C. Lorenz AG

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Firmensitz Berlin-Tempelhof seit 1917, Lorenzweg am Teltowkanal

Die C. Lorenz AG war ein deutsches Rundfunk- und Telekommunikationsunternehmen mit Sitz in Berlin.

Geschichte[Bearbeiten]

1880 gründete Carl Lorenz in Berlin eine Telegrafenbauanstalt. Das schnell wachsende Unternehmen stellte Morseapparate und Streckenläutwerke für die Eisenbahn her. 1890 übernahm der Kaufmann Robert Held (1860-1924) von Lorenz’ Witwe das Unternehmen. Diese firmierte ab 1906 als C. Lorenz AG. Ab 1908 werden erste drahtlose Sendeanlagen für die Kaiserliche Marine und das Deutsche Heer gebaut.[1] Das Unternehmen richtete 1909 nordöstlich von Berlin seine Versuchsfunkstelle Eberswalde ein. 1917 bezog es seinen Sitz in der damals noch selbstständigen Landgemeinde Tempelhof bei Berlin.

Telegrafie[Bearbeiten]

Blattschreiber Lorenz Lo15, ab 1932 gebaut

1924 erwarb Lorenz eine amerikanische Lizenz für Typendrucktelegraphen.[2] Der Blattschreiber Lorenz Lo15 war eine Weiterentwicklung der Lizenzmodelle.[3] Es wurden sowohl Blatt- als auch Streifenfernschreiber hergestellt. Diese wurden später als Lorenz SZ40/SZ42 auch mit Chiffrierung (siehe Lorenz-Schlüsselmaschine) ausgestattet.

Funk- und Fernsehtechnik[Bearbeiten]

Der technische Schwerpunkt ab den 1920er Jahren war die Funktechnik. Ab 1919 wurden erste Sendungen von der Versuchsfunkstelle in Eberswalde ausgestrahlt. Am 8. Juni 1921 übertrug Lorenz vom Sender Königs Wusterhausen aus der Staatsoper Berlin. Lorenz baute seither Großsender für die neu gegründeten Rundfunkanstalten und produzierte ab 1923 Radioempfangsgeräte, ab 1924 Detektorempfänger. 1928 entwickelte Lorenz tragbare Kurzwellenfunkgeräte. 1932 gingen Kurzwellenfunkgeräte, 1936 UKW-Funkgeräte in Serie. Ab 1933 wurden Stahltonmaschinen zur Tonaufzeichnung auf Stahlbändern vertrieben. Tragbare Tonaufnahmegeräte von Lorenz wurden seit 1935 beim deutschen Rundfunk für Reportagen eingesetzt. 1935 ließ Lorenz eine drehbare Ferritantenne patentieren, die später in Rundfunkgeräten eingesetzt wurde. Auf der 16. Großen Deutschen Funk- und Fernseh-Ausstellung in Berlin stellte das Unternehmen im Sommer 1939 den zusammen mit der Fernseh A.G. (Bosch/Blaupunkt), Radio A.G. D.S. Loewe, TeKaDe sowie der Telefunken G.m.b.H. entwickelten Deutschen Einheits-Fernseh-Empfänger E 1 vor. Ab Ende der 1930er Jahre war Lorenz auch beim Bau von Radaranlagen wie dem FuG 200 „Hohentwiel“ beteiligt.

Nach dem Tod von Robert Held wurde 1930 die Aktienmehrheit an die Standard Elektrizitätsgesellschaft (SEG) verkauft, die dem amerikanischen Unternehmen ITT gehörte. 1940 übernahm die C. Lorenz AG die Schaub Apparatebau-Gesellschaft mbH mit Sitz in Pforzheim-Dillweißenstein. Ab 1941 wurden keine funktechnischen Geräte für den zivilen Bedarf mehr hergestellt. Wie alle großen deutschen Betriebe beschäftigte das Unternehmen auch Zwangsarbeiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

1945 wurden Betriebsstätten von Lorenz demontiert und in die Sowjetunion verbracht.[4] Die Berlin-Blockade im Juni 1948 war eine einschneidende Behinderung der West-Berliner Wirtschaft, da der Güterverkehr mit den westlichen Besatzungszonen unterbrochen worden war. Lorenz verlagerte deshalb 1948 seinen Sitz nach Stuttgart-Zuffenhausen. Ab 1950 wurde auch die Radioproduktion in Stuttgart angesiedelt. 1958 erfolgte die Vereinigung der Standard Elektrik AG mit der C. Lorenz AG zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL).

Sendeanlagen mit Lorenzbeteiligung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lichtbogensender entwickelt von Valdemar Poulsen
  2. Teletype 14 von Morkrum-Kleinschmidt, Chicago, USA.
  3. 1932 Lorenz Lo15; 1936 Lorenz T32Lo, 1949 Lorenz T36Lo.
  4. Der gesamten West-Berliner Wirtschaft wurden durch Demontage rund 67 Prozent der von den Kämpfen verschont gebliebenen Kapazitäten entzogen. Siehe: Frank Zschaler: Öffentliche Finanzen und Finanzpolitik in Berlin, 1945–1961, Volume 88, Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Walter de Gruyter, 1995, ISBN 978-3-11-014409-3, S. 16.