CSS Hunley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
CSS Hunley
Css hunley.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Staaten von Amerika Konfoderierte 1863Konföderierte Staaten von Amerika Konföderierte Staaten von Amerika
Schiffstyp U-Boot
Bauwerft Park and Lyons, Mobile
Stapellauf Juli 1863
Übernahme August 1863
Verbleib Am 17. Februar 1864 auf Feindfahrt gesunken, 2000 gehoben
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
12,0 m (Lüa)
Breite 1,17 m
Verdrängung 6,8 t
 
Besatzung 8 Mann
Maschine
Maschine Handbetriebener Propeller
Geschwindigkeit max. 4 kn (7 km/h)
Propeller 1
Bewaffnung
Die Hunley (Illustration von R. G. Skerrett, 1902)
Schnittzeichnung der Hunley

Die CSS Hunley (auch H. L. Hunley) war eines von mehreren Kleinst-U-Booten, die während des Amerikanischen Bürgerkrieges von der Südstaatenmarine gebaut wurden. Es war das erste U-Boot der Kriegsgeschichte, dem es gelang ein feindliches Schiff zu versenken.

Am 17. Februar 1864 griff die Hunley unter dem Kommando von George E. Dixon das Kriegsschiff USS Housatonic an, das während einer Seeblockade Fort Sumter und die Hafenstadt Charleston in South Carolina beschoss. Das Kriegsschiff wurde dabei mit einem Spierentorpedo versenkt. Aber auch die CSS Hunley kehrte von diesem Einsatz nicht mehr in ihre Basis zurück. Ihr Wrack wurde erst 1995 entdeckt und 2000 gehoben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hunley wurde von Horace Lawson Hunley mit privaten Mitteln entwickelt und 1863 von Park and Lyons in Mobile, Alabama, gebaut. Nachdem sie erstmals erfolgreich getestet worden war, erhielt sie den Namen ihres Erfinders. Das Boot war für eine Besatzung von bis zu neun Personen ausgelegt – ein Steuermann und acht Besatzungsmitglieder, die über eine Handkurbel den Propeller antrieben. Es verfügte bereits über die wichtigsten technischen Details moderner U-Boote: Die Steuerung erfolgte über ein Tiefen- und ein Seitenruder, ihre zwei Ballasttanks konnten geflutet und mit Handpumpen wieder geleert werden. Im Notfall konnte auch der eiserne Kiel abgeworfen werden, um so schneller wieder auftauchen zu können.

Bereits während der ersten Testfahrten waren einige Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. H. L. Hunley wurde schließlich selbst nach Charleston beordert, um mit seiner Erfindung die Seeblockade der Unionsmarine zu brechen. Als er aber zögerte und auf weiteren Testfahrten bestand, beschlagnahmte schließlich die konföderierte Marine das Boot. Aber schon am 29. August 1863 sank die Hunley bei einem Angriffsversuch aufgrund eines Bedienungsfehlers ihres Kommandanten. Fünf der neun Besatzungsmitglieder starben. Das Boot wurde geborgen, Hunley übernahm erneut das Kommando an Bord. Am 15. Oktober 1863 sank es abermals bei einem Tauchversuch; diesmal kam neben den sieben Besatzungsmitgliedern auch ihr Konstrukteur ums Leben. Warum er an Bord war, ist bis heute ein Rätsel geblieben; zwar hatte Hunley das Kommando über die Operation, bekleidete jedoch keinen militärischen Rang. Er war vor allem kein erfahrener Seemann. Erneut konnte das Boot gehoben werden, die im extrem engen Innenraum des Bootes festgeklemmten Leichen mussten jedoch zuerst zersägt werden um sie überhaupt bergen zu können.[1] Wie seine Leute wurde auch Hunley mit militärischen Ehren bestattet.

Einsatz[Bearbeiten]

In der Nacht des 17. Februar 1864 lief die Hunley mit einer neuen, aus Freiwilligen bestehenden Besatzung aus, um einen Angriffsversuch zu unternehmen. Das Kommando an Bord hatte nun Lieutenant (der CSA) George E. Dixon, ein überzeugter Vertreter des Gedankens der Nützlichkeit von U-Booten. Als Angriffsziel wurde die USS Housatonic ausgewählt – ein 1.240-Tonnen-Kriegsschiff der Nordstaatenmarine. Hierfür war am Bug der Hunley eine Sprengladung an einer langen Stange angebracht worden. Sie sollte bei voller Fahrt in den Rumpf des feindlichen Schiffes gerammt und anschließend aus sicherer Entfernung über einen Seilzug ausgelöst werden. Die Aktion gelang – zwar entdeckte die Besatzung der Housatonic die Hunley im letzten Moment und eröffnete das Feuer auf sie, die Versenkung ihres Schiffes konnte sie jedoch nicht mehr verhindern. Fünf Besatzungsmitglieder der Housatonic kamen bei der Explosion ums Leben, der Rest konnte sich in die Boote retten. Die Hunley signalisierte noch mit Lichtzeichen an Land, dass die Mission erfolgreich durchgeführt worden war, kehrte jedoch von ihrem Einsatz nicht mehr zurück.

Ihr Verbleib blieb unklar; der erfolgreiche Angriff auf die Housatonic markierte jedoch einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der maritimen Kriegsführung: Zum ersten Mal hatte ein U-Boot im Kriegseinsatz ein feindliches Schiff versenkt; bis dahin war dies nur bei Testfahrten gelungen.

Bergung[Bearbeiten]

Bergung des Wracks
Restaurierungsarbeiten im Naval Historical Center Charleston, S.C. (28. Januar 2005)

Das Schicksal der Hunley wurde zum Mythos. Unzählige Glücksritter versuchten, das Wrack zu finden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sogar 100.000 Dollar dafür ausgesetzt. Der amerikanische Bestsellerautor Clive Cussler suchte 15 Jahre lang unter hohem finanziellen Aufwand nach der Hunley. Cusslers Expeditionen entdeckten zunächst mehrere andere Wracks, erst am 4. Mai 1995 gelang ihnen die Ortung der Hunley – sie wurde mithilfe eines Magnetometers in etwa zehn Metern Tiefe vor der Küste von Sullivan's Island geortet.

Das Wrack wurde 2000 geborgen und seitdem in einer eigens dafür eingerichteten Anlage konserviert. Es war vorgesehen, dass die Konservierung sieben bis zehn Jahre dauern sollte und danach die Hunley in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. Seit 2012 ist das restaurierte Boot in Charleston öffentlich zugänglich und zu besichtigen.

Nach der Beseitigung von 10 Tonnen Sedimentablagerungen fanden die Archäologen im Inneren des fast völlig intakten Wracks die Leichen der Besatzung sowie Dutzende von noch guterhaltenen Gebrauchsgegenständen. Mithilfe der Schädel gelang es Forensikspezialisten, die Gesichter der Besatzungsmitglieder zu rekonstruieren.[1]

Die Überreste der acht umgekommenen Besatzungsmitglieder konnten am 17. April 2004 feierlich bestattet werden. Ihre Gräber liegen auf dem Magnolia-Friedhof in Charleston, direkt neben denen der beiden vorherigen Besatzungen. Am Trauerzug und der anschließenden Beisetzung nahmen zehntausende Menschen teil; das Ereignis galt, fast 150 Jahre nach Kriegsende, als das „letzte konföderierte Begräbnis“.

Die erste Besatzung war ursprünglich auf einem kleinen Seemannsfriedhof begraben worden, der jedoch 1948 aus Unwissenheit einem Sportstadion zum Opfer fiel. Erst 1999 wurden die sterblichen Überreste wiederentdeckt und 2000, ebenfalls unter großer öffentlicher Anteilnahme, auf den Magnolia-Friedhof umgebettet.

Unglücksursache[Bearbeiten]

Die Unglücksursache konnte bislang nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Neuesten Erkenntnissen zufolge dürfte die Mannschaft aber erstickt und nicht – wie lange angenommen – ertrunken sein.[2] Nach der Bergung fand man alle Besatzungsmitglieder noch auf ihren Gefechtsstationen vor. Offensichtlich hatte auch niemand von ihnen versucht, seinen Platz zu verlassen. Die Pumpen, die dafür sorgten, dass der Mannschaftsraum wasserfrei blieb, waren außer Funktion. Hätte die Besatzung noch versucht, wegen eines Lecks auszubooten, hätte sie dazu zumindest vorher die Pumpen in Gang setzen müssen. Stattdessen dürfte Dixon aber nach dem Abtauchen das Einsetzen der Flut abgewartet haben, um mit ihrer Hilfe wieder schneller ans Ufer zu gelangen. In den zwei Stunden bis dahin haben die Männer aber wahrscheinlich in dem engen Schiffskörper auf Grund von Sauerstoffmangel das Bewusstsein verloren und starben. Die bisherige Annahme, dass die Hunley nach dem Angriff auf die Housatonic schwer beschädigt oder von einem anderen Schiff gerammt und dadurch manövrierunfähig wurde, dürfte somit nicht die entscheidende Ursache für den Untergang des Bootes gewesen sein.[3]

Mannschaftsmitglieder[Bearbeiten]

Abkürzungen: CSN = Confederate States Navy; CSA = Confederate States Army; C = Civilian

Mannschaft I[Bearbeiten]

  • John A. Payne, CSN
  • Charles H. Hasker, CSN
  • Charles L. Sprague, C
  • Jeremiah Donivan/William Robinson, C
  • Frank Doyle, CSN
  • John Kelly, CSN
  • Michael Cane, CSN
  • Nicholas Davis, CSN
  • Absolum Williams, CSN

Mannschaft II[Bearbeiten]

  • Horacy L. Hunley, C
  • Thomas Park, C
  • Robert Brockbank, CSN
  • Joseph Patterson, CSN
  • Charles McHugh, CSN
  • John Marshall, CSN
  • Henry Beard, CSN
  • Charles L. Sprague, C

Mannschaft III[4][Bearbeiten]

  • Ltn. George E. Dixon, CSA
  • Corp. C. F. Carlson, CSA
  • James A. Wicks, CSN
  • Arnold Becker, CSN
  • Frank Collins, CSN
  • Joseph F. Ridgaway, CSN
  • C. Lumpkin, CSN
  • Augustus Miller, C

Filmische Verarbeitung[Bearbeiten]

  • The Hunley, Episode 1 der US-amerikanischen Fernsehserie The Great Adventure, Ausstrahlungsdatum 27. September 1963. Die Episode wurde ca. 1968 synchronisiert im westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt. Leutnant Dickson wurde von Jackie Cooper dargestellt; die Erzählstimme der Originalfassung stammt von Van Heflin.
  • Die Geschichte des U-Bootes wurde im amerikanischen Fernsehfilm The Hunley (1999) behandelt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: CSS Hunley – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Aus einem Bericht im Wochenmagazin Der Spiegel, Nr. 5, Jahrgang 2012, Prisma Wissenschaft-Technik, Schädel im U-Boot, S. 98
  2. (South Carolina Hunley Commission 2008) Scientists have new clue to mystery of sunken sub. In: Associated Press, 18. Oktober 2008. (Defunct as of 4/09)
  3. Aus einem Bericht im Wochenmagazin Der Spiegel, Nr. 45, Jahrgang 2008, Prisma Wissenschaft-Technik, ARCHÄOLOGIE: Auf Gefechtsstation erstickt, S. 145
  4. Zob. http://www.hunley.org/main_index.asp?CONTENT=CREWB_PROFILES