Caramuru

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Caramuru und seine Frau Paraguaçu, Viana do Castelo (Portugal).
Ankunft von Diogo Álvares in Bahia (unbekannter Künstler, Benediktinerabtei Salvador, Bahia (Brasilien)
"Caramuru. Gedicht über die Entdeckung Bahias". Frei José de Santa Rita Durão, Faksimile, Titelseite der ersten Ausgabe, 1781.

Diogo Álvares Correia (* um 1475 in Viana do Castelo, Portugal; † 5. Oktober 1557 in Tatuapara, Bahia, Brasilien) war ein Portugiese, der zu einer wichtigen Verbindungsperson zwischen den brasilianischen Ureinwohnern und der portugiesischen Krone wurde, welche das Land im Jahre 1500 unter der Leitung von Pedro Alvares Cabral besetzten. Er überlebte einen Schiffbruch und lebte seitdem unter den Indios der brasilianischen Küstenregion. Er erhielt von den Indios Tupinambá den Spitznamen Caramuru (Neunauge[1], weil er wie ein solcher Fisch nach seinem Schiffbruch zwischen den Küstenfelsen auftauchte.) Caramuru wird als der Gründer der bahianischen Stadt Cachoeira bezeichnet.[2]

Biographie[Bearbeiten]

Als Schiffbrüchiger eines französischen Schiffes erreichte Caramuru zwischen 1509 und 1510 die Stadt Salvador auf der Höhe des Flusses Rio Vermelho. Die Tagebuchaufzeichnung eines unbekannten Autors hielt dieses Geschehen fest:

„Auf der Reise nach São Vicente erlitt im Jahre 1510 Diogo Álvares, der dem Königshaus nahe stand, Schiffbruch, nahe Rio Vermelho, in Salvador, in Bahia. Sämtliche Mitreisende wurden durch die Indios der Tupinambá getötet, aber er überlebte und lebte von da an unter den Indios, die ihm den Spitznamen Caramuru gaben, was so viel heißt wie Neunauge.“

Aus der gleichen ungesicherten Quelle wird berichtet, dass er später den Namen „Sohn des Donners“ oder „Mann des knallenden Todes“ erhielt. Indios hätten ihm diese Namen gegeben, weil sie sich durch den Knall seines Gewehres so erschreckt hätten und ihn deswegen töten und essen wollten, nachdem er damit einen Vogel erledigt hatte.

Dann aber wurde Caramuru unter den Indios Tupinambá so sehr willkommen geheißen, dass der Häuptling Taparica ihm eine seiner Töchter, Katharina Paraguçu zur Frau gab.

Über vier Jahrzehnte pflegte Caramuru Kontakte zwischen den europäischen Seefahrern, die vor der Küste Bahias vor Anker gingen, um Brasilholz und andere tropische Hölzer zu laden. Aufgrund der guten Handelsbeziehungen zu den Franzosen aus der Normandie, reiste er zwischen 1526 und 1528 dorthin, wo seine Frau in Saint-Malo auf den Namen Catarina Álvares Paraguaçu getauft wurde zu Ehren von Catherine des Granches, der Ehefrau von Jacques Cartier, die auch ihre Taufpatin war. Eine weitere Indianerin der Tupinambá, Perrine, wurde ebenfalls getauft, worauf hin sich aus anderer ungesicherter Quelle mehrere Indianerinnen aus Neid und Missgunst ins Meer stürzten, als sie Caramuru und Paraguaçu bei der Abfahrt aus Frankreich begleiteten.

Bis auf die Region von Pernambuco funktionierten alle anderen geographischen Einheiten (genannt: Capitanias) unwirtschaftlich, sodass ein provisorischer Leiter, Francisco Pereira Coutinho, eingesetzt werden musste,[3] der wiederum Caramuru die Vermittlerfunktion zwischen Kolonialherren und Indios übertrug. Trotzdem konnte Caramuru nicht verhindern, dass Pereira Coutinho auf der Insel Itaparica von Indios getötet wurde.

Durch sein Leben unter den Indios war es Caramuru ein leichtes, selbst als Vermittler zwischen ihnen und den Missionaren zu fungieren. Die Indios vertrauten den Missionaren vom Orden der Jesuiten anfangs. Als diese jedoch Dörfer schufen, in denen die Indios leben sollten, starben viele an eingeschleppten Krankheiten wie den Pocken. So wurden sie dem neuen Glauben gegenüber misstrauisch und vermuteten, dass der Gott ihnen zürne.[4]

1548 erließ der portugiesische König Johannes III. ein Dekret zur Bildung einer Verwaltung des Landes Brasilien und bat Caramuru darum, günstige Konditionen und einen guten Empfang der Expedition unter Leitung von Tomé de Souza zu schaffen. Drei seiner Söhne mit Catarina Álvares Paraguaçu (Kaspar, Gabriel und Georg) sowie ein Schwiegersohn (João de Figueredo) wurden in die bewaffnete Armee von Thomé de Souza aufgenommen als Dank für die von ihm geleisteten Dienste an die portugiesische Krone.

Sein erlittener Schiffbruch und das Leben unter den Indios wurden in einer Legende des Autors, dem Jesuitenpater Simão de Vasconcelos im Jahre 1680 verewigt. Aus dieser Legende inspirierte sich der Franziskaner, Frei José de Santa Rita Durão, der 1781 ein episches Gedicht mit zehn Strophen über Caramurus Leben verfasste.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eduardo de Almeida Navarro: Método moderno de tupi antigo. 3. Auflage. Global, São Paulo 2006, ISBN 85-260-1058-1, S. 213.
  2. Caramuru (Diogo Álvares Correia). In: Caestamosnos.org. 2008, abgerufen am 10. Januar 2013 (portugiesisch).
  3. Thales de Azevedo:Povoamento da Cidade do Salvado. Publicação da Prefeitura Municipal do Salvador Comemorativa do IV Centenario da Cidade, Salvador 1949, S. 36, 64f, ISBN 978-85-61458-16-4.
  4. Thales de Azevedo:Povoamento da Cidade do Salvado. Publicação da Prefeitura Municipal do Salvador Comemorativa do IV Centenario da Cidade, Salvador 1949, S. 59, 64f, ISBN 978-85-61458-16-4.
  5. Onlinetext in der portugiesischen Wikisource