Cäsarenwahnsinn

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Der Begriff „Cäsarenwahnsinn“ bezog sich ursprünglich auf Kaiser Caligula

Cäsarenwahnsinn bezeichnet eine spezifische Form des Größenwahns und der Paranoia, die insbesondere bei einigen römischen Kaisern aufgetreten sein soll. Der Ausdruck bezeichnet weniger eine Krankheit im medizinischen Sinne als vielmehr ein Bündel von Merkmalen eines zur Herrschaft ungeeigneten Monarchen.

Zum Schlagwort wurde der Begriff Cäsarenwahn durch Gustav Freytag, der in seinem Roman »Die verlorene Handschrift« (1864) den bei Tacitus [1] gebrauchten Ausdruck furor principum (dt. „Fürstenwahnsinn“) aufgriff. Zunächst wurde der Begriff nur auf die Herrschaft einiger Mitglieder des julisch-claudischen Kaiserhauses bezogen, später wurde er verallgemeinert.[2]

Weitere Verbreitung fand der Ausdruck Cäsarenwahnsinn durch die Schrift Caligula. Eine Studie über römischen Cäsarenwahnsinn des späteren Friedensnobelpreisträgers Ludwig Quidde (1894). Quidde benannte die wesentlichen Elemente wie folgt:

  • Glaube an die eigene Göttlichkeit,
  • Verschwendungssucht,
  • „theatralischer Schein“,
  • „Heißhunger nach militärischen Triumphen“ und
  • eine Neigung zum Verfolgungswahn.

Quidde bezog seine Aussagen explizit auf Kaiser Caligula (37–41 n. Chr.), doch war seinen Zeitgenossen klar, dass er implizit auch Kritik am deutschen Kaiser Wilhelm II. übte. Quidde ging davon aus, dass manche Herrscher unter dem „Eindruck einer scheinbar unbegrenzten Macht“ glaubten, nicht mehr an Recht und Gesetz gebunden zu sein und, beeinflusst von der Schmeichelei ihrer Umgebung und der eigenen Propaganda, an die eigene Übermenschlichkeit oder gar Göttlichkeit zu glauben begännen.

Als typische Fälle von Cäsarenwahn gelten neben Caligula besonders Nero, Commodus und Elagabal. Auch Domitian und Caracalla werden in diesem Zusammenhang häufig genannt. Problematisch ist diese Etikettierung aus Sicht der heutigen Althistoriker deshalb, weil vielfach damit zu rechnen ist, dass das Bild, das die antike Überlieferung von diesen Herrschern zeichnet, zumindest teilweise absichtlich verzerrt und überzeichnet ist: Was in den Quellen als Wahnsinn erscheint, ist mitunter einfach der Tyrannentopik geschuldet. Manch ein Kaiser, der sich nicht an die komplizierten Regeln des Prinzipats halten wollte oder konnte und daher durch mangelnde Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten der Senatoren deren Unmut erregte, wurde von Historikern wie Tacitus oder Cassius Dio gleichsam zur Strafe als Irrer dargestellt (vgl. Damnatio memoriae). Dennoch ist Quiddes Konzept bis zu einem gewissen Grad sinnvoll.

Eine römische Vorbeugemaßnahme gegen Cäsarenwahn war die Anwesenheit eines Sklaven auf dem Wagen eines siegreichen Triumphators, der ihn an seine Sterblichkeit zu erinnern hatte. Dieser flüsterte ihm ins Ohr: Respice post te, hominem te esse memento (in etwa: Schau hinter dich, und erinnere dich daran, dass du ein Mensch bist).

Quiddes Caligula beendete seine Karriere als Historiker abrupt, da er wegen Majestätsbeleidigung zu einer Haftstrafe verurteilt und daraufhin sozial geächtet wurde. Der Caligula wurde im Kaiserreich mit 31 Auflagen bis zum Jahr 1926 zum meistverkauften politischen Pamphlet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tacitus, Historien III 72
  2. http://universal_lexikon.deacademic.com/69623/C%C3%A4sarenwahn Universal-Lexikon Stichwort Cäsarenwahn