Cantus firmus

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Cantus firmus (etwa: „feststehender Gesang“, Plural Cantus firmi, Abkürzung c. f.) nennt man eine festgelegte Melodie, die im Rahmen eines musikalischen Werkes von den anderen Stimmen umspielt wird, ohne selbst besonders weitgehend verändert zu werden.

Geschichte[Bearbeiten]

In der beginnenden Mehrstimmigkeit des Mittelalters war es üblich, dass der Tenor (hier noch auf der ersten Silbe betont, v. lat. tenere, „halten“) die Linie des Chorals hielt, also den Cantus firmus innehatte, während eine, zwei, später auch drei weitere Stimmen ihn umspielten.

Diese Technik wurde in der Musik der Renaissance um kontrapunktische Künste erweitert wie den Cantus firmus in zwei Stimmen zeit- und lagenversetzt anzubringen. Im sog. Quodlibet experimentierte man damit, bis zu drei verschiedene Cantus firmi, z. B. Volkslieder, gegeneinander zu setzen. Ein weiteres beliebtes Mittel war, in einer Messe immer wieder eine bekannte Melodie als Cantus firmus auftauchen zu lassen, beispielsweise das weltliche L’homme armé.

Eine typische Cantus-firmus-Gattung der Renaissance ist auch das deutsche Tenorlied, ein vierstimmiger A-cappella-Chorsatz, bei dem die Melodiestimme im Tenor liegt.

Ein bedeutendes von Cantus-firmus-Techniken geprägtes Werk an der Schwelle von der Renaissance zum Frühbarock ist Claudio Monteverdis Marienvesper, in der durchgehend die gregorianischen Vespergesänge in die mit neuesten musikalischen Mitteln gestalteten Vokalkonzerte eingewoben sind.

In der Barockmusik wurde die Cantus-firmus-Technik weiter intensiv gepflegt. Besonders kennzeichnend ist er in der barocken Orgelbearbeitung; üblicherweise beginnen die anderen Stimmen mit imitierenden Einsätzen, die der zu verarbeitenden Melodie bereits entlehnt sind, bevor diese dann in längeren Notenwerten einsetzt. Wie die meisten Komponisten geistlicher Musik im Barockzeitalter verwendete auch Johann Sebastian Bach diese Technik sehr häufig in seinen Kantaten und Orgelwerken. Ein weiterer bedeutender Komponist von Cantus-firmus-Kompositionen war Johann Pachelbel.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Bieri: Ricercare. Verzeichnis cantus-firmus-gebundener Orgelmusik. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden u. a. 2001, ISBN 3-7651-0371-3, (Mit CD-ROM).
  • Édith Weber (Hrsg.): Le cantus firmus. Exploitation à travers les siècles. Presses de l'Université de Paris-Sorbonne, Paris 2004, ISBN 2-8405-0330-1, (Itinéraires du Cantus Firmus 6), (Ecole Doctorale Musique Paris, Musicologie, Groupe de Recherche sur le Patrimoine Musical, Colloque Itinéraires du Cantus Firmus 6, 2. - 3. April 1997).
  • Édith Weber (Hrsg.): Le cantus firmus. Hymnologique, pédagogique et lexicologique. Presses de l'Université de Paris-Sorbonne, Paris 2004, ISBN 2-8405-0331-X, (Itinéraires du Cantus Firmus 7), (Ecole Doctorale Musique Paris, Musicologie, Groupe de Recherche sur le Patrimoine Musical, Colloque Itinéraires du Cantus Firmus 7, 22. - 23. April 1998).
  • Édith Weber (Hrsg.): Le cantus firmus. Aspects multiples. Presses de l'Université de Paris-Sorbonne, Paris 2007, ISBN 978-2-8405-0483-2, (Itinéraires du Cantus Firmus 8), (Ecole Doctorale Musique Paris, Musicologie, Groupe de Recherche sur le Patrimoine Musical, Colloque Itinéraires du Cantus Firmus 8, 4. - 8. Juli 1999).