Washingtoner Artenschutzübereinkommen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von CITES)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Übereinkommen
über den internationalen Handel
mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen
Kurztitel: Washingtoner Artenschutzübereinkommen
Titel (engl.): Convention on International Trade
in Endangered Species of Wild Fauna and Flora
Abkürzung: CITES (WA)
Datum: 3. März 1973
Inkrafttreten: 1. Juli 1975
Fundstelle: cites.org; Bonn Amdt., Garbarone Amdt.
Vertragstyp: Multinational (UNO)
Rechtsmaterie: Naturschutz
Unterzeichnung: 179[1]
Ratifikation: 178
Deutschland: Rat. 20. Juni 1976 (i.K. 20. Juni 1976, Bonn 1987, Garb. 1985)
Liechtenstein: Acc. 30. November 1979 (i.K. 28. Feb 1980, Bonn 1987, Garb. 2000 )
Österreich: Acc. 27. Jan. 1982 (i.K. 28. Feb 1980, Bonn 1987, Garb. 1985)
Schweiz: Rat. 9. Juli 1974 (i.K. 1. Juli 1975, Bonn 1987, Garb. 1994)
Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Vertragsfassung.
CITES-Teilnehmerstaaten

Die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz CITES, deutsch Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) ist gleichermaßen ein Abkommen und eine internationale Organisation, die zum Ziel hat, internationalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen so weit zu regulieren, dass das Überleben von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten nicht gefährdet wird. Der Konventionstext der CITES wird nach dem Ort seiner Erstunterzeichnung am 3. März 1973 in Washington, D.C. auch Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) genannt.

Das Sekretariat von CITES hat seinen Sitz in Genf, es wird von UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, verwaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Auslöser für das Übereinkommen war die Erkenntnis, dass eine der Hauptursachen für das Aussterben von Tierarten der internationale Handel mit einzelnen Tieren dieser Arten oder den aus ihnen gewonnenen Erzeugnissen (etwa Leder, Naturmedikamente oder Lebensmittel) ist. Ihr Vorgänger, das Londoner Artenschutzabkommen von 1933, das von neun Staaten unterzeichnet wurde, bezog sich hauptsächlich auf Großwildarten Afrikas (insgesamt 42 Arten). Bereits 1964 kursierte ein erster Entwurf für ein umfassenderes Abkommen. IUCN sandte seit 1967 mehrfach Entwürfe für die Übereinkunft an alle Mitgliedsstaaten der UN. 1971 war der Text so weit überarbeitet, dass 39 Regierungen und 18 Nichtregierungsorganisationen (NGO) der Unterzeichnung zustimmten. Die Stockholmer Umweltkonferenz von 1972 trug weiter zur Realisierung bei, so dass die USA zur Gründungskonferenz einluden, der 80 Staaten beiwohnten.

Das am 3. März 1973 unterzeichnete Übereinkommen von Washington trat für die ersten Mitgliedsländer am 1. Juli 1975 in Kraft. Die ersten fünf Länder, die das Abkommen ratifiziert haben, waren die USA, Nigeria, die Schweiz, Tunesien, Schweden. Das erste Land aus der Europäisches Gemeinschaft (EG), das das Abkommen ratifizierte, war die BRD, und zwar zum 20. Juni 1976. Die DDR hatte bereits ein halbes Jahr zuvor unterzeichnet.[2] Das Übereinkommen gilt (Stand Oktober 2013) für 179 Staaten.[1] Für die EG bestehen wegen des Binnenmarktes verschärfte Richtlinien zur Durchsetzung des Abkommens.

Das internationale Abkommen regelt den Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen sowie den aus ihnen produzierten Erzeugnissen. Dem Abkommen sind drei Listen der vom Aussterben bedrohten oder gefährdeten Arten beigelegt. Rund 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten stehen unter Schutz.

Das Abkommen wurde am 22. Juni 1979 in Bonn (Bonn amendment to Article XI) und am 30. April 1983 in Gaborone (Gaborone amendment Article XXI) überarbeitet; nicht alle Teilnehmer haben diese Änderungen übernommen.[1]

Regelungsgehalt[Bearbeiten]

Vom Zoll beschlagnahmte Elefantenfüße im Deutschen Zollmuseum Hamburg

Das Übereinkommen regelt oder verbietet den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten. Die Ein- und die Ausfuhr werden unter eine scharfe Kontrolle gestellt. Auch der Handel mit Produkten geschützter Tiere, wie Elfenbein, Kaviar, Schildpatt oder präparierten („ausgestopften“) Tieren, unterliegt den gleichen Regelungen.

Sicherstellungen[Bearbeiten]

Vom Zoll beschlagnahmter Schlangenschnaps

Die Sicherstellungen erfolgen in der Regel durch den Zoll (in Deutschland durch die Bundeszollverwaltung). Hauptsächlich beschlagnahmt werden bei den Pflanzen u. a. Kakteen und Orchideen, bei Tieren unter anderem Schnecken, Muscheln, Reptilien und Korallen.

Umsetzung und Vollzug[Bearbeiten]

Der Vollzug des Abkommens erfolgt in Deutschland in der Regel durch das Bundesamt für Naturschutz, in Österreich durch das Umweltministerium (genaue Bezeichnung derzeit Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) und in der Schweiz durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

Die Umsetzung des WA in der Europäischen Union wird unter anderem durch die EU-Artenschutzverordnung geregelt. In Deutschland wird die EU-Artenschutzverordnung durch die Bundesartenschutzverordnung erweitert und verschärft.

Anhänge[Bearbeiten]

Das Abkommen enthält drei Anhänge:

Artenschutzkonferenz[Bearbeiten]

Auf regelmäßigen Tagungen der Vertreter der Unterzeichnerstaaten (Conference of the Parties) werden die geltenden Regelungen überprüft und Anträge auf weitere Handelsbeschränkungen gestellt.

15. Tagung in Doha 2010[Bearbeiten]

Zur 15. Tagung der Konferenz der Unterzeichnerstaaten (CoP15) in Doha, Katar, vom 13.–25. März 2010, kamen mehr als 2.000 Delegierte aus 175 Ländern. Die Teilnehmer konnten sich weder auf ein kurzzeitiges Verbot des Handels mit Blauflossen-Thunfisch bis zur Erholung der Bestände, noch auf ein Handelsverbot mit Eisbärfellen oder den Schutz verschiedener Haiarten wie Hammerhai und Dornhai einigen, von denen einige Produkte unter den Bezeichnungen Schillerlocke, Kalbsfisch, Seeaal oder Seestör auch in Europa im Handel sind. Den Vorschlag auf ein Handelsverbot der bedrohten Arten Hammerhai und Dornhai brachten Schweden und Palau gemeinsam ein. Der Naturschutzbund Deutschland forderte ein gemeinsames Vorgehen der EU unter anderem bei der Durchsetzung des Schutzes des Thuns. Laut Angaben des Naturschutzbundes Deutschland werden 80 Prozent des Atlantischen Blauflossen-Thunfisches in Japan zu Sushi oder Sashimi verarbeitet. Bei Auktionen auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji würden einzelne Exemplare Verkaufspreise von bis zu 100.000 Euro erzielen.[3] Ein Verbot des Handels mit dem Fleisch des Heringshais wurde erst beschlossen, am letzten Tag der Konferenz aber wieder zurückgenommen.[4] Das Handelsverbot für Elfenbein wurde verlängert.[5]

16. Tagung in Bangkok 2013[Bearbeiten]

Vom 3. bis 14. März 2013 - zum 40. Jahrestag des Washingtoner Artenschutzübereinkommens - fand in Bangkok die 16. CITES-Konferenz statt, an der über 2000 Delegierte aus 177 Ländern teilnahmen. Viel beachtete Themen waren dabei unter anderem der Schutz von Elefanten und Nashörnern vor der massiven Zunahme der Wilderei, der Schutz gefährdeter Haiarten, des Eisbären, seltener Tropenhölzer und einiger Amphibien und Reptilien.

Die Elefanten- und Rhinowilderei nahm in den letzten Jahren mit einem Anstieg von rund 5000 % bei der Nashornwilderei,[6] mit neuen Höchstständen bei der illegalen Jagd auf Elefanten sowie mit zunehmender Professionalisierung und Militarisierung der Wilderer bisher ungekannte Ausmaße an. Der Bestand vieler Haiarten ist insbesondere durch den wachsenden Wohlstand in einigen asiatischen Staaten bedroht, wo Haifischflossensuppe als Delikatesse und ihr Verzehr als Statussymbol gilt. Dem Handel mit Haien fallen dabei jährlich bis zu 100 Millionen Tiere zum Opfer, was einige Arten an den Rand des Aussterbens gebracht hat.[7]
Deutschland setzte sich auf der Konferenz der Unterzeichnerstaaten (CoP16) daher unter anderem für die Aufnahme des Heringshais in Anhang II des Abkommens ein. Unterstützung fand sich dabei unter anderem durch die Delegationen aus den USA, Brasilien, Kolumbien und Ägypten, die sich ihrerseits für eine Aufnahme einiger Haiarten wie dem Weißspitzen-Hochseehai, verschiedener Hammerhaiarten sowie einiger Rochenarten wie dem Mantarochen einsetzten.[8] Trotz des massiven Widerstands Chinas und Japans wurden Heringshai, Weißspitzen-Hochseehai, drei Hammerhaiarten und Mantas mit einer klaren Zweidrittelmehrheit in Anhang II des Artenschutzabkommens aufgenommen. Sie dürfen damit nur noch unter strengen Auflagen gehandelt werden, müssen beispielsweise aus nachhaltig befischten Beständen stammen.[9]

Die auf der CoP16 erzielten Ergebnisse werden von den Beteiligten sowie von Naturschutzorganisationen insgesamt als großer Erfolg für den Artenschutz angesehen.[9][10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch: Aktuelle Dokumente der CITES (englisch, französisch und spanisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Quelle: www.cites.org
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCites: Das Washingtoner Artenschutzabkommen. In: Spiegel Online. 20. August 2001, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  3. www.nabu.de
  4. Doch keine Ausnahme für Heringshaie (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung Tagesschau (ARD) vom 25. März 2010 über die Artenschutzkonferenz in Katar
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJapans Triumph über den Artenschutz. In: handelsblatt.com. 25. März 2010, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  6. WWF zur Wildereikrise
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTill Fähnders, Bangkok: In die Haifischflossensuppe gespuckt. In: FAZ.net. 14. März 2013, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  8. nabu.de: www.nabu.de
  9. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCites-Konferenz: Japan und China scheitern mit Vorstoß gegen Hai-Schutz. In: Spiegel Online. 14. März 2013, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  10. Ergebnisse der CoP16
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!