Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (Berlin)

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Carl-von-Ossietzky-Gymnasium
Frontansicht
Schulform Gymnasium
Gründung 1909
Adresse

Görschstraße 42/44

Ort Berlin-Pankow
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 34′ 0″ N, 13° 24′ 1″ O52.56666666666713.400277777778Koordinaten: 52° 34′ 0″ N, 13° 24′ 1″ O
Schüler 890
Lehrkräfte 70
Leitung Bernd Schönenberger
Website http://www.ossietzky-gym.cidsnet.de/

Das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium ist ein Gymnasium in Berlin-Pankow, das nach dem Publizisten Carl von Ossietzky benannt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Bauphase[Bearbeiten]

Die überaus schnelle Entwicklung Pankows, das damals noch ein Vorort Berlins mit über 40.000 Einwohnern war, machte die Bereitstellung neuer Schulräume notwendig. Die Gemeindevertretung beschloss daher am 7. Juli 1908 den Bau einer höheren Mädchenschule, eines Lehrerinnenseminars nebst Übungsschule, sowie dreier Gemeindedoppelschulen nach den Entwürfen des Regierungsbaumeisters Carl Fenten. Welches nun auf dem bereits 1907 [1] von der Gemeinde gekauften Grundstück an der Görschstraße 42/44 errichtet werden sollte. Am 1. April 1909[1][2] wurde mit dem Bau eines kaiserlichen Lyzeums[3] im Neorenaissance-Stil begonnen.[4]

„Die Bebauung ist so erfolgt, dass der Zugang zur höheren Mädchenschule und zum Seminar sowie der damit verbundenen Übungsschule von der Görschstraße, der Zugang für die Mädchen der Gemeindeschulen von der Neuen Schönholzer Straße und für die Knaben der Gemeindeschulen von der Wollankstraße aus erfolgt. Durch diese Verteilung ist eine Überlastung des Straßenverkehrs bei Schulschluss ausgeschlossen.“

Carl Fenten [5]

Am 1. April 1910 konnten nach nur einjähriger Bauzeit die ersten zehn Klassen der höheren Mädchenschule bereits ihren Einzug in das neue Haus halten, denen am 1. Oktober 1914 Gemeindeschulklassen folgten.

Am 5. November 1911 fanden die Einweihungsfeierlichkeiten der höheren Mädchenschule und des höheren Lehrerinnenseminars statt.

Richard-Wagner-Lyzeum[Bearbeiten]

Anfang der 1920er Jahre wird die Schule in Richard-Wagner-Lyzeum umbenannt.[1][6]

Anna-Magdalena-Bach-Schule[Bearbeiten]

1939 wird die höhere Mädchenschule in Anna-Magdalena-Bach-Schule[7] nach der zweiten Ehrfrau von Johann Sebastian Bach umbenannt. 1943 wurde für Ausgebombte eine Sammelstelle eingerichtet. In den Kriegstagen 1944/1945 wurde die Turnhalle durch Bomben zerstört.[8]

Die Aula der Schule wurde gern für Versammlung und Ausschüsse von SPD, FDJ, KPD und SED genutzt. [9][10]

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Schüler der Knabenoberrealschule „Carl Peters“, Namensgeber war der Begründer der deutschen Kolonie Ostafrika, nach der Konfiszierung ihres Schulhauses (heute Reinhold Burger Schule)[11] in der Neuen Schönholzer Straße 32 durch die Rote Armee in der Görschstraße Unterschlupf fanden, wurde aus diesem Provisorium eine feste Größe. Zunächst wurde im November 1946 der Name von Peters, durch Grausamkeiten gegen Schwarzafrikaner ohnehin schwer belastet, durch den des Pazifisten Carl von Ossietzky ersetzt. [1]

Schon bald übertrug sich dieser auch auf die Bildungseinrichtung der Mädchen. Bereits 1950/51 fusionierten die Mädchen- und Jungenschule zur Ossietzky-Oberschule.

Erweiterte Oberschule Carl-von-Ossietzky[Bearbeiten]

Ab 1951 wird der Name Erweiterte Oberschule (EOS) Carl-von-Ossietzky geführt.[5]

Bild des Haupteingangs von 1987

Ossietzky-Affäre[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ossietzky-Affäre

Im September 1988 fertigen acht Schüler der damaligen EOS kritische Wandzeitungen und Unterschriftenlisten zu den Streiks in Polen und der geplanten NVA-Parade anlässlich des DDR-Jubiläums am 7. Oktober an.

Die beteiligten Schüler wurden daraufhin vor ein Schultribunal geladen. Vier von ihnen wurden der Schule verwiesen, zwei wurden zwangsumgeschult, die restlichen zwei erhielten einen Verweis. Zudem wurden drei von ihnen aus der FDJ ausgeschlossen.[12] Trotz des Protests oppositioneller Gruppen und West-Berliner Schulen blieben die Urteile bestehen. Erst nach der Wende konnten die vier verwiesenen Schüler ihr Abitur nachholen.[13]

Carl-von-Ossietzky-Gymnasium[Bearbeiten]

1991 wird aus der Erweiterten Oberschule Carl-von-Ossietzky das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium[5], außerdem wird der Schulverein gegründet. Der Schulverein unterstützt bis heute Projekte der Schule, vor allem mit finanziellen Mitteln.[14]

Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es wurde bereits mehrmals als Drehort für Kinoproduktionen genutzt. So ist die Aula der Schule in einer Szene des Films Sonnenallee zu sehen. Die Fassade des Innenhofes diente als Kulisse der Eröffnungsszene in dem Film Was nützt die Liebe in Gedanken, sowie 1989 für den Defa-Spielfilm Coming Out, in dem der damalige Kunstlehrer in einer Nebenrolle auftrat.

Auch für den oscarprämierten Kurzfilm Spielzeugland von Jochen Alexander Freydank dienten Innenhof und Fassade des Gebäudes als Drehort und Kulisse.[15]

Profil[Bearbeiten]

Im Carl-von-Ossietzky-Gymnasium werden etwa 900 Schüler von 70 Lehrern unterrichtet. Die Schule beteiligte sich als eine von etwa vierzig Schulen am Schulversuch Ethik/Philosophie. Leistungskurse werden in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch, Bildende Kunst, Politikwissenschaft (ehemals Politische Weltkunde), Philosophie, Mathematik, Physik, Chemie und Biologie angeboten. Außerdem wird als zweite Fremdsprache auch Italienisch unterrichtet und in der 8. Klasse Chinesisch oder Latein als Wahlpflichtfach angeboten.

Es gibt zudem die Möglichkeit, sich in der Freizeit im Chor, in der Bigband sowie im Orchester der Schule zu engagieren.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Schule hat Partnerschaften mit der Beijing No. 80 High School in China, dem Lycée Privé Saint-Marc Lyon in Frankreich, dem Burgården-Gymnasium Göteborg in Schweden, dem International Business College Kolding in Dänemark und der Godolphin School Milford Hill in England.[16]

Die Schülvertretungen des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums und der Rosa-Luxemburg-Oberschule (Gymnasium) veranstalten einen gemeinsamen Schulball in der Aula der Rosa-Luxemburg-Oberschule. Dieser ist der Auftakt der weiteren Zusammenarbeit beider Schülervertretungen und später vielleicht auch beider Schulen.

Des Weiteren gibt es eine Partnerschaft mit der benachbarten Reinhold-Burger-Oberschule (Sekundarschule). Diese wurde angestrebt, weil es vermehrt zu Konflikten zwischen den Schülern der Schulen kam. Sie findet z.B. in Form von gemeinsamen Kunstprojekttagen statt. Außerdem wurde zur Gewaltprävention an beiden Schulen eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung mit dem zuständigen Polizeiabschnitt unterzeichnet. [16][17]

Schülerzeitung Moron[Bearbeiten]

Die Schülerzeitung des CvO war in mehreren Schülerzeitungswettbewerben erfolgreich. 2010 erreichte die Moron beim Sonderpreis „EinSatz für eine bessere Gesellschaft“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den dritten Platz, beim Schülerzeitungswettbewerb des Landes Berlin, der Morgenpost und der Jungen Presse Berlin 2010 den ersten und 2011 den zweiten Platz in der Kategorie "Beste Schülerzeitung (Gymnasium)".

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Rektoren[Bearbeiten]

Schüler[Bearbeiten]

  • Philipp Lengsfeld, ist ein deutscher Physiker. Er war einer der vier relegierten Schüler der Ossietzky-Affäre 1988 in Berlin-Pankow. Lengsfeld ist Bundestagsabgeordneter der Berliner CDU. Er legt 1991 sein Abitur am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium ab.[19]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörn Kalkbrenner: Margot Honecker gegen Ossietzky-Schüler. Urteil ohne Prozess. Berlin, Dietz Verlag 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Hartmut Seefeld: Barocke Nachbarschaft. Aus der Geschichte der Görschstraße in Pankow. In: Vor Ort. Mieterberatung Prenzlauer Berg, Gesellschaft für Sozialplanung mbH, 26. September 2008, S. 13, abgerufen am 2. Februar 2014 (PDF).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMaria Rüger: Erinnerungen an meine jugendbewegte Zeit, Berlin 1950–1952. In: Die Kunst des Vernetzens. Verlag für Berlin-Brandenburg, 1. Auflage 2006, S. 69, abgerufen am 2. Februar 2014 (PDF).
  3. Daten zur Organisation Richard-Wagner-Lyzeum <Berlin-Pankow> im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  4. BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung: Oberlyzeum <Berlin-Pankow>. Abgerufen am 25. Januar 2014.
  5. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlex Lubawinski: 100 Jahre Carl-von-Ossietzky-Gymnasium. In: Pankower Stimme. SPD Kreisbüro Berlin NordOst (Pankow), Herbst 2010, S. 7, abgerufen am 2. Februar 2014 (PDF).
  6.  Cea Bilang: Paulas Weg ins Leben: Im Fadenkreuz zwischen Ost-West und Nord-Süd. Amelung, C.M. Verlag, 2009, ISBN 3-9811878-8-1, S. 49.
  7. BBF Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung: Anna-Magdalena-Bach-Schule <Berlin>. Abgerufen am 25. Januar 2014.
  8. Historisches Heimatarchiv Berlin-Pankow. Zerstörungen 1940 - 1945. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  9. PDF
  10. SPD-Opposition tagte. Abgerufen am 2. Februar 2015 (Zugriff nur mit Abonnement).
  11. Joachim Zeller: Die „koloniale Wissens- und Willensbildung der Jugend“. Abgerufen am 2. Februar 2014.
  12. [1]
  13. Vgl. Jugendopposition in der DDR: Ereignisse an der Berliner Ossietzky-Schule, [2], eingesehen am 16. Mai 2009.
  14. [3]
  15. Artikel im Tagesspiegel vom 23. Februar 2009 [4]
  16. a b Erläuterungen der Partnerschaften auf der Website des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums:“[5]
  17. Kooperationsvereinbarung mit der Reinhold-Burger-Oberschule und dem Polizeiabschnitt 17 der Polizeidirektion 1: PDF
  18. PDF
  19. [6]