Canal Saint-Martin

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Die Schleuse Écluse du Temple am nördlichen Tunneleingang des Kanals

Der Canal Saint-Martin ist ein Schifffahrtskanal im Osten von Paris. 1825 eröffnet, verbindet er in nord-südlicher Richtung das Bassin de la Villette mit der Seine beim Port de l'Arsenal.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern durchquert der Kanal den 10., 11. und 12. Arrondissement. Fünf Schleusen (vier davon Doppelschleusen) überwinden ein Niveau von gut 25 Metern. Im 11. Arrondissement, zwischen der Rue Faubourg du Temple und der Place de la Bastille, verläuft der Kanal auf einer Länge von 2 Kilometern in einem Tunnel.[1] Der Canal Saint Martin verbindet Paris und die Seine mit dem Canal de l'Ourcq, der Wasserstraße in die nördlich gelegenen Departements, sowie dem Canal Saint-Denis.

Koordinaten [Bearbeiten]

Geschichte [Bearbeiten]

Ölgemälde von Alfred Sisley 1870

Erste Anregungen für einen Kanalbau erfolgten in der Zeit Ludwigs XIV.

1802 beschloss Napoléon Bonaparte den Bau der Wasserstraße primär zur Trinkwasserversorgung der Stadt. Der Entwurf und die Leitung des Projekts wurde dem Bauingenieur Pierre-Simon Girard übertragen. 1805 begannen die Bauarbeiten für den Canal Saint-Martin. Da viele Häuser in den teilweise dicht bebauten Vierteln entlang der Baustelle weichen mussten, zogen sich die Arbeiten mit langen Unterbrechungen bis 1825 hin. Die Place de la Bastille wurde 1825 in einer 180 Meter langen Galerie unterquert.[2]

Für den Bau eines Boulevards (heute Boulevard Voltaire) im Zweiten Kaiserreich ließ Georges-Eugène Haussmann den Kanal auf der Länge von etwa 2 Kilometern absenken. Der Ingenieur Eugène Belgrand versetzte eine Schleuse bei der Bastille nach Norden an die Rue Faubourg du Temple. Über den rund 5 Meter abgesenken Kanal konnten größere, stabilere Brücken gebaut werden.[1] Auf dem Kanaltunnel wurde 1861-1863 der Boulevard Richard Lenoir angelegt.[3] 1907 wurde der gesamte nördliche Kanalabschnitt im 11. Arrondissement überdacht. Er verläuft hier seitdem unterhalb des Boulevard Jules Ferry.

1963 entstand der Plan, über dem Kanal eine Autobahn zu bauen, die die Flughäfen Le Bourget und Orly verbinden sollte. Das zu erwartende Verkehrsaufkommen von 6000 Fahrzeugen pro Stunde in beiden Richtungen führte jedoch zu Protesten der Anwohner. Das Projekt wurde am 15. Dezember 1971 eingestellt.

Seit 1990 ist der Kanal ein Monument historique.[4]

Heutige Nutzung [Bearbeiten]

Seit den Sanierungen 1999 und 2002 wird der Kanal hauptsächlich von Ausflugsschiffen genutzt. Seine Uferpromenaden sind zu einem beliebten Erholungsort geworden. Sonn- und feiertags sind die Uferstraßen im 10. Arrondissement für den Auto-Durchgangsverkehr gesperrt.[5]

Weitere Informationen [Bearbeiten]

Les Enfants de Don Quichotte, 2006
  • Am Canal Saint-Martin befinden sich einige Industriegebäude aus dem 19. Jahrhundert, darunter eine Niederlassung der Gruppe Exacompta/Clairefontaine am Quai de Jemmapes. Der Betrieb befindet sich in einem Monument historique und ist eine der letzten Fabriken von Paris.[6]
  • am nördlichen Kanaleingang steht die klassizistische Rotonde de la Villette von 1788 des Architekten Claude-Nicolas Ledoux
  • Der Kanal ist in einigen bekannten Filmen zu sehen, darunter Hôtel du Nord aus dem Jahr 1938 und Die fabelhafte Welt der Amélie aus dem Jahr 2001.
  • Er wurde ebenfalls in einigen Romanen beschrieben, u.a. von Léo Malet und Georges Simenon, sowie von Jacques Tardi gezeichnet.
  • Im Winter 2006/2007 war der Kanal Ort einer vielbeachteten Aktion der Initiative Les Enfants de Don Quichotte zur Obdachlosenhilfe. Rund 100 Zelte wurden am Ufer errichtet, um für ein allgemeines Recht auf Wohnen zu demonstrieren.[7]

Literatur [Bearbeiten]

  • Marie Babey: Je me souviens du Canal Saint-Martin. Editions Parigramme, Paris, 2006. 122 Seiten.
  • Chris Boicos u.a., Paris, RV Reise- und Verkehrsverlag, Berlin 1994, ISBN 3-89480-901-9, S. 260 - 261.
  • Pierre Pinon: Patrimoine fluvial. Canaux et rivières navigables. Nouvelles Editions Scala, Paris, 2009. 256 Seiten.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b http://www.paris.fr/loisirs/Portal.lut?page_id=8625# Offizielle Seite der Stadt Paris
  2. Hagen, Gotthilf: Beschreibung neuerer Wasserbauwerke in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Königsberg, 1826. S. 164ff.
  3. Stanford, Anderson: Strade. Bari, 1982. S.102.
  4. http://www.culture.gouv.fr/public/mistral/merimee_fr?ACTION=CHERCHER&FIELD_1=REF&VALUE_1=PA00125440
  5. http://www.paris.fr/portail/viewmultimediadocument?multimediadocument-id=12659 (pdf)
  6. Mairie de Paris, Direction de la protection de l’environnement: Rallye de l’eau. Paris, 2007. S.13.
  7. http://lesenfantsdedonquichotte.com/content/lhistoire-de-notre-combat - Link kaputt !