CO2-Bilanz

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Der CO₂-Fußabdruck, auch CO₂-Bilanz genannt, ist ein Maß für den Gesamtbetrag von Kohlenstoffdioxid-Emissionen (gemessen in CO₂), der, direkt und indirekt, durch eine Aktivität verursacht wird oder über die Lebensstadien eines Produkts entsteht.[1]

Da es noch keine international anerkannte Definition gibt, werden in einige Berechnungen auch alle Treibhausgase oder auch zusätzliche Faktoren einbezogen.

Kohlenstoffdioxid-Emissionen (gemessen in CO₂) und Treibhausgas-Emissionen (gemessen in CO₂-Äquivalenten, CO₂-eq) werden oft in Tonnen pro Jahr – oder bei Fahrzeugen in Gramm pro Kilometer – angegeben.

Der CO₂-Fußabdruck hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da er ein hilfreiches Mittel werden könnte, um die Klimaauswirkungen von Produkten, Dienstleistungen und anderen Geschehnissen im Alltag eines jeden Menschen zu ermitteln. Nur mit diesen Informationen lassen sich die Klimaauswirkungen derselben wirksam minimieren, was wiederum nötig ist, um angestrebte Klimaziele – zum Beispiel das Begrenzen der globalen Erwärmung auf 2 °C – zu erreichen.

Die Kraftfahrzeugsteuer in Deutschland bemisst sich nach § 8 KraftStG nicht mehr wie früher nur nach Hubraum, sondern bei PKW auch nach spezifischen Schadstoffemissionen und nach CO₂-Emissionen je gefahrenem Kilometer.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff „CO₂-Fußabdruck“ ist in den letzten Jahren relativ bekannt geworden. Heute ist eher der englische Begriff Carbon footprint üblich und wird auch von deutschen Behörden und Institutionen verwendet[2]. Der Begriff basiert auf dem Konzept des ökologischen Fußabdrucks, das 1994 von Mathis Wackernagel und William E. Rees entwickelt wurde. Der CO₂-Fußabdruck ist nicht Teil des (von Wackernagel 2003 gegründeten) Global Footprint Networks, da Wackernagel ihn als Teil des ökologischen Fußabdrucks betrachtet und nicht als allein stehenden Faktor.

Der CO₂-Fußabdruck lässt sich auch für Personen, Organisationen, Länder und Events (z. B. eine Urlaubsreise) etc. berechnen. Wer die CO₂-Fußabdrücke mehrerer Handlungsalternativen kennt, kann diese Zahlen mit anderen Faktoren abwägen und bei Entscheidungen berücksichtigen.[3] Bei Personen, Organisationen oder Events wird oft auch angeboten, den CO₂-Fußabdruck zu neutralisieren, indem man z. B., entsprechend dem Ergebnis der Berechnung, in Regenwaldaufforstungen, Erneuerbare Energien oder andere klimafreundliche Maßnahmen investiert (→Kapitel: Das Kompensieren eines CO₂-Fußabdrucks).

Daten und Fakten[Bearbeiten]

Der CO₂-Fußabdruck eines Produkts[Bearbeiten]

Der CO₂-Fußabdruck von Flaschenwasser

Eine deutschlandweit (nicht international) akzeptierte Definition für den CO₂-Fußabdruck von Produkten ist folgende aus dem Memorandum 'Product Carbon Footprint' (PCF) von BMU, UBA und Öko-Institut von 2011:

Der Product Carbon Footprint (CO₂-Fußabdruck von Produkten) bezeichnet die Bilanz der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit.[4]

Der Produktlebenszyklus soll die gesamte Wertschöpfungskette umfassen:

  • Herstellung, Gewinnung und Transport der Rohstoffe und Vorprodukte
  • Produktion und Distribution
  • Nutzung, Nachnutzung
  • Entsorgung/Recycling

Von allen Varianten des CO₂-Fußabdrucks ist der CO₂-Fußabdruck von Produkten der am detailliertesten untersuchte. Er könnte eine große Zukunft in der CO₂-Kennzeichnung von Waren und Dienstleistungen haben.

In Großbritannien wurde 2008 eine von BSI (British Standards Solutions) erarbeitete Standardisierung der Methodik des CO₂-Fußabdrucks von Produkten mit dem britischen Standard 'PAS 2050:2008' abgeschlossen.[5] 2011 kennzeichnete der größte britische Handelskonzern Tesco nach eigenen Angaben über 500 Produkte in Großbritannien und in Südkorea nach diesem Standard.[6] Allerdings wird nicht immer die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen.[7] Auch in Japan und Thailand sind solche Labels zum Teil eingeführt.[8]

In Deutschland wurde der CO₂-Fußabdruck von Produkten von Bundesministerium für Umwelt, Umweltbundesamt und Öko-Institut zwar diskutiert, laut dem abschließenden Memorandum werden aber keine weiteren Aktionen unternommen, bevor nicht die 'ISO 14067' für die Bilanzierung des CO₂-Fußabdrucks von Produkten zur Verfügung steht, da eine zusätzliche Verwirrung der Bevölkerung zu den ca. 400 bereits bestehenden Labeln vermieden werden soll.[9]

Nach der oben genannten Definition liegt der CO₂-Fußabdruck einzelner Lebensmittel "in der Größenordnung von einigen Dutzend Gramm bis mehreren Kilo CO₂-eq pro Kilo Lebensmittel. Sehr hohe Werte hat beispielsweise Rindfleisch mit rund 13 kg CO₂-eq pro Kilo."[10] Die Werte können je nach Transport, Lagerung und Zubereitungsart stark variieren (→Kapitel: Kritik).

Um einen Eindruck zu bekommen, hier einige Produktkennzeichnungen von Tesco, die nach dem britischen Standard (PAS 2050:2008) gekennzeichnet wurden:

Kategorie und Produkt CO₂-Fußabdruck

Gramm CO₂-eq per Funktionseinheit (gerundet)

CO₂-Fußabdruck geteilt in die Etappen seines Lebenszyklus' (%)
Produktion Distribution Lagerung Verwendung/Nutzung Entsorgung
Waschmittel
Tesco nicht-biologische Flüssigkapseln 700 g pro Wäsche 17 % 0,2 % 1 % 72 % 10 %
Tesco nicht-biologische Tabletten 850 g pro Wäsche 32 % 0,1 % 0 % 62 % 5 %
Tesco Super Conc. nicht-bio Flüssigwäsche 600 g pro Wäsche 11 % 0,1 % 0 % 83 % 6 %
Orangensaft
Tesco 100 % reiner, gepresster Orangensaft 360 g pro 250 ml 91 % 1 % 7 % 0,3 % 1 %
Tesco reiner Orangensaft aus Konzentrat 260g pro 250 ml 88 % 2 % 9 % 0,5 % 1 %
Tesco reiner Orangensaft (3×200 ml) 220g pro 250 ml 93 % 1 % 5 % 0,5 % 1 %
Leuchtmittel
60 W-Pearl-Glühbirne 34 kg für 1.000 Std. Gebrauch 1 % <0,1 % <0,1 % 99 % <0,1 %
11 W-Kompaktleuchtstofflampe 6,5 kg für 1.000 Std. Gebrauch 1 % <0,001 % <0,1 % 99 % <0,1 %
100 W-Pearl-Glühbirne 55 kg für 1000 Std. Gebrauch 1 % <0,001 % <0,001 % 99 % <0,1 %
20 W-Kompaktleuchtstofflampe 12 kg für 1.000 Std. Gebrauch 2 % <0,001 % <0,001 % 98 % <0,1 %
Kartoffeln
King Edwards (2,5 kg) 160 g pro 250 g-Portion 1 % 33 % 3 % 56 % 7 %
biologisch Baby Neu (750 g) 140 g pro 250 g-Portion 48 % 1 % 5 % 41 % 4 %
biologisch Neu (1,5 kg) 160 g pro 250 g-Portion 40 % 1 % 4 % 51 % 4 %
Anglian Neu (2,5 kg) 140 g pro 250 g-Portion 34 % 1 % 3 % 58 % 4 %
Quelle: Tesco, Carbon Label Findings,www.tesco.com (PDF; 114 kB)

CO₂-Fußabdruck Weinbau[Bearbeiten]

Bei einem Projekt im Traisental (48° 21′ 12″ N, 15° 41′ 42″ O48.35333333333315.695) wurden die Prozesskette analysiert und auf Grund der Ergebnisse jene Bereiche identifiziert, die den größten Einfluss auf den Carbon Footprint hatten.[11] Als funktionelle Einheit wurde 1 Liter Wein festgelegt. Die Untersuchung umfasste die Prozessschritte Weingarten, Weinerzeugung, Verpackung, Abfälle und Vertrieb.[12] Im Laufe der Traubenproduktion im Weingarten, der Weinherstellung im Keller inklusive Entsorgung der Abfälle und der Abfüllung eines durchschnittlichen Weines werden bis zum Verlassen des Weinkellers rund 1,7 kg CO₂e emittiert. Für den Transport zum Verbraucher kommen noch rund 0,2 kg CO₂e pro Liter dazu.[13]

Das Ergebnis der Gesamtanalyse hat ergeben, dass pro Hektar Weingarten durchschnittlich 2,4 t CO₂-Äquivalente emittiert werden. Von dieser Menge stammen rund drei Viertel aus den indirekten Treibhausgas-Emissionen sowie den Verbrennungsemissionen und ein Viertel durch Bodenemission.

→ siehe auch: Weinbau

/sub>e pro Liter dazu.

Der CO₂-Fußabdruck einer Person[Bearbeiten]

Der durchschnittliche CO₂-Fußabdruck. Deutschland und die Welt im Vergleich in Tonnen CO₂ pro Jahr.

Ein CO₂-Fußabdruck von Personen soll eine Hilfestellung bei der selbstständigen Verringerung des eigenen CO₂-Ausstoßes bieten. Erst wird der aktuelle CO₂-Fußabdruck errechnet, damit man eine grobe Vorstellung seines eigenen Ausstoßes bekommt. Der nächste Schritt ist, den Ausstoß zu verringern durch z. B. das Umstellen auf energiesparende Geräte, auf Strom aus erneuerbaren Energien und das Verändern von Alltagshandlungen, um Energie zu sparen. Man sollte „stromfressende“ Altgeräte unbrauchbar machen oder verschrotten (oder jemandem geben, dessen Altgerät noch stromfressender ist). Der international angestrebte für das Klima "noch verträgliche" Kohlenstoffdioxid-Ausstoß ist 2,5 Tonnen CO₂-eq pro Kopf und Jahr.[15] Der durchschnittliche Fußabdruck eines Deutschen inklusive der Treibhausgase liegt bei etwa 11 Tonnen CO₂-eq[16] und damit einiges über dem weltweiten Durchschnitt von 6,8 Tonnen CO₂-eq.[17]

Mit sogenannten CO₂-Rechnern lässt sich der eigene CO₂-Fußabdruck überschlägig errechnen. Die meisten unterscheiden die (Lebens-Bereiche)

  • Wohnen (CO₂-Ausstoß durch Heizen und Strom in der Wohnung),
  • Mobilität (CO₂-Ausstoß durch Autofahren, Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und Fliegen),
  • Ernährung (Ess- und Trinkgewohnheiten, Herkunft der Nahrungsmittel),
  • Privater Konsum (Kaufverhalten und Kriterien, auswärts Essen, Hotelübernachtung, Kosten für Kultur, Gesundheit oder andere Dienstleistungen) und
  • Öffentlicher Konsum (Emissionen, die vom Staat verursacht und auf alle Bürger verteilt werden)

Den größten Einfluss hat man auf die Bereiche bzw. Unterbereiche Privater Konsum, Beheizung, Ernährung, PKW-Verkehr, Flugverkehr und Haushaltsgeräte. Der Bereich Öffentlicher Konsum ist vom Individuum wenig bis gar nicht beeinflussbar.[18] Auf die Bereiche Wohnungsbau und Warmwasserzubereitung haben Hauseigentümer unmittelbaren Einfluss; Mieter können mit ihrem Vermieter sprechen und z. B. gegen eine angemessene Mieterhöhung neue Fenster oder eine neue Heizung erhalten. Oft wird auch nach der Berechnung angeboten, durch eine Spende den eigenen CO₂-Ausstoß zu kompensieren (→Kapitel: Das Kompensieren eines CO₂-Fußabdrucks). Alle Ergebnisse eines CO₂-Fußabdrucks sind überschlägige Zahlen.

Die Kommunikation des CO₂-Fußabdrucks[Bearbeiten]

Neben dem Errechnen des CO₂-Fußabdrucks ist die alltagstaugliche Kommunikation eine wichtige Handlungsebene. Basis dafür kann beispielsweise eine fiktive Menge an CO₂ sein, die jeder Mensch in einem bestimmten Zeitabstand durch all seine Handlungen ausstoßen darf, um das Weltklima innerhalb der viel zitierten 2 Grad-Leitplanken zu halten. Die Initiative aus Österreich und der Schweiz "Ein guter Tag hat 100 Punkte" ([19]) hat einen Ansatz entwickelt, mit dem sich so der Product Carbon Footprint, die globale Tragfähigkeit und Solidarität und der persönliche Lebensstil gemeinsam in einer einfachen grafischen Sprache kommunizieren lassen.

Der CO₂-Fußabdruck einer Organisation oder eines Landes etc.[Bearbeiten]

Die Erstellung einer CO₂-Bilanz kann sowohl die Aufgabe spezieller Studien sein, vermehrt werden CO₂-Bilanzen auch von Unternehmen im Kontext ihres Nachhaltigkeitsberichtes erstellt. Betriebliche Verfahren des Rechnungswesens zur Erstellung einer CO₂-Bilanz nennt man Carbon Accounting. Ein Fußabdruck einer Organisation benennt den gesamten CO₂- oder CO₂-eq-Ausstoß, der durch ihre Aktivitäten pro Jahr entsteht. Der CO₂-Fußabdruck der Deutschen Bank, zum Beispiel, betrug im Jahr 2008 nach eigenen Angaben 415.269 Tonnen CO₂.[20] Wie auch bei den anderen CO₂-Fußabdrücken findet man verschiedene Zahlen für den CO₂-Fußabdruck eines Landes. Nach den Berechnungen von dem United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), die auch dem Kyoto-Protokoll zugrunde liegen, emittierte Deutschland 2008 rund 988,2 Mio. t CO₂-eq (Schweiz 53,4 Mio. t CO₂-eq, Österreich 69,3 Mio. t CO₂-eq) .[21]

Die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens (NTNU) bezieht in den Berechnungen auf ihrer Website www.carbonfootprintofnations.com aber auch die Emissionen mit ein, die bei der Produktion aller Güter des Gesamtverbrauchs eines Landes auftreten. Wenn ein Land nun einen größeren CO₂-Fußabdruck hat, als seine vom UNFCCC berechneten Treibhausgasemissionen, bedeutet dies, dass die Einfuhren des Landes bei der Produktion mehr Kohlenstoff benötigen als seine Ausfuhren. Auch wird in den Berechnungen des NTNU zusätzlich der internationale Transport in See-und Luftfracht mit einbezogen, die vom UNFCCC nicht mit berücksichtigt wird. Das führt zu einem etwas größeren Fußabdruck von 1.239,5 Mio. t CO₂-eq für Deutschland, 112,2 Mio. t CO₂-eq für Österreich und 131,7 Mio. t CO₂-eq für die Schweiz, was einen CO₂-Fußabdruck von 15,1 t CO₂-eq für jeden Deutschen, 13,8 t für jeden Österreicher und 18,4 t für jeden Schweizer ergibt.[22] Weltweit sind die USA (29 t CO₂-eq pro Person), gefolgt von Australien (21 t CO₂-eq pro Person), die größten Verschmutzer, während Mozambique (1,1 t CO₂-eq pro Person) und Malawi (0,7 t CO₂-eq pro Person) am klimafreundlichsten dastehen.[23]

Das Kompensieren eines CO₂-Fußabdrucks[Bearbeiten]

Hauptartikel: Klimakompensation

Das Kompensieren der eigenen CO₂-Emissionen durch eine Spende wird oftmals nach dem Errechnen des CO₂-Fußabdrucks angeboten. Damit wird der eigene CO₂-Fußabdruck zwar nicht verringert, doch es werden an einem anderen Ort der Welt Treibhausgase reduziert. Dies geschieht durch Klimaschutzprojekte wie z. B. das Errichten von Wind-, Wasser- oder Erdwärmekraftwerken und andere Treibhausgas einsparende Maßnahmen. Die Kompensation geschieht auf freiwilliger Basis. Eine solche CO₂-Ausgleichszahlung kostet je nach Anbieter und gewähltem Standard 1–30 Euro pro Tonne CO₂.[24] Allerdings ist wichtig, dass die für solche Projekte eingesetzten CO₂-Zertifikate von international anerkannten Institutionen wie z. B. dem Gold-Standard[25] stammen.

Kritik[Bearbeiten]

Der größte Kritikpunkt ist das Fehlen einer klaren international anerkannten Definition des Begriffs CO₂-Fußabdruck. Die Organisation für internationale Standards strebt eine einheitliche internationale Standardnorm (ISO 14067) für die Bilanzierung des CO₂-Fußabdrucks von Produkten zwar an, doch die Veröffentlichung ist frühestens im April 2014 zu erwarten.[26][veraltet] Es gibt zwar jetzt schon selbst ernannte Standards, wie z. B. den "Carbon Footprint Standard", doch um dieses Kennzeichen benutzen zu dürfen, reicht eine Selbstprüfung, ein Kontrollmechanismus fehlt.[27]

Der britische Standard PAS 2050:2008 ist im Moment der erfolgreichste und unterliegt genauen Kriterien, die von Carbon Trust geprüft werden. Er baut überwiegend auf der Ökobilanznorm ISO 14040 ff. auf, weicht aber auch in einigen wichtigen Punkten deutlich davon ab[28], was ihm international keine große Anerkennung eingebracht hat. So reicht die Breite der Definitionen von nur direkten Kohlenstoffdioxid-Emissionen über zusätzliche Methan-Emissionen bis hin zu der Einbeziehung aller Treibhausgase wie z. B. N2O oder CH4. Dadurch unterscheidet sich auch die Einheit, in der gemessen wird, zwischen z. B. einfachen Kohlenstoffdioxid-Emissionen (gemessen in Tonnen CO₂), Emissionen von CO₂-Äquivalenten (gemessen in Tonnen CO₂-eq) oder als Fläche (etwa in Hektar). In letzterem Fall "wird die Größe der Waldfläche definiert, die benötigt wird, um alle CO₂-Emissionen abzüglich der Emissionen, die von Ozeanen aufgenommen werden, aufzunehmen".[29]

Weitere Kritikpunkte, speziell am CO₂-Fußabdruck von Produkten, zeigen das Öko-Institut, das Bundesministerium für Umwelt und das Umweltbundesamt in dem im Dezember 2009 veröffentlichten Memorandum PCF auf.[30] Kritisiert wird unter anderem die Einseitigkeit des CO₂-Fußabdrucks, da bei der Berechnung alle anderen Schädigungskategorien wie Luftschadstoffemissionen, Ressourcenbedarf oder Eutrophierung unberücksichtigt bleiben. Da der CO₂-Fußabdruck in der Regel ohnehin mit einer Ökobilanz-Software durchgeführt wird, wird nahegelegt, Ökobilanzen statt der isolierten CO₂- oder Treibhausgasbilanzen zu verwenden.

Weiter wird erklärt, dass Verbraucher in der Regel mit dem rein numerischen Wert, also des CO₂-Fußabdrucks mit CO₂-Ziffer, nicht viel anfangen könnten, da der Vergleichsmaßstab fehle, sich aus den Werten keine Handlungsempfehlungen für die optimale Nutzung unter Klimagesichtspunkten ergäben, andere Umweltaspekte ignoriert würden und so mehr zur Verwirrung als zur Orientierung der Verbraucher beigetragen würde. Es werden eher bewährte Umweltlabels wie "Der Blaue Engel" empfohlen, die wichtige Produkte auch in Bezug auf Klimaauswirkungen bewerten. Da die Nutzungsphase erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtbilanz hat, wird sie sowohl in PAS 2050, als auch im Memorandum PCF als wichtiger Bestandteil des CO₂-Fußabdrucks mit bilanziert. Das konkrete Ausschildern dieser Phase ist jedoch unklar, da es oft enorme Unterschiede in der Art und Weise der Nutzung gibt. Unklar ist, wie z. B. ein T-Shirt ausgewiesen werden soll. Bei der Mitbilanzierung der Nutzerphase hätten langlebige T-Shirts einen kleineren CO₂-Fußabdruck als kurzlebige T-Shirts.

Auch das Ausweisen von Lebensmitteln, bei denen es verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten (Beispiel: Mehl, Eier) und Lagermöglichkeiten (Beispiel: Äpfel, Erdbeeren) gibt, ist nicht geklärt und kann so bei ein und demselben Produkt zu verschiedenen Bilanzierungsergebnissen führen.

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel des CO₂-Fußabdrucks von Äpfeln aus dem Memorandum PCF:

"Der Energieaufwand zur Produktion und Lagerung von Äpfeln schwankt von Betrieb zu Betrieb und kann zwischen großen und kleinen Betrieben um den Faktor 2–3 unterschiedlich sein. Die Transportentfernung kann ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen: das Bodensee-Obst wird am Bodensee verkauft, aber auch in Kassel oder Berlin. Die Äpfel können aber auch aus Neuseeland oder Chile importiert werden. Die in Deutschland erzeugten Äpfel werden bis ins späte Frühjahr hinein gelagert und dabei gekühlt. Der PCF steigt damit von Monat zu Monat."[31]

Nicht zuletzt stellt auch der hohe Datenaufwand ein Problem dar, da z. B. viele Agrarbetriebe in unterschiedlicher Größe, häufig wechselnde Zulieferer, starke Unterschiede in der Art des Anbaus, nach Jahr und Saison schwankende Erträge, und unterschiedliche Verarbeitungstechniken mit einbezogen werden müssen.[32]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – "Memorandum Product Carbon Footprint" (2009)
  • BMU und BDI – "Produktbezogene Klimaschutzstrategien, Product Carbon Footprint verstehen und nutzen" (2010)
  • UMA – "Die CO₂-Bilanz eines Bürgers" (2007)
  • ISAUK Research Report 07-01 – "A Definition of 'Carbon Footprint'" (2007)
  • European Commission – "CARBON FOOTPRINT what it is and how to measure it?" (2007)
  • UNFCCC – "National greenhouse gas inventory data for the period 1990–2008" (2010)
  • Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens – "Carbon Footprint of Nations: A Global, Trade-Linked Analysis" (2009)
  • Wolfgang Strasdas, Stefan Gössling, Heike Dickhut: Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., 2010 (Eine Studie der HNE Eberswalde.online.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einige CO₂-Fußabdruck Rechner auf Deutsch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ISAUK Research Report 07-01, S. 4,www.censa.org.uk (PDF; 278 kB) 4. März 2011
  2. Leitfaden des BDI: Produktbezogene Klimastrategien Product Carbon Footprint verstehen und nutzen [1] (PDF; 2,9 MB) Juni 2010
  3. [2] (PDF; 11 kB)
  4. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  5. British Standards Solutions, www.bsigroup.com 4. März 2011
  6. Corporate Responsibility Report 2010, S. 12, www.tesco.com 4. März 2011
  7. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 24ff,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  8. BMU und BDI, Produktbezogene Klimaschutzstrategien, S. 10, www.bdi.eu (PDF; 2,9 MB) 10. März 2011
  9. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. - Memorandum Product Carbon Footprint, www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  10. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 32,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  11. Weinklim – Viniculture and Climate Change[3]
  12. Eva Burger, Ines Omann: WEINKLIM Carbon Footprint Analyse für Wein, Traisental 2010[4] (PDF; 137 kB)
  13. Gerhard Soja, Franz Zehetner, Gorana Rampazzo-Todorovic, Barbara Schildberger, Konrad Hackl, Rudolf Hofmann, Eva Burger, Sigrid Grünberger, Ines OmannWeinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental[5] (PDF; 225 kB)
  14. Eva Burger, Ines Omann: WEINKLIM Carbon Footprint Analyse für Wein, Traisental 2010[6] (PDF; 137 kB)
  15. UBA,uba.klimaktiv-co2-rechner.de 4. März 2011
  16. pro JahrUBA,uba.klimaktiv-co2-rechner.de 4. März 2011
  17. weltweiter Durchschnitt: errechnet mit Daten von: WRI, (www.wri.org) und Population Reference Bureau (www.prb.org; PDF; 310 kB) 4. März 2011
  18. UBA,"Die CO₂-Bilanz eines Bürgers" S. 8 www.umweltdaten.de (PDF; 4,9 MB) 4. März 2011
  19. http://www.eingutertag.org
  20. www.banking-on-green.com 4. März 2011
  21. UNFCCC, National greenhouse gas inventory data for the period 1990–2008, Tabelle 2 www.unfccc.int (PDF; 265 kB) 1. April 2011
  22. Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens, www.carbonfootprintofnations.com Calculator 1. April 2011
  23. Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens, www.carbonfootprintofnations.com Ranking 1. April 2011
  24. Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland, Verbraucherzentrale www.verbraucherfuersklima.de (PDF; 3,3 MB) 20. März 2011
  25. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. www.verbraucherfuersklima.de 21. März 2011
  26. International Organisation for Standardization,www.iso.org 7. Mai 2013
  27. Carbon Footprint Ltd, www.carbonfootprint.com 4. März 2011
  28. BMU und BDI, Produktbezogene Klimaschutzstrategien, S. 10, www.bdi.eu (PDF; 2,9 MB) 10. März 2011
  29. Global Footprint Network,www.footprintnetwork.org 4. März 2011
  30. BMU, UBA, Öko-Institut, www.bmu.de (PDF; 300 kB) 7. Mai 2013
  31. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 32,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  32. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 32,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011