Caio Koch-Weser

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Caio Koch-Weser

Caio Kai Koch-Weser (* 25. Juli 1944 in Rolândia, Brasilien) ist ein Finanzexperte und ehemals hochrangiger deutscher Finanzbeamter. Er war Vizepräsident und geschäftsführender Direktor der Weltbank sowie Finanzstaatssekretär (1999-2005) der deutschen Bundesregierung. Seit Januar 2006 ist er Berater im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Caio Koch-Weser wurde in Brasilien geboren; seine Eltern und Großeltern verließen Bremerhaven während des Nationalsozialismus. Sein Großvater ist der linksliberale DDP-Politiker Erich Koch-Weser, der in der Weimarer Republik Reichsjustizminister (1928-1929) und Vizekanzler (1920) war. Die Familie emigrierte bereits 1933 nach Rolândia, Brasilien, wo Erich Koch-Weser eine Kaffeeplantage und eine deutsche Kolonie aufbaute. Nach seiner Schulzeit dort besuchte Caio Koch-Weser ab 1961 das humanistische Gymnasium Schule Birklehof in Hinterzarten/Schwarzwald und studierte danach Volkswirtschaft, Soziologie und Geschichte in Münster, Berlin und Bonn. Er beendete das Studium als Diplom-Volkswirt.

Caio Koch-Weser ist deutscher und brasilianischer Staatsbürger, er ist verheiratet mit Maritta Rogalla von Bieberstein Koch-Weser (Rogalla von Bieberstein), die, wie ihr Mann 20 Jahre ihres Berufslebens (1980– 1998) bei der Weltbank tätig war und nun im Vorstand von Earth3000 und GEXIE (Global Exchange for Social Investments) und im Kuratorium der Deutsche Klimastiftung ist. Sie haben drei Kinder.

Politik[Bearbeiten]

Ab 1973 war er für die Weltbank tätig, seit 1991 als Vizepräsident und seit 1996 als geschäftsführender Direktor.

Im Mai 1999 wechselte er als Staatssekretär in das Bundesministerium der Finanzen im Kabinett Schröder I. Er war 2000 erster Kandidat der Bundesregierung für die Stellung als Geschäftsführender Direktor und Exekutiv-Vorstandsvorsitzender des Internationalen Währungsfonds, wurde aber von den USA abgelehnt, Horst Köhler wurde später gewählt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Oktober 2005 gab Koch-Weser bekannt, das Finanzministerium auf eigenen Wunsch verlassen zu wollen. Er wechselte in die private Finanzwirtschaft und ist seit Januar 2006 im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank tätig. Als Vice Chairman berichtet er direkt an den Vorstandsvorsitzenden und wird dem erweiterten Konzernvorstand sowie Kunden der Bank als Berater zur Verfügung stehen. Dieser Wechsel wird derzeit vom Bundesministerium der Finanzen auf mögliche Interessenkonflikte hin überprüft. Beim BMF war er zuvor unter anderem für die Bankenkontrolle zuständig. In seiner Funktion als Staatssekretär hatte er die umstrittene Führungsstruktur der Deutschen Bank genehmigt, obwohl das Justizministerium erhebliche Bedenken geäußert hatte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete im März 2008 ein Ermittlungsverfahren gegen den Bankchef Josef Ackermann im Fall um die staatliche Bürgschaft der Deutschen Bank für die Ostsee-Pipeline ein. Dabei geht es angeblich um den Vorwurf der strafbaren Vorteilsgewährung an den ebenfalls beschuldigten Caio Koch-Weser.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Caio Koch-Weser bei der Jahrestagung 2012 des World Economic Forums

Caio Koch-Weser ist durch seine Mitgliedschaften in verschiedenen Denkfabriken sehr gut vernetzt, so war er bis 2011 Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung, er ist im Stiftungsrat des World Economic Forum (WEF) und im Vorstand der in Brüssel ansässigen Denkfabrik BRUEGEL. Weiterhin ist er Mitglied im Think-Tank European Council on Foreign Relations, in der European Climate Foundation (ECF) und im Centre for European Reform (CER).

Quellen[Bearbeiten]

  • Anschein der Käuflichkeit in Spiegel Nr. 5/2006.
  1. Kirch setzt Ermittlungen gegen Ackermann durch Spiegel Online, 7. März 2008.

Weblinks[Bearbeiten]