Carignan (Rebsorte)

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Carignan im Buch von Viala & Vermorel
Trauben und Blätter der Rebsorte Carignan.

Carignan ist eine Rotweinsorte, die traditionell in Frankreich (im Midi, im Languedoc und in der Provence), und außerdem in Spanien, Algerien, Israel und Kalifornien angebaut wird.

Sie ist die siebthäufigst angebaute rote Rebsorte der Welt. Sie heißt in Italien Carignano, in Spanien Cariñena, Mazuelo oder Mazuela und in Frankreich auch Carignan noir und wurde mit Cabernet Sauvignon zu Ruby Cabernet gekreuzt, der wiederum in Kalifornien berühmt wurde.

Ursprünglich stammt sie aus Aragonien (Spanien), ihren Namen hat sie von der Stadt Cariñena in der Provinz Saragossa. Dort wurde sie aber vollständig von der Sorte Garnacha verdrängt. Die Erträge sind sehr gut, der Wein ist dunkel, tanninreich und säurereich, mit wenig Aroma. Die Traube wird oft in Verschnittweinen verwendet. Carignan ist unter dem Namen Mazuelo neben dem Garnacha einer der beiden Verschnittpartner des Tempranillo bei der Herstellung der Rioja-Weine. Im Languedoc ist die Traube in fast allen Weinen vertreten, wird aber in ihrem Anteil beständig verringert und durch Syrah und Cinsaut ersetzt, die aromareicher und feiner sind.

Aus der roten Carignan entstanden die Mutationen Carignan Gris sowie Carignan Blanc.

Verbreitung[Bearbeiten]

Obwohl die Sorte vor allem in Frankreich massiv gerodet wurde, in der Zeit von 1989 bis 1999 ging die die Rebfläche des Carignan allein in Frankreich um 43 % zurück, liegt ihr weltweiter Rebenbestand bei 80178 Hektar (2010). Angebaut wird sie neben Frankreich vor allem in Nordafrika, insbesondere in Algerien. Weiterer Anbau findet sich in Spanien, Italien, Portugal, Sardinien, Israel, Kalifornien (→ Weinbau in Kalifornien), Mexiko, Chile, Argentinien und Uruguay.

Die weiteste Verbreitung in Frankreich kannte die Rebsorte Carignan im Jahr 1968, als 211.254 Hektar Rebfläche deklariert wurden. Zur gleichen Zeit waren auch in Algerien fast 140.000 Hektar Carignan bekannt. Durch massive Rodung in der Zeit von 1989 bis 2007 ging ihr Bestand dramatisch zurück. Im Jahr 2007 wurde in Frankreich nur noch eine bestockte Rebfläche von 59.210 Hektar erhoben (Stand 2007[1][2]). Die Sorte liegt mittlerweile hinter Merlot, Grenache und Syrah auf Rang 4 der meistverbreiteten roten Rebsorten und dürfte in naher Zukunft auch vom Cabernet Sauvignon überflügelt werden. Im Jahr 2005 wurde noch eine bestockte Rebfläche von 72.828 Hektar erhoben.

Siehe auch die Artikel Weinbau in Frankreich, Weinbau in Spanien, Weinbau in Italien, Weinbau in Argentinien, Weinbau in Uruguay, Weinbau in Chile (675 Hektar, Stand 2006),[3] Weinbau in Portugal, Weinbau in Algerien und Weinbau in den Vereinigten Staaten (allein in Kalifornien 3703 acre[4]) sowie die Liste der Rebsorten.

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten]

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist weißwollig behaart und rötlich gerändert. Die gelblichen Jungblätter sind ebenfalls weißwollig überzogen und werden schnell dünn sowie glänzend.
  • Die sehr großen Blätter sind fünflappig und stark gebuchtet. Die Stielbucht ist U-förmig geöffnet. Das Blatt ist spitz gesägt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten groß. Die Blattoberfläche (auch Blattspreite genannt) ist rau blasig.
  • Die konus- bis walzenförmige Traube ist groß, geschultert oder verzweigt und dichtbeerig. Die rundlichen Beeren sind mittelgroß und schwarzblauer Farbe. Die Reben sind dickschalig und das Mostgewicht meist hoch.

Carignan reift fast 30 Tage nach dem Gutedel. Sie gilt somit als spät reifend. Der späte Austrieb bewahrt ihn vor Spätfrostgefährdung. Die wuchskräftige Sorte erbringt gleichmäßig hohe Erträge. Auf mageren Böden in Hanglage liegt der Ertrag bei niedrigen 30 - 70 Hektoliter/Hektar. In fruchtbaren Ebenen schnellt der Ertrag jedoch auf bis zu 200 Hektoliter/Hektar. Eine strenge Ertragsregulierung ist zur Erzielung hoher Qualität unerlässlich.

Sie ist stark anfällig gegen den Echten Mehltau und gegen den Falschen Mehltau und neigt aufgrund der Dichtbeerigkeit zu Rohfäule.

Das rissige Holz der Traubenstiele macht große Schwierigkeiten bei der maschinellen Ernte sowie bei zu starkem Wind.

Am besten gedeiht sie im Bereich des Mittelmeerklimas. Besondere Weine bringen wenige alte Rebstöcke in kargen Lagen hervor, wo die Konzentration des an sich schwachen Aromas bei längerer Lagerung tiefgründige Weine mit fruchtigen Anklängen, oftmals von Pflaumen und Feigen, ergibt. Die Zwetschgennoten fallen dann weicher und feinduftiger aus als z. B. typischerweise bei einem Barbaresco.

Synonyme[Bearbeiten]

Aufgrund der weiten Verbreitung ist die Liste der Synonyme lang. Carignan ist auch unter den Namen Axina de Spagne, Babonenc, Babounenc, Blaue Shopatna, Blauer Carignan, Boi dur, Bois de Fer, Bois Dur, Bovale grande di Spagna, Bove duro, Bove duro di Spagna, Cafalan, Cagnolaro, Cagnolaro Tinto, Calignan, Carignan francès, Carignan noir, Carignan Mouillan, Carignane, Carignane mouilla, Carignane Noire, Carignane Violette, Carignanne, Carignano, Carignano di Carmignano, Carinena, Carineña, Carineña mazuela, Catalan, Cencibel, Crignane, Crinaña, Crujillón, Crusillo, Crusillo y Samso, Girard, Girarde, Grenache du Bois dur, Karinjan, Kek Carignan, Kerrigan, Legno Duro, Legno Duro di Portoferraio, Manueolo Tinto, Manzuela, Marocain, Mataro, Mazuela, Mazuelo, Mollard, Monestel,Mounestéou, Pinot Evara oder Pinot d'Evora, Plant d'Espagne, Plant de Lédenon, Pokovec, Pokovez, Roussillonen, Samso Crusillo, Shopatna Blau, Sopatna blau, Tinto Mazuela und Uva di Spagna bekannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. onivins.fr (PDF), Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 1, Veröffentlichung des Onivins (Office National Interprofessionel des Fruits, des Legumes, des Vins et de l’Horticulure), Stand 2008
  2. onivins.fr, Pdf, Statistik zu roten Rebsorten je Großregion, Teil 2, Veröffentlichung des Onivins (Office National Interprofessionel des Fruits, des Legumes, des Vins et de l’Horticulure), Stand 2008
  3. Catastro Viticola Nacional 2006. División Protección Agrícola – SAG, 2007, abgerufen am 26. November 2014 (PDF; 135 kB, spanisch).
  4. California grape acreage report, 2008 crop (PDF; 2,1 MB), Veröffentlicht im April 2009 vom California Department of Food and Agriculture

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]