Carl Brand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Mediziner Carl Brand. Zu anderen Personen siehe Karl Brand.
Carl Brand (1942)

Carl Valentin Brand (* 21. August 1893 in Rothenbuch; † 2. April 1945 in Lohr am Main) war ein deutscher Allgemeinmediziner und wurde ein Opfer des Nationalsozialismus. Als er in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die unterfränkische Stadt Lohr am Main kampflos den US-amerikanischen Truppen übergeben wollte, wurde er dafür standrechtlich erschossen.

Leben[Bearbeiten]

Carl Brand wurde als letztes der sechs Kindern des Landarztes Carl Ludwig August Brand aus Leutershausen und dessen Frau Maria Mayer aus Marktschorgast geboren. Sein Bruder ist der Literaturhistoriker, Schriftsteller und Kriegsberichterstatter Guido Karl. Brand studierte Medizin in München. Dort heiratete er am 19. Mai 1920 Alice Branz aus Lindau. Das Ehepaar zog in Brands Heimartort Rothenbuch, wo er die Landarztpraxis seines Vaters übernahm.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war Brand beruflich in Lohr am Main tätig. Beim Heranrücken der Alliierten wollte er die kampflose Übergabe der Stadt an die US-Amerikaner erreichen und damit die sinnlose Zerstörung von Lohr verhindern. Er beabsichtigte, den US-amerikanischen Truppen mit einer weißen Fahne in der Hand entgegenzugehen. Sein Vorhaben wurde gerüchteweise bekannt; darauf wurde er am 2. April 1945, kurz vor dem Einmarsch der US Army in Lohr, von der Gestapo verhaftet und nach einem Standgerichtsverfahren am gleichen Tage erschossen.[1][2][3]

Aufarbeitung und Gedenken[Bearbeiten]

Der Vorgang gehört zu den wenigen Fällen in Unterfranken, bei denen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine kampflose Übergabe einer Stadt erreicht werden sollte.[1] Alle Urteile durch Standgerichte in der Zeit des Nationalsozialismus wurden durch das NS-Unrechtsurteileaufhebungsgesetz im Jahr 1998 pauschal aufgehoben, somit auch das Standgerichtsurteil gegen Brand. Das Vorhaben von Carl Brand und seine standrechtliche Erschießung wurden in mehreren Sachbüchern und Studien über die Zeit des Nationalsozialismus mit behandelt sowie von einem heimatgeschichtlichen Arbeitskreis der Volkshochschule Lohr im Jahr 1999 aufgearbeitet (siehe Literaturverzeichnis).

Zum Gedenken an Carl Brand wurde 1979 in Lohr ein Gedenkstein aufgestellt.[1] Außerdem wurde zunächst 1980 in seinem Geburts- und Heimatort Rothenbuch eine Straße nach ihm benannt.[4] Eine Straßenbenennung zum Gedenken an Carl Brand in Lohr erfolgte im Jahr 2008 im dortigen neuen Baugebiet Schafhof-Ost, nachdem vorherige Bemühungen des Lohrer Bürgers Dietrich Kohl in den Jahren 2005 und 2006 erfolglos geblieben waren.[5][6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Diözesanarchiv Würzburg, Verena von Wiczlinski (Hrsg.): Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945 in der Berichterstattung von Pfarrern des Bistums Würzburg. Echter, Würzburg 2005, ISBN 3-4290-2717-9, S. 40. (Online-Auszug bei Google Bücher)
  • Arbeitskreis „Heimat und Geschichte“ der VHS Lohr am Main, Karl-Heinz Schroll (Red.): Als die Amerikaner kamen. Kriegsende und Nachkriegszeit in Lohr am Main 1945–1948. Geschichts- und Museumsverein Lohr am Main, Lohr am Main 1999, ISBN 3-9341-2801-7, S. 37. (Online-Auszug bei Google Bücher)
  •  Ulrike Puvogel: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein. In: Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.): Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus : eine Dokumentation. 2., überarb. u. erw. Auflage. Bd. 1, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 190. (Online-Auszug bei Google Bücher)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Valentin Brand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDiözesanarchiv Würzburg, Verena von Wiczlinski (Hrsg.): Auszug, S. 40. In: Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945 in der Berichterstattung von Pfarrern des Bistums Würzburg. Echter, Würzburg 2005, ISBN 3-4290-2717-9, S. 40, abgerufen am 8. August 2010 (Online-Auszug bei Google bücher).
  2. Ulrich Wagner (Hrsg.;): Vgl. Fußnote 49. In: Geschichte der Stadt Würzburg. Bd. 3: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert, Teil 2. Konrad Theiss Verlag, März, S. 1373, abgerufen am 8. August 2010 (Online-Auszug bei Google Bücher).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKarl Anderlohr: Blutdurst und Exzesse. Main-Post, 27. März 2008, abgerufen am 8. August 2010.
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 190
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format(tjm): Ausschuss soll eine Straße nach Carl Brand benennen. Main-Netz, 26. März 2008, abgerufen am 8. August 2010.
  6. TOP 4 (…) Vergabe eines Straßennamens („Dr.-Carl-Brand-Straße“). In: Einladung zur Hauptverwaltungsausschusssitzung der Stadt Lohr am 1. April 2008. Stadt Lohr, S. 8–10, abgerufen am 8. August 2010 (PDF-Datei; 400 kB).