Candy Desk

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Candy Desk mit ausgezogener Schublade
Platz des Candy Desks im Plenum

Der Candy Desk ist ein mit Süßigkeiten gefüllter Tisch im Sitzungssaal des US-Senats. Der Tisch, der als Arbeitsplatz eines republikanischen Senators dient, steht in der letzten Reihe in der Nähe des Saaleingangs. Senatoren, die dort vorbeilaufen, können sich frei an den in einer Schublade gelagerten Süßigkeiten bedienen. Die Tradition geht auf Senator George Murphy aus Kalifornien zurück, der 1968 erstmals seinen Tisch mit Süßigkeiten bestückte.

Murphy schaffte die Süßigkeiten ursprünglich 1965 an, um seinen eigenen Appetit zu stillen. Da andere Senatoren sich auch am Naschwerk bedienten, wurde der Tisch 1968 als Candy Desk für alle deklariert. Als Murphy 1971 den Senat verließ, setzten seine Nachfolger an diesem Sitzplatz die Tradition fort. In den ersten Jahrzehnten kaufte der Senator die Süßigkeiten von eigenem Geld, wobei andere Senatoren den Einkauf bezuschussten. Der Tisch wanderte in den frühen Jahren; erst seit dem 97. Kongress (1981–1983) hat er einen festen Standplatz. Ebenfalls nach einigen Jahren begann die National Confectioners Association eine gesponserte Aufstockung des Tischs zu organisieren.

Während der Senatorenzeit von Rick Santorum aus Pennsylvania (1997 bis 2007) schickten die Unternehmen Hershey und Just Born, beide mit Stammsitz in Pennsylvania, ihm viermal im Jahr jeweils 100 Pfund Süßigkeiten, mit denen er seinen Vorrat auffüllen konnte.[1] Obwohl offiziell im Sitzungssaal ein Essverbot gilt, waren die Saaldiener damit beauftragt, den Vorrat in der Tischschublade zu überwachen und gegebenenfalls nachzufüllen.[2]

Santorums Nachfolger Craig L. Thomas aus Wyoming löste 2007 die „Süßigkeiten-Kontroverse“ aus. Die Ethikregeln des Senats verbieten es, Geschenke von mehr als 100 US-Dollar Wert anzunehmen – eine Ausnahme bilden Geschenke aus dem Heimatstaat, die der Senator an Dritte weiterreicht. Da aber Wyoming keine Süßigkeitenproduzenten nennenswerter Größe aufweist, hätte er Geschenke aus anderen Bundesstaaten annehmen müssen. Thomas, selbst Mitglied im Ethikausschuss, löste das Problem, indem er aus seinem Wahlkampfbudget die Produkte diverser Kleinhersteller in Wyoming kaufte.[3]

Inhaber des Candy Desks ist im aktuellen 112. Senat Mark Kirk aus Illinois. Er hat angekündigt, Süßigkeiten aus seinem Heimatstaat zur Verfügung zu stellen: Wrigley’s Gum, Garrett Popcorn, Tootsie Rolls und Jelly Bellies.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Shira Toeplitz: Mark Kirk: Senate candy man. In: Politico. 13. Januar 2011, abgerufen am 26. Mai 2011 (englisch).
  2. Katherine Buck: Senators' secret: They crave candy. In: Concord Monitor. 16. Januar 2005, abgerufen am 26. Mai 2011 (englisch): „When the supply in the drawer is low, it is also a page's duty to restock it.“
  3. Noelle Straub: Sticky solution. Thomas toes ethics line on candy question. In: trib.com. 15. April 2007, abgerufen am 26. Mai 2011 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]