Carl August von Eschenmayer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Carl August von Eschenmayer (auch: Adolph (Adam) Karl August (von) Eschenmayer, * 4. Juli 1768 in Neuenbürg (Württemberg); † 17. November 1852 in Kirchheim/Teck) war ein deutscher Arzt, Philosoph und Okkultist.

Leben[Bearbeiten]

Eschenmayer immatrikulierte sich im Oktober 1783 an der Universität Tübingen, um Philosophie zu studieren. Nach dem Tod seines Vaters wechselte er auf Druck seiner Verwandtschaft zu einer kaufmännischen Ausbildung nach Stuttgart, wo er Gelegenheit hatte, Lehrvorträge an der Karlsschule zu hören. Unter dem Einfluss Schillers, der an der Karlsschule studierte, nahm Eschenmayer zwei Jahre später, nun volljährig, ein Medizinstudium an der Karlsschule auf, das er nach der Aufhebung der Karlsschule 1794 an der Universität Tübingen fortsetzte und dort im März 1796 mit der Promotion und, im November desselben Jahres, dem Staatsexamen abschloss. Nach einem Studienaufenthalt in Göttingen ließ er sich 1797 als praktischer Arzt in Kirchheim nieder, von wo er bald als Oberamtsarzt nach Sulz befördert wurde. 1798 heiratete er Johanna Christiana Friderica Bilfinger, eine Ehe die kinderlos blieb. 1800 kehrte Eschenmayer nach Kirchheim zurück, wo er Stadtphysikus und Leibarzt von Herzogin Franziska wurde.

1811 wurde er als außerordentlicher Professor für Medizin und Philosophie an die Universität Tübingen berufen und 1818 zum ordentlichen Professor für praktische Philosophie ernannt. 1812 erhielt von Eschenmayer das Ritterkreuz des Württembergischen Zivil-Verdienstordens[1], welches mit dem persönlichen Adelstitel verbunden war. 1820 wurde ihm das Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone verliehen[2].

Eschenmayer beschäftigte sich mit tierischem Magnetismus und verwendete die “magnetische Kur” nach seiner Emeritierung 1836 auch in seiner Praxis. Gemeinsam mit seinem Freund Justinus Kerner untersucht er die Seherin von Prevorst. Wie Kerner („Kernbeißer”) wird auch Eschenmayer („Professor Eschenmichel”) in Immermanns Münchhausen verspottet. Als „Professor E.” findet er sich in Wilhelmine Canz' Roman Eritis sicut Deus.[3][4]

Leistungen[Bearbeiten]

Eschenmayer ist Schüler Schellings. Er setzte sich vor allem mit Schellings Identitätsphilosophie auseinander, aber auch mit den Lehren von Friedrich Heinrich Jacobi. Damals versuchte Jacobi, „das diskursive Denken und den Atheismus der Aufklärer durch das intuitive ›unmittelbare Wissen‹ und das übernatürlich-religiöse Erleben zu überwinden“.[5] Dem schloss sich Eschenmayer an:

Das Erkennen erlöscht aber erst im Absoluten, wo es mit dem Erkannten identisch wird ... Was über diesen Punkt hinausliegt, kann daher kein Erkennen mehr sein, sondern ein Ahnden oder Andacht.“[6]

Eschenmeyer bewog Schelling zu einem Umdenken, indem dieser die Zweiheit der Philosophie akzeptierte. Schelling kam damit trotz aller Polemik gegen Eschenmayer der Kritik seiner Identitätsphilosophie durch Hegel zuvor.[7] Eschenmayer, der seine gehobene Stellung u. a. dem Prestige verdankt, die Schelling der Medizin zumindest in den Augen der literarischen Öffentlichkeit der Romantik einräumte, war einer der letzten, die Schellings Lehren neben Heinrich Steffens und Gotthilf Heinrich von Schubert unterstützten, nachdem die naturwissenschaftliche und nicht die naturphilosophisch ausgerichtete Medizin vorzuherrschen begann. Bekannt ist in diesem Zusammenhang auch, dass Wilhelm Griesinger (1818-1868) sich in Tübingen weigerte, die psychiatrischen Vorlesungen Eschenmayers zu hören.[5]

Werke[Bearbeiten]

  • Die Philosophie in ihrem Ubergange zur Nichtphilosophie (1803)
  • Versuch die scheinbare Magie des thierischen Magnetismus aus physiologischen und psychischen Gesetzen zu erklären (1816)
  • System der Moralphilosophie (1818)
  • Psychologie in drei Theilen, als empirische, reine, angewandte (1817, 2. Aufl. 1822)
  • Religionsphilosophie (3 Bände, 1818-1824)
  • Die Hegel'sche Religionsphilosophie verglichen mit dem christl. Princip (1834)
  • Der Ischariotismus unserer Tage (1835)
  • Konflikt zwischen Himmel und Hölle, an dem Dämon eines besessenen Mädchens beobachtet (1837)
  • Grundriss der Naturphilosophie (1832)
  • Grundzüge der christl. Philosophie (1840)
  • Betrachtungen über den physischen Weltbau (1852)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Königlich Württembergisches Hof- und Staatshandbuch 1815, Seite 39
  2. Königlich Württembergisches Hof- und Staatshandbuch 1831, Seite 30
  3. Wuttke, W. (1972). Materialien zu Leben und Werk Adolph Karl August von Eschenmayers. Sudhoffs Archiv, 56, 255-296.
  4. Maier, S. (2009). Der Einfluss der Fichteschen Philosophie in der Medizin bei Adolph Karl August Eschenmayer (Dissertation). Eberhard-Karls-Universität Tübingen: Medizinische Fakultät. Abgerufen unter http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2010/4531/pdf/Druckversion.pdf
  5. a b Dörner, Klaus: Bürger und Irre. Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. [1969] Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt / M 1975, ISBN 3-436-02101-6; (a) zu „Zitat Dörner zu Jacobi“: Seite 261; (b) zu Stw. „Beziehung zu Schelling bzw. der Konflikt zwischen Psychikern und Somatikern“: Seiten 260 f., 267, 315.
  6. Eschenmayer, C. A. von: Die Philosophie in ihrem Übergang zur Nichtphilosophie. Erlangen 1803; Seite 25
  7. Habermas, Jürgen: Theorie und Praxis. Neuwied 1963; Seite 25

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]