Caprihose

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Die Caprihose (Englisch: Capri pants) ist eine dreiviertellange, eng anliegende, am Saum geschlitzte Damenhose. Charakteristisch für die Caprihose ist die Länge: von unterhalb des Knies bis maximal zur Wadenmitte. Der seitliche Schlitz ermöglicht das Umkrempeln des Saums.

Ursprung[Bearbeiten]

Die deutsche Modedesignerin Sonja de Lennart kreierte 1945 - 1948 in ihrer Capri Collection neben einem Capri-Rock, einer Capri-Bluse, einem Capri-Gürtel und einem Capri-Hut auch die mittlerweile als Caprihose bezeichnete, eng anliegende, dreiviertellange Hose mit einem kurzen seitlichen Schlitz.[1][2][3][4] Die ursprüngliche Caprihose hatte keine Hosentaschen.[5]

Schon ein Jahr später trug die deutsche Schauspielerin Mady Rahl die sommerliche Form der Caprihose als Modell für Sonja de Lennart, 1950 folgte die österreichische Schauspielerin Erni Mangold für das Wintermodell. Die Caprihose ist später von anderen Designern kopiert worden, unter anderem von Emilio Pucci, der zwar 1949[6] seine Boutique in Capri eröffnete, aber zu dieser Zeit strikt bei seiner berühmten "Black and White Phase" blieb (Sport-Kollektionen/Skikleidung) und ebenfalls strikt jede seiner Creationen ausnahmslos unter seinem Logo "Emilio" verkaufte. Erst Ende der 1950er, Anfang 1960er Jahre verkaufte auch er Sonja de Lennarts inzwischen durch die Filme mit Audrey Hepburn berühmt gewordene Caprihose in seiner Boutique. Obwohl auch der Name "Caprihose" Sonja de Lennarts Wortschöpfung war - ihre Familie bereiste Capri seit der Jahrhundertwende - konnte er nicht umhin, diese unter ihrer Wortschöpfung in seiner Boutique zu verkaufen. Dieses frühe Plagiat hat dazu geführt, dass Pucci lange Zeit als Erfinder der Caprihose galt.[7]

Modehits der 1950er Jahre[Bearbeiten]

Obwohl – oder gerade weil – die Caprihose damals geradezu revolutionär erschien, war sie ein wesentlicher Bestandteil der Modehits der 1950er. Sie hat pausenlose Debatten über Anstand der Trägerinnen und die Moralvorstellungen der Jugendlichen ausgelöst. Heute ist die Caprihose nicht mehr provokant, aber damals haben sich nur die besonders mutigen Trendsetterinnen damit auf die Straße getraut. Viele Mütter haben ihren Töchtern nicht erlaubt, mit der Caprihose auf die Straße zu gehen. Am Strand beim Sonnenbaden war sie in den 1950ern ein modisches Muss.

Berühmte Trägerinnen[Bearbeiten]

1952 hat die Kostümbildnerin Edith Head die Caprihosen auch mit anderen Kleidungsstücken der de Lennarts Capri-Kollektion, z.B. dem weitschwingenden Rock, der hochgeschlossenen Bluse und dem breiten Gurt, von den drei italienischen Schwestern Fontana (Sorelle Fontana) für Audrey Hepburn für den Film „Roman Holiday“ herstellen. 1953 ließ Hubert de Givenchy Caprihosen für Audrey Hepburn schneidern, die sie im Film „Sabrina“ (1954) getragen hat.

Auch Doris Day, Jane Russell und Marilyn Monroe, Kim Novak, Sophia Loren, Jacky Kennedy und Anita Ekberg liebten diese Hose. Sie wurde sogar in die Existenzialistenlokale von Saint-Germain-des-Près eingetragen: „Junge Frauen gefielen sich in schwarzen Rollis, schwarzen, engen Fischerhosen und flachen Sandalen, glatten langen Haaren und schwarzgeschminkten Augen à la Juliette Gréco“, wie Gundula Wolter berichtet.[8]

Heutige Rezeption[Bearbeiten]

Ihr letztes großes Comeback erlebte die Caprihose im Sommer 2002, wobei der Schlitz heutzutage meist mit Schnüren, Knöpfen oder mit einem Reißverschluss verschlossen werden kann.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sonja de Lennart, Webseite.
  2.  Roland Müller: Innerliche und äusserliche Verwandlungen seit 1939. 1950er Jahre: neue Sprache, aber kaum neues Handeln. Schweiz 2001-2011 ((hier online), abgerufen am 21. Januar 2011).
  3.  Caprihose. In: Der Brockhaus. F. A. Brockhaus, Mannheim 2007 (Onlineverfügbarkeit eingestellt).
  4.  Patricia Harris: Ancient Capri Still Casts Its Powerful Spell. In: The Boston Globe. 29. Juni 2008 ((hier online), abgerufen am 19. März 2011).
  5.  Anne Stewart: Pucci, Pants & Parliament. In: Time. 82, 23. August 1963 ((hier online), abgerufen am 22. Februar 2011).
  6.  Valerie Steele: Encyclopedia of clothing and fashion. 3, Charles Scribner's Sons, 2005, ISBN 0684313979 (Eintrag: Pucci, Emilio).
  7.  Ingrid Loschek: Emilio Pucci. Zum Pucci-Revival. In: Handelsblatt. Galerie. Nr. 45, 3./4. März 2000, S. G06 ((hier online, Paywall), abgerufen am 21. Januar 2011).
  8.  Gundula Wolter: Hosen, weiblich. Kulturgeschichte der Frauenhose. Jonas Verlag, 1994, ISBN 3894451769, S. 270.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  •  John Peacock: The 1950s. (Fashion Sourcebooks). Thames & Hudson Ltd, 1997, ISBN 0500279314, S. 64. Schwarz-Weiß Abbildungen.