Camané

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Camané (2008)

Camané; eigentlich Carlos Manuel Moutinho Paiva dos Santos Duarte (* 20. Dezember 1966 in Oeiras) ist ein portugiesischer Fado-Sänger. Er zählt zu den bekanntesten männlichen Fadistas der neuen Generation. Seine jüngeren Brüder Hélder Moutinho und Pedro Moutinho sind ebenfalls Fadistas.

Werdegang[Bearbeiten]

Bis 1994[Bearbeiten]

Seine musikalische Karriere startete Camané noch als Kind im Jahr 1979, nachdem er die „Grande Noite do Fado“ (deut.: Große Nacht des Fado) gewonnen hatte. So nahm er bereits 1979 ein erstes, von António Chainho produziertes Album und 4 Singles auf. Danach folgten Auftritte in verschiedenen Klubs und Fado-Lokalen.

Bedingt durch den Stimmbruch und sein eher auf ein Kind zugeschnittenes Repertoire sang Camané dann längere Zeit nicht mehr öffentlich, bis Freunde ihn 1984 dazu überredeten, nach erneuten Studioaufnahmen (A Alma Jovem do Fado, Die Junge Seele des Fados; 1982) auch wieder öffentlich in Fadohäusern zu singen, wie dem Sr.Vinho, dem Faia oder dem Fado Menor u.a. Es ergaben sich auch Fernsehauftritte, doch es waren seine Mitwirkungen an den Musiktheater-Produktionen unter Filipe la Féria, wie etwa Grande noite, Maldita cocaína oder Cabaret (1993, 1994), und dann vor allem seine Auftritte bei den Noites da Fado, den von seiner späteren Frau Aldina Duarte produzierten Fadonächten am Teatro da Comuna (1994-1995), die ihn bekannter machten. Hier lernte er auch den bekannten Liedermacher José Mário Branco kennen, der alle seine späteren Alben produzierte.

1994 war Lissabon Kulturhauptstadt Europas, und Camané trat zusammen mit Carlos do Carmo auf, dem Großmeister des modernen Fados. Dieser kannte ihn schon von seinen Auftritten als kleiner Junge im Faia, dem Fadolokal der Familie Carlos do Carmos (seine Mutter war die Fadista Lucília do Carmo). Carlos do Carmo zeigte sich beeindruckt vom erwachsenen Camané und förderte ihn.[1]

Seit 1995[Bearbeiten]

1995 erschien Camanés erstes neues Album, Uma noite de Fado (Eine Fado-Nacht), und er begann auch im europäischen Ausland aufzutreten. Er produzierte erste Videoclips für das Fernsehen, und die zurückhaltende Gestaltung von Clips, Plattencovern und Plakaten wurde fortan zu einem Markenzeichen.

1998 erweckte er dann größere Aufmerksamkeit, als er auf der Expo 98 auftrat und in der Folge auf Festivals in Rennes und Paris sang. Zeitgleich wurde sein Album Na linha da vida (Auf der Linie des Lebens) in Holland und in Belgien veröffentlicht, begleitet von Konzerten dort. Ende 1998 nahm er an der Feier zum 35-jährigen Bühnenjubiläum von Carlos do Carmo teil.

1999 wurde Na linha da vida in Südkorea veröffentlicht, und seine Touren führten Camané in dem Jahr bis in die portugiesische Besitzung Macau, das zum Ende des Jahres von Portugal zurück an China gegeben wurde.

2000 wurde sein Album Esta coisa da alma (Diese Sache mit der Seele) zeitgleich in Portugal (wo er eine Silberne Schallplatte bekam) und Benelux veröffentlicht, begleitet von Konzerten, dabei zwei ausverkaufte Nächte im Concertgebouw (Amsterdam) und ein Auftritt beim Festival von Brügge.

2001 veröffentlichte er Pelo dia dentro (In den Tag hinein), was in Portugal innerhalb von 3 Wochen Silberstatus erreichte.

2002 wirkte er neben erneut vielen Konzerten in Benelux insbesondere an einer Veranstaltung im Brüsseler Palais des beaux arts rund um das Werk von Fernando Pessoa mit.

2003 erschien eine Zusammenstellung von Camané-Liedern im Hemisphere-Weltmusik-Katalog der EMI unter dem Titel The art of Camané, und in Portugal erschien seine erste Live-CD Camané - como sempre... como dantes (Camané - wie immer... wie früher), für das er Gold erhielt.

2004 startete er zusammen mit verschiedenen renommierten Musikern der portugiesischen Rock- und Pop-Szene das Tribut-Projekt „Humanos“, das sich dem Werk des Popmusikers António Variações mit neuen Interpretationen widmete.

2005 war für ihn geprägt vom erfolgreichen Humanos-Projekt, neben eigenen Konzerten, etwa in Kanada oder in Paris beim Festival d’Île de France. Außerdem gewann er den Amália Rodrigues-Preis als bester männlicher Fado-Sänger.

2006 erschien seine erste DVD (live im Teatro São Luiz in Lissabon), und er erntete Applaus bei zwei Konzerten auf der Buchmesse in Turin (der „Fiera internationale del libro“) und bei seinem Konzert auf dem Helsinki Festival. Zum Abschluss der Lissabonner Stadtfeste (Festas de Santo António, Fest des Stadtpatrons, dem Antonius von Padua aus Lissabon) trat Camané dann mit Carlos do Carmo an der Torre de Belém vor 20.000 Menschen auf.

2007 sang Camané unter anderem mit dem Lissaboner Symphonieorchester im Theater S.Luiz und interpretierte Lieder von Brel, Jobim, Sinatra und anderen. Im April des Jahres veröffentlicht er sein Album Sempre de mim (Immer von mir), das für 3 Wochen auf Platz 1 der portugiesischen Verkaufscharts einstieg und Goldstatus erreichte.[2]

2008 trat er unter anderem in Sevilla auf der Womex auf, der weltgrößten Weltmusik-Messe.[3]

2009 waren seine zwei Abende im Centro Cultural de Belém ausverkauft, und sein Konzert im Lissaboner Coliseu dos Recreios erschien als DVD. Seine Konzertreisen führten ihn in diesem Jahr unter anderem nach Argentinien, Chile, Peru und Uruguay, nach Bulgarien, Ungarn und Polen. Noch im selben Jahr erschien Do amor e dos dias (Von der Liebe und den Tagen). Das Album stieg ebenfalls sofort auf Platz 1 der Hitparade in Portugal ein, und erreicht dort wiederum Gold-Status. Das Konzert zur Präsentation, erneut im „Centro Cultural de Belém“, war ebenfalls wieder ausverkauft.

Auch sein USA-Debüt 2011 erfuhr Beachtung, und sein Konzert in der Brooklyn Academy of Music wurde von der New York Times gelobt.[4]

Camané im Film[Bearbeiten]

Camané wirkte bei Carlos Sauras preisgekröntem Film Fados mit,[5], ebenso bei dem mehrfach ausgezeichneten Soundtrack des preisgekrönten Dokumentarfilms von 2010, José e Pilar (über den Literaturpreisträger José Saramago und seine Frau Pilar del Rio), und bei The Lovebirds, der mehrfach prämierten, international besetzten Liebeserklärung des Regisseurs Bruno de Almeida an die Stadt Lissabon 2008. In dem Film Operação Outono (Regie Bruno de Almeida) hatte Camané 2012 seine erste wesentliche Schauspielrolle,[6] nachdem er zuvor meist als Fadosänger in Fernsehproduktionen und Filmen aufgetreten war, etwa in Eugène Greens Film The Portuguese Nun 2009.

Rezeption[Bearbeiten]

Camané gehörte zu den ersten Vertretern einer innovativen „neuen Generation“ von Fadistas, von Medien und von Fado-Freunden gleichermaßen gefeiert. Seine unverwechselbare Stimme, sein Repertoire und sein überzeugendes, dabei zurückhaltendes Auftreten machten ihn zu dem beliebten Fadista, der er ist.[7] Es gelang ihm, u.a. bei zwei Stücken der populären Punkrock/Rock-Band Xutos & Pontapés und auf dem 2003er-Album des Liedermacher-Altmeisters Sérgio Godinho mitzuwirken, und dabei stets ein reiner Fado-Sänger zu bleiben. [8][9]

Diskografie[Bearbeiten]

  • Cantiga do meu tamanho (1979)
  • A alma jovem do fado (1982)
  • Uma Noite de Fados (1995)
  • Na Linha da Vida (1998)
  • Esta Coisa da Alma (2000)
  • Pelo Dia Dentro (2001)
  • Como sempre... Como dantes (Live 2003)
  • The art of Camané - the prince of Fado (2004)
  • Sempre de Mim (2008) CD
  • Camané ao vivo no Coliseu CD (+ DVD)
  • Do Amor e dos Dias (2010) CD (+ DVD)

Videografie[Bearbeiten]

  • Ao vivo no S.Luiz DVD
  • Ao vivo no Coliseu DVD

Literatur[Bearbeiten]

  • Salwa Castelo-Branco: Enciclopédia da música em Portugal no século XX, A-C Temas&Debates, 2010, ISBN 978-989-644-091-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2.Absatz (Carlos do Carmo-Zitat)
  2. Biografie
  3. publico.pt
  4. nytimes.com oder vimeo.com
  5. camane.mondomix.com
  6. IMDb
  7. camane.mondomix.com
  8. Salwa Castelo-Branco: Enciclopédia da música em Portugal no século XX, A-C. Temas&Debates, 2010, Seite 207.
  9. camane.com oder cafebabel.de