C++

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C++
Paradigmen: Multiparadigmen (generisch, imperativ, objektorientiert, prozedural, strukturiert, funktional)
Erscheinungsjahr: 1985
Entwickler: Bjarne Stroustrup
Typisierung: statisch (dynamische Typprüfung möglich), implizit, stark
Wichtige Implementierungen: C++ Builder, GCC, MS Visual C++, Intel C++ Compiler, Clang/LLVM
Standardisierungen: ISO/IEC 14882:1998,
ISO/IEC 14882:2003,
ISO/IEC TR 19768:2007,
ISO/IEC 14882:2011,
ISO/IEC 14882:2014[1]
Beeinflusst von: C, Simula, Ada, ALGOL 68, CLU, ML
Beeinflusste: C#, Java, PHP, Perl, D, Go, Vala

C++ ist eine von der ISO genormte Programmiersprache. Sie wurde ab 1979 von Bjarne Stroustrup bei AT&T als Erweiterung der Programmiersprache C entwickelt. C++ ermöglicht sowohl die effiziente und maschinennahe Programmierung als auch eine Programmierung auf hohem Abstraktionsniveau. Für C++ gibt es viele Standardbibliotheken.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

C++ wird sowohl in der Systemprogrammierung als auch in der Anwendungsprogrammierung eingesetzt und gehört in beiden Bereichen zu den verbreitetsten Programmiersprachen.[2]

Systemprogrammierung[Bearbeiten]

Typische Anwendungsfelder in der Systemprogrammierung sind Betriebssysteme, eingebettete Systeme, virtuelle Maschinen, Treiber und Signalprozessoren. C++ nimmt hier oft den Platz ein, der früher ausschließlich Assemblersprachen und der Programmiersprache C vorbehalten war.

Anwendungsprogrammierung[Bearbeiten]

Bei der Anwendungsprogrammierung kommt C++ vor allem dort zum Einsatz, wo hohe Forderungen an die Effizienz gestellt werden, um durch technische Rahmenbedingungen vorgegebene Leistungsgrenzen möglichst gut auszunutzen. Ab dem Jahr 2000 wurde C++ aus der Domäne der Anwendungsprogrammierung von den Sprachen Java und C# zurückgedrängt.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Sprachdesign[Bearbeiten]

Die Sprache C++ besteht aus sehr wenigen Schlüsselwörtern („Sprachkern“); ihre eigentliche Funktionalität erhält sie – ähnlich wie auch die Sprache C – durch die C++-Standardbibliothek sowie, je nach Einsatzgebiet, zusätzliche Bibliotheken und Frameworks. C++ legt einen Schwerpunkt auf die Sprachmittel zur Entwicklung von Bibliotheken. Dadurch favorisiert es verallgemeinerte Mechanismen für typische Problemstellungen und besitzt kaum in die Sprache integrierte Einzellösungen.

Eine der Stärken von C++ ist die Kombinierbarkeit von effizienter, maschinennaher Programmierung mit mächtigen Sprachmitteln, die einfache bis komplexe Implementierungsdetails zusammenfassen und weitgehend hinter abstrakten Befehlsfolgen verbergen. Dabei kommt vor allem die Template-Metaprogrammierung zum Zuge, eine Technik, die eine nahezu kompromisslose Verbindung von Effizienz und Abstraktion erlaubt.

Einige Design-Entscheidungen werden allerdings auch häufig kritisiert:

Speicherverwaltung[Bearbeiten]

C++ verzichtet auf Garbage-Collection, so dass andere Speicherverwaltungstechniken, meist RAII, verwendet werden müssen. Darüber hinaus ist es möglich, Speicher manuell zu verwalten, auch wenn hiervon meist dringend abgeraten wird.[3]

Unvollständige Objektorientierung[Bearbeiten]

Sichtbarkeit privater Elemente[Bearbeiten]

In C++ gehören private Eigenschaften (Variablen und Methoden) normalerweise mit zur Schnittstelle, die in der Header-Datei veröffentlicht ist. Dadurch entstehen zur Compilezeit und zur Laufzeit Abhängigkeiten der Objekte zu den Stellen, die sie verwenden.

Diese Abhängigkeiten können durch bestimmte Konstruktionen, wie dem pimpl-Idiom (pointer to implementation idiom), vermieden werden. Dabei werden die privaten Felder der Klasse (example_class) in eine private, vorwärts-deklarierte Hilfsklasse verschoben, und ein Zeiger auf ein Objekt dieser Hilfsklasse (example_class::impl * impl_ptr) bleibt in der eigentlichen Klasse. Die Definition der implementierenden Klasse findet bei der Implementierung der öffentlichen Klasse statt und ist damit für den Verwender der Klasse (der nur die Header-Datei kennt) unsichtbar. Dadurch, dass die Hilfsklasse nur durch einen Zeiger referenziert wird, bleiben alle Quelltextänderungen an privaten Feldern transparent und die Binärkompatibilität wird erhalten.[4]

unvollständige Kapselung[Bearbeiten]

In C++ sind die Speicherbereiche der einzelnen Objekte zur Laufzeit nicht vor (absichtlichen oder versehentlichen) gegenseitigen Änderungen geschützt.

Komplizierte Grammatik[Bearbeiten]

Die Grammatik von C++ wird oft als kompliziert eingeordnet. So ist beispielsweise die Bedeutung des folgenden Codeschnipsels vollständig vom Kontext abhängig:

A < B , C > D;

Entweder könnte „A“ ein Klassentemplate sein, was zur Folge hätte, dass der Code eine neue lokale Variable namens „D“ erzeugt, die das mit „B“ und „C“ instanziierte Template als Typ hat. Alternativ könnten „A“, „B“, „C“ und „D“ Variablen sein, was zur Folge hätte, dass der Code zunächst den kleiner-als-Operator auf „A“ und „B“ anwenden würde, dessen Rückgabewert verwerfen würde, und im Anschluss den größer-als-Operator auf „C“ und „D“ anwenden würde, dessen Rückgabewert der Rückgabewert des gesamten Ausdrucks würde.

Undefiniertes Verhalten[Bearbeiten]

Das Verhalten von diversen Sprachkonstrukten ist nicht definiert. Dies bedeutet, dass der Standard nicht vorgibt, was in einem solchen Falle passiert. Die Auswirkungen reichen von Implementierungsabhängigkeit (d. h. je nach Zielrechner und Compiler kann sich das Konstrukt unterschiedlich verhalten) über unsinnige Ergebnisse oder Programmabstürze bis hin zu gefährlichen Sicherheitslücken. Während hierdurch zum Teil große Optimierungen für Compiler ermöglicht werden, kommt es auf der anderen Seite wiederholt dazu, dass fehlerhafter Quellcode von neuen Compilerversionen auf unerwartete und absurd scheinende Art umgesetzt wird. So werden zu spät durchgeführte Überprüfungen wegoptimiert oder Schleifen, die auf einen ungültigen Index eines Arrays zugreifen, durch leere Endlosschleifen ersetzt.[5][6]

Wichtig für das Verständnis von undefiniertem Verhalten ist insbesondere, dass niemals nur eine einzelne Operation ungültig ist, sondern das gesamte Programm ungültig wird und kein wohlgeformtes C++ mehr darstellt.

Beispiele:

  • Überlauf von vorzeichenbehafteten Ganzzahlen (auch z. B. bei Umwandlung von unsigned int nach int)
  • Nullzeiger-Dereferenzierungen
  • Arrayzugriffe mit ungültigem Index
  • Schiebeoperationen um mehr Binärstellen als der zu schiebende Typ Bits hat
  • Division durch null mit integralen Datentypen
  • Weglassen des return-Statements in Funktionen mit Rückgabewert (die Hauptfunktion main bildet die einzige Ausnahme)

Einerseits ist das hieraus resultierende nichtdeterministische Laufzeitverhalten, insbesondere bei kleinen Änderungen der Plattform, mindestens als Risiko, in der Praxis oft aber als klarer Nachteil einzustufen. Andererseits werden hierdurch schnellere Programme ermöglicht, da Gültigkeitsüberprüfungen weggelassen werden können und zudem der Compiler oft Teil stärker optimieren kann inder er Randfälle als per Definition ausgeschlossen ignoriert.

Ein oft nicht wahrgenommener Vorteil ist darüber hinaus, dass dadurch, dass undefiniertes Verhalten praktisch nur in äußerst fragwürdigen Konstrukten auftritt, die aber nicht zwingend während des Kompilierens feststellbar sind, unsemantischer oder anderweitig suboptimaler Code gewissermaßen verboten wird.

Beispielsweise besteht eine illegale Art zu prüfen ob die Summe zweier positiver Ganzzahlen a und b vom Typ ‚int‘ verlustfrei wieder in einem ‚int‘ abgebildet werden kann,daraus zu schauen ob ihre Summe größer 0 ist (bei Überlauf entsteht auf den meisten Computern durch die Zweierkomplement-Arithmetik eine negative Zahl). Eine derartige Überprüfung ist allerdings aus mathematischer Sicht nicht besonders sinnvoll. Eine bessere (semantischere) Herangehensweise ist hier, einfach die eigentliche Frage, ob a + b \le \mathrm{INT\_MAX}, wobei \mathrm{INT\_MAX} die größte in einem ‚int‘ darstellbare Zahl ist, nach der mathematisch validen Umformung zu a \le \mathrm{INT\_MAX} - b zu verwenden.[7]

Kompatibilität mit C[Bearbeiten]

Um an die Verbreitung der Programmiersprache C anzuknüpfen, wurde C++ als Erweiterung von C gemäß dem damaligen Stand von 1990 (ISO/IEC 9899:1990, auch kurz C90 genannt) entworfen.

Die Kompatibilität mit C zwingt C++ zur Fortführung einiger dadurch übernommener Nachteile. Dazu zählt die teilweise schwer verständliche C-Syntax, der als überholt geltende Präprozessor sowie verschiedene von der jeweiligen Plattform abhängige Details der Sprache, die die Portierung von C++-Programmen zwischen unterschiedlichen Rechnertypen, Betriebssystemen und Compilern erschweren.

Einige C-Sprachkonstrukte haben in C++ eine leicht abgewandelte Bedeutung oder Syntax, so dass manche C-Programme erst angepasst werden müssen, um sich als C++-Programm übersetzen zu lassen. Weitere Änderungen an C fanden in den Jahren 1999 (ISO/IEC 9899:1999, aka C99) und 2011 (ISO/IEC 9899:2011, aka C11) also nach der ersten Normung von C++ statt, so dass dort eingeflossene Änderungen nicht in C++98 berücksichtigt werden konnten. In die C++-Revision von 2011 wurde ein Teil der Neuerungen von C99 übernommen; auf der anderen Seite wurden dem C-Standard neue Features hinzugefügt, die auch mit C++11 nicht kompatibel sind.

Sprachmerkmale im Detail[Bearbeiten]

C++ basiert auf der Programmiersprache C wie in ISO/IEC 9899:1990 beschrieben. Zusätzlich zu den in C vorhandenen Möglichkeiten bietet C++ weitere Datentypen sowie neuartige Typumwandlungsmöglichkeiten, Klassen mit Mehrfachvererbung und virtuellen Funktionen, Ausnahmebehandlung, Templates (Schablonen), Namensräumen, Inline-Funktionen, Überladen von Operatoren und Funktionsnamen, Referenzen, Operatoren zur Freispeicherverwaltung und mit der C++-Standardbibliothek eine erweiterte Bibliothek.

Programmbeispiel[Bearbeiten]

Der folgende Quelltext ist ein einfaches C++-Programm, das den Text Hallo Welt! in den Standardausgabestrom, üblicherweise das Terminal, schreibt:

#include <iostream>
 
int main()
{
   std::cout << "Hallo Welt!\n";
}


Der Präprozessorbefehl #include bindet Header-Dateien ein, die typischerweise Deklarationen von Variablen, Typen und Funktionen enthalten. Im Gegensatz zu C besitzen Header der C++-Standardbibliothek keine Dateiendung.

Der Header <iostream> ist Teil der C++-Standardbibliothek und deklariert unter anderem den Standardeingabestrom std::cin und die Standardausgabeströme std::cout und std::cerr für die aus der C-Standardbibliothek bekannten Objekte stdin, stdout und stderr.

Bei main() handelt es sich um die Funktion, die den Einsprungspunkt jedes C++-Programms darstellt. Das Programm wird ausgeführt, indem die Funktion main() aufgerufen wird, wobei diese ihrerseits andere Funktionen aufrufen kann. Die Funktion main() selbst darf allerdings in einem C++-Programm nicht rekursiv aufgerufen werden.

Der Standard verlangt von Implementierungen, zwei Signaturen für die Funktion main() zu unterstützen: Eine ohne Funktionsparameter wie im Beispiel, und eine, die einen Integer und einen Zeiger auf Zeiger auf char entgegennimmt, um auf Kommandozeilenparameter zugreifen zu können (was nicht in allen Programmen vonnöten ist): int main(int argc, char **argv). Implementierungen dürfen darüber hinaus weitere Signaturen für main() unterstützen, alle müssen jedoch den Rückgabetyp int (Integer) besitzen, also eine Ganzzahl zurückgeben. Gibt main() jedoch wie im Beispiel keinen Wert zurück, so schreibt der C++-Standard der Implementierung vor, return 0; anzunehmen. main() gibt also 0 zurück, wenn kein gegenteiliges return-Statement in ihr vorhanden ist.[8]

std::cout ist eine Instanz der Klasse std::basic_ostream<char>, die sich wie die gesamte C++-Standardbibliothek im Namensraum std befindet. Bezeichner in Namensräumen werden mit dem Bereichsoperator (::) angesprochen.

Die Ausgabe des Zeichenkettenliterals "Hallo Welt\n" übernimmt der Operator <<. Zeichenkettenliterale sind in C++ vom Typ Array aus N konstanten chars (char const[N]), wobei N gleich der Länge der Zeichenkette + 1 für die abschließende Nullterminierung ist. Da die Standardtypumwandlungen von C++ die als pointer-to-array decay bekannte implizite Umwandlung eines Arrays T[N] in einen Pointer T* vorsehen, und damit char const[N] in einen char const* zerfällt, passt der überladene Operator template<class traits> basic_ostream<char,traits>& operator<<(std::basic_ostream<char,traits>&, const char*); aus <ostream> und wird entsprechend aufgerufen (operator<<( std::cout, "Hallo Welt!\n" );) und gibt die Zeichenkette aus.

Umsetzung[Bearbeiten]

C++-Compiler[Bearbeiten]

Die Implementierung eines C++-Compilers gilt als aufwändig. Nach der Fertigstellung der Sprachnorm 1998 dauerte es mehrere Jahre, bis die Sprache von C++-Compilern weitestgehend unterstützt wurde.

Zu den verbreitetsten C++-Compilern gehören:

  • Der in Microsoft Visual C++ enthaltene Compiler ist einer der verbreitetsten für das Betriebssystem Windows.
  • Der g++ ist die C++-Ausprägung der GNU Compiler Collection (GCC); g++ ist quelloffen und frei verfügbar. Der g++ unterstützt eine Vielzahl von Betriebssystemen (darunter Unix, Linux, Mac OS X, Windows und AmigaOS) und Prozessorplattformen. GNU C++ existiert seit 1987 und ist somit einer der ältesten C++-Compiler.[9]
  • Der Comeau C++. Das sogenannte „Front-End“ des Compilers, also der Teil, der die Analyse-Phase implementiert, wurde von der Firma Edison Design Group (EDG) entwickelt, die sich auf die Entwicklung von Compiler-Front-Ends spezialisiert hat und deren C++-Front-End auch in vielen anderen kommerziellen C++-Compilern integriert ist. Der Comeau-Compiler kann auch über das Internet ausprobiert werden.
  • Der Intel C++ Compiler verwendet ebenfalls das erwähnte C++-Front-End von EDG. Der Intel C++ Compiler erzeugt Maschinencode für die Intel-Prozessoren unter den Betriebssystemen Windows, Linux und MacOS X. Da die mit dem Intel C++ Compiler erzeugten Programme den Befehlssatz der Intel-Prozessoren besonders gut ausnutzen, erzeugen sie besonders effiziente Programme für diese Plattform. (Compilate des Intel-Compilers laufen ebenfalls auf AMD-Chips meist schneller als Compilate der alternativen Compiler, entsprechende Optimierungsflags sperrt Intel jedoch - die Sperre lässt sich aufheben.)
  • Clang, ein Frontend für die von Apple geförderte plattformübergreifende Compilerinfrastruktur LLVM, die unter anderem auch in der integrierten Entwicklungsumgebung Xcode verwendet wird.[10]

C++-Programmierung[Bearbeiten]

Das breite Leistungsspektrum und die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Sprache sowie die Bibliotheken führen zu verhältnismäßig langen Einarbeitungszeiten. Im Vergleich mit C bietet C++ eine enorme Fülle an Sprachmitteln.

Vergleich mit anderen Sprachen[Bearbeiten]

Objective-C[Bearbeiten]

C++ war nicht der einzige Ansatz, die Programmiersprache C um Eigenschaften zu erweitern, die das objektorientierte Programmieren vereinfachen. In den 1980er Jahren entstand die Programmiersprache Objective-C, die sich aber im Gegensatz zu C++ an Smalltalk und nicht an Simula orientierte. Die Syntax von Objective-C unterscheidet sich unter anderem wegen der Smalltalk-Wurzeln stark von C++. Wichtigstes Einsatzgebiet von Objective-C ist die Programmierung unter den Betriebssystemen Apple iOS und Mac OS X sowie unter der Programmierschnittstelle OpenStep.

Java und C#[Bearbeiten]

Die Programmiersprachen Java und C# verfügen über eine ähnliche, ebenfalls an C angelehnte Syntax wie C++,[11] sind auch objektorientiert und unterstützen seit einiger Zeit Typparameter. Trotz äußerlicher Ähnlichkeiten unterscheiden sie sich aber konzeptionell von C++ zum Teil beträchtlich.

Generische Techniken ergänzen die objektorientierte Programmierung um Typparameter und erhöhen so die Wiederverwertbarkeit einmal kodierter Algorithmen. Die generischen Java-Erweiterungen sind jedoch lediglich auf Klassen, nicht aber auf primitive Typen oder Datenkonstanten anwendbar. Demgegenüber beziehen die generischen Spracherweiterungen von C# auch die primitiven Typen mit ein. Dabei handelt es sich allerdings um eine Erweiterung für Generik zur Laufzeit, die die auf Kompilationszeit zugeschnittenen C++-Templates zwar sinnvoll ergänzen, nicht aber ersetzen können.

Gerade die generische Programmierung macht C++ zu einem mächtigen Programmierwerkzeug. Während die objektorientierte Programmierung in Java und C# nach wie vor den zentralen Abstraktionsmechanismus darstellt, ist diese Art der Programmierung in C++ rückläufig. So werden tiefe Klassenhierarchien vermieden, und zu Gunsten der Effizienz und der Minimierung des Ressourcenverbrauchs verzichtet man in vielen Fällen auf Polymorphie, einen der fundamentalen Bestandteile der objektorientierten Programmierung.

Siehe auch: Simula und Smalltalk

Entstehung und Weiterentwicklung[Bearbeiten]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Auf die Idee für eine neue Programmiersprache kam Stroustrup durch Erfahrungen mit der Programmiersprache Simula während seiner Doktorarbeit an der Cambridge University. Simula erschien zwar geeignet für den Einsatz in großen Software-Projekten, die Struktur der Sprache erschwerte aber die Erstellung hocheffizienter Programme. Demgegenüber ließen sich effiziente Programme zwar mit der Sprache BCPL schreiben, für große Projekte war BCPL aber wiederum ungeeignet.

Mit den Erfahrungen aus seiner Doktorarbeit erweiterte Stroustrup in den AT&T Bell Laboratories im Rahmen von Untersuchungen des Unix-Betriebssystemkerns in Bezug auf verteiltes Rechnen ab 1979 die Programmiersprache C. Die Wahl fiel auf die Programmiersprache C, da C eine Mehrzwecksprache war, die schnellen Code produzierte und einfach auf andere Plattformen zu portieren war. Als dem Betriebssystem Unix beiliegende Sprache hatte C außerdem eine nicht unerhebliche Verbreitung.

Eine der ersten Erweiterungen war ein Klassenkonzept mit Datenkapselung, für das die Sprache Simula-67 das primäre Vorbild war. Danach kamen abgeleitete Klassen hinzu, ein strengeres Typsystem, Inline-Funktionen und Standard-Argumente.

Während Stroustrup „C with Classes“ („C mit Klassen“) entwickelte (woraus später C++ wurde), schrieb er auch cfront, einen Compiler, der aus C with Classes zunächst C-Code als Zwischenresultat erzeugte. Die erste kommerzielle Version von cfront erschien im Oktober 1985.

1983 wurde C with Classes in C++ umbenannt. Erweiterungen darin waren: Überladen von Funktionsnamen und Operatoren, virtuelle Funktionen, Referenzen, Konstanten, eine änderbare Freispeicherverwaltung und eine verbesserte Typüberprüfung. Die Möglichkeit von Kommentaren, die an das Zeilenende gebunden sind, wurde aus BCPL übernommen (//).

1985 erschien die erste Version von C++, die eine wichtige Referenzversion darstellte, da die Sprache damals noch nicht standardisiert war. 1989 erschien die Version 2.0 von C++. Neu darin waren Mehrfachvererbung, abstrakte Klassen, statische Elementfunktionen, konstante Elementfunktionen und die Erweiterung des Zugriffsmodells um protected. 1990 erschien das Buch The Annotated C++ Reference Manual, das als Grundlage für den darauffolgenden Standardisierungsprozess diente.

Relativ spät wurden der Sprache Templates, Ausnahmebehandlung, Namensräume, neuartige Typumwandlungen und boolesche Typen hinzugefügt.

Im Zuge der Weiterentwicklung der Sprache C++ entstand auch eine gegenüber C erweiterte Standardbibliothek. Erste Ergänzung war die Stream-I/O-Bibliothek, die Ersatz für traditionelle C-Funktionen wie zum Beispiel printf() und scanf() bietet. Eine der wesentlichen Erweiterungen der Standardbibliothek kam später durch die Integration großer Teile der bei Hewlett-Packard entwickelten Standard Template Library (STL) hinzu.

Nach jahrelanger Arbeit wurde schließlich 1998 die endgültige Fassung der Sprache C++ (ISO/IEC 14882:1998) genormt. 2003 wurde ISO/IEC 14882:2003 verabschiedet, eine Nachbesserung der Norm von 1998.

Weiterentwicklung der Programmiersprache C++ nach 2005[Bearbeiten]

Um mit den aktuellen Entwicklungen der sich schnell verändernden Computer-Technik Schritt zu halten, aber auch zur Ausbesserung bekannter Schwächen, erarbeitete das C++-Standardisierungskomitee die nächste größere Revision von C++, die inoffiziell mit C++0x abgekürzt wurde, worin die Ziffernfolge eine grobe Einschätzung des möglichen Erscheinungstermins andeuten sollte.

Die vorrangigen Ziele für die Weiterentwicklung von C++ waren Verbesserungen im Hinblick auf die Systemprogrammierung sowie zur Erstellung von Programmbibliotheken. Außerdem sollte die Erlernbarkeit der Sprache für Anfänger verbessert werden.

Im November 2006 wurde der Zieltermin für die Fertigstellung auf das Jahr 2009 festgelegt. Im Juli 2009 wurde dieser Termin auf frühestens 2010 geändert. Im August 2011 wurde die Revision einstimmig von der ISO-Behörde angenommen[12] und am 11. Oktober 2011 als ISO/IEC 14882:2011 offiziell veröffentlicht.[13][14] Inoffiziell heißt die Version C++11.

Verbesserungen am Sprachkern[Bearbeiten]

C++98 deckte einige typische Problemfelder der Programmierung noch nicht ausreichend ab, zum Beispiel die Unterstützung von Nebenläufigkeit (Threads), deren Integration in C++, insbesondere für die Verwendung in Mehrprozessorumgebungen, eine Überarbeitung der Sprache unumgänglich machte. Durch die Einführung eines Speichermodells wurden Garantien der Sprache für den nebenläufigen Betrieb festgelegt, um Mehrdeutigkeiten in der Abarbeitungsreihenfolge sowohl aufzulösen als auch in bestimmten Fällen aufrechtzuerhalten und dadurch Spielraum für Optimierungen zu schaffen.

Zu den weitreichenderen Spracherweiterungen gehörte ferner die automatische Typableitung zur Ableitung von Ergebnistypen aus Ausdrücken und die sogenannten R-Wert-Referenzen, mit deren Hilfe sich als Ergänzung zu dem bereits vorhandenen Kopieren von Objekten dann auch ein Verschieben realisieren lässt, außerdem bereichsbasierte For-Schleifen (foreach) über Container und eingebaute Felder.[15]

Erweiterung der Programmbibliothek[Bearbeiten]

Im April 2006 gab das C++-Standardisierungskomitee den sogenannten ersten technischen Report (TR1) heraus, eine nicht normative Ergänzung zur aktuell gültigen, 1998 definierten Bibliothek, mit der Erweiterungsvorschläge vor einer möglichen Übernahme in die C++-Standardbibliothek auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht werden sollen. Viele Compiler-Hersteller lieferten den TR1 mit ihren Produkten aus.

Enthalten waren im TR1 u. a. reguläre Ausdrücke,[16] verschiedene intelligente Zeiger,[17] ungeordnete assoziative Container,[18] eine Zufallszahlenbibliothek,[19] Hilfsmittel für die C++-Metaprogrammierung, Tupel[20] sowie numerische und mathematische Bibliotheken.[21] Die meisten dieser Erweiterungen stammten aus der Boost-Bibliothek, woraus sie mit minimalen Änderungen übernommen wurden. Außerdem waren sämtliche Bibliothekserweiterungen der 1999 überarbeiteten Programmiersprache C (C99) in einer an C++ angepassten Form enthalten.[22]

Mit Ausnahme der numerischen und mathematischen Bibliotheken wurden alle TR1-Erweiterungen in die Sprachnorm C++11 übernommen.

Ebenfalls wurde eine eigene Bibliothek zur Unterstützung von Threads eingeführt.

C++11[Bearbeiten]

Mit der Norm ISO/IEC 14882:2011, auch bekannt als C++11, wurden viele weitreichende Neuerungen in C++ eingeführt: Lambdas (Anonyme Funktionen), ein erleichterte Typbehandlung mit Typinferenz über das Schlüsselwort auto (das nun nicht mehr ein Speicherklassen-Specifier ist) einerseits und das Schlüsselwort decltype andererseits. Ein for-Statement erleichtert die Arbeit mit Containern und Arrays, und es dürfen direkt aufeinanderfolgende spitze Klammern bei Templates benutzt werden: map<int, vector<int>>. Streng typisierte enums (enum class) beseitigen Probleme mit Namenskollisionen. Außerdem wurden einige Features aus C11 übernommen, zum Beispiel Ganzzahlen mit mindestens 64 Bit (long long) oder Zusicherungen zur Übersetzungszeit mittels static_assert (in C11: _Static_assert).[23]

Themen der Sprache C++, die Rechenzeit und Speicherplatz betreffen, wurden im so genannten technical report ISO/IEC TR 18015:2006 behandelt.[24]

C++14[Bearbeiten]

Die aktuelle Fassung von C++ (Januar 2015) ist ISO/IEC 14882:2014[1], auch bekannt als C++14. C++14 erweitert die Einsatzmöglichkeiten von auto und decltype, schwächt die Voraussetzungen für constexpr ab, erlaubt Variablen-Templates zu definieren (beispielsweise um mehrere Versionen von π zu definieren), führt Binärliterale ein (0b...), führt Hochkommata als Trennzeichen in Zahlen ein, erlaubt generische Lambdas, erweitert Lambda capture expressions und führt das Attribut [[deprecated]] ein.[25]

Außerdem wurde die Standardbibliothek um ein paar Funktionen ergänzt, die bei C++11 „vergessen“ bzw. „übersehen“ wurden (z.B. std::make_unique) und etliche Funktionsdeklarationen nun als constexpr umdeklariert, was dem Compiler aggressivere Optimierungen gestattet.

Der Name „C++“[Bearbeiten]

Der Name C++ ist eine Wortschöpfung von Rick Mascitti, einem Mitarbeiter Stroustrups, und wurde zum ersten Mal im Dezember 1983 benutzt. Der Name kommt von der Verbindung der Vorgängersprache C und dem Inkrement-Operator „++“, der den Wert einer Variablen inkrementiert (um eins erhöht). Der Erfinder von C++, Bjarne Stroustrup, nannte C++ zunächst „C mit Klassen“ (C with classes).[26]

Kritik[Bearbeiten]

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Kritik sollte belegbar sein. Und fundierte Kritik kann nur von Leuten kommen, die sich mit C++ auch auskennen (was nur geht, wenn sie es selber auch benutzen: „Kritik von innen“) --RokerHRO (Diskussion) 12:04, 21. Mai 2013 (CEST)

Oft geäußerte Kritik an der Sprache umfasst beispielsweise:

  • C++ sei sehr komplex und fehleranfällig zu programmieren. Man brauche recht lange, um es gut zu beherrschen und viele Features gelten als äußerst komplex.
  • C++ sei zu low-level-mäßig aufgebaut; während es viele Features von höher abstrahierenden Sprachen aufweist (Klassen, generische Klassen/Funktionen etc.), seien als wichtig empfundene Dinge nicht vorhanden (Garbage Collection).
  • C++ gilt zwar als schnell, beispielsweise wegen der Möglichkeit, frei mit Pointern zu arbeiten, doch diese Leistung sei auf den heutigen, schnellen Computersystemen nur in Ausnahmefällen nötig: Während es sinnvoll sei, Betriebssysteme o. Ä. in C++ zu schreiben, sei es softwaretechnisch viel günstiger, Anwendungsprogramme in höheren Sprachen zu schreiben, da diese leichter zu warten seien und immer noch eine ausreichende Leistung aufwiesen.[27]
  • Typisch in Verbindung mit C++ ist das Zitat von Bjarne Stroustrup:

“In C++ it’s harder to shoot yourself in the foot, but when you do, you blow off your whole leg.”

„In C++ ist es schwieriger, sich selbst in den Fuß zu schießen, aber wenn man es tut, dann ist gleich das ganze Bein weg.“[28]

Soll heißen: C++ erleichtert zunächst vieles, aber es bringt gleichzeitig viele Mittel mit sich, die mit Bedacht eingesetzt werden müssen. Zum Beispiel können durch die dynamische Speicherallokation ohne automatische Speicherfreigabe Speicherlecks entstehen. Zeiger auf ungültige Speicherbereiche können das ganze Programm zum Absturz bringen (Hängender Zeiger).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Bjarne Stroustrup: Die C++-Programmiersprache. 4. Auflage. Addison-Wesley, 2009, ISBN 978-3-8273-2823-6 (Standardwerk zu C++, Grundkenntnisse in C von Vorteil.).
  •  Bjarne Stroustrup: The Design and Evolution of C++. Addison-Wesley, 1994, ISBN 978-0201543308 (Das Buch beschreibt die Entwicklung und das Design von C++; Vom Sprachdesigner geschrieben.).
  •  Bjarne Stroustrup: Programming – Principles and Practice Using C++. Addison-Wesley, 2008, ISBN 978-0321543721 (Einführung in die Programmierung; Standardwerk für Einstiegsprogrammierkurse an der Universität Texas A&M).
  •  Scott Meyers: Effektiv C++ Programmieren – 55 Möglichkeiten, Ihre Programme und Entwürfe zu verbessern. 1. Auflage. Addison-Wesley, 2006, ISBN 3-8273-2297-9 (Zur Vertiefung bereits vorhandener C++-Kenntnisse.).
  •  Herb Sutter: Exceptional C++. 1. Auflage. Addison-Wesley, 2000, ISBN 3-8273-1711-8 (Vertiefung vorhandener C++-Kenntnisse.).
  •  Andrei Alexandrescu: Modernes C++ Design – Generische Programmierung und Entwurfsmuster angewendet. 1. Auflage. Mitp-Verlag, 2003, ISBN 3-8266-1347-3 (Ein Standardwerk zur C++-Metaprogrammierung, setzt ein tiefes Verständnis von C++ voraus.).
  •  Bruce Eckel: Thinking in C++, Volume 1: Introduction to Standard C++. 2. Auflage. Prentice Hall, 2000, ISBN 0-13-979809-9 (Online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: C++-Programmierung – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ISO/IEC 14882:2014
  2. The Programming Languages Beacon
  3. C++-FAQ von Bjarne Stroustrup über Speicherlecks (englisch); abgerufen am 3. Mai 2013.
  4. Das d-Zeiger-Idiom auf heise Developer
  5. Undefiniertes Verhalten bei mehrfacher Zuweisung, abgerufen 20. August 2014
  6. Scott Meyers, Effektiv C++ Programmieren, Addison-Wesley, Seiten 22/23, 43/44 und 46, nach Google-Books, abgerufen 20. August 2014
  7. Myths and Missconceptions about C++, Abschnitt Undefined Behavior (englisch), abgerufen 20. Februar 2015
  8. Stroustrup: C++ Style and Technique FAQ - „Can I write "void main()"?“
  9. Bjarne Stroustrup: Evolving a language in and for the real world: C++ 1991-2006. (PDF; 690 kB)
  10. clang.llvm.org
  11. Java – A Bit of History oder  Peter Drayton, Ted Neward, Ben Albahari: C# in a Nutshell: A Desktop Quick Reference. 2. Auflage. O'Reilly, 2003, ISBN 978-0-5960-0526-9.
  12. C++11 einstimmig als Standard angenommen – Artikel bei Heise online, vom 13. August 2011
  13. Neue C++-Version als ISO/IEC-Standard veröffentlicht – Artikel bei Heise online, vom 11. Oktober 2011
  14. Programmiersprache: ISO veröffentlicht C++11 – Artikel bei Golem.de, vom 11. Oktober 2011
  15. C++11 FAQ
  16. A Proposal to add Regular Expressions to the Standard Library (englisch) – Webdokument bei Open Standards, vom 3. März 2003
  17. A Proposal to Add General Purpose Smart Pointers to the Library Technical Report (englisch) – Webdokument bei Open Standards, vom 27. März 2003
  18. A Proposal to Add Hash Tables to the Standard Library (englisch) – Webdokument bei Open Standards, vom 9. April 2003
  19. A Proposal to Add an Extensible Random Number Facility to the Standard Library (englisch) – Webdokument bei Open Standards, vom 10. April 2003
  20. Proposal for adding tuple types into the standard library (englisch, PDF ≈ 164 KB; 164 kB) – Dokument bei Open Standards, vom 8. November 2002
  21. A Proposal to Add Mathematical Special Functions to the C++ Standard Library (englisch) – Webdokument bei Open Standards, vom 24. Februar 2003
  22. ISO/IEC JTC1/SC22/WG21 N1568 (englisch) – Webdokument bei Open Standards, von 2004
  23. B. Stroustrup: C++11 FAQ
  24. ISO Technical Report on C++ Performance (PDF; 1,2 MB)
  25. C++ 2014
  26. When was C++ invented? (englisch) – FAQ-Eintrag bei AT&T Labs Research; Stand: 4. Juli 2011
  27. Coding Horror: The Problem with C++
  28. Bjarne Stroustrup’s FAQ: Did you really say that?