Canabae

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Als canabae oder canabae legionis wird das zivile Lagerdorf (vicus) bei römischen Legionslagern bezeichnet.

Der Begriff wird erstmals in augusteischer Zeit für Siedlungen bei den Lagern in Germanien verwendet.[1] Ursprünglich bezeichnete canabae die Verkaufsbuden von Krämern und Weinhändlern, daraus ergab sich später die Funktion der canabae legionis, die im Laufe der Zeit abkürzend canabae genannt wurden. Sie waren der Schnittpunkt zwischen der zivilen Bevölkerung in einer Provinz oder einem besetzten Gebiet und den Legionären[2], sowohl in wirtschaftlicher[3] als auch in kultureller Hinsicht. Der rechtliche Status der canabae variierte. Kennzeichen ist ein eigenständiges Gemeinschaftsleben mit eigener Verwaltung aus Magistrat und Beamten.[4] Kleine Ansiedlungen werden auch uicus/vicus genannt. Einige dieser Siedlungen blieben auch nach Abzug der zugehörigen Legion bestehen und konnten sich bis zu einem municipium entwickeln.

Aus dem Begriff canabae entwickelte sich unser modernes Wort Kneipe.

Siehe auch:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Le Bohec, S. 262.
  2. AE 1972, 547.
  3. Tacitus, Annales 1, 17, 6.
  4. Le Bohec, S. 262.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michaela Kronberger: Siedlungschronologische Forschungen zu den canabae legionis von Vindobona. Die Gräberfelder (Monographien der Stadtarchäologie Wien Band 1). Phoibos Verlag, Wien 2005.
  • Yann Le Bohec: Die römische Armee. Steiner, Stuttgart 1993. Neuausgabe Nikol, Hamburg 2009, ISBN 978-3-86820-022-5, S. 262f.
  • Harald von Petrikovits: Die Canabae Legionis. In: 150 Jahre Deutsches Archäologisches Institut, 1829-1979. von Zabern, Mainz 1981, ISBN 3-8053-0477-3. S. 165-175