Cambridge Apostles

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Trinity College Great Court. Die Cambridge Apostles waren für Jahrzehnte um Trinity und King's Colleges etabliert.

Die Cambridge Apostles, auch bekannt als die Cambridge Conversazione Society und The Apostles, ist eine elitäre intellektuelle Geheimgesellschaft an der Universität Cambridge und wurde 1820 von George Tomlinson nach dem Vorbild einer Freimaurerloge gegründet.

Diese Geheimgesellschaft erhielt den Namen Cambridge Apostles, weil sie die zwölf begabtesten Studenten der Cambridge University verbinden sollte, er war eine Anspielung auf die zwölf Apostel. Die aktiven Mitglieder sind überwiegend Studienanfänger. Die Gesellschaft war traditionell um King’s College und Trinity College angesiedelt, was heute nicht mehr der Fall ist.

Aktivitäten und Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Die Cambridge Apostles waren im Wesentlichen ein Debattierclub. Treffen wurden einmal wöchentlich abgehalten, traditionell an Samstagabenden, bei denen ein Mitglied einen Vortrag zu einem beliebigen Thema hielt und später eine Diskussion zu diesem Thema leitete. Während der Treffen wurden Sardinen auf Toast gegessen, die sie „Wale“ nannten. Es gab keine Beschränkungen denen das Thema des Beitrages unterlag – weder moralische, juristische noch ideologische Grenzen sollten die Freiheit des Vortrages behindern.

Die Apostel verwalteten seit ihrer Gründung ein ledernes Tagebuch, in dem ein Schriftführer die besprochenen Themen protokollierte. Die aktiven Mitglieder, die überwiegend Studenten sind, werden als „Apostles“ bezeichnet, ehemalige Mitglieder werden „Angels“ genannt. In der Regel wurden die „Apostles“ zu „Angels“ wenn sie ihr Studium abschlossen oder eine Assistentenstelle, die ein Promotionsstudium begleitete, annahmen. „Angels“ suchten dann nach neuen Mitgliedern unter den Studierenden. Jedes Jahr wurden, unter größter Geheimhaltung, alle „Angels“ zu einem „Apostles’ dinner“ in einem Cambridge College eingeladen.

Studenten, die für eine Mitgliedschaft in Erwägung gezogen wurden, wurden als „Embryos“ bezeichnet und zu „Embryo Parties“ eingeladen, bei denen bestehende Mitglieder entschieden, ob ein „Embryo“ aufgenommen werden sollte oder nicht. Die Studenten besuchten diese Partys ohne zu wissen, dass sie für eine Mitgliedschaft in Erwägung gezogen wurden. Um ein „Apostle“ zu werden, musste ein Eid zur Geheimhaltung abgelegt werden und eine Vorlesung gehört werden, die ursprünglich von dem Apostel Fenton Hort (Theologe seit 1851) geschrieben wurde.

Es gab nur wenige weibliche Mitglieder. Die erste Frau (eine amerikanische Ph.-D.-Studentin der sozialen Anthropologie) wurde 1985 Mitglied, 165 Jahre nachdem die „Cambridge Apostles“ gegründet wurden.

Kritiker sagen, dass die geheime Natur der Apostel, zusammen mit der geringen Anzahl der weiblichen Mitglieder und dem signifikanten Anteil der „Angels“, die ein Stipendium in Cambridge erhielten, sowie Stellen in den Medien, der Regierung und der Kirche, die leistungsorientierten Ideale der Universität unterlaufen würde. Ehemalige Mitglieder sprachen von einem lebenslangen Bund, der sie untereinander verband. Der Philosoph Henry Sidgwick schrieb in seinen Memoiren über die Apostel: „the tie of attachment to this society is much the strongest corporate bond which I have known in my life“ (die Bindung zu dieser Gesellschaft ist die stärkste, die ich in meinem Leben gekannt habe).

Der Cambridge-Spionagering[Bearbeiten]

Die Cambridge Apostles wurden 1973 durch den Cambridge-Spionagering bekannt. 1979 trat Premierministerin Margaret Thatcher vor das House of Commons und verkündete öffentlich den Abgeordneten einen der größten Spionageskandale in der Geschichte Großbritanniens. Mindestens vier Männer, die Zugang zu den höchsten Ebenen der britischen Regierung hatten (zwei von ihnen waren ehemalige Apostel), wurden überführt, Informationen an den KGB weitergeleitet zu haben. Die vier Geheimagenten waren: Guy Burgess, ein MI6-Officer und Sekretär des stellvertretenden Außenministers; Anthony Blunt, MI5-Officer, Direktor des Courtauld Institute und Kunstberater der britischen Königin; Donald MacLean, hochrangiger Beamter des Außenministeriums; und Kim Philby, MI6-Officer und Journalist. Obwohl nur vier Männer enttarnt wurden, gab es Gerüchte über einen fünften Mann, angeblich führender Officer des britischen Geheimdienstes, der nie gefunden wurde. Viele dieser Gerüchte verwiesen auf Victor Rothschild, 3rd Baron Rothschild (1910–1990), einen anderen Apostel, der in London Räumlichkeiten für die Treffen der Spione bereitstellte. Es gab jedoch keine Beweise, dass er von den Spionageaktivitäten wusste. Der amerikanische Schriftsteller Michael Straight (1916–2004), ehemaliger Herausgeber der Zeitschrift New Republic, wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls vorübergehend verdächtigt.

Unter den genannten Spionen gab es zwei Homosexuelle, Guy Burgess und Anthony Blunt, die beide Mitglieder der Cambridge Apostles waren[1]. Damals hieß es, die Geheimgesellschaft sei von Homosexualität und Marxismus geprägt. Der Kommunist Anthony Blunt sei der erste gewesen, der 1933 vom KGB rekrutiert wurde, als er in der Sowjetunion war. Zurück in Großbritannien habe er auf Anweisung des KGB schnell weitere Studenten in Cambridge rekrutiert, unter anderem Michael Straight. Nach Angaben des Schriftstellers Russel Aiuto soll es aber nicht Blunt gewesen sein, der Burgess, Philby und MacLean rekrutierte.[2]

Ehemalige Mitglieder[Bearbeiten]

Cambridge Apostles waren (das Jahr des Beitritts in Klammern, wenn bekannt):

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Allen: The Cambridge Apostles. The Early Years. Cambridge University Press, Cambridge 1978. ISBN 978-0-521-21803-0
  • Paul Levy: Moore: G. E. Moore and the Cambridge Apostles. 1980. ISBN 978-0-03-053616-8
  • Richard Deacon: The Cambridge Apostles. A History of Cambridge University's Elite Intellectual Secret Society. Farrar, Straus and Giroux 1986. ISBN 978-0-374-11820-4
  • W. C. Lubenow: The Cambridge Apostles, 1820-1914. Liberalism, Imagination, and Friendship in British Intellectual and Political Life. Cambridge University Press 1998. ISBN 978-0-521-57213-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fred Sommer: Anthony Blunt and Guy Burgess, Gay Spies. In: Journal of Homosexuality 29, 1995, S. 273-294.
  2. Russell Aiuto, The Cambridge Spies