Caprivizipfel

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Karte des Caprivizipfels.

Der Caprivizipfel (englisch Caprivi Strip, Caprivi, Okavango Strip) bezeichnet eine zipfelförmige Ausbuchtung im Nordosten des Staatsgebiets von Namibia. Grenzziehung und Namensgebung nach Leo von Caprivi gehen auf die koloniale Vorgeschichte des Landes zurück.

Begrenzt wird das Gebiet von den Flüssen Okavango, Cuando (Kwando) und Sambesi. Es erstreckt sich vom Längengrad 21° Ost und bis über den Längengrad 25° Ost hinaus und besitzt bei maximal 100 Kilometern Breite eine West-Ost-Ausdehnung von rund 500 Kilometern. Verwaltungsmäßig gehört der Caprivizipfel heute zu den namibischen Regionen Sambesi und Kavango-Ost.

Geschichte[Bearbeiten]

Namensgeber Leo von Caprivi, Reichskanzler von 1890 bis 1894.

Die Entstehung des Territoriums geht auf den Vertrag zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland vom 1. Juli 1890 („Sansibar-Vertrag“) zurück. Das Deutsche Reich verzichtete darauf, zukünftig Ansprüche auf Witu und Sansibar zu stellen. Dafür fiel die Insel Helgoland an Deutschland, und seine Kolonie Deutsch-Südwestafrika erhielt Zugang zum Sambesi. Dahinter verbarg sich die Strategie, eine territoriale Verbindung der südwestafrikanischen Besitzungen mit Deutsch-Ostafrika zu schaffen.[1] Auch auf englischer Seite gab es Überlegungen zu einer zweckmäßigen Arrondierung des Kolonialbesitzes: Cecil Rhodes warb im Wettlauf um Afrika für den Kap-Kairo-Plan, der britisch kontrolliertes Gebiet von Südafrika bis Ägypten voraussetzte. Dementsprechend wurde 1891 Nordrhodesien in britischen Besitz genommen, was die deutschen Pläne durchkreuzte.

Die Vertragsverhandlungen wurden von Reichskanzler Caprivi geleitet. Nach ihm wurde der Caprivizipfel auf Initiative des Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika, Theodor Leutwein, benannt; gebräuchlich waren zunächst auch „Deutsches Barotseland“ und „Deutsches Zambeziland“.

1908 unternahm Hauptmann Kurt Streitwolf (kaiserlicher Resident des Caprivizipfels) im Auftrag des Gouverneurs Bruno von Schuckmann eine Expedition durch den Caprivizipfel. Streitwolf kam zu dem Urteil, dass „dieser malariaverseuchte Caprivizipfel“ gegen etwas Wertvolles – beispielsweise die Walfischbucht – eingetauscht werden sollte.[1] Erst am 27. Januar 1909 wurde der Caprivizipfel administrativ in Deutsch-Südwestafrika eingegliedert. Mit ihm gelangte es im Verlauf des Ersten Weltkriegs 1915 unter südafrikanische Militärverwaltung. 1919 bis 1990 wurde es durch Südafrika verwaltet, zunächst als Völkerbundsmandat Südwestafrika, ab 1966 gegen den Einspruch der UNO.

Ab 1970 entwickelte das südafrikanische Apartheidsregime im Caprivizipfel die Homelands Kavangoland und Ostcaprivi. [2][3]

Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 wurden die Regionen von Namibia neu geordnet. Der Caprivizipfel verteilte sich von 1994 bis 2013 auf die Regionen Caprivi und Kavango. 2013 wurde die Region Caprivi in Sambesi umbenannt; der westliche Teil des Caprivizipfels gehört nun zur Region Kavango-Ost.

Flagge der CANU

In den 1980er Jahren bildete sich die Sezessionsbewegung Caprivi Liberation Movement. Sie gipfelte im Caprivi-Konflikt 1999. Die Vereinigte Demokratische Partei – Caprivi Freedom setzte sich aus dem Exil in Kopenhagen für eine Unabhängigkeit des Caprivizipfels in seiner historischen geografischen Ausbreitung ein.

Am 7. Oktober 2002 erklärte das Volk der Itengese ihre Heimatregion als Free State of Caprivi Strip für unabhängig von Namibia. Dies wurde allerdings von der Zentralregierung nicht anerkannt. Die Exilregierung der Caprivi African National Union (CANU) nahm eine Flagge an, die sich an der Flagge des ehemaligen Homelands orientiert.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Fisch: Der Caprivizipfel während der deutschen Zeit 1890–1914 (History, cultural traditions and innovations in Southern Africa vol. 2), Köln 1996, ISBN 3-89645-050-6.
  • dies.: Die südafrikanische Militärverwaltung (1915–1920) und die frühe Mandatszeit (1920–1936) in der Kavango-Region/Namibia (History, Cultural Traditions and Innovations in Southern Africa vol. 21), Köln 2004, ISBN 978-3-89645-360-0.
  • dies.: The Mbukushu in Angola. A History of Migration, Flight and Royal Rainmaking (History, Cultural Traditions and Innovations in Southern Africa vol. 11), Köln 2005, ISBN 978-3-89645-350-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Die Welt vom 25. Dezember 2010
  2. G.V.O. Bulkeley: The Mandated Territory of South-West Africa. In: Ellen Hellmann, Leah Abrahams (Hrsg.): Handbook on Race Relations in South Africa. Cape Town, London, New York, Oxford University Press, 1949. S. 747
  3. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1972. Johannesburg 1973. S. 446.
  4. Flags of the World - Caprivi African National Union