Cadolzburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Cadolzburg
Cadolzburg
Deutschlandkarte, Position des Marktes Cadolzburg hervorgehoben
49.4510.866666666667352Koordinaten: 49° 27′ N, 10° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Fürth
Höhe: 352 m ü. NHN
Fläche: 45,44 km²
Einwohner: 10.392 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 229 Einwohner je km²
Postleitzahl: 90556
Vorwahl: 09103
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 09 5 73 114
Marktgliederung: 16 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausplatz 1
90556 Cadolzburg
Webpräsenz: www.cadolzburg.de
Erster Bürgermeister: Bernd Obst (CSU)
Lage des Marktes Cadolzburg im Landkreis Fürth
Landkreis Fürth Bayern Landkreis Ansbach Landkreis Roth Schwabach Erlangen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Erlangen-Höchstadt Fürth Nürnberg Obermichelbach Tuchenbach Puschendorf Veitsbronn Seukendorf Wilhermsdorf Langenzenn Cadolzburg Großhabersdorf Ammerndorf Roßtal Zirndorf Oberasbach Stein (Mittelfranken)Karte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Lage

Cadolzburg (veraltet: Kadoldeßburc; umgangssprachlich: Sporch, gesprochen [ʃbɔrχ]) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Fürth.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Topographie des Ortes weist beträchtliche Höhenunterschiede auf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind:

(Aufzählung: im Norden beginnend im Uhrzeigersinn)

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Cadolzburg besteht aus dem Hauptort und weiteren 15 Ortsteilen:

  • Ballersdorf
  • Deberndorf
  • Egersdorf
  • Gonnersdorf
  • Greimersdorf
  • Steinbach
  • Vogtsreichenbach
  • Wachendorf
  • Waldhaus
  • Zautendorf

Geschichte[Bearbeiten]

Da es sich um einen Ortsnamen handelt, der auf -burg endet, ist auf eine wohl frühmittelalterliche Befestigung – eventuell aus dem 9. oder 10. Jahrhundert – zu schließen. Deuten ließe sich der Name dann als Burg des Kadolt. Über die Form einer solchen Burg ist nichts bekannt, allerdings macht der ideale Bergsporn es wahrscheinlich, dass er bereits im Frühmittelalter befestigt war.

1157 werden Ort und Burg erstmals urkundlich als Helmericus de Kadoldeßburc erwähnt,[2] als zwischen dem Bistum Würzburg und dem Kloster Heilsbronn ein Gütertausch vereinbart wurde. Es liegt sehr nahe, dass der Name der Burg zu deuten ist als „Burg des Kadold“, der bereits um das Jahr 793 hier an dieser Stelle das Kloster Herrieden hatte errichten lassen. Aus dieser frühen Zeit ist allerdings nichts erhalten geblieben. Die ältesten bekannten Anlagen der Burg entstanden um 1250 unter dem Burggrafen Konrad I. von Nürnberg und dessen Sohn Friedrich III., als sie die Cadolzburg zu ihrer Residenz ausbauten. 1397 erhielt Friedrich VI. das „untergebirgische“ Land mitsamt der Residenz Cadolzburg zugeteilt. Aber schon 20 Jahre später erhielt er die Kurfürstenwürde von Brandenburg und wurde so zum Ahnherrn der preußischen Könige und der deutschen Kaiser seit 1871. Unter seinem Sohn Albrecht Achilles von Brandenburg erlebte die Cadolzburg den Übergang zu einer Jagdresidenz. Als Teil der Markgrafschaft Ansbach lag der Ort ab 1500 im Fränkischen Reichskreis.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden Teile der Gemeinde Deberndorf eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam die damalige Gemeinde Roßendorf hinzu.[3] Am 1. Mai 1978 folgten Steinbach und der Ortsteil Seckendorf der aufgelösten Gemeinde Horbach.[4]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat hatte 2002 20 Mitglieder, seit der Kommunalwahl 2008 gibt es 24 Mitglieder.

CSU SPD Grüne Parteilos(e) FWG Gesamt
2002 8 8 1 2 1 20 Sitze
2008 12 6 1 4 1 24 Sitze
2014 11 6 2 3 2 24 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Von 1978 bis 2002 war Claus Pierer (SPD) im Amt [5], dem Bernd Obst (CSU) folgte. Am 2. März 2008 wurde er mit 79 % der Stimmen gegen Hermann Zempel (SPD) mit 21 % wiedergewählt. Am 16. März 2014 wurde Bernd Obst mit 76 % der Stimmen im Amt bestätigt, gegen ihn trat Diana Eichhorn (SPD) an, die 24 % der Stimmen erhielt.

Ortspartnerschaften[Bearbeiten]

Die Partnergemeinden sind FrankreichFrankreich Le Palais-sur-Vienne in Frankreich, OsterreichÖsterreich Mauterndorf in Österreich und ItalienItalien Ultental in Italien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Burg[Bearbeiten]

Burg, Westansicht mit Mauern in gesamter Höhe
Burgtor mit vorgelagerter Brücke

Namensgeber des erstmals 1388 erwähnten Marktes war die 1157 erwähnte Cadolzburg. Der heutige Baubestand der Burganlage stammt jedoch aus der Zeit vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Ab 1260 diente die Cadolzburg als Sitz der hohenzollerschen Burggrafen von Nürnberg. Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg baute die Burg grundlegend um. Er starb dort 1440. Während des Dreißigjährigen Krieges blieb die Burg unversehrt. Bei Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 ging die Burg in Flammen auf und blieb jahrzehntelang in Trümmern liegen.[6] Die Bayerische Schlösserverwaltung hat Burgfelsen und Bausubstanz in jahrelanger Arbeit gesichert. Für die kommenden Jahre steht noch der Innenausbau des alten Schlosses mit dem Kapellenflügel an (Stand 2011). In den Räumen soll künftig ein Burgmuseum Platz finden, das die historischen Räume nutzt und dort eine lebendige Vorstellung vom Leben in einer mittelalterlichen Fürstenburg vermittelt. Der Hauptburg südlich vorgelagert ist eine großzügig bemessene Vorburg mit vornehmlich Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts sowie ein ummauerter Lustgartenbereich. Der Torturm mit dem Uhrtürmchen ist ein gotischer Bauteil (13./14. Jahrhundert).

Der 1982 begonnene Wiederaufbau der Hauptburg fand mit der Instandsetzung und teilweisen Neugestaltung der Außenanlagen durch das Landschaftsarchitekturbüro Wiegel im Jahr 2007 seinen vorläufigen Abschluss.[7]

Aussichtsturm[Bearbeiten]

Aussichtsturm, Südostansicht

Der 25 Meter hohe Aussichtsturm (umgangssprachlich: Bleistift) wurde an hoher Stelle des Ortes 1893 von der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft (LAG) München im neugotischen Stil errichtet. Er bietet bei klarem Wetter eine weit reichende Rundumsicht. Früher war er vor allem für die Fürther ein beliebtes Ausflugsziel, die am Wochenende oder besonders zur Kirschbaumblüte („in die Bläih“) mit der Bahn nach Cadolzburg fuhren. Ein quadratisches Holztreppenhaus führt über fünf Stockwerke nach oben. Auf etwa halber Höhe befindet sich ein kleiner Balkon an einer Seite des Turms, betretbar durch eine Holztür. Im oberen Teil leicht verjüngt, ragt über Konsolen die überdachte Aussichtsplattform hervor. Den Abschluss bildet eine Turmspitze mit vier dekorativ hervortretenden Fenstern an jeder Seite. Der Turm ist gegen einen Spendenbeitrag zu begehen und grundsätzlich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unbewacht offen.

Sonstige Bauwerke[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche (Markgrafenkirche) wurde 1750/51 in klassizistischen Barockformen als Saalbau neu über einem wohl gotischen Vorgängerbau errichtet. Das Innere bestimmt eine umlaufende Emporenanlage mit einer Altarwand im Osten und der Orgel im Westen. Der Taufstein entstammt der barocken Neubauphase (datiert 1751). Beachtlich ist die wohl erst nachträglich aus spätgotischen Holzschnitzfiguren zusammengestellte Kreuzigungsgruppe aus dem Umkreis des Veit Stoß; Maria und Johannes wohl von 1470/80, das Kruzifix um 1500.

Die ehemalige Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert ist zu beträchtlichen Teilen erhalten; am Torturm findet man die inschriftliche Datierung 1476.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Im 1668 erbauten ehemaligen Rathaus richtete der Heimatverein das Rangau-Heimathaus ein. In zwölf Räumen bietet es einen Überblick über die Geschichte Cadolzburgs sowie die Geologie der Region.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Staatsstraße 2409, eine wichtige Verbindung zwischen der Bundesstraße 14 bei Roßtal und Bundesstraße 8 bei Seukendorf, durchquert das Gemeindegebiet; viele Kreisstraßen kreuzen sie oder beginnen an ihr auf Cadolzburger Gebiet. Die Halbanschlussstelle Langenzenn-Horbach an der Südwesttangente liegt auf Cadolzburger Gemeindegebiet in der Nähe des Ortsteils Seckendorf.

In der ersten Hälfte der 1880er Jahre wurde Cadolzburg mit einer Postkutsche über Großhabersdorf in Heilsbronn an die Nürnberg-Crailsheimer-Bahn angebunden.[9] Diese verlor ihre Bedeutung durch die Verlängerung der Rangaubahn über den damaligen Endpunkt Zirndorf am 14. Oktober 1892 nach Cadolzburg. Kurzzeitig war eine Fortführung über Deberndorf und Seubersdorf nach Unternbibert im Gespräch, um die Steinbrüche am Dillenberg bei Deberndorf mit der Bahn zu erschließen. Die Lokalbahn Aktien-Gesellschaft lehnte dies am 1. Februar 1894 auf Grund der „ungünstigen Terrainverhältnisse“ ab.[10]

Am Cadolzburger Bahnhof begegnen sich die Linien 136 und 152 des privaten Verkehrsunternehmens Steinmetz. Während die Linie 136 hauptsächlich als Schulbus für die Ammerndorfer und Cadolzburger Schüler des Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Langenzenn dient, erschließt die Linie 152 die Orte um den Dillenberg und stellt eine Verbindung zum Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach, zur Staatlichen Realschule Zirndorf und die Stadt Fürth dar.

Der Bahnhof ist abends und am Wochenende Ziel des Anrufsammeltaxis aus den Cadolzburger Außenorten.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Das Jugendzentrum Herz ist ein Jugendzentrum in Cadolzburg.

Vereine[Bearbeiten]

Die Fußballabteilung ist die bei Weitem größte Abteilung des TSV Cadolzburg. Es gibt insgesamt elf Fußballmannschaften, die auf drei Großfeldern und einem Kleinfeld spielen können.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cadolzburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Hans Werner Kress: Geschichte und Entwicklung Cadolzburgs. Cadolzburg 2003 (http://web.archive.org/web/20070914130807/http://www.cadolzburg.de/geschichte/geschichte.html, abgerufen am 1. Dezember 2008).
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 467.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 714.
  5. Ehrung für Claus Pierer und Josef Lindecker. Abgerufen am 17. März 2014.
  6.  Hans Werner Kress: Die Burg brennt! April 1945; der Vorstoß der amerikanischen Armee von Neustadt über Cadolzburg nach Schwabach. Heimatverein Cadolzburg u. U., Cadolzburg 2003, ISBN 3-00-011049-6.
  7. Instandsetzung der Außenanlagen durch das Landschaftsarchitekturbüro Wiegel, Bamberg. Schlossanlage Cadolzburg - Instandsetzung und Neugestaltung der Außenanlagen. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  8. Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
  9. Peter Ramsenthaler: Lokalbahn Nürnberg- Unternbibert-Rügland : Von der Frankenmetropole in den Rangau. H-und-L-Publ.-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Schweinfurt 1996, ISBN 3-928786-48-2, Seite 2
  10. Peter Ramsenthaler: Lokalbahn Nürnberg- Unternbibert-Rügland : Von der Frankenmetropole in den Rangau. H-und-L-Publ.-Souvenirs-Verlag Bleiweis, Schweinfurt 1996, ISBN 3-928786-48-2, Seite 3