Caritas Socialis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel für Hildegard Burjan, Gründerin der Caritas Socialis

Caritas Socialis (CS) ist ein Frauenorden.

Heute führt die Schwesterngemeinschaft Pflege- und Betreuungseinrichtungen für chronisch kranke, hochbetagte und unheilbar kranke Menschen sowie Kindergärten und Horte, ein Wohnheim für Mütter und Kinder und einem sozialen Hilfs- und Beratungsdienst. Bekannt ist die CS vor allem durch das CS Hospiz Rennweg und die Spezialisierung auf Alzheimer- und Demenzbetreuung sowie Multiple Sklerose Betreuung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinschaft wurde am 4. Oktober 1919 von Hildegard Burjan mit Unterstützung von Prälat Ignaz Seipel in Wien als geistliche Schwesterngemeinschaft mit dem Anspruch, soziale Nöte zu lindern, gegründet. Diese ging aus dem 1918 errichteten Verein „Soziale Hilfe“ hervor. Die Gemeinschaft wurde am 10. Juni 1936 kanonisch errichtet und erhielt am 2. Februar 1960 die päpstliche Anerkennung. Die Not der Zeit an der Wurzel zu packen, verbunden mit Mut zu Neuem - darum ging es Hildegard Burjan, darum geht es der Caritas Socialis bis heute. Gemeint ist: strukturelle Hilfe und nicht nur Akuthilfe. Heute ist die Caritas Socialis eine gemeinnützige Privatstiftung.

2002 wurde von der Schwesterngemeinschaft die Caritas Socialis gemeinnützige Privatstiftung gegründet. Die Einrichtungen gliedern sich heute in Einrichtungen, die in GmbH organisiert sind, die alle mit 1. Januar 2002 in die Caritas Socialis Gemeinnützige Privatstiftung eingebracht wurden.[1]

Zweck der Privatstiftung ist die Unterstützung von Einrichtungen der Caritas Socialis: zum Beispiel des Hospiz Rennweg, der Pflege- und Sozialzentren, der Multiple Sklerose- bzw. Alzheimer-Betreuungseinrichtungen (Tageszentren, stationäre Einrichtungen), des Wohnheims für Mutter und Kind, der Kindergärten und Horte sowie die Entwicklung neuer Projekte.

Geistliche Schwestern und weltliche Mitarbeiter, zum Teil ehrenamtlich arbeiten in der Schwesterngemeinschaft. Zu einem Großteil wird die Arbeit des CS-Hospiz Rennweg von großzügigen Spendern und Förderern ermöglicht. Hildegard Burjan wurde am 29. Jänner 2012 im Wiener Stephansdom seliggesprochen.[2]

CS Schwesterngemeinschaft[Bearbeiten]

CS-Schwestern leben und arbeiten heute in Österreich, Deutschland, Südtirol, Ungarn und Brasilien. Einige Schwestern tragen ein dunkelblaues Kleid und als Abzeichen ein weißes Kreuz auf blauem Grund mit den Buchstaben „CS“. Die außerordentliche Generalversammlung 1971 besann sich auf den Gedanken Hildegard Burjans, keine Ordenskleidung einzuführen. Älteren Schwestern, die das blaue Ordenskleid schon lange trugen, wurde freigestellt, zivile Kleidung oder Ordenskleidung zu tragen. Neu eintretende Schwestern erhalten bei der Aufnahme in die zweite Probezeit das Kreuz mit den Buchstaben CS als gemeinsames Zeichen.

Nach der Gründung standen die Altenbetreuung, der Mädchenschutz, der Wiederaufbau der Bahnhofsmission und die Fürsorge für Gefährdete im Vordergrund. Beim „St.-Elisabeth-Tisch“ erhielten Menschen warmes Essen, der „Krankentisch“ brachte das Essen für Kranke und Alleinstehende ins Haus. Die Schwerpunkte lagen bei der Familien- und Altenhilfe, Hospizarbeit, Jugendarbeit, Lebens- und Sozialberatung, dem Schutz für das ungeborene Leben und in der Unterstützung von Alleinerzieherinnen. Sr. Hildegard Teuschl CS leitete bis 1998 die Lehranstalt der Caritas für Sozialberufe in Wien. Danach widmete sie sich dem Auf- und Ausbau der Hospizbewegung in Österreich und war die erste Präsidentin des Dachverbands Hospiz Österreich.

Am 21. Juni 1998 besuchte Papst Johannes Paul II. das Hospiz Rennweg der CS (3. Wiener Gemeindebezirk) und hielt eine Ansprache an alle, die in der Welt der Krankheit und des Leidens leben und arbeiten.[3]

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Schwesterngemeinschaft konzentriert ihre Hilfe im 21. Jahrhundert an den Lebensanfang und dessen Ende mit Spezialeinrichtungen für Kinder und Alleinerzieherinnen sowie für an Alzheimer und Multiple Sklerose Erkrankte und für Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen. Maßgeblich hat die Schwesterngemeinschaft an der Verbreitung des Hospizgedankens „Palliative Care“[4] in Österreich in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Anteil gehabt. Ebenso ist die Auseinandersetzung mit Spiritualität und Wertemanagement ein Anliegen der CS-Schwestern.

Geführt werden alle Hilfseinrichtungen in einer gemeinnützigen Privatstiftung, in der rund 700 Mitarbeiter, 135 ehrenamtliche Mitarbeiter und 800 Praktikanten mithelfen (Stand 2009).

Spezialisierungen[Bearbeiten]

Alzheimer- und Demenzbetreuung[Bearbeiten]

Im Rahmen des Pflege- und Betreuungsnetzes können spezialisierte Alzheimer/Demenzbetreuungsangebote

  • teilweise in den Alzheimer-Tageszentren und
  • rund um die Uhr in den spezialisierten Langzeitbetreuungseinrichtungen (Alzheimerstation, Demenzwohngruppe, Wohngemeinschaft für demente Menschen)

in Anspruch genommen werden.

Multiple-Sklerose-Betreuung[Bearbeiten]

Das Multiple-Sklerose-Tageszentrum und die neurologische Langzeitstation sind Teile des CS Pflege- und Sozialzentrum Rennweg. Das MS-Tageszentrum ist einzigartig in Europa und bietet Möglichkeiten Therapie und Gemeinschaftserleben tagsüber zu verbinden. Die neurologische Langzeitstation und die Betreuung zu Hause arbeiten eng mit dem Tageszentrum zusammen und schaffen so einen optimalen Transfer zwischen den verschiedenen Gliedern des CS-Pflegenetzes.

Hospizkultur und Mäeutik[Bearbeiten]

Die bekannteste Spezialisierung der Schwesterngemeinschaft ist das Hospiz Rennweg. Unter einem Dach werden eine Palliativstation, das Mobile Palliativteam, das Hospizteam der Ehrenamtlichen, eine Beratungsstelle und Der Rote Anker geführt. Gemeinsam ermöglichen sie unheilbar kranken Menschen und deren Angehörigen Lebensqualität bis zuletzt.

Einrichtungen[Bearbeiten]

  • CS-Beratungsservice Pflege und Demenz
  • CS-Betreuung zu Hause
  • CS-Tageszentren (Alzheimer Tageszentren und Integrativ Geriatrische Tageszentren)
  • Multiple Sklerose Tageszentrum
  • stationäre Integrativ Geriatrische Kurz- und Langzeitpflege
  • stationäre Alzheimer Langzeitpflege
  • neurologische Langzeitpflegestation
  • Wohnen bei der CS
  • CS-Hospiz Rennweg
  • Sozial Pastorale Dienste
  • CS-Kindergärten und Horte
  • Sozialer Hilfs- und Beratungsdienst
  • CS-Wohnheim für Mutter und Kind (MUKI)
  • Offener Mittagstisch

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Juni 1998: Sr. Hildegard Teuschl CS: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • Juni 2003: Tagebuchplakataktion des CS-Hospiz Rennweg Gesundheitspreis der Stadt Wien
  • Juni 2003: Initiative "Taten statt Worte" und die Frauenakademie alpha verliehen den Preis des frauen- und familienfreundlichsten Wiener Betriebes 2003 an die Caritas Socialis
  • Feb. 2004: CS-Pflege- und Sozialzentren: frauen- und familienfreundliche Wiener Betriebe 2003
  • Nov. 2004: Sr. Hildegard Teuschl CS erhielt den Kardinal-König-Preis
  • Sept. 2006: Sr. Hildegard Teuschl CS erhielt den Felix-Ermacora-Menschenrechtspreis
  • März 2008: Sr. Hildegard Teuschl CS erhielt den Liese-Prokop-Preis für besonderes Engagement für Mitmenschen
  • April 2008: Sr. Hildegard Teuschl CS erhielt von der Caritas Socialis Stiftung den Hildegard Burjan-Ehrenpreis
  • Nov. 2008: Wohnheim für demente Menschen: Österreichischer Pflegepreis (2. Platz)
  • Dez. 2008: Konzept CS-Wohngemeinschaften für demente Menschen: Gesundheitspreis der Stadt Wien (1. Platz in der Kategorie Gesundheitsförderung)
  • Feb. 2009: Anzeige "Leeres Blatt": ADGAR-Anzeige des Jahres 2008, 1. Platz in der Kategorie Social Advertising
  • Mai 2009: Sr. Hildegard Teuschl CS, für ihr Lebenswerk: Lazarus-Ehrenpreis
  • Nov. 2010: Der Rote Anker: 3. Platz beim Gesundheitspreis der Stadt Wien
  • Juli 2010:
    • Tagebuch-Plakat CS Hospiz Rennweg: Bronzene Venus
    • Fernseh-Werbespot CS Hospiz Rennweg "Gott: Creativ Club Austria
  • Nov. 2011:Projektarbeit Ethische BewohnerInnen-Besprechung: 1. Platz Österreichischer Altenpflegepreis Teleios 2011
  • Dez. 2011: Beratungsstelle des CS Hospiz Rennweg: 3. Platz beim Gesundheitspreis der Stadt Wien 2011 für

Literatur[Bearbeiten]

  • Caritas Socialis. Mitteilungen der Schwesternschaft an ihren Freundeskreis. Periodisch in Wien erscheinende Zeitschrift.
  • Cukunft Schenken Informationszeitung der Caritas Socialis Gemeinnützigen Privatstiftung. Periodisch in Wien erscheinende Zeitschrift.
  • HospizInform Informationsblatt des CS Hospiz Rennweg. Periodisch in Wien erscheinende Zeitschrift.
  • Gert Schlegel (Hg.): Wir dürfen helfen. Ein Bildband über die Schwesternschaft Caritas Socialis. Wien 1963
  • Ingeborg Schödl (Hg.): Hoffnung hat einen Namen. Hildegard Burjan und die Caritas Socialis. Tyrolia, Innsbruck-Wien 1995, ISBN 3-7022-1980-3
  • Ingeborg Schödl (Hg.): Hildegard Burjan: Frau zwischen Politik und Kirche. DOM, Wiener Verlag, Wien 2008
  • Gisbert Greshake (Hg): Selig, die nach der Gerechtigkeit dürsten. Hildegard Burjan: Leben - Werk - Spiritualität. Tyrolia 2008
  • Eduard Spörk, Andreas Heller (Hg.): Die Hospizidee hat viele Mütter und Väter. Die Geschichte der Hospizbewegung in Österreich und die Hospizarbeit der Caritas Socialis. Tyrolia, Innsbruck Wien 2012, ISBN 978-3-7022-3190-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Caritas Socialis - Unternehmen
  2. Das war die Seligesprechung
  3. Text der Papstansprache
  4. Hospiz Rennweg