Caló (Sprache)

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Caló

Gesprochen in

Spanien (vor allem Andalusien), Frankreich, Portugal, Brasilien
Sprecher 70.000[1]
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

roa

ISO 639-3:

rmr[1]

Als Caló wird die Sprache der Gitanos auf der Iberischen Halbinsel bezeichnet. Sie wird vor allem von Gitanos im Süden Spaniens, in den Regionen Andalusien und Extremadura gesprochen, die sich selbst als Calé (dt. auch Kalé geschrieben) bezeichnen. Die Sprache der Kalé, von ihnen selbst Caló und in der Sprachwissenschaft auch Ibero-Romani genannt, ist keine Romani-Sprache im eigentlichen Sinn mehr, sondern wird als Para-Romani-Sprache bezeichnet, da sie nicht nur in Lautung und Wortschatz, sondern auch in Syntax und Morphologie so stark durch ihre romanischen Kontaktsprachen geprägt ist, dass sie als deren Variante, und nicht mehr als Romani-Variante gilt.

Linguistische Klassifizierung[Bearbeiten]

Die historischen Migrationsströme der Roma nach Europa

Das Caló wird als Mischsprache bezeichnet. Linguisten haben im Caló etwa 300 bis 400 Wörter gefunden, die aus dem Romanes stammen, wobei sich im Wortschatz der einzelnen befragten Gewährspersonen jeweils nur maximal 100 dieser Romanes-Wörter befanden. Der Romanes-Anteil der Sprache stammt aus der Sprache der Kalderasch, die traditionell als Kupferschmiede und Kesselflicker lebten. Der überwiegende Rest des Caló stammt aber aus den romanischen Sprachen der Iberischen Halbinsel, wo die Kalé seit dem 15. Jahrhundert leben. Aus diesem Grund kann sich ein Caló-Sprecher nicht auf Romanes mit Roma aus Osteuropa unterhalten, da sich das Caló zu weit vom Romanes entfernt hat. Der romanische Haupteinfluss auf das Caló stammt aus dem Kastilischen, besonders aus dessen südlichen andalusischen Varianten. In den verschiedenen Regionen der Iberischen Halbinseln gibt es jedoch unterschiedliche Varietäten des Caló, die von den jeweiligen romanischen Lokalsprachen geprägt sind. Es gibt ein katalanisches Caló, ein portugiesisches Caló (dort Calão genannt, oder Lusitano-Romani), sowie in der Neuen Welt ein brasilianisches Caló (Calão Brasileiro). Im Baskenland gibt es eine eigene Romasprache, das Erromintxela, das auf Spanisch auch als Caló Vasco bezeichnet wird. Erromintxela ist jedoch eine Mischsprache zwischen Romanes und Baskisch und hat nur einen geringen Anteil an romanischen Einflüssen.[1][2]

Das andalusische Caló enthält oft zahlreiche altertümliche Formen des Kastilischen, wie etwa den Voseo (höfliche Anrede mit vos, statt Usted). Phonologisch kommt es wie in vielen anderen südspanischen Varietäten zum Zusammenfall der für das iberische Spanisch sonst so typischen Unterscheidung zwischen s [s] und z [θ], dem sogenannten Seseo bzw. Ceceo.

Sprecherzahlen[Bearbeiten]

Das Caló ist eine bedrohte Sprache, deren Sprecherzahl von Generation zu Generation zurückgeht, da viele junge Gitanos zur Sprache der Mehrheitsbevölkerung wechseln und nur noch einzelne Wörter aus dem Caló kennen. Derzeit wird die Zahl der Caló-Sprecher auf etwa 70.000 geschätzt, wobei 40.000 in Spanien leben und sich auf die Untergruppen kastilisches und katalanisches Caló verteilen. In Frankreich leben etwa 15.000 Sprecher, die kastilisches oder katalanisches Caló sprechen, inklusive der dortigen Erromintxela-Sprecher. In Portugal wird das portugiesische Calão von etwa 5.000 Personen gesprochen und in Brasilien von etwa 10.000.

Lehnwörter aus dem Caló[Bearbeiten]

Die spanische und katalanische Sprache haben zahlreiche Wörter aus dem Caló übernommen, die teilweise Teil der Standardsprache geworden sind, teilweise nur kolloquial im Jargon oder Slang verwendet werden. Beispiele sind gachó (von Gadscho: "der Mann"), chaval (von Tschawale, Vocativ von Tschawo, "Junge, Bursch", ursprünglich "Sohn"), parné ("Geld"), chorar ("stehlen"), currelar oder currar ("arbeiten"), fetén ("exzellent, super"), molar ("gefallen"), pinrel (von pinré, "Fuß"), biruji ("kalt"), piltra ("Bett"), churumbel ("Kind, Baby"), sacais ("Augen"), pitingo ("überheblich"), camelar ("mögen"), chola ("Kopf"), lache ("Rache"), galochi ("Herz").

Im Katalanischen sind folgende Caló-Wörter in der Umgangssprache zu finden: halar (ausgesprochen [həˈɫa] oder [xəˈɫa]; "essen"), xaval ("Junge, Bursch"), dinyar(-la) ("sterben"), palmar(-la) ("sterben"), cangueli ("fürchten"), paio ("Nicht-Roma"), calé ("Geld"), cangrí ("Gefängnis"), pispar ("nicken"), birlar ("nicken"), xorar ("stehlen"), mangar ("stehlen"), molar ("mögen"), pringar ("übertreiben"), pirar(-se) ("weggehen, sich rar machen"), sobar ("schlafen"), privar ("trinken"), xusma ("Prolo"), laxe ("Schande"), catipén ("stinken"), xaxi ("großartig, super"), xivar-se ("jemanden verraten, petzen"), xivato ("Denunziant"), xinar(-se) ("sich aufregen"), fer el llonguis ("sich dumm stellen") und potra ("Glück").

Caló im Flamenco[Bearbeiten]

Flamenco in Sevilla

Das Caló ist mit seinem Vokabular und seinen Redewendungen eine der wichtigsten Quellen für die Texte von Flamencoliedern. Dieser in Südspanien entstandene Musikstil hat seinen Ursprung bei den iberischen Gitanos und ist weltweit die bekannteste Ausdrucksform ihrer Kultur. Da der Flamenco nicht nur als Gitano-Musik gesehen wird, sondern als Teil der traditionellen südspanischen Volksmusik aller ethnischen Gruppen gilt, hat sich eine eigenes Flamenco-Vokabular entwickelt. Es gibt Wörter und Redewendungen, die im Standard-Kastilischen nicht vorkommen, die jedoch Bestandteil vieler Flamenco-Texte sind und die meist aus dem Caló stammen, aber auch teilweise aus dem maurischen Arabisch und dem Judenspanisch (Ladino). Bestimmte Wörter, die in der Alltagssprache eine abfällige Bedeutung haben, können in der Sprache des Flamenco eine poetische und emotional besonders geladene Bedeutung haben. So steht das Caló-Wort camelar im Flamenco für lieben, begehren, sich verzehren und das Wort mangar für fordern, verlangen, flehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Sprachbeispiele[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Informationen über Caló auf Ethnologue.com
  2. Adiego, I. Un vocabulario español-gitano del Marqués de Sentmenat (1697-1762) Ediciones Universitat de Barcelona (2002) ISBN 84-8338-333-0