum errichtet.

Oberbürgermeister und Stadtpräsidenten[Bearbeiten]

Seit 1882 führt das Beuthener Stadtoberhaupt die Bezeichnung Oberbürgermeister. Die wachsenden Aufgaben der Stadtverwaltung hatten damals eine zweite Bürgermeisterstelle erforderlich gemacht. Der amtierende Bürgermeister Georg Brüning wurde Beuthens erster Oberbürgermeister.[3]

Oberbürgermeister Lebensdaten Amtszeit Partei
Georg Brüning * 12. August 1851, † 17. Dezember 1932 1882–1919
Alfred Stephan * 18.Oktober 1884, † 20. September 1924 1919–1924 ZENTRUM
Hubert Leeber 1924–1925
Adolf Knakrick * 1886, † 1959 1925–1933
Oskar Wackerzapp (kommissarisch) * 12. März 1883, † 8. August 1965 1933
Walther Schmieding 1933–1945 NSDAP

Nach dem Ende des Sozialismus wurden folgende Stadtpräsidenten in Bytom frei gewählt:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1755 1.040
1795 1.558
1840 4.079
1871 15.711
1880 22.811
1885 26.484
1890 36.905
Jahr Einwohner
1905 60.273
1910 67.718
1919 53.238
1925 62.543
1933 100.584
1939 101.084
2004 189.535

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadtteile Bytoms

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Trinitatiskirche, katholische Kirche erbaut in den Jahren 1883 bis 1886
  • Ring mit Bebauung (Rynek = Markt), verkehrsfrei
  • Oberschlesisches Museum, erbaut 1929/1930
  • Barbarakirche, katholische Kirche erbaut im 1931 nach Plänen von Arthur Kickton
  • Die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist eine gotische Hallenkirche aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die nach einem Brand im 16. Jahrhundert sowie von 1851 bis 1857 durch eine Regotisierung umgestaltet wurde, der der an der Südwand der Kirche stehende Glockenturm seine neugotische Backsteinaufstockung verdankt.
  • Die barocke Adalbertkirche diente vor 1945 als St.-Nikolaus-Kirche der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus
  • Der Stadtpark von 1870, hier befand sich unter anderem bis 1982 eine Schrotholzkirche
  • Förderturm der ehem. „Hohenzollerngrube“, erbaut um 1929
  • Opera Śląska (Schlesische Oper), eines der bedeutendsten und wichtigsten Opernhäuser in Polen

Sport[Bearbeiten]

Sport vor 1945[Bearbeiten]

Der erfolgreiche Beuthener Verein war der 1909 gegründete Beuthen 09. Er spielte in der obersten deutschen Fußballliga, der Gauliga Schlesien bzw. ab dem Jahre 1941 in der Gauliga Oberschlesien und nahm sechsmal an der Endrunde um die deutschen Meisterschaft teil.

Sport nach 1945[Bearbeiten]

Dann gibt es Czarni Bytom sowie eine Reihe von Kampfsportclubs, unter anderem den Judoklub Bytom, woher der dreifache Olympiasieger Waldemar Legień kommt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bytom unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Verkehr[Bearbeiten]

Linie 38 im Jahr 2013

Im Linienverkehr besteht eine Anbindung an das Netz der Oberschlesischen Straßenbahn. Auf einer eingleisigen Strecke in Straßenmittellage verkehrt die Linie 38. Aber auch moderne Trambahnzüge werden eingesetzt. Die Fahrt mit der Straßenbahn von Kattowitz bis Beuthen dauert etwa 45 Minuten.

Mit der Bahn bestehen 2011 primär ungefähr stündliche Verbindungen mit Regionalzügen der Linie Katowice – Bytom (– Lubiniec). Sowie einige weitere Regionalzugsverbindungen und Fernverkehrszüge. Der Bahnhof von Bytom ist in einem schlechten baulichen Zustand.

Persönlichkeiten der Stadt[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Bekannte Einwohner[Bearbeiten]

  • Waldemar Dyhrenfurth (1849–1899), Staatsanwalt, Schöpfer des Bonifatius Kiesewetter
  • Martin Max (* 7. August 1968 in Tarnowskie Góry), ehemaliger deutscher Fußballnationalspieler
  • Richard Gillar (* 28. März 1855 - † 20. Januar 1939), gab 1895 in Beuthen ein Gesangbuch für die polnische Bevölkerung und ein zugehöriges Choralbuch heraus.

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bytom – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Ortsschild „Beuthen O/S (Zollgrenzbezirk) Stadtkreis Reg. Bez. Oppeln“ im Archiv deutscher Wochenschauen
  3. zyciebytomskie.pl: GEORG BRÜNING – WIELCE ZASŁUŻONY NADBURMISTRZ (polnisch)