Caddo-Sprachen

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Verbreitung der Caddo-Sprachen

Die Caddo-Sprachen sind eine Sprachfamilie fünf eng verwandter Sprachen (mit einst zahlreichen Dialekten), die einst von mehreren mächtigen Häuptlingstümern sowie Stämmen im Gebiet der Südlichen Plains und Central Plains gesprochen wurden. Das ehemalige Sprachgebiet erstreckte sich über weite Gebiete von North und South Dakota, Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas in den USA. Keine der heute noch vier gesprochenen Caddo-Sprachen erreicht jeweils eine Sprecherzahl von mehr als 25 und zählen daher alle zu den ernsthaft bedrohten Sprachen bzw. fast ausgestorbenen Sprachen.

Aufgliederung[Bearbeiten]

Zur Familie der Caddo-Sprachen gehören insgesamt fünf verschiedenen Sprachen:

I. Südliches Caddo oder einfach Caddo

  • 1. Caddo (der eigentl. Caddo sowie der mit ihnen historisch sprachlich und politisch verbündeten Stämme der Yatasi, Tula, Ouachita (Washita), Eyeish und Cahinnio, heute meist Hainai-und Hasinai-Dialekte, einige Kadohadacho; 25 Sprecher, ernsthaft bedroht)
    • Kadohadacho-Dialekt
    • Hasinai-Dialekt
    • Hainai-Dialekt
    • Natchitoches-Dialekt
    • Yatasi-Dialekt

II. Nördliches Caddo oder Plains Caddo

A: WICHITA

  • 2. Wichita (der Wichita-Völker: Guichita (eigentl. Wichita), Taovaya (Tawehash), Waco (Iscani, Hueco) und Tawakoni (Towakoni), nur noch 1 Muttersprachler sowie drei Sprecher, fast ausgestorben)
    • KirikirɁi:s (eigentl. Wichita)-Dialekt
    • Waco (Hueco)-Dialekt
    • Tawakoni (Towakoni)-Dialekt

B: PAWNEE-KITSAI

Kitsai (Kichai)
Pawnee
  • 4. Arikara (Ree) (der Arikaree (Arikara), 10 Sprecher, fast ausgestorben)
  • 5. Pawnee (der Pawnee, 10 Sprecher (Golla 2007), evtl. bis zu 79 Sprecher (2000 census), jedoch nur von Ältesten, fast ausgestorben)
    • South Band-Dialekt
    • Skiri / Skidi (auch Wolf)-Dialekt

Sprache und Identität[Bearbeiten]

Wie oben bereits erwähnt gelten die vier heute noch gesprochenen Caddo-Sprachen auf Grund des meist erzwungenen Sprachwechsels zum dominierenden American English alle als ernsthaft bedrohte Sprache (Südliches Caddo bzw. Caddo) bzw. als fast ausgestorbene Sprache (Nördliches Caddo: Wichita, Arikara und Pawnee). Sollte eine dieser Sprachen aussterben (siehe Sprachtod) verschwindet mit ihr oft gleichzeitig ein komplexes den Völkern eigenes Wissenssystem (über ihre Umwelt, Religion sowie ihre Gesellschaft). Zudem ist oftmals der Verlust der Sprache gleichzusetzen mit dem Verlust der Identität als Volk, da meist mündlich von den Ältesten übermitteltes Wissen für die nächste Generation verloren geht, da Letztere nicht mehr die Sprache versteht. Es wurden (und werden) zwar mehrere Wörterbücher für die verschiedenen Caddo-Sprachen veröffentlicht und teilweise in den Schulen der Stämme unterrichtet, jedoch sprechen heute meist immer nur noch Ältere diese als Muttersprache. Zudem können Übersetzungen ins AE nicht die ganze Sprachvielfalt sowie Mehrdeutigkeit der ursprünglichen Sagen und Erzählungen sowie rituellen Gesänge bei Tänzen und religiösen Festen erfassen, so dass auch hier ein Verlust der Kultur und Identität nicht zu vermeiden ist.

Die fünfte Caddo-Sprache, die zum Nördlichen Caddo zählende Kitsai-Sprache der Kichai gilt seit dem Tod des letzten Sprechers in den 1940er als ausgestorbene Sprache.

Mögliche Verwandtschaftsbeziehungen[Bearbeiten]

Die postulierten Verwandtschaften von Caddo zu den Sioux-Sprachen, den Irokesischen Sprachen sowie dem Yuchi (der Yuchi) und die Eingliederung aller dieser Sprachen in einer sog. Makro-Sioux-Sprachfamilie konnte bis heute nicht bewiesen werden und wird von den Linguisten mehrheitlich abgelehnt.

Ferner wurde auch eine Verwandtschaft des von mehreren Pueblo-Völkern gesprochenen Keres sowie des heute ausgestorbenen Adai (von dem sich nur eine Liste von 275 Wörtern erhalten hat) angenommen; heute jedoch werden beide Sprachen - genauso wie das Yuchi - zu den Isolierten Sprachen gezählt. Da die heute als Völker nicht mehr existenten Adai und Bidai, deren Stammesbezeichnungen jeweils auf ein Caddo-Wort für „Unterholz, Gestrüpp“ zurückgeht, sowohl geographisch, als auch kulturell und teilweise politisch mit den Südlichen Caddo eng verbunden waren, wurden deren Sprachen ebenfalls als Caddo-Sprachen betrachtet. Heute jedoch wird die Sprache der Bidai allgemein als ein Westlicher Dialekt der heute ebenfalls ausgestorbenen isolierten Atakapa-Sprache angesehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Campbell, Lyle. (1997). American Indian languages: The historical linguistics of Native America. New York: Oxford University Press. ISBN 0-19-509427-1.
  • Chafe, Wallace L. (1973). Siouan, Iroquoian, and Caddoan. In T. Sebeok (Ed.), Current trends in linguistics (Vol. 10, pp. 1164-1209). The Hague: Mouton. (Reprinted as Chafe 1976).
  • Chafe, Wallace L. (1976). Siouan, Iroquoian, and Caddoan. In T. Sebeok (Ed.), Native languages in the Americas (pp. 527-572). New York: Plenum. (Originally published as Chafe 1973).
  • Chafe, Wallace L. (1976). The Caddoan, Iroquioan, and Siouan languages. Trends in linguistics; State-of-the-art report (No. 3). The Hague: Mouton. ISBN 90-279-3443-6.
  • Chafe, Wallace L. (1979). Caddoan. In L. Campbell & M. Mithun (Eds.), The languages of Native America: Historical and comparative assessment (pp. 213-235). Austin: University of Texas Press. ISBN 0-292-74624-5.
  • Chafe, Wallace L. (1993). Indian languages: Siouan-Caddoan. Encyclopedia of the North American colonies (Vol. 3). New York: C. Scribner's Sons ISBN 0-684-19611-5.
  • Lesser, Alexander; & Weltfish, Gene. (1932). Composition of the Caddoan linguistic stock. Smithsonian Miscellaneous Collections, 87 (6), 1-15.
  • Mithun, Marianne. (1999). The languages of Native North America. Cambridge: Cambridge University Press. ISBN 0-521-23228-7 (hbk); ISBN 0-521-29875-X.
  • Taylor, Allan. (1963). Comparative Caddoan. International Journal of American Linguistics, 29, 113-131.

Siehe auch: Caddo (Konföderation)