Binnenmajuskel

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FleischQualität – Binnenmajuskel in der Werbung

Binnenmajuskel (die, Plural Binnenmajuskeln) oder Binnenversal, auch Binnenversalie, nennt man einen Großbuchstaben (Versalie, Majuskel) im Wortinnern (Binnen~). Beispiele sind „SonnenStudio“, „SparAktion“, „AusweisApp“ oder „BlumenErde“.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Die weitaus verbreitetste Form der Binnenmajuskel in Lateinschriften ist, die Auszeichnung des Anfangsbuchstabens durch eine Majuskel vom ganzen Wort auf die einzelnen semantischen Bestandteile (Lexeme) auszudehnen, also morphologische Kriterien auch orthographisch zu kennzeichnen.

Verwendung im Deutschen[Bearbeiten]

„So spricht der HErr HERR“, Hesekiel 13, aus der Lutherbibel von 1534

Im Deutschen finden sich Binnenmajuskeln bei verschiedenen Autoren der Zeit vor der Vereinheitlichung der Rechtschreibung, die konsequent bei zusammengesetzten Substantiven alle Teilwörter großschrieben („RechenMaschine“). Aus anderen Gründen zu einer Binnenmajuskel führte die Größer-als-Großschreibung der Namen Gottes (GOtt, HErr), die vor allem während des Barocks weitverbreitet war. In der Lutherbibel dient die Binnenmajuskel E in HErr (neben der durchgehenden Schreibweise in Versalien: HERR) bis heute zur Unterscheidung des Gottesnamens JHWH = GOTT (gesetzt als HErr) vom allgemeinen Herrn (hebr. adnj). Als Beispiel siehe das Bild.

Schreibregeln[Bearbeiten]

Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung sieht eine Schreibung mit Binnenmajuskeln nicht vor; die Ausnahme dieser Regel bilden Eigennamen wie z. B. GutsMuths, McPherson oder DeJong. Seit einiger Zeit jedoch finden Binnenmajuskeln immer größere Verbreitung, insbesondere bei Markennamen und in der Werbung. Häufig werden sie in Produktnamen verwendet, weil eine besondere Schreibweise als Markenname geschützt werden kann, z. B. NetCologne. Ein bekanntes frühes Beispiel aus dem Englischen ist CinemaScope. Vorreiter in Deutschland waren frühzeitig der Computerhersteller Apple beim Mac OS (ColorSync, AirPort, MacCheck) und später die Deutsche Bahn mit Begriffen wie BahnCard und RegionalExpress. Besonders häufig wird dies in Komposita dann eingesetzt, wenn parallel und womöglich bekannter ein Akronym aus den Majuskeln gebräuchlich ist, bspw. ‚ICE‘ für ‚InterCityExpress‘.

Binnen-I[Bearbeiten]

Hauptartikel: Binnen-I

Eine Form der Binnenversalie ist das Binnen-I, z. B. in LeserInnen. Es hat sich etwa in feministischen Medien als Ersatz für das dort unerwünschte generische Maskulinum, aber auch in Gesetzestexten (vgl. etwa ArbeitnehmerInnenschutzgesetz) eingebürgert, wird aber inzwischen zunehmend durch die korrekte Form mit „/-innen“ ersetzt.

Verwendung in anderen Sprachen[Bearbeiten]

In einigen Bantusprachen wie isiZulu, isiXhosa und isiNdebele bezeichnet ein Großbuchstabe den Beginn des Wortstammes, wenn dieser ein Eigenname ist.

Auch im Irischen wird der Wortstamm gebeugter Wörter, die ein Präfix erhalten, durch einen Großbuchstaben verdeutlicht. So bedeutet Sliabh na mBan „Berg der Frauen“, wobei mBan die gebeugte Form von bean „Frau“ ist. Bestimmte traditionelle Schreibungen von Familiennamen kennen die Binnenmajuskel; Beispiele sind schottische Namen wie McDonald oder MacIntosh, irische Namen wie FitzGerald oder FitzPatrick sowie niederländische Namen wie DeJong.

Das niederländische IJ muss am Wortanfang als zwei aufeinanderfolgende Großbuchstaben I und J geschrieben werden, wie etwa das IJsselmeer. Dies ist technisch gesehen jedoch keine Binnenmajuskel, da das IJ wie ein Buchstabe behandelt wird und von I+J unterschieden werden muss. In der SAMPA-Lautschrift stellen Großbuchstaben bestimmte Laute dar.

Im Italienischen kann ein Großbuchstabe im Wort stehen, wenn an einen Infinitiv das höfliche Personalpronomen der dritten Person angefügt wird, so z. B. in „portarLe“ für „Ihnen bringen“.

Verwendung in Foren und sozialen Netzwerken[Bearbeiten]

In sozialen Netzwerken und Foren ist teilweise aus technischen Gründen (mangels der Möglichkeit Leerzeichen zu setzen) beispielsweise in Usernamen oder Hashtags die Binnenmajuskel zur Worttrennung zu verwenden, selbst dann wenn das betreffende Wort eigentlich nicht großgeschrieben würde. Ausnahme bilden hier Situationen, die zur Majuskelhäufung führen würden. (meist bei Akronymen: #NSAAffaire -> #nsaAffaire) (Außerdem wird die Großschreibung verlinkungstechnisch ignoriert, weshalb man so nicht – aus Versehen – Minimalpaare à la „#AaB - #aab“ schaffen kann.)

Beispiele[Bearbeiten]

fiktiveBeispiele:

  • #DieserBeispieltextZeigtDieFunktionsweiseVonBinnenmajuskelnInHashtags
  • #BaconMitSpeck
  • edited by TheExampleUser

reale Beispiele:

Verwendung in Programmiersprachen[Bearbeiten]

CamelCase

Für Quelltexte von Computerprogrammen gibt es verschiedene Konventionen für die Verwendung von Binnenversalien in Bezeichnern (zum Beispiel die Ungarische Notation, aber auch persönliche Konventionen), oder Binnenversalien werden einfach verwendet, um lange Namen übersichtlicher zu gestalten („checkInputBuffer“). Diese Schreibweise hat sich durchgesetzt, weil Bezeichner normalerweise keine Leerzeichen enthalten dürfen.

Wenn man von „camel case“ spricht, dann ist meist die „lowerCamelCase“-Variante gemeint, bei der beispielsweise bei Variablen der erste Buchstabe kleingeschrieben ist. Oft findet man aber auch die „UpperCamelCase“-Variante, auch „Pascal case“ genannt, bei der der erste Buchstabe großgeschrieben wird. Die Terminologie ist nicht einheitlich, bspw. ist es im .NET-Framework üblich, für die Variante mit Initialminuskel einfach von „Camel case“ und für die Variante mit Initialmajuskel von „Pascal case“ zu sprechen.[2] In objektorientierten Programmiersprachen wie Java, aber auch in Basic, ist es üblich, den lowerCamelCase für Variablen und Methoden zu verwenden und den UpperCamelCase bei Klassennamen.

Eine alternative Lösung dieses Problems ist die Verwendung des Unterstrichs oder Bindestrichs anstelle von Leerzeichen. Welche Variante verwendet wird, hängt vom Programmierstil ab. Die Variante mit dem Unterstrich findet man in C, Perl, PL/1 und in PHP (bis zu Version 4, danach blieb die Variante nur aus Gründen der Kompatibilität enthalten). In Sprachen aus der Lisp-Familie und in COBOL ist der Bindestrich üblich – daher auch „lisp-case“.

Wiki-Links[Bearbeiten]

Der Erfinder der Wiki-Systeme Ward Cunningham verwendete in seinem ursprünglichen WikiWikiWeb Binnenversalien, um Links innerhalb des Wikis zu erzeugen; man spricht hier von „CamelCase-Verlinkung“. Auf diese Weise ist die Wiki-Syntax sehr einfach, da Links nicht durch zusätzliche Zeichen als solche kenntlich gemacht werden müssen. So könnte in einer imaginären, auf CamelCase aufbauenden Wiki-Syntax die Eingabe

Besuche die Seite WikiPedia, um mehr über den [[Status]] des Projekts zu erfahren.

zu dieser Ausgabe werden:

Besuche die Seite WikiPedia, um mehr über den Status des Projekts zu erfahren.

Offensichtlich macht die Verwendung von CamelCase das Verlinken einfach, erschwert aber die Lesbarkeit des Textes, erzeugt gelegentlich unbeabsichtigte Links oder bietet doch kein ausreichendes Indiz für einen Link (etwa beim exemplarischen Wort Status). Prominente Wiki-Engines, die CamelCase verwenden, sind Foswiki, MoinMoin, TWiki, UseModWiki und WikiWikiWeb. Auch MediaWiki – die Software, unter der auch die Wikipedia betrieben wird – unterstützt diese Schreibweise für wiki-interne Links, allerdings ist sie standardmäßig deaktiviert.

Beispiele[Bearbeiten]

Da diese Art, Begriffe zu schreiben, sehr in Mode gekommen ist, passiert es immer häufiger, dass Binnenmajuskeln auch fälschlicherweise eingesetzt werden: TransAmerica (Transamerica), FireFox (Firefox), UseNet (Usenet), TimeWarner (Time Warner), GameBoy (Game Boy), MicroSoft (Microsoft), MacWorld (Macworld), KarmelKorn (Karmelkorn), PhotoShop (Photoshop, ursprünglich korrekt) und BlackBox (Black Box).

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Grzega: „Eigentümliche Schreibgebräuche. Zur Verwendung von Apostrophen und inneren Großbuchstaben.“ In: Joachim Grzega: Sprachwissenschaft ohne Fachchinesisch. 7 aktuelle Studien für alle Sprachinteressierten. Shaker Verlag, Aachen 2001, ISBN 3-8265-8826-6, S. 57–70.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pflanzotheke: NeudoHum BlumenErde – Neudorff
  2. .NET Framework General Reference – Capitalization Styles
  3. Gesetz über die räumliche Gliederung der Freien und Hansestadt Hamburg (RäumGiG)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]