CO2-Steuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die CO2-Steuer allgemein. In der Schweiz gibt es eine CO2-Abgabe, in Deutschland mehrere Ökosteuern.

Die CO2-Steuer (auch Kohlenstoffsteuer, englisch: Carbon tax) ist eine Umweltsteuer auf Kohlendioxid (CO2) und andere Treibhausgase. Der aus der Emission dieser Treibhausgase resultierenden globalen Erwärmung und der Versauerung der Meere soll mit einem höheren Preis für fossile Energieträger entgegen gesteuert werden. Die Kosten für Klimafolgen sowie Umweltschäden an der Biodiversität der Meere sollen Unternehmen und Verbrauchern, die CO2-Emissionen verursachen, mit einem deutlichen Preissignal mitgeteilt werden.

Grundlagen[Bearbeiten]

Bemessungsgrundlage einer CO2-Steuer sind die CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen. Andere Treibhausgase kann man über die Bemessung ihres CO2-Äquivalents in die Besteuerung miteinbeziehen. Die Bemessung anhand von Treibhausgasemissionen unterscheidet eine CO2-Steuer von den nach verbrauchter Energie bemessenen Energiesteuern, wie zum Beispiel der deutschen Stromsteuer. Während Energiesteuern auch die Nutzung erneuerbarer und nuklearer Energie umfassen, ist dies bei CO2-Steuern nicht der Fall.[1]

Außer durch CO2-Steuern können Energieträger durch viele weitere Steuern betroffen sein. Die Gesamtsteuerlast eines Energieträgers, umgerechnet auf die durch seine Nutzung verursachten CO2-Emissionen, wird gelegentlich als die implizite CO2-Steuer bezeichnet.[1]

CO2-Steuern sollen, wie andere Umweltsteuern auch, eine Lenkungswirkung entfalten. Über höhere Preise für Güter und Dienstleistungen, die mit hohen CO2-Emissionen verbunden sind, sollen Marktanreize geschaffen werden Emissionen zu reduzieren. Kostenminimierende Wirtschaftsteilnehmer werden Emissionen zuerst dort reduzieren, wo dies am günstigsten möglich ist. Dazu können sie emissionsärmere Produktionsweisen neu entwickeln, vorhandene einsetzen, auf Produkte ausweichen, die weniger Emissionen verursachen, oder den Konsum emissionsintensiver Produkte verringern. Man zählt CO2-Steuern wegen ihrer indirekten Wirkung über den Marktpreis auf die Emissionshöhe zu den marktwirtschaftlichen Instrumenten der Klimapolitik.

Gestaltung[Bearbeiten]

Steuerbasis: Basis der Besteuerung ist üblicherweise der Kohlenstoffgehalt von Energieträgern oder die Treibhauswirkung (Global warming potential). Bemessen werden demnach CO2-Äquivalente derjenigen Emissionen, die bei der Nutzung von Energieträgern frei werden. Hier ist festzulegen, welche Treibhausgase von der Steuer erfasst werden sollen. Dezentrale Emissionsquellen, zum Beispiel Methanemissionen aus der Landwirtschaft, können schwer zu erfassen sein und zu hohen administrativen Kosten führen. Denkbar ist auch, Kohlenstoffsenken, zum Beispiel Wälder aus Aufforstungsprojekten, mit einer „negativen Steuer“ zu versehen, also zu subventionieren (siehe auch Klimakompensation).[2]

Steuertarif: Der Steuertarif legt den pro Bemessungseinheit, also in der Regel pro CO2-Äquivalent zu zahlenden Geldbetrag fest. Die ökonomisch optimale Höhe wären genau die Kosten, die die Emission einer zusätzlichen Tonne CO2 global verursacht, die sogenannten sozialen Kosten der CO2-Emissionen (Social Cost of Carbon). Diese sind in der Praxis jedoch nicht annähernd bekannt, Schätzungen liegen im Mittel bei 196 US$ mit einer erheblichen Streuung (die Standardabweichung liegt bei 322 US$). Alternativ kann sich die Steuer an einem definierten Emissionsziel, zum Beispiel dem Zwei-Grad-Ziel, orientieren.[3] Bei der Festlegung ist die implizite Steuerhöhe zu berücksichtigen, die sich aus der Einbeziehung weiterer, schon vorhandener Steuern oder Subventionen ergibt. So lag 1999 in vielen europäischen Ländern die implizite Steuer pro Tonne CO2 für Kohle unter der für Erdgas.[4] Um einen gewünschten Preis, auch in Relation zu anderen Energiequellen, und eine bestimmte Emissionsreduktion kosteneffizient zu erzielen, kann die Einführung einer CO2-Steuer mit anderen Änderungen des Steuersystems verbunden werden, welche die vorhandene Begünstigung emissionsintensiver Produkte abbaut.

Produktionsstufe der Besteuerung: CO2-Steuern können auf verschiedenen Stufen entlang der Produktionskette erhoben werden. Um die administrativen Kosten der Steuer niedrig zu halten ist es wünschenswert, sie an wenigen, leicht kontrollierbaren Stellen zu erheben. Das spricht dafür, die Steuer direkt bei der Extraktion bzw. dem Import fossiler Brennstoffe zu erheben. So werden auch Emissionen aufgrund von Lekagen oder anderen Aktivitäten einbezogen, die in späteren Stufen sonst nicht berücksichtigt würden. Wenn Verfahren existieren, die in späteren Stufen der Produktionskette CO2 oder andere Treibhausgase dauerhaft binden und entsorgen, zum Beispiel Carbon Capture and Storage (CCS) oder CC-Usage, würden diese vermiedenen Emissionen allerdings auch von der Steuer umfasst.[2] Die Stufe der Steuererhebung beeinflusst auch die Wahrnehmung und damit die Akzeptanz der Steuer in der Bevölkerung.

Border Tax Adjustments: Ein Land kann, soweit dies im Einklang mit internationalem Handelsrecht ist, Zölle und Steuern auf importierte Güter erheben oder Emissionssteuern auf exportierte Güter erstatten. Dies kann einerseits dazu dienen, Nachteile von Firmen im internationalen Wettbewerb zu vermeiden. Andererseits kann es auch dazu dienen, „graue Emissionen“, d. h. Emissionem, die im Ausland bei der Produktion importierter Güter entstanden sind, miteinzubeziehen und die Verlagerung emissionsintensiver Produktion, das so genannte Carbon Leakage, ins Ausland zu vermeiden.[5]

Allmähliche Einführung (Phase-in): CO2-Steuern werden üblicherweise allmählich eingeführt und erhöht, um der Wirtschaft die Anpassung zu erleichtern. Eine anfänglich niedrige Steuer verbunden mit einem glaubwürdigen Plan künftiger Steuererhöhungen würde zudem Anreize für emissionsmindernde Innovationen schaffen und so die anfänglichen und späteren Kosten niedrig halten.[3]

Verwendung der Steuereinnahmen: Siehe Abschnitt Verwendung der Einnahmen.

Wirkungen[Bearbeiten]

Die CO2-Steuer erhöht den Preis der besteuerten kohlenstoffhaltigen Produkte. Dies führt nicht nur zu einem Anreiz Emissionen zu reduzieren, sondern kann, teils abhängig von ihrer Gestaltung, eine Reihe weiterer Folgen nach sich ziehen.

Verringerung von Treibhausgasemissionen[Bearbeiten]

Eine CO2-Steuer dient primär dazu, bestimmte Emissionsminderungen bei Treibhausgasen zu erreichen bzw. einen bestimmten Grenzwert für den Gesamtausstoß eines Landes einzuhalten. Der Staat bestimmt bei der Ausgestaltung der Steuer aber nicht direkt die Emissionsmenge, sondern beeinflusst sie indirekt über den Preis. Er wird daher nicht genau wissen, inwieweit er die angestrebte Emissionsmenge tatsächlich erreichen wird. Zu den unbekannten Faktoren zählen:

  • Inflation, die die Netto-Höhe der Steuer verringert,
  • die Preiselastizität der Marktteilnehmer, also das Ausmaß, in dem sie auf eine bestimmte Preisänderung reagieren,
  • Innovationen, die eine weniger emissionsintensive Produktion ermöglichen, oder auch
  • die Einführung neuer Produkte in den Markt, die neue, nicht vorhergesehene Belastungen auslösen.

Daher sehen einige Staaten in der Praxis eine Anpassung der Steuerhöhe vor. So haben die skandinavischen Länder die Höhe ihrer Steuer an die Inflation gekoppelt.[6]

Verringerung weiterer Umweltschäden[Bearbeiten]

Mit der Verbrennung fossiler Energieträger gehen in der Regel Umweltschäden durch Emissionen weiterer Schadstoffe einher, zum Beispiel von Luftschadstoffen wie Rußpartikeln oder Schwefeldioxid. Indem die CO2-Steuer die Nutzung fossiler Energien verringert, verringert sie also auch weitere Umweltschäden. Hierbei handelt es sich vor allem um kurzfristige und regionale Wirkungen. Verschiedene Studien kommen auf teils erhebliche, weitere Umweltvorteile in Höhe zwei bis mehrere hundert US-Dollar pro vermiedene Tonne CO2.[7]

Wettbewerbswirkungen[Bearbeiten]

Eine CO2-Steuer führt zu höheren Kosten emissionsintensiver Produktionsfaktoren. Dies hat Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Branchen innerhalb des Landes, wenn die Steuer nicht in allen Bereichen gleichermaßen erhoben wird, und im internationalen Wettbewerb. Unternehmen benötigen einige Zeit und Investitionen, ihre Produktion auf emissionsärmere Technologien und Güter umzustellen. Kurzfristig sind sie daher gegenüber von der Steuer weniger betroffenen Unternehmen im Nachteil, wenn sie höhere Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben können. Wettbewerbsnachteile könnten Unternehmen sogar veranlassen, ihre Produktion an Standorte mit niedrigeren Kosten zu verlagern. Inwieweit Unternehmen nicht nur kurz- sondern auch langfristig im Nachteil sind, hängt davon ab, wie gut sich die Emissionsintensität der Produktion verringern lässt. Langfristig könnten zudem Wettberwerbsvorteile entstehen, wenn durch die Steuer entsprechende Innovationen und Effizienzsteigerungen ausgelöst werden (Porter-Hypothese).

Wettbewerbliche Nachteile können durch eine gezielte Verwendung der Steuereinnahmen (siehe #Verwendung der Einnahmen) oder Steuererleichterungen abgemildert werden, wobei letztere die Steuer weniger effektiv machen.

Weil die Steuer nur ein Faktor unter vielen ist, der die Wettbewerbsfähigkeit beeinflusst, ist ihre wettbewerbliche Wirkung nur schwer zu untersuchen. Erste Studien aus den 1990er Jahren deuteten darauf hin, dass Wettbewerbsnachteile eher unbedeutend waren. Sie fanden Hinweise, dass energieintensive Industrien, wie Ölraffinerien, Aluminiumherstellung und Zementwerke, teilweise Investitionen und Produktion verlagert haben. Zu etwaigen Wettbewerbsvorteilen entsprechend der Porter-Hypothese gab es zu diesem Zeitpunkt keine klaren Befunde.[8]

Innovationsanreize[Bearbeiten]

Eine CO2-Steuer schafft Anreize für Umweltinnovationen, etwa verbrauchsärmere Prozesse und Güter oder verbesserte Nutzung regenerativer Energien.

Distributive Effekte[Bearbeiten]

Besondere Aufmerksamkeit haben die distributiven Effekte von CO2-Steuern erhalten. Dabei betrachtet man die Wirkung der Steuer nach Steuerüberwälzung: Unternehmen werden versuchen, Kostensteigerungen an Kunden weiterzugeben. Wenn die Steuer nicht in ihrer gesamten Höhe an Verbraucher weitergegeben wird, hat sie Einfluss auf Unternehmensgewinne und Arbeitseinkommen. Weitergegebene Kosten führen zu höheren Ausgaben der Verbraucher oder Konsumverzicht.

  • Die Frage ist hier vor allem, inwieweit Haushalte in Relation zu ihrem Einkommen und Vermögen durch die Steuer ungleich belastet werden. Dabei sind neben höheren Preisen für Strom, Heizung und Fahrkosten auch Preisänderungen weiterer konsumierter Produkte zu berücksichtigen.
  • Auch die Vorteile einer CO2-Steuer können ungleich verteilt sein. Von der Verringerung weiterer, oft regionaler Umweltschäden, etwa besserer Luftqualität, profitieren vor allem die betroffenen örtlichen Bevölkerungsgruppen.
  • Haushalte können zudem unterschiedlich von der Verwendung der Steuereinnahmen profitieren.

Insgesamt wirken CO2-Steuern eher regressiv. Das heißt, Haushalte mit geringem Einkommen werden verhältnismäßig stärker belastet. Dies liegt vor allem daran, dass sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Heizenergie und Strom ausgeben. Nicht alle Studien kommen jedoch zu diesem Ergebnis, einzelne Fallstudien ergaben proportionale Belastung, also keine Umverteilungswirkung, oder eine leicht progressive Wirkung, also eine verhältnismäßig höhere Belastung wohlhabender Haushalte. Eine leicht progressive Wirkung, jedenfalls in der Europäischen Union, scheint es im Verkehrssektor zu geben. Über eine gezielte Verwendung der Steuereinnahmen, zum Beispiel in Form von Steuer- und Abgabenerleichterungen, von denen vor allem einkommensschwächere Haushalte profitieren, kann der Staat regressive Wirkungen der Steuer korrigieren. Alternativ kann er Heizungsenergie und Haushaltsstrom bis zu einer bestimmten Grenze von der Steuer ausnehmen oder hierfür einen geringeren Steuersatz festlegen.[9] In der Schweiz werden die CO2-Lenkungsabgaben pro Kopf rückverteilt.[10]

Verwendung der Einnahmen[Bearbeiten]

Steuerreform: Mit Einnahmen aus einer CO2-Steuer können andere, verzerrende Steuern verringert werden, zum Beispiel Lohnsteuern oder Sozialabgaben. Werden die gesamten erwarteten Einnahmen für diesen Zweck vorgesehen, so spricht man von einer aufkommensneutralen Steuer. Die Doppelte-Dividenden-Hypothese besagt, dass die Steuer durch solche weiteren ökonomischen Vorteile, etwa höhere Beschäftigungszahlen, kostenneutral sein kann.

Finanzierung von Umweltprogrammen: Steuereinnahmen können zweckgebunden für Forschung, Entwicklung und den Einsatz regenerativer Energien oder sparsamerer Produkte verwendet werden. In diesem Fall können sie weitere Emissionreduzierungen oder die Verringerung weiterer Umweltschäden auslösen.

Kompensationsmaßnahmen: Sie können dazu dienen, distributive Effekte oder Wettbewerbseffekte der CO2-Steuer zu mildern, zum Beispiel durch Steuererleichterungen an anderer Stelle oder Subventionen.

Verbuchung im Gesamthaushalt: Sie können als Einnahmen im Staatshaushalt verbucht werden, ohne dass sie für bestimmte Zwecke reserviert sind. Der Staat erzielt einfach höhere Einnahmen.

CO2-Steuer in einzelnen Ländern[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Unter Premierministerin Julia Gillard wurde 2012 eine Carbon tax eingeführt. Zuständig ist das Department of Climate Change and Energy Efficiency. Mehr als 50 % der Einnahmen sollen die Belastung von Haushalten und stark betroffenen Firmen reduzieren. Der Steuersatz lag anfänglich bei 23 AU$ pro Tonne CO2 (knapp 24 US$) und steigt jährlich um 2,5 %. Ab Juli 2015 sollte ein Emissonshandelssystem die Steuer ablösen.[11] Die in der Parlamentswahl in Australien 2013 neu gewählte Regierung unter Premierminister Tony Abbott schaffte die Steuer im Juli 2014 wieder ab.[12]

Frankreich[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2014 wird die Französische Steuer auf Kraftstoffe und Heiz-Brennstoffe, die Taxe intérieure de consommation sur les produits énergétiques (TICPE), einen zum Kohlenstoffgehalt proportionalen Anteil enthalten, den sogenannten „Klima-Energiebeitrag“ (contribution climat énergie (CCE)). Im Jahr 2014 beträgt er sieben Euro pro Tonne CO2. In diesem Jahr wird der fixe, vom Kohlenstoffgehalt unabhängige Teil der Steuer in gleicher Höhe abgesenkt, so dass die Steuerhöhe 2014 insgesamt unverändert bleibt. In den Folgejahren steigt der CCE ohne weiteren Ausgleich auf 14,50 Euro (2015) und 22 Euro (2016) pro Tonne CO2. Mit den Einnahmen will die französische Regierung den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreiben.[13][14]

Kanada (British Columbia)[Bearbeiten]

In der kanadischen Provinz British Columbia (BC) wurde im Juli 2008 eine Carbon tax in Höhe von 10 C$ pro Tonne CO2-Äquivalent auf fossile Brennstoffe eingeführt, deren Aufkommen zur Reduzierung anderer Steuern verwendet werden sollte und damit aufkommensneutral sein sollte. Der Steuersatz wurde allmählich auf 30 C$ im Jahr 2012 gesteigert.

Seit Einführung der Steuer ist der pro-Kopf Verbrauch dieser Brennstoffe um 17,4 % in BC zurückgegangen, während er im übrigen Kanda um 1,5 % gestiegen ist. Das Bruttoinlandsprodukt ist im gleichen Zeitraum so wie im übrigen Kanada gestiegen. Durch die CO2-Steuer konnte die Einkommenssteuer in BC verringert werden, sie war 2012 die niedrigste verglichen mit anderen kanadischen Provinzen. Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu dem vorläufigen Schluss, dass es sich um eine sehr effektive Maßnahme handelt, die wirksam den Verbrauch fossiler Brennstoffe verringert hat ohne dass ein negativer Effekt auf die Gesamtwirtschaft zu verzeichnen war.[15] Umfragen zufolge befürwortet eine zunehmende Zahl der Einwohner von British Columbia die CO2-Steuer, im Jahr 2012 zählten knapp zwei Drittel der Befragten zu den Befürwortern.[16]

Schweden[Bearbeiten]

Im Jahr 1991 wurde in Schweden eine CO2-Steuer eingeführt. Mit Einführung dieser Steuer wurden die schon länger erhobenen Energiesteuern halbiert. Die Steuereinnahmen fließen in den allgemeinen Staatshaushalt. Der Steuertarif stieg von anfänglich 27 Euro pro Tonne CO2 bis auf 110 Euro im Jahr 2010. Schweden hat von allen OECD-Staaten den mit Abstand höchsten impliziten Steuersatz auf CO2.[17][18]

Verschiedene Wirtschaftsbereiche werden sehr unterschiedlich durch CO2- und Energiesteuern belastet. Besonders hoch besteuert werden der private Konsum, Groß- und Einzelhandel, der öffentliche Sektor und Dienstleistungen. Verschiedene Industriezweige, die im internationalen Wettbewerb stehen, zahlen hingegen erheblich geringere Steuersätze, im Jahr 2010 waren es etwa 21 % des vollen CO2-Steuersatzes. Dieser Anteil soll bis 2015 auf 60 % ansteigen. Im Jahr 2005 wurden für manche Branchen weitere Ausnahmen vorgesehen, um eine Doppelbelastung durch den in diesem Jahr eingeführten EU-Emissionshandel zu vermeiden.[18]

Zwischen 1990 und 2008 sanken die Treibhausgasemissionen um knapp 12 %. Inwieweit sich dies auf die CO2-Steuer oder andere Instrumente, wie Emissionshandel und Energiesteuern, zurückführen lässt, ist schwer zu ermitteln, Schätzungen liegen bei 0,2 % bis 3,5 %.[18] Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich das Bruttonationalprodukt. Schweden wird als ein Beispiel angesehen, wie sich die Reduktion von Treibhausgasemissionen und Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen.[19][18][20]

Europäische Union[Bearbeiten]

Die EU-Energiesteuerrichtlinie (2003/96/EG) vom 27. Oktober 2003[21] als Rahmengesetzgebung in der Europäischen Union ist die Rechtsgrundlage für einzelne CO2-Steuern, wie der Kerosinsteuer in den jeweiligen Nationalstaaten. Hier werden auch Mindeststeuersätze, sowie Steuerbefreiungen festgelegt. Der Verbrauch von Energie ist laut EU für 79 % der Treibhausgasemissionen insgesamt verantwortlich. Deshalb haben sich im Rahmen der Strategie Europa 2020 die Mitgliedstaaten verpflichtet, nationale Ziele für Energieeffizienz festzulegen. Vor diesem Hintergrund hat die Kommission einen Vorschlag für eine Änderung der Energiesteuerrichtlinie“ vorgelegt, der es den Mitgliedstaaten ermöglichen soll, einen Rahmen für die CO2-Besteuerung auf dem Binnenmarkt zu schaffen.

Vergleich mit anderen Instrumenten der Klimapolitik[Bearbeiten]

Auflagen und Verbote[Bearbeiten]

Die Politik kann direkt über Auflagen Emissionsquellen regulieren. Hierzu gehören in Deutschland Abgasnormen, die unter anderem Grenzwerte für CO2-Emissionen für Kraftfahrzeuge festlegen, oder das Verbot bestimmter Fluorkohlenwasserstoffe in Autoklimaanlagen. Hersteller sind gezwungen, diese Vorgaben zu erreichen, auch wenn sie zu gleichen Kosten an anderer Stelle eine höhere Emissionsreduktion erreichen könnten. Ein marktwirtschaftlicher Ansatz wie die CO2-Steuer lässt Marktakteueren diesen Spielraum, man verspricht sich von ihr niedrigere Vermeidungskosten im Vergleich zu einer Auflagenpolitik.

Emissionshandel[Bearbeiten]

In internationalen Vereinbarungen ist es bislang der Emissionsrechtehandel, der als marktwirtschaftliches Instrument der Klimapolitik eingesetzt wird. Es wird hierbei eine Höchstmenge an Emissionen festgelegt. Teilnehmer müssen Emissionrechte erwerben, um Treibhausgase emittieren zu dürfen. Die Rechte sind handelbar. Hierbei ist also eine Höchstmenge an Emissionen vorgegeben, während der Preis variabel ist, man spricht vom mengenbasierten Ansatz. Im Gegensatz hierzu legt bei einer CO2-Steuern die Politik einen Preis fest, während die Emissionsmenge schwanken kann, es handelt sich also um einen preisbasierten Ansatz (Standard-Preis-Ansatz).

Die beiden Instrumente unterscheiden sich in ihrer Wirkung, wenn Preis oder Menge nicht genau auf das Niveau gesetzt werden kann, bei dem die Vermeidungskosten genau durch die vermiedenen Schäden aufgewogen werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Schäden und Vermeidungskosten nicht genau bekannt sind. Die Schäden der globalen Erwärmung steigen mit der emittierten Menge an Treibhausgasen kurzfristig wahrscheinlich eher langsam, während die Vermeidungskosten stark steigen. Eine nicht in der optimalen Höhe gesetzte CO2-Steuer wird in diesem Fall das Ziel wahrscheinlich nur wenig verfehlen, während eine nicht optimal festgelegte Emissionsmenge es stark verfehlen und damit kurzfristig höhere volkswirtschaftliche Verluste nach sich zieht. Langfristig dagegen ist durch Innovationen eher mit relativ langsam steigenden Vermeidungskosten und überproportional steigenden Schäden zu rechnen. In diesem Fall verfehlt eine festgelegte, handelbare Emissionsmenge wahrscheinlich das Ziel weniger stark und kommt dem langfristigen volkswirtschaftlichem Optimum näher. Emissionshandel und Steuern können sich ergänzende Instrumente der Klimapolitik sein.[22]

Im Annex B des Kyoto-Protokolls genannte Staaten haben sich verpflichtet, am internationalen Emissionshandel teilzunehmen und bestimmte Emissionsgrenzwerte einzuhalten. Das Instrument des internationalen Emissionshandels kann durch nationale Instrumente ergänzt werden, um bestimmte Reduktionsverpflichtungen einzuhalten. Die CO2-Steuer kann die Rolle eines solchen nationalen Instrumentes übernehmen und zum Beispiel in Branchen, die nicht vom Emissionshandel erfasst werden, Reduktionen bewirken. So belegt zum Beispiel Frankreich ab 2014 die nicht vom EU-Emissionshandel erfassten Kfz-Kraftstoffe und Heizbrennstoffe mit einem „Klima-Energiebeitrag“.

Kritik und Diskurse[Bearbeiten]

Für Entwicklungsländer kann die Gestaltung einer CO2-Steuer besondere Schwierigkeiten aufwerfen. Sie haben eher mit ineffektiven Institutionen zur Steuererhebung zu kämpfen.[2] Zudem sind arme Haushalte oft nur in informellen Wirtschaftssektoren aktiv und werden von Sozialprogrammen unter Umständen nicht erfasst. Kompensationsmaßnahmen, die regressive Effekte einer CO2-Steuer für arme Haushalte mindern, können hier besonders schwierig sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Die CO2-Abgabe in der Schweiz ist eine Lenkungsabgabe auf Brennstoffe. In der Schweiz wird eine Erweiterung auf Treibstoffe wie Benzin und Diesel erwogen.
  • In der deutschen Kraftfahrzeugsteuer wird der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge mit berücksichtigt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andrea Baranzini, José Goldemberg, Stefan Speck: A future for carbon taxes. In: Ecological Economics. 32, 2000, S. 395–412, doi:10.1016/S0921-8009(99)00122-6.
  •  Nicholas Stern: The Economics of Climate Change. Cambridge Univ. Press, 2007, ISBN 978-0-521-70080-1, S. 351–367.
  •  Jenny Sumner, Lori Bird, Hillary Smith, National Renewable Energy Laboratory (NREL) (Hrsg.): Carbon Taxes: A Review of Experience and Policy Design Considerations. Nr. NREL/TP-6A2-47312, Dezember 2009 (PDF).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Andrea Baranzini, José Goldemberg, Stefan Speck: A future for carbon taxes. In: Ecological Economics. 32, 2000, S. 395–412, doi:10.1016/S0921-8009(99)00122-6.
  2. a b c  Charles D. Kolstad, Michael Tolman: The Economics of Climate Policy. In: Handbook of Environmental Economics. 3, Elsevier B.V., 2005, 30, doi:10.1016/S1574-0099(05)03030-5.
  3. a b  Donald B. Marron und Eric J. Toder: Tax Policy Issues in Designing a Carbon Tax. In: American Economic Review. 105, Nr. 5, Mai 2014, S. 563-564, doi:http://dx.doi.org/10.1257/aer.104.5.563 (PDF).
  4. Baranzini u. a.: A future for carbon taxes. 2000, Tabelle 1
  5.  Dana Ruddigkeit: Border Tax Adjustment an der Schnittstelle von Welthandelsrecht und Klimaschutz vor dem Hintergrund des Europäischen Emissionszertifikatehandels. In: Beiträge zum Transnationalen Wirtschaftsrecht. Heft 89, Juli 2009, ISBN 978-3-86829-151-3 (PDF).
  6. Baranzini u. a.: A future for carbon taxes. 2000, S. 406–407.
  7. Baranzini u. a.: A future for carbon taxes. 2000, S. 405–406.
  8. Baranzini u. a.: A future for carbon taxes. 2000, Kapitel 3
  9. Baranzini u. a.: A future for carbon taxes. 2000, Kapitel 4
  10. Rückverteilung der CO2-Abgabe, BAFU, 7. Januar 2013, abgerufen 22. September 2013.
  11.  Tom H. Tietenberg: Reflections—Carbon Pricing in Practice. In: Reviews of Environmental Economics and Policy. 2013, doi:10.1093/reep/ret008.
  12.  Till Fähnders: Volle Kraft zurück Australien schafft Klimasteuer ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Juli 2014 (HTML).
  13. Taxe carbone: comment ça va marcher. In: La Tribune. 22. September 2013, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  14. Robin Sayles: France adopts 2014 budget; carbon tax on fossil fuels. In: Platts. McGraw Hill Financial, 19. Dezember 2013, abgerufen am 20. Dezember 2013.
  15.  Stewart Elgie, Jessica McClay, Sustainable Prosperity, Universität Ottawa (Hrsg.): BC’s Carbon Tax Shift After Five Years. An Environmental (and Economic) Success Story. Juli 2013 (PDF, 4,6 MB).
  16.  The Environics Institute (Hrsg.): Focus Canada 2012, Climate change: Do Canadians still care?. S. 4 (PDF).
  17. Sumner u.a.: Carbon Taxes: A Review of Experience and Policy Design Considerations. 2009, S. 11-12.
  18. a b c d  Stéphanie Jamet: Enhancing the Cost-Effectiveness of Climate Change Mitigation Policies in Sweden. In: OECD Economics Department (Hrsg.): Working Papers. 2011, S. 9, 15-18, doi:10.1787/5kghxkjv0j5k-en.
  19. Fouché Gwladys: Sweden's carbon-tax solution to climate change puts it top of the green list. In: The Guardian, 29. April 2008. (PDF)
  20.  Alexander Cotte Poveda, Clara Inés Pardo Martínez: CO2 emissions in German, Swedish and Colombian manufacturing industries. In: Regional Environmental Change. 13, Oktober 2013, S. 979-988, doi:10.1007/s10113-013-0405-y.
  21. Richtlinie 2003/96/EG des Rates vom 27. Oktober 2003 zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom (EU-Energiesteuerrichtlinie, CELEX-Nr: 32003L0096), Quelle: EUR-Lex.
  22.  Nicholas Stern: The Economics of Climate Change. 2007, ISBN 978-0-521-70080-1, S. 351–367.
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!