Boehringer Ingelheim

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C. H. Boehringer Sohn
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Rechtsform AG & Co. KG
Gründung 1885
Sitz Ingelheim am Rhein, Deutschland

Leitung

  • Andreas Barner, Vorsitzender der Unternehmensleitung
  • Hubertus von Baumbach [1]
  • Wolfgang Baiker [2]
  • Allan Hillgrove [3]
  • Joachim Hasenmaier [4]
Mitarbeiter 46.228 (2012)
Umsatz 14.691 Mio. EUR (2012)
Gewinn 1.237 Mio. EUR (2012)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Bilanzsumme 17.290 Mio. EUR (31. Dezember 2012)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Pharmaindustrie
Produkte Humanpharma und TiergesundheitVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.boehringer-ingelheim.de

Boehringer Ingelheim ist ein Pharmaunternehmen, das 1885 von Albert Boehringer in Ingelheim am Rhein gegründet wurde. Es ist das größte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland. Das Kerngeschäft von Boehringer Ingelheim ist das Erforschen, Entwickeln, Herstellen und Vertreiben von Arzneimitteln.

Das Unternehmen erzielte im Jahr 2012 bei einem Umsatz von 14,7 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 1,85 Milliarden Euro. 2011 lag der Umsatz des Unternehmens bei 13,2 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss betrug 1,5 Milliarden Euro.[5]

Eigentümerverhältnisse und Struktur[Bearbeiten]

Das Unternehmen befindet sich ausschließlich in Familienbesitz. Die Gesellschafterfamilie wird in der Unternehmensleitung seit 2009 vertreten durch Hubertus von Baumbach (* 1967) – einem Sohn von Erich von Baumbach, dem Schwiegersohn des Gründers Albert Boehringer. Er ist zuständig für den Bereich Finanzen und Tiergesundheit. Vorsitzender des Gesellschafterausschusses ist seit 2007 Christian Boehringer. [6]

Juristische Konzernmutter ist die C. H. Boehringer Sohn AG & Co KG. Das weltweite operative Geschäft wird von deren Tochter Boehringer Ingelheim GmbH geleitet. Die meisten landesweiten Geschäfte werden in Deutschland von der Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG und in Österreich von der Boehringer Ingelheim RCV GesmbH & Co KG geführt.[7] [8]

Im Januar 2013 nahm das Unternehmen im Ranking der 500 größten Familienunternehmen Deutschlands der Zeitschrift Wirtschaftsblatt Platz 8 nach Umsatz ein.[9]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer und Verhältnis zur namensgleichen Firma in Mannheim[Bearbeiten]

Christian Gotthold Engelmann und Christian Friedrich Boehringer eröffneten 1817 die „Drogen- und Materialwarenhandlung Engelmann & Boehringer“ in Stuttgart, die 1859 nach dem Ausscheiden der Erben Engelmanns zur chemischen Fabrik C. F. Boehringer & Söhne wurde. 1871 übernahm sein Sohn Christoph Heinrich Boehringer das Unternehmen und verlegte danach den Sitz nach Mannheim.

1882 ging das Unternehmen auf dessen Sohn Ernst Boehringer über, der 1892 verstarb. Alleiniger Eigentümer war nunmehr die Familie Engelhorn. Aus dieser Firma ging das Unternehmen Boehringer Mannheim hervor. [10]

Gründung und erste Produkte[Bearbeiten]

Ein weiterer Sohn von C. H. Boehringer, Albert Boehringer, gründete 1885 eine chemische Fabrik in Nieder-Ingelheim am Rhein, die er 1893 in C. H. Boehringer Sohn umbenannte. Für ca. 70 Jahre gab es damit zwei Unternehmen mit dem Namen Boehringer. Zur besseren Unterscheidbarkeit benannten sich die Unternehmen Anfang der 1960er Jahre in Boehringer Mannheim und Boehringer Ingelheim um.

1895 machte man bei Boehringer Ingelheim die Entdeckung, dass Milchsäure mit Hilfe von Bakterien in großen Mengen hergestellt werden kann, damit begann die biotechnische Produktion. Die Milchsäure wurde zunächst hauptsächlich als Backpulver verkauft. 1911 wurde in Mainz die Tochtergesellschaft Chabeso GmbH gegründet, die die Limonadenmarke Chabeso auf der Basis von Milchsäure auf den Markt brachte.

Mit dem auf Opium basierenden Schmerzmittel Laudanon kam 1915 das erste pharmazeutische Produkt von Boehringer Ingelheim auf den Markt. Bereits 1917 erfolgte die Gründung der wissenschaftlichen Abteilung, deren Aufsicht zunächst dem Chemiker und späteren Nobelpreisträger Heinrich Wieland übertragen wurde. In der Folge wurde die Produktion von Gallensäure aufgenommen, dem Spezialgebiet Heinrich Wielands.

Expansion[Bearbeiten]

Ab 1924 produzierte ein Zweigwerk in Hamburg-Moorfleet Grundstoffe für Arzneimittel, darunter Koffein, Morphin und Codein. Im Jahr 1926 wurde die Dr. Karl Thoma & Cie. in Winnenden bei Stuttgart übernommen, aus der 1943 der Standort Biberach an der Riß entstand. 1948 wurde in Wien mit der Bender & Co. GmbH die erste Auslandsgesellschaft gegründet. Aus dem 1955 von Pfizer übernommenen Veterinärprogramm wurde 1978 die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH. 1962 bis 1966 war der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker Mitglied der Geschäftsführung.[11] Im Jahr 1986 nahm in Biberach das Biotechnikum den Betrieb auf. In der Folge entstand die bis heute größte Produktionsanlage für Biopharmazeutika aus Zellkulturen in Europa.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

1993 wurden die beiden Standorte Biberach und Ingelheim unter einer einheitlichen Geschäftsführung zusammengefasst; die Forschung wurde in Biberach konzentriert, die Produktion - mit Ausnahme der biopharmazeutischen Produktion - in Ingelheim.

Im Jahr 2004 wurde die Mikrotechnologie-Unternehmen microParts in Dortmund übernommen, die für das Unternehmen den Respimat entwickelte und produziert.

Wichtige Neueinführungen der letzten Jahre waren Spiriva für chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD) und Pradaxa zur Vorbeugung der Bildung von Blutgerinnseln. [12]

Standorte[Bearbeiten]

Weltweit arbeiten mehr als 46.000 Mitarbeiter in 140 Gesellschaften für das Unternehmen (2012). Am Standort Deutschland sind 13.104 Mitarbeiter (inklusive Auszubildende, Stand 2012) tätig. Stammsitz und Zentrale des Unternehmensverbandes ist Ingelheim am Rhein. Hier werden Arzneimittel und Wirkstoffe für den gesamten, weltweiten Unternehmensverband produziert.[13] Das Unternehmen unterhält weitere Produktionsstätten unter anderem in Italien, Spanien, Mexico, Brasilien und den Vereinigten Staaten.

Die Forschung und Entwicklung für Humanpharmazeutika findet aktuell weltweit an fünf Hauptstandorten statt: Biberach an der Riß, Ridgefield (Connecticut)/USA und Wien/Österreich sowie Mailand/Italien und Kōbe/Japan.[14] Während der vergangenen zehn Jahre hat Boehringer Ingelheim 1.379 Studien mit 119 Substanzen in 94 Ländern aller Regionen der Welt durchgeführt oder finanziert. Weltweit beschäftigt Boehringer Ingelheim mehr als 7.000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Die Arzneimittelforschung konzentriert sich weltweit auf sechs Haupt-Therapiegebiete: Atemwegserkrankungen, Kardio-metabolische Erkrankungen, Onkologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Immunologie und Infektionskrankheiten.

Seit der Akquisition von großen Teilen des Tiergesundheitsgeschäfts von Pfizer (insbesondere das ehemalige Wyeth-Markengeschäft „Fort Dodge“) im Oktober 2009 verfügt Boehringer Ingelheim über Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für Tiergesundheit in Fort Dodge im US-Bundesstaat Iowa. Im September 2012 wurde das Europäische Forschungszentrum für Tierimpfstoffe, „Boehringer Ingelheim Veterinary Research Center“ (BIVRC), in Hannover eröffnet.[15] 2012 flossen weltweit rund 2,8 Mrd. Euro in den Bereich Forschung und Entwicklung.

47 Prozent des Umsatzes erzielte das Unternehmen im Jahre 2012 in Nord- und Südamerika, 29 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Region Europa.[13]

Ingelheim am Rhein

Stammsitz und Zentrale des Unternehmensverbandes ist Ingelheim am Rhein. Hier werden Arzneimittel und Wirkstoffe für den gesamten, weltweiten Unternehmensverband produziert. Am Standort sind insgesamt 7.529 Mitarbeiter beschäftigt, davon 386 Auszubildende (Durchschnitt 2012). Neben der Pharma-Fertigung findet hier die Produktion von Pharma-Wirkstoffen für den weltweiten Unternehmensverband statt.

Biberach an der Riß

Derzeit sind in Biberach 5.062 Mitarbeiter sowie 264 Auszubildende (Durchschnitt 2012) angestellt. Hier finden Forschung und Entwicklung für konventionelle chemische Wirkstoffe sowie für Arzneimittel auf biotechnischer Basis statt sowie die Produktion von Biopharmazeutika.

Dortmund

Mehr als 467 Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim microParts in Dortmund beschäftigen sich hauptsächlich mit der Herstellung des Respimat® Soft Inhalers, der im Respimat®-Betrieb in Ingelheim befüllt und verpackt wird.

Hannover

Das Unternehmen investierte in Hannover mehr als 40 Millionen Euro in das Boehringer Ingelheim Veterinary Research Center (BIVRC), ein Europäisches Forschungszentrum für Tierimpfstoffe, das wegen seiner Lage in einem Wohngebiet umstritten war. Der Stadtrat von Hannover genehmigte am 17. September 2009 den Bebauungsplan für dieses Forschungszentrum;[16] das Oberverwaltungsgericht Lüneburg stellte am 12. Januar 2011 in seinem Urteil fest, dass der Bebauungsplan für das BIVRC, das in die Biologische Schutzstufe 3 eingeordnet wird, rechtmäßig ist. Das Forschungszentrum wurde am 27. September 2012 eröffnet.[15] Bis 2016 sollen insgesamt 80 hoch qualifizierte Wissenschaftler, Laborkräfte und Tierpfleger in Hannover für Boehringer Ingelheim tätig sein.[15]

Wien

Der Standort Wien fungiert als regionales Vertriebszentrum für Mittel- und Osteuropa (Humanpharma und Tiergesundheit) sowie als regionales Zentrum für klinische Studien in Mittel- und Osteuropa. Daher die Bezeichnung der Landesgesellschaft RCV (Regional Center Vienna). Außerdem befindet sich hier ein wichtiger Standort der unternehmensweiten onkologischen Forschung, sowie eine Produktionsanlage für die biopharmazeutische Herstellung (Fermentation von Bakterien und Hefen). [17]

Zudem befindet sich in Wien das von Boehringer Ingelheim getragene unabhängige Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP).

Produktportfolio[Bearbeiten]

Die Geschäftsgebiete umfassen Humanpharmazeutika mit den Segmenten verschreibungspflichtige Arzneimittel, Selbstmedikation und Industriekundengeschäft (Biopharmazeutika, Pharmazeutische Produktion, Pharmachemikalien) und Präparate für die Tiergesundheit. Der weltweite Unternehmensverband erzielte im Jahr 2010 einen Gesamterlös von rund 12,6 Milliarden Euro. Der Anteil der Humanpharmazeutika daran betrug 93 Prozent.

Verschreibungspflichtige Medikamente[Bearbeiten]

Bei den folgenden verschreibungspflichtigen Medikamenten handelt es sich um die wichtigsten Umsatzträger für das Unternehmen:

  • Spiriva® mit dem Wirkstoff Tiotropium zur Behandlung der COPD
  • Pradaxa® mit dem Wirkstoff Dabigatranetexilat, zur Prävention venöser thromboembolischer Ereignisse nach orthopädischen Operationen und zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern
  • Micardis® mit dem Wirkstoff Telmisartan zur Behandlung der essentiellen Hypertonie
  • Combivent® mit dem Wirkstoffen Ipratropiumbromid und Salbutamol zur Behandlung von chronisch-obstruktiver Atemwegserkrankung
  • Mirapex® (USA) bzw. Sifrol® (D, A, CH) mit dem Wirkstoff Pramipexol zur Behandlung von Parkinson und des Restless-Legs-Syndroms

Weitere wichtige / bekannte verschreibungspflichtige Produkte sind für das Unternehmen darüber hinaus:

  • Actilyse® mit dem Wirkstoff Alteplase zur Behandlung von Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall und trombotischem Verschluss (siehe auch Thrombolyse)
  • Adumbran® mit dem Wirkstoff Oxazepam zur Behandlung von Angst- u. Spannungszuständen
  • Aggrenox® mit den Wirkstoffen Dipyridamol und Acetylsalicylsäure, zur Prävention sekundärer Schlaganfälle oder bei transitorischen ischämischen Attacken (TIA)
  • Aptivus® mit dem Wirkstoff Tipranavir zur Behandlung von HIV-Infizierten
  • Berodual®/Atrovent®/Combivent® mit dem Wirkstoffen Ipratropiumbromid (Combivent® zusätzlich mit Salbutamol) und Fenoterol (Berotec®) zur Behandlung von chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen und Asthma bronchiale
  • Catapresan® mit dem Wirkstoff Clonidin zur Behandlung von Bluthochdruck
  • Flomax® mit dem Wirkstoff Tamsulosin, zur Behandlung von benigner Prostatahyperplasie (BPH)
  • Micardis Plus® mit den Wirkstoffen Telmisartan und Hydrochlorothiazid zur Behandlung von Bluthochdruck und kardiovaskulärer Prävention
  • Twynsta® mit den Wirkstoffen Telmisartan und Amlodipin zur Behandlung von Bluthochdruck
  • Viramune® mit dem Wirkstoff Nevirapin zur Behandlung von HIV-Infektionen

Große Erwartungen setzte das Unternehmen in eine mögliche Zulassung von Flibanserin zur Behandlung von Frauen, die unter vermindertem sexuellem Verlangen leiden. Das Unternehmen veröffentlichte im November 2009 dazu Ergebnisse von zulassungsrelevanten Phase-III-Studien, die weltweit in den Medien auf sehr großes Interesse stießen.[18][19][20] Auch in sozialen Medien diskutierten Fachleute und Laien intensiv über den neuen therapeutischen Ansatz, der fälschlicherweise mit Sildenafil (Viagra) verglichen wurde. Im Oktober 2010 gab das Unternehmen bekannt, dass die Entwicklung von Flibanserin eingestellt wurde. Hintergrund dieser Entscheidung war eine im Juli 2010 ausgesprochene Empfehlung eines Expertengremiums des US-Gesundheitsministeriums bezogen auf die Verhältnismäßigkeit von Nutzen und Risiken der Therapie.

Frei verkäufliche Medikamente[Bearbeiten]

Die wichtigsten Produkte des Unternehmens im Bereich Selbstmedikation (frei verkäufliche Medikamente):

  • Antistax® mit einem Extrakt aus roten Weinrebenblättern zur Behandlung der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI)
  • Bisolvon® mit dem Wirkstoff Bromhexin, zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen der Bronchien
  • Buscogast® mit dem Wirkstoff Omeprazol zur Behandlung von Sodbrennen
  • Buscopan® mit dem Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid zur Behandlung von Krämpfen
  • Dulcolax® mit den Wirkstoffen Bisacodyl und Natriumpicosulfat, zur Behandlung von chronischer und akuter Obstipation
  • Mucoangin® mit dem Wirkstoff Ambroxol zur Behandlung von Halsschmerzen
  • Mucosolvan® mit dem Wirkstoff Ambroxol gegen akute und chronische Erkrankungen der Bronchien
  • Silomat®, bis 2007 mit dem Wirkstoff Clobutinol, ab 2008 mit Pentoxyverin oder Dextromethorphan zur Behandlung von trockenem Husten
  • Pharmaton® mit den Wirkstoffen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Omega-3-Fettsäuren (DHA) zur Vorbeugung gegen Eisen- und Folsäuremangel während der Schwangerschaft / zur Unterstützung der Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems
  • Thomapyrin® mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Koffein und Paracetamol; schmerzstillend und fiebersenkend

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten]

Positive Wahrnehmung[Bearbeiten]

Das Unternehmen, sowie die Eignerfamilie, engagiert sich vielfältig im Bereich unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. So erhielt die Universität Mainz beispielsweise 2009 eine Spende über 100 Millionen Euro, um die Errichtung eines internationalen Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften zu fördern.[21]

Das Unternehmen unterhält mehrere Stiftungen,[22][23] die sich hauptsächlich der Förderung von medizinischer Forschung sowie der Förderung von Nachwuchskräften widmen. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen verschiedene lokale und weltweite Projekte.[24]

Das Unternehmen erhielt im Jahr 2013 zum dritten Mal den seit 2009 vergebenen Corporate Health Award in der Kategorie Chemie/Pharma für Leistungen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). [25] [26]

Negative Wahrnehmung[Bearbeiten]

Lieferung von Grundstoffen für Agent Orange[Bearbeiten]

Laut einem Artikel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 1991 lieferte das Unternehmen 1967 eine Menge von 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an das in Neuseeland ansässige Unternehmen Dow Watkins, ein Tochterunternehmen von Dow Chemical. Die Chemikalie diente zur Herstellung des Herbizids Agent Orange, welches im Vietnamkrieg zur Waldentlaubung benutzt wurde und aufgrund seines Dioxingehalts schwere gesundheitliche Schäden verursachte.[27] Boehringer Ingelheim räumte die Angaben ein Jahr nach Erscheinen des Artikels ein.[28]

Dioxin im Werk Moorfleet[Bearbeiten]

Der Dioxinskandal um das Industrieunternehmen Boehringer hatte seinen Ursprung in Hamburg-Billbrook: Boehringer betrieb an der Andreas-Meyer-Straße an der Grenze zu Moorfleet ein Herbizidwerk, dessen Dioxinausstoß viele Arbeiter erkranken ließ. Im Jahr 1984 musste die Fabrik geschlossen werden. Das Gelände wurde bis in die 1990er Jahre hinein saniert, was jedoch zu keiner nennenswerten Entlastung des Bodens führte, so dass seit 1994 der Bereich weiträumig durch metertiefe Spundwände von der Umgegend abgetrennt wurde.

Statistische Untersuchungen haben für die ehemalige Belegschaft der Firma C. H. Boehringer Sohn im 1984 stillgelegten Werk Hamburg-Moorfleet, in dem es bei der Pestizidproduktion zu Dioxinbelastungen kam, ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhtes Krebsrisiko gezeigt.[29]

Proteste gegen Tierversuche[Bearbeiten]

Ab Ende der 1970er Jahre hatte die Anzahl an Tierversuchen großer forschender Konzerne wie Boehringer[30] zu einer heftigen öffentlichen Debatte über Nutzen und Notwendigkeit von Tierversuchen geführt, begleitet von zahlreichen Protesten in der Bevölkerung. 2008 und 2009 demonstrierten Tierschützer gegen Tierversuche am Boehringer-Standort Biberach an der Riß. 2009 wendete sich die „Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten e. V.“ gegen das von Boehringer Ingelheim in Hannover geplante Europäische Forschungszentrum für Tierimpfstoffe. Unterstützt wurde diese durch Tierrechtsaktivisten, die das Gelände in Hannover sechs Wochen lang besetzt hielten.[31][32]

Patentstreit für AIDS-Medikament in Indien[Bearbeiten]

Im Zusammenhang der von Boehringer Ingelheim hergestellten AIDS-Medikamente wird dem Hersteller vorgeworfen, den Zugang zu diesen Medikamenten durch patentrechtliche Maßnahmen zu erschweren. So hat das Unternehmen z. B. in Indien einen Patentantrag auf den von ihnen entwickelten Wirkstoff gestellt – entsprechende Medikamente werden dort zurzeit noch zum Viertel des von Boehringer Ingelheim verlangten Preises hergestellt. In Kenia drohte die Firma Apotheken und Medikamentengroßhändlern mit rechtlichen Schritten, sollten diese weiterhin das kostengünstigere indische Präparat importieren.[33]

Das Unternehmen verweist darauf, dass keinerlei Lizenz- oder andere Gebühren erhoben werden und der Zugang zu kostengünstigen AIDS-Medikamenten so nicht behindert wird. Dieser Sachverhalt wurde mittlerweile auch von den Initiatoren der Kampagne bestätigt. Diese soll dennoch weitergeführt werden, da Boehringer Ingelheim nicht grundsätzlich auf das geistige Eigentum an seinem Wirkstoff verzichten möchte und so in der Zukunft vielleicht doch irgendwann Gebühren erheben könnte.

Todesfälle bei Blutgerinnungshemmer[Bearbeiten]

2011 wurde über Todesfälle in Zusammenhang mit dem Blutgerinnungshemmer Dabigatran (Pradaxa) berichtet. Zwischen März 2008 und November 2011 waren weltweit 256 Menschen in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme des Medikamentes gestorben.[34] Pradaxa sei jedoch nicht gefährlicher als andere Blutverdünner, so der Konzern.[35]

Klinische Studien in Indien[Bearbeiten]

In einem im Februar 2013 publizierten Radiofeature[36] berichtete Dieter Bauer über Medikamententests von Boehringer Ingelheim an nichtinformierten Probanden in Indien.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Viehöver: Die Einflußreichen, 2. Boehringer - Tue gutes und schweige drüber, Band 60587, Verlagsgruppe Lübbe, 2007, Seite 60 (abgerufen am 12. April 2013)
  2. Archiv Pressemitteilungen Boehringer Ingelheim, 17. Mai 2013 (abgerufen am 8. Juni 2013)
  3. Boehringer Ingelheim: Australier Allan Hillgrove wird Chef, horizont.net vom 28. September 2012
  4. Archiv Pressemitteilungen Boehringer Ingelheim, 5. Juli 2012 (abgerufen am 12. April 2013)
  5. Financial Highlights. boehringer-ingelheim.com. Abgerufen am 1. Juli 2012.
  6. 1988–2012: Werte schaffen durch Innovation. In: boehringer-ingelheim.de. Abgerufen am 12. April 2013.
  7. Häufige Fragen. In: www.boehinger-ingelheim.de. Abgerufen am 2. November 2013.
  8. Unternehmensgeschichte. In: www.boehinger-ingelheim.at. Abgerufen am 2. November 2013.
  9. Top 500 – Die größten Familienunternehmen in Deutschland (PDF; 307 kB). In: Wirtschaftsblatt 1/13
  10. Firmenportrait auf helpster.de vom 24. Juli 2013 (aufgerufen am 26. Oktober 2013)
  11. C. von Schnibben: Der Tod aus Ingelheim. In: Der Spiegel 32, 1991, S. 106–120.
  12. Michael Sieber (Hrsg: Gesellschafterfamilie der C.H: Boehringer Sohn AG & Co. KG): Mit Menschen für Menschen. Aus der Geschichte des forschenden Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Ingelheim, 2010, S. 192 - 207.
  13. a b "Boehringer Ingelheim Company Profile" (PDF; 160 kB).
  14. F&E Standorte. In: www.boehinger-ingelheim.de. Abgerufen am 22. Februar 2014.
  15. a b c Pressemitteilung zur Eröffnung des BIVRC
  16. Gunnar Menkens: Handheben für Boehringer. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18. September 2009. Abgerufen am 1. Juli 2012. 
  17. Organisation Boehringer Ingelheim RCV. In: www.boehinger-ingelheim.at. Abgerufen am 5. November 2013.
  18. Kein rosa Viagra, aber sexuell stimulierend. ZEIT online vom 19. September 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013
  19. Antidepressivum macht Frauen Lust. Focus Online vom 16. November 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013.
  20. Neue Lustpille für Frauen erfolgreich getestet. Die Welt online vom 12. Oktober 2011, abgerufen am 2. Dezember 2013
  21. Spendengeld: Uni Mainz erhält 100 Millionen Euro für Forschungszentrum. In: FAZ, 6. Februar 2009. ISSN 0174-4909. Abgerufen am 1. Juli 2012. 
  22. Boehringer Ingelheim Fonds
  23. Geschwister Boehringer Ingelheim – Stiftung für Geisteswissenschaften
  24. WE CARE - Schüler werden Changemaker. CARE Deutschland, abgerufen am 7. August 2013.
  25. CHA 2013. In: www.corporate-health-award.de. Abgerufen am 9. Dezember 2013.
  26. Corporate Health Award: Deutschlands gesündeste Unternehmen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 9. Dezember 2013.
  27.  Cordt Schnibben: Der Tod aus Ingelheim. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1991, S. 102ff (online).
  28.  Eine unselige Geschichte. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1992, S. 64ff (online).
  29. A. Manz u. a.: Cancer mortality among workers in chemical plant contaminated with dioxin In: The Lancet Volume 338, Issue 8773, 1991, S. 959–964 doi:10.1016/0140-6736(91)91835-I
  30. Horst Stern: Tierversuche. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 3-499-17406-5, S. 175.
  31. Zeitungsmeldung der HAZ zur Besetzung des Geländes in Hannover
  32. Zeitungsmeldung der HAZ zur Räumung
  33. Boehringer behindert Zugang zu AIDS-Sirup für Kinder (PDF; 493 kB) In: bukopharma.de. Abgerufen am 1. Juli 2012.
  34. Jutta Hoffritz: 256 Menschen weltweit sterben nach der Behandlung mit Pradaxa. ZEIT Online vom 11. November 2011.
  35. Hartmut Wewetzer, Alina Schadwinkel: Pradaxa ist nicht gefährlicher als andere Blutverdünner. ZEIT Online vom 15. November 2011.
  36. Radiofeature der ARD

49.9756978.044272Koordinaten: 49° 58′ 33″ N, 8° 2′ 39″ O