Cölln

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Dieser Artikel befasst sich mit Cölln an der Spree; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Cölln (Begriffsklärung).
Berlin und Cölln im Anfang des 13. Jahrhunderts. Wiederherstellungsversuch von Karl Friedrich von Klöden. Es fehlen z. B. in Cölln die Breite Straße und die Gegend des späteren Dominikanerklosters, in der die bisher ältesten Dendro-Funde gemacht wurden.
Cölln (gelb gefärbt) auf einem Stadtplan von 1688
Cölln, 1893

Cölln war eine auf einer Spreeinsel gelegene Stadt, die dem alten Berlin gegenüberlag. Im Spätmittelalter wuchsen beide Städte zur Doppelstadt Berlin-Cölln zusammen und entwickelten sich später zur heutigen Stadt Berlin.

Im Jahr 1237 wurde Cölln erstmals urkundlich erwähnt; dieses Jahr galt als Grundlage für die Stadtjubiläen 1937 (700 Jahre) und 1987 (750 Jahre), obwohl die einzig erhaltene Bestätigungsurkunde erst von 1238 datiert und in ihr nur Cölln, nicht aber Berlin erwähnt wird.

Bewohner und Wirtschaft[Bearbeiten]

Ortsmittelpunkt von Cölln war der Petriplatz mit der im Zweiten Weltkrieg beschädigten und 1964 abgetragenen Petrikirche an der Gertraudenstraße und dem Cöllnischen Rathaus an der Brüderstraße. An der Petrikirche wirkte Pfarrer Simeon von Cölln, der 1237 als Urkundszeuge bei der Beendigung des Brandenburger Zehntstreits auftrat. Das Petrus-Patrozinium der Pfarrkirche von Cölln findet sich auch am Dom von Brandenburg, dem Hauptort der Mark Brandenburg, und am Kölner Dom; dieser Stadtname war vermutlich namensgebend für die Stadt Cölln. Marsilius, der erste Schulze von Berlin, war ein aus dem Rheinland stammender Fernhandelskaufmann. Auch in Cölln waren die Fernhandelskaufleute die wichtigste Bevölkerungsgruppe, mit Häusern in der Breiten Straße, am Spreeufer, gut geeignet für das Anlegen von Schiffen als den günstigsten Transportmitteln. Die durch den populären Buchtitel Vom Fischerdorf zur Weltstadt (Adolf Streckfuss, Berlin 1864) verbreitete Vorstellung, Cölln sei aus einem slawischen Fischerdorf entstanden, gilt in der heutigen Landesgeschichtsforschung als widerlegt, da bisher keinerlei spätslawischen Siedlungsspuren in Cölln gefunden wurden. Der älteste archäologische Beleg, ein Holzbalken in einem Keller eines Fernhandelskaufmanns in der Breiten Straße, hat ein Dendrodatum von „um 1170“. Der älteste Beleg am ehemaligen Dominikanerkloster datiert auf „1198 (Waldkante)“, am Petrikirchplatz auf „1212 ±10“. Da das Cöllner Wappen den brandenburgischen Adler zeigt und die Pfarrkirche das gleiche Patrozinium wie der Dom von Brandenburg hat, liegt eine Gründung Cöllns durch den Markgrafen nahe, als Ergänzung oder Gegengründung zu Berlin.

Auf Berliner Seite war die Nikolaikirche der Ortsmittelpunkt. Da Nikolaus der Schutzheilige der Kaufleute ist, wird eine Gründung Berlins durch Fernhandelskaufleute angenommen, wie es für Ortskerne mit Nikolaikirchen typisch ist. Der Mühlendamm staute das Wasser, das die Mühlen antrieb. Der Transport von Waren über den Mühlendamm, offenbar aus handelspolitischen Gründen gezielt angelegt als Alternative zum bisherigen Spreeübergang in Köpenick auf der Verbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg, sowie der Wassertransport über Elbe und Havel von den Hansestädten her, zwangsläufig endend am Mühlendamm, brachte im Zusammenhang mit dem Niederlagsrecht Handelszölle ein. Der durch die Kaufgeschäfte (vor allem Berliner Roggen und Bauholz aus den umliegenden dörflichen Rodungen) wachsende Reichtum der beiden Städte konnte, durch die örtlichen Verhältnisse an den Flussarmen bedingt, nur auf der Berliner Seite zu einer Stadterweiterung führen, dem Marienviertel mit einer zweiten Kirche, der Marienkirche. Vom schnell wachsenden Reichtum der Doppelstadt zeugt auch der Umstand, dass der erste nachweisliche märkische Landtag 1280 in Berlin stattfand; in diesem Jahr wurde auch erstmals eine Münze in Berlin erwähnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Cölln wurde 1237 erstmals urkundlich erwähnt, sieben Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins, mit dem es sich 1307 zur Doppelstadt Berlin-Cölln mit einer nach außen[1][2][3] gemeinsamen Verwaltung vereinigte. Die Urkunde stammt vom Februar 1238, enthält aber den Text eines Vertrages, der im Oktober 1237 in Brandenburg, in Anwesenheit des Pfarrers Symeon de Colonia, zur Beilegung des Brandenburger Zehntstreits geschlossen wurde.[4] Die beiden Orte waren durch den Mühlendamm miteinander verbunden. Im seit 1307 gemeinsamen Magistrat waren die Berliner entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil durch mehr Stimmen vertreten. Der Magistrat baute zusätzlich zum Mühlendamm die Lange Brücke, die heutige Rathausbrücke, auf der 1309 ein gemeinsames Rathaus errichtet wurde. Die gemeinsame Politik der Doppelstadt führte 1308 zu einem ersten Bündnis mit anderen Städten in der Mark, darunter Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Salzwedel, zur Wahrung ihrer Rechte gegenüber dem Landesherrn und zur Abwehr äußerer Gefahren.

Cölln und Berlin schlossen sich 1432 zu einer Stadtgemeinde endgültig zusammen.[1][2][5] Die gemeinsame Stadtverwaltung von Berlin und Cölln wurde 1442 durch Kurfürst Friedrich II. zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wieder aufgehoben. Darüber hinaus wurde Cölln gezwungen, dem Kurfürsten einen Platz für die Errichtung einer Burg abzutreten. Aus ihr entstand das Berliner Stadtschloss, das etwa ab Ende des 15. Jahrhunderts den Kurfürsten von Brandenburg als Residenz diente.

Von 1658 bis 1683 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg Cölln und Berlin mit Festungswerken nach Plänen von Johann Gregor Memhardt versehen, die weitgehend entlang der alten Stadtmauer von Berlin angelegt wurden. Nur an einigen Stellen wurden die Stadttore nach außen verlegt. Cölln lag nicht länger an der Außengrenze, weil im Rahmen des Festungsbaus innerhalb der neuen Festungsmauer jenseits des Spreekanals die Neustädte Friedrichswerder im Westen und Neukölln am Wasser (Neu-Cölln) im Süden angelegt wurden. Teile des Festungswerkes, insbesondere die Bastionen, sind noch heute im Straßengrundriss der Stadt zu erkennen, beispielsweise am Hausvogteiplatz.

Die Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt wurden 1710 zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt. Zunehmend standen nun die Festungsmauern der städtischen Entwicklung im Wege, so dass diese ab 1734 geschleift wurden, damit Berlin mit seinen Vorstädten zusammenwachsen konnte. Die ganze Stadt wurde durch die Akzisemauer umgeben, von deren Verlauf heute noch Bezeichnungen von Straßen und Plätzen, insbesondere nach ehemaligen Stadttoren, zeugen.

Im Mittelalter hatte Cölln rund 1.400 Einwohner. Als Berliner Stadtteil umfasste Cölln die gesamte Spreeinsel und erreichte 1871 seine höchste Bevölkerungszahl mit 16.554 Einwohnern. 1910 betrug die Einwohnerzahl noch 6.895.[6] 1920 ging Cölln im neugebildeten Berliner Bezirk Mitte auf. Im Zweiten Weltkrieg wurden über 30 Prozent der Gebäude zerstört, blieben 10 Prozent unbeschädigt, während der Rest als wiederaufbaufähig galt.[7] Zur DDR-Zeit folgte dem programmatischen Abriss des Schlosses im Jahr 1950 eine nahezu vollständige Neubebauung mit Plattenbauten auf verändertem Straßengrundriss. Cölln ist heute nicht mehr als historischer Ortsteil erkennbar. Der Name Cölln oder Alt-Cölln wird im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als Ortsbezeichnung verwendet.

Historische Orte und Gebäude[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Fidicin: Die Gründung Berlins. Berlin 1840 (streng quellengenau, kritisiert Klöden als zu spekulativ).
  • Verein für die Geschichte Berlins (Hrg.): Projekt Alt-Cölln. Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 105. Jahrgang, Heft 2, Berlin 2009 (PDF-Datei).
  • Wolfgang H. Fritze: Gründungsstadt Berlin. Die Anfänge von Berlin-Cölln als Forschungsproblem, bearbeitet, herausgegeben und durch einen Nachtrag ergänzt von Winfried Schich. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-932981-33-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cölln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stöver B. Geschichte Berlins. Verlag CH Beck, 2010. ISBN 978-3-406-60067-8
  2. a b Stadtgründung Und Frühe Stadtentwicklung, Luisenstädtischer Bildungsverein
  3. Die mittelalterliche Handelsstadt, Berlin.de
  4.  Roland Bauer et al.: Berlin – Illustrierte Chronik bis 1870. Dietz, Berlin 1987, ISBN 3-320-00831-5, S. 28 f., DNB 551475684.
  5. Die kurfürstliche Residenzstadt, Berlin.de
  6. Friedrich Leyden: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin. In: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933, S. 206.
  7. Angaben zu den Gebäudeschäden auf einer Schadenskarte des Senats („Gebäudeschäden 1945“ unter „Historische Karten“ wählen), zum Denkmalsbestand um 1955 bei Hans Müther: Berlins Bautradition. Kleine Einführung, Das Neue Berlin, Berlin 1956, S. 85–108

52.51333333333313.404722222222Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 24′ O