Camphill

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Die Camphill Bewegung ist eine heilpädagogische Initiative basierend auf den Prinzipien der Anthroposophie. Camphills sind Wohngemeinschaften und Schulen, welche Unterstützung bieten in Bildung, Arbeit und im täglichen Leben für Erwachsene und Kinder mit Lernbehinderungen, psychischen Störungen oder anderen benötigten besonderen Förderungen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Camphill Bewegung wurde 1939 im Kirkton Haus in der Nähe von Aberdeen, Schottland, gegründet. In der Gründergruppe befand sich ebenfalls der aus Wien emigrierte Kinderarzt Karl König.[2][3] Er hatte die Ansicht, dass jeder Mensch eine gesunde innere Persönlichkeit besitzt, welche unabhängig von physischen Charakteristiken ist, eingeschlossen Charakteristiken, die geistige Behinderung oder Entwicklungsstörungen bezeichnen.[4] Wichtig für König ist die Rolle der Schule, in der diese innere Persönlichkeit gewürdigt, genährt und gebildet wird.[4] Die Philosophie der Camphills, die Anthroposophie, besagt, dass "ein perfekt geformter Geist und das Schicksal zu jedem Menschen gehören."[5] Die grundlegenden Prinzipien von Karl Königs Camphill Schule sind abgeleitet von pädagogischen und sozialen Konzepten, entworfen Jahrzehnte zuvor von dem Anthroposophen Rudolf Steiner (*1861 T1925).[4]

Die Camphillpioniere zogen im Juni 1940 mit ihrer ersten Gemeinschaft für Kinder mit Behinderungen in die nahegelegene Milltimber Region von Aberdeen um. Von dem Grundstück, dem Camphill Estate, bezieht die Bewegung ihren Namen.[6] Camphill Estate ist jetzt ein Campus der Camphill Schule Aberdeen[7] Die Schule wurde 2007 im HMI/Care Comission Report mit "sehr guten" bis "ausgezeichneten" Standards verzeichnet.[8] In der Region um Aberdeen existieren sechs Camphills.

Heute gibt es über 100 Camphill Gemeinschaften weltweit in mehr als 20 Ländern verteilt über Europa, Nordamerika, Asien und im südlichen Afrika.[9]

Konzept[Bearbeiten]

In den dorfähnlichen Camphills leben Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen zumeist gemeinsam mit den Familien ihrer Betreuer. An Stelle von Psychopharmaka wird soweit es möglich ist auf anthroposophische Heilmittel und Anwendungen wie Heileurythmie und Musiktherapie gesetzt.

Die Gemeinschaft bewirtschaftet meist selbst einen Betrieb mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft. Ebenfalls wird in Küchen und Bäckereien oder in kunstgewerblichen Werkstätten gearbeitet. Jedes Mitglied soll so ein ihren Fähigkeiten angemessenes, möglichst selbstständiges Leben führen können. Der Tages-, Wochen- und Jahresablauf ist nach den Camphillspezifischen Bedürfnissen gegliedert. Dazu gehören gemeinsame Mahlzeiten, Andachten und jahreszeitliche Feste mit Musik und anderen künstlerischen Beiträgen, oft nach anthroposophischem Vorbild. Neben den zwei Bereichen Wohnen und Arbeiten ist das kulturelle Leben mit Theater, Musik und Kunst das dritte wichtige Element in der Gemeinschaft.

Kinder werden hauptsächlich in heilpädagogischen Heimsonderschulen unterrichtet und betreut. Jugendlichen steht neben der schulischen Weiterbildung die Möglichkeit der Aneignung praktischer Fähigkeiten in Werkstätten, Landwirtschaft und Gartenbau zur Verfügung. Hierbei steht nicht stets das Produzieren im Vordergrund, sondern das Entdecken eigener Interessen und Möglichkeiten. Die Erwachsenen haben im Camphill die Chance eines sinnerfüllten Berufslebens in der Landwirtschaft, in Bäckerei, Weberei, Töpferei, und in anderen Werkstätten..[10]

Weitere Links[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zu Camphill[Bearbeiten]

  • Carlo Pietzner: Aspekte der Heilpädagogik. Beiträge aus der Arbeit der Camphill-Bewegung. Freies Geistesleben, Stuttgart 1969
  • Cornelius M. Pietzner (Hrsg.): Village Life: The Camphill Communities. Simon & Schuster, New York 1987, ISBN 0-88708-030-8
  • Cornelius Pietzner (Hrsg.): Camphill – 50 Jahre Leben und Arbeiten mit Seelenpflege-bedürftigen Menschen. Freies Geistesleben, Stuttgart 1991, ISBN 3-7725-1081-7

Zur anthroposophischen Heilpädagogik[Bearbeiten]

  • Rudolf Steiner: Heilpädagogischer Kurs. Zwölf Vorträge für Ärzte und Heilpädagogen, gehalten in Dornach 1924. ISBN 3-7274-3171-7 (GA 317); ISBN 3-7274-6730-4 (TB 673)
  • Julia Bort (Hrsg.): Heilende Erziehung. Vom Wesen seelenpflege-bedürftiger Kinder und deren heilpädagogischer Förderung. Natura, Arlesheim 1956; Freies Geistesleben, Stuttgart 1998, ISBN 3-7725-1257-7
  • Thomas J. Weihs: Das entwicklungsgestörte Kind. Heilpädagogische Erfahrungen in der therapeutischen Gemeinschaft. Freies Geistesleben, Stuttgart 1974; 4. A. 1995, ISBN 3-7725-1209-7
  • Rüdiger Grimm: Die therapeutische Gemeinschaft in der Heilpädagogik. Das Zusammenwirken von Eltern und Heilpädagogen. Freies Geistesleben, Stuttgart 1991, ISBN 3-7725-1203-8
  • Nils Christie: Jenseits von Einsamkeit und Entfremdung. Gemeinschaften für außergewöhnliche Menschen. Freies Geistesleben, Stuttgart 1992, ISBN 3-7725-1211-9
  • Karl König: Der Impuls der Dorfgemeinschaft. Menschenkundliche Grundlagen für das Zusammenleben von Erwachsenen mit und ohne Behinderung. Freies Geistesleben, Stuttgart 1994, ISBN 3-7725-1176-7
  • Johannes Denger (Hrsg.): Lebensformen in der sozialtherapeutischen Arbeit. Freies Geistesleben, Stuttgart 1995, ISBN 3-7725-1179-1
  • Alfred Heinrich (Hrsg.): Wo ist mein Zuhause? Integration von Menschen mit geistiger Behinderung. Freies Geistesleben, Stuttgart 1997, ISBN 3-7725-1606-8
  • Rüdiger Grimm, Götz Kaschubowski (Hrsg.): Kompendium der anthroposophischen Heilpädagogik. Reinhardt, Basel 2008, ISBN 978-3-497-01985-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. At Camphill Kimberton, crafting a different way to live - Pilly.com 2013-10-05
  2. Robin Jackson, The role of social pedagogy in the training of residential child care workers, Journal of Intellectual Disabilities, 2006 Vol. 10, No. 1, 61-73
  3. Holistic Special Education: Camphill Principles and Practice. 2006, Floris Books, Edinburgh
  4. a b c Marga Hogenboom,Living With Genetic Syndromes Associated With Mental Disability, Jessica Kingsley Publishers, 2001
  5. Busalle, Rebecca, Cornelius Pietzner, and Stephan Rasch. "The life of the soul". Aperture, Summer 1996 n144: 26(10).
  6. Report Demonstrates Standards of Excellence at Aberdeen Special Needs School, press release, 12 September 2007. Retrieved on 28 March 2008. Archived on 2010-01-18.
  7. Camphill Rudolf Steiner Schools.
  8. HM Inspectorate of Education, Inspection Report: Camphill Rudolf Steiner Schools, 12 September 2007. Retrieved on 23 March 2008.
  9. http://camphill.net/
  10. camphill-freundeskreis