Calypso (Musik)

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Calypso ist ein afro-karibischer Tanzrhythmus beziehungsweise Musikstil.

Geschichte[Bearbeiten]

Calypso entstand auf den britischen und französischen kolonialen Karibik-Inseln zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ist maßgeblicher Bestandteil der Musik von Trinidad und Tobago und den niederländischen Antillen. Die Ursprünge gehen auf afrikanische Sklaven zurück. Wechselnde Kolonialmächte brachten verschiedene Musikstile auf die Inseln. Die Franzosen brachten den Karneval, wo nun Calypsowettstreite populär wurden, insbesondere nach der Abschaffung der Sklaverei 1840. Während die meisten Quellen die afrikanischen Ursprünge der Musik betonen, weist Rafael de Leon in seinem 1986 erschienenen Buch Calypso from France to Trinidad, 800 Years of History auf eine Abstammung vom mittelalterlichen französischen Troubadour hin.

Weiterhin blieb Calypso ein Kommunikationsmedium, so dass vor über 100 Jahren Nachrichten auf Trinidad meist so verbreitet wurden. Politiker, Journalisten und die Öffentlichkeit debattierten deren Inhalte, und viele der Bewohner sahen die Lieder als zuverlässigste Nachrichtenquelle an. Die Lieder schufen einen Raum für freie Meinungsäußerung, etwa das Aufdecken von politischer Korruption. Die britischen Behörden versuchten dies durch Zensurmaßnahmen einzuschränken, was ihnen aber nicht vollständig gelang.

Musikaufnahmen[Bearbeiten]

Musikaufnahmen basieren überwiegend auf dem 2/4-taktigen synkopierten Calypsorhythmus. Alle Vokalklänge werden ausgedehnt, sodass die Worte wie Pidgin Englisch klingen[1]. Die erste Calypsoaufnahme entstand am 20. Juni 1912 als Instrumentalfassung mit Lovey's Trinidad String Band unter dem Titel Manuelita (Victor #63792) in New York, gefolgt 1914 mit der ersten Vokalaufnahme mit dem Duke of Iron unter dem Titel Iron Duke In The Land, am 11. September 1914 entstand mit Jules Sims der Song Native Trinidad Kalenda auf Trinidad. Am 7. September 1915 nahm Lionel Belasco sein Bajan Girl auf; Belasco hat zwischen 1914 und 1945 insgesamt 278 Songs veröffentlicht. Am 18. Juli 1924 begann Sam Mannings Karriere mit Amba Cay La. Am 16. Februar 1937 entstand Lord Caressers (Rufus Callender) sehr erfolgreiches Edward the VIII.

Es begann nun das goldene Zeitalter des Calypso. Die zunächst im Karneval errichteten Zelte zum Üben vor den Calypsowettkämpfen wurden nun selbst die Bühnen neuer Musik. Die ersten Musiker, die den Sprung auf internationale Bühnen schafften, waren „Attila the Hun“, „Roaring Lion“ und Lord Invader, gefolgt von Lord Kitchener, einem der am längsten erfolgreichen Stars. Er veröffentlichte Aufnahmen bis zu seinem Tod im Jahr 2001. Anfang 1945 wurde „Rum and Coca-Cola“ der Andrews Sisters, ein Plagiat zweier Lieder von Lord Invader (Text) und Lionel Belasco (Musik), ein US-amerikanischer Millionenseller.

Eines der berühmtesten Calypsolieder ist der „Banana Boat Song“ von Harry Belafonte aus 1956, ein jamaikanisches Volkslied, das auf dem Album Calypso veröffentlicht wurde, von dem als erstes Album überhaupt mehr als eine Million Exemplare verkauft wurden. Im selben Jahr war „Jean and Dinah“ von Mighty Sparrow ein weiterer großer Erfolg. Der Inhalt des Liedes, in dem die leichtere Verfügbarkeit von Prostituierten nach Schließung der „US Naval Base“ und „Missile Tracking Station“ in Chaguaramas auf Trinidad beschrieben wurde, führte zu politischeren Calypsoliedern, die mit der Partei People's National Movement verbunden waren. Ein ebenfalls bekanntes auf dem Calypso basierendes Lied ist „Any Dream Will Do“ von Jason Donovan. Auch der durch Sonny Rollins bekannt gewordene Jazzstandard St. Thomas beruht auf einem Calypso. Der Schauspieler Robert Mitchum nahm als Hommage an diese Musik das Album Calypso – is like so… auf.

Auch im Evangelischen Gesangbuch befinden sich im Stammteil unter der Nummer 188 eine Vertonung des Vaterunser nach einem westindischen Calypso und unter der Nummer 229 ein Calypso „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ nach dem englischen „Let us talents and tongues employ“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Calypso – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arnold Shaw, Dictionary of American Pop/Rock: Stiles and Sounds, 1982, S. 67