Carl Friedrich Canstatt

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Carl Friedrich Canstatt (* 11. Juli 1807 in Regensburg; † 10. März 1850 in Erlangen) war ein Arzt und Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts und für die Entwicklung der deutschen Medizin von richtungsweisender Bedeutung.

Leben[Bearbeiten]

Carl Friedrich Canstatt wurde 1807 in Regensburg geboren. Er entstammte einer traditionsreichen, jüdischen Ärztedynastie. Ein extrovertierter, dominanter Vater und eine zutiefst religiöse, zur Depression neigende Mutter prägten seine Kindheit. Früh zeigte sich seine außerordentliche Musikalität. Diese wurde erkannt und in Form von streng überwachtem Cellounterricht gefördert. Großer Fleiß und das immerwährende Bemühen, den väterlichen Erwartungen zu entsprechen, machten bald einen hervorragenden Cellisten aus ihm. Bereits im Kindesalter traten Anzeichen einer Tuberkulose-Erkrankung auf. Dessen ungeachtet verlangte der ehrgeizige Vater – selbst praktizierender Arzt - sowohl in der schulischen und universitären Ausbildung als auch in der Musik Höchstleistungen von ihm und ließ seinen instabilen Gesundheitszustand außer Acht. Trotzdem der junge Canstatt das Talent und die Fähigkeiten für eine Künstlerkarriere besaß, entschied er sich nach längerem Gewissenskonflikt schließlich gegen die musikalische Laufbahn. Er schlug stattdessen den vom Vater vorgegebenen Weg einer medizinische Ausbildung ein und begann nach dem Gymnasialabschluss 1823 am (heutigen) Wilhelmsgymnasium München[1] sein Medizinstudium in Wien.

In der fünfjährigen Studienzeit in Wien entwickelte Canstatt – durch die Distanz zur Heimat und die Abnabelung vom Elternhaus - Selbstbewusstsein und eigenes Profil. Der Medizin widmete er sich zunächst jedoch ohne große Begeisterung. Erst durch den Augenarzt Friedrich Jäger von Jaxtthal erwachte sein Interesse für den gewählten Berufsweg, das nach dem Wechsel von Wien zur Universität Würzburg, wo er sich 1828 immatrikulierte, noch verstärkt wurde: an der Würzburger Klinik traf er nämlich auf seinen Professor und späteren Mentor Johann Lukas Schönlein (1793 – 1864), den Begründer der naturhistorischen Schule in der Medizin. Durch seine Musikalität knüpfte Canstatt in Würzburg schnell gesellschaftliche Beziehungen, aus denen seine spätere Ehe mit Laura Diruf hervorging. Canstatt promovierte 1829 und schloss ein zweijähriges Praktikum in Heidelberg an. Dort zeigten sich als Folge einer arbeitsreichen und anstrengenden Zeit an der Klinik des Chirurgen Franz von Chelius erneute Anzeichen der schlummernden Tuberkulose, die er jedoch ignorierte. Nach Bestehen seines Staatsexamens 1831 arbeitete er kurze Zeit in der väterlichen Praxis in Regensburg. 1832 brach er - zunächst aus musikalischem Interesse - nach Paris auf und legte die Medizin vorübergehend beiseite. Er kam in Kontakt mit der Pariser Musikszene und lernte Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Frédéric Chopin, Franz Liszt und Niccolò Paganini kennen. Doch der Ausbruch der Cholera im März 1832 beendete diesen kurzen Exkurs und führte ihn wieder – und dieses Mal endgültig - zurück zur Medizin: er wurde Choleraarzt.

Wichtige Veröffentlichungen sind 1839 die erste zusammenhängende Beschreibung zu "Krankheiten des höheren Alters und ihre Heilung" sowie das "Handbuch der medicinischen Klinik", in dem er konkrete Leitlinien, Techniken und Therapien für die ärztliche Praxis darstellt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Carl Friedrich Canstatt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leitschuh, Max: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, 4 Bde., München 1970–1976.; Bd. 3, S. 260