Carl Ferdinand Wilhelm Walther

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Carl Ferdinand Wilhelm Walther

Carl Ferdinand Wilhelm Walther (auch C.F.W. Walther, Rufname unbekannt, * 25. Oktober 1811 in Langenchursdorf, Sachsen; † 7. Mai 1887 in St. Louis, Missouri, USA) war ein deutsch-amerikanischer lutherischer Theologe.

Biographie[Bearbeiten]

Walther wurde als achtes von zwölf Kindern des Pfarrers Gottlob Heinrich Walther und seiner Frau Johanna Wilhelmina, geborene Zschenderlein, geboren. Zunächst wurde er durch seinen Vater unterrichtet, später an der Schule von Hohenstein und der Lateinschule in Schneeberg, die er im Jahr 1829 abschloss.

Walther studierte in der Folgezeit in Leipzig Theologie. Aufgrund einer Erkrankung unterbrach er sein Studium für ein halbes Jahr und befasste sich autodidaktisch intensiv mit den Schriften und der Theologie Martin Luthers. Dieses Lutherstudium begründete seine Überzeugung, dass nur die Bindung an die Heilige Schrift, die Bekenntnisschriften sowie ein starker Konfessionalismus das Heil bringen würden. Mit dieser Überzeugung stand er im Widerspruch zum herrschenden theologischen Rationalismus und den Unionsbestrebungen seiner Zeit.

Nach seinem ersten theologischen Examen arbeitete Walther von 1833 bis 1837 als Hauslehrer der Familie Loeber in Kahla. Am 15. Januar 1837 wurde er in der Kirchgemeinde „Zum guten Hirten“ in Bräunsdorf ordiniert. Wie bereits während seines Studiums geriet er bald aufgrund seiner theologischen Überzeugung in Konflikt mit den staatlichen und kirchlichen Autoritäten des Königreichs Sachsen.

Nachdem er Martin Stephan, den Prediger der Dresdner Exulanten-Gemeinde, kennengelernt hatte, gelangte Walther zu der Überzeugung, dass er in dem rationalistisch geprägten Staat und der unter den Einfluss der liberalen Theologie geratenen Kirche seinen Pfarrdienst nicht mehr so ausführen könne, wie es seinem Verständnis des Ordinationsgelübdes entsprach. Als Martin Stephan seine Anhänger zur Auswanderung nach Amerika aufforderte, folgte ihm Walther in einer Gruppe von etwa 800 sächsischen Lutheranern. Von Bremen aus brach er auf dem Schiff „Johann Georg“ nach Amerika auf, „um das orthodoxe Luthertum in Amerika zu befreien“.

Am 5. Januar 1839 traf er in New Orleans ein und machte sich mit einem Großteil der Exulanten auf den Weg nach Missouri. Er betreute zunächst die Gemeinde in Perry County, die von deutschen Altlutheranern aus Preußen gegründet worden war. Am 21. September 1841 heiratete er Emilie Buenger (* 1812; † 1885). Zwischen 1842 und 1852 gingen aus dieser Ehe sechs Kinder hervor.

Nachdem Bischof Martin Stephan wegen finanzieller Untreue und Unzucht seiner Ämter enthoben worden war, übernahm Walther die Leitung der sächsischen Auswanderergruppe. Im Jahr 1847 gründete er die Missouri-Synode, zu deren Präsident er 1847 und 1850 sowie 1864 und 1878 gewählt wurde. Außerdem wurde er Gründer eines Studienkollegs, das in das Concordia Seminary überging. Von 1850 bis 1857 lehrte er hier Theologie. Im Jahr 1853 gründete er die St. Louis Lutheran Bible Society.

Außerdem nahm er Anteil an der 1876 in seiner sächsischen Heimat gegründeten Evangelisch-Lutherischen Freikirche (ELFK). Friedrich Ruhland, der erste Präses der ELFK, war in der Missouri-Synode ausgebildet worden.

1855 bot die Georg-August-Universität Göttingen Walther die Ehrendoktorwürde an, die er aber zurückwies. Allerdings nahm er 1878 die Ehrendoktorwürde der Capital University in Columbus, Ohio, an. Fast 46 Jahre lang war er Pfarrer der Trinity Lutheran Church in St. Louis.

Durch die 1844 gegründete Zeitschrift „Der Lutheraner“ führte Walther viele konservative Lutheraner des mittleren Westens zusammen. Weitere Schriften Walthers entstanden aufgrund kontroverstheologischer Diskussionen hauptsächlich mit anderen Lutheranern (z.B. Wilhelm Löhe). Das Schriftverständnis und die Schriften Walthers über Biblizistik, evangelische Kirchenbekenntnisse und nachreformatorisch-scholastische Theologie prägen das Selbstverständnis der Missouri-Synode, der heute etwa ein Drittel der amerikanischen Lutheraner angehört. Diese geistliche Vaterschaft hat Walther die Bezeichnung „Luther Amerikas“ eingebracht.

Walther starb 1887. Auf dem Concordia Cemetery, wo er begraben ist, wurde ihm ein Mausoleum errichtet.

Gedenktag[Bearbeiten]

7. Mai im Kalender der Lutherischen Kirche - Missouri-Synode.[1]

Quellen[Bearbeiten]

Roman[Bearbeiten]

Zeitschriften[Bearbeiten]

  • ab 1844: Der Lutheraner
  • ab 1855: Lehre und Wehre

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Barnbrock: Die Predigten C. F. W. Walthers im Kontext deutscher Auswanderergemeinden in den USA. Hintergründe – Analysen – Perspektiven. Schriften zur Praktischen Theologie, Band 2. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2003, ISBN 3-8300-0812-0.
  • Christoph Barnbrock: Ungleiche Partner. F.C.D. Wyneken (1810–1876) und C.F.W. Walther (1811–1887) in ihrer Eigenart. In: Lutherische Theologie und Kirche 4/2011
  • Arthur H. Drevlow, John M. Drickamer und Glenn E. Reichwald (Hrsg.): C. F. W. Walther. The American Luther. Walther Press, Mankato (Minnesota) 1987
  • W. G. Polack: The Story of C. F. W. Walther. Concordia Publishing House, St. Louis 1935, 1973
  • Lewis William Spitz Sr.: The Life of Dr. C. F. W. Walther. Concordia Publishing House, St. Louis 1973, 1961
  • D. H. Steffens: Doctor Carl Ferdinand Wilhelm Walther. Lutheran Publication Society, Philadelphia 1917
  • Daniel Schwenzer: Walther, Carl Ferdinand Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 1472–1476.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 7. Mai im ökumenischen Heiligenlexikon

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Ferdinand Wilhelm Walther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien