Carl Grossberg

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Carl Grossberg (* 6. September 1894 in Elberfeld; † 19. Oktober 1940 in Laon; eigentlich Georg Carl Wilhelm Grandmontagne) war ein deutscher Maler. Er gestaltete in statisch-kühlen Ölgemälden und Aquarellen Stadtbilder, Industrie- und Technikdarstellungen. Mit auffallender Hinwendung zur Neuen Sachlichkeit dienten ihm Fabrikhallen und Maschinenportraits als zentrale Werkmotive.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Jacquard-Weberei, 1934

Nach der Volksschule besucht Grossberg das Realgymnasium in Lennep und ab 1909 das Gymnasium in Elberfeld. Ab 1913 studiert er in Aachen Architektur, wechselt aber bereits ein Jahr später nach Darmstadt. Im gleichen Zeitraum lässt sein Vater, zum Bedauern des Sohnes, dessen Namen eindeutschen, aus Grandmontagne wird Grossberg. 1915 wird Grossberg zum Kriegsdienst einberufen, kämpft – nach eigenem Bericht – als Offizier an der Front, wird verwundet und kehrt 1918 in seine Heimat zurück. Anfang 1919 setzt er sein Studium fort; zunächst als Schüler Walther Klemms an der Hochschule für Bildende Künste in Weimar, von Mitte 1919 bis 1921 dann als Schüler Lyonel Feiningers am Bauhaus. Dort beschäftigt er sich u. a. mit Malerei, Dekorationskunst und Raumkunst, bevor er 1921 zu Studienzwecken nach Würzburg zieht. Kurz darauf lernt er Tilde Schwarz kennen, die er 1923 heiratet. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor. 1926 hat Grossberg seine erste Einzelausstellung im Kunsthaus Schaller in Stuttgart, die ihn bekannt macht. Eine weitere ist in der Galerie Nierendorf in Berlin zu sehen.

Seit 1927 folgen mehrere Aufenthalte in Köln, Düsseldorf und Berlin. Schließlich nimmt er 1929 an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ im Stedelijk Museum in Amsterdam teil, zwei Jahre später erhält er den Rompreis. Ab 1933 arbeitet Grossberg an der Verwirklichung seines „Industrieplans“, einem Bilderzyklus, der einen Querschnitt der wichtigsten Industrien Deutschlands darstellen soll. Das Vorhaben bleibt unrealisiert. Ein Jahr später nimmt Grossberg den Auftrag für ein monumentales Wandgemälde (45 x 12 Meter) für die Ausstellung „Deutsches Volk – Deutsche Arbeit“ an. Im selben Jahr kann eine Grossberg-Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft in Hannover realisiert werden, eine Retrospektive im Folkwang-Museum in Essen folgt 1935. Am 25. August 1939 erhält Grossberg den Stellungsbefehl und wird als Besatzungsoffizier in Polen eingesetzt. Während eines Heimaturlaubs kommt er im Wald von Compiègne bei einem Autounfall ums Leben.

Werk[Bearbeiten]

Im malerischen Werk Grossbergs überwiegen Anfang der 1920er-Jahre noch Stadtansichten, für deren künstlerischen Ausdruck wohl Lyonel Feininger innervierend gewesen sein dürfte (Häuser, Turm und Gebirge 1919/20, Kleine Häuser 1923). Die bauklotzähnlichen Gebilde sind in bunt-schillernder Farbigkeit dargestellt und zeigen noch wenig Interesse an jenem Präzisions- und Detailreichtum, der für den späteren Grossberg kennzeichnend sein wird. Ab Mitte der 1920er Jahre intensiviert Grossberg die Darstellung technischer Apparaturen, deren gestalterischer Aspekt zunehmend unter eine ingenieurhafte Perspektive gerät. Jetzt entstehen seine sogenannten „Traumbilder“, in denen er geometrisierte Maschinenparks mit surrealistischen Elementen anreichert und zu einem symbolisch überlagerten Kunstraum erweitert (Traumbild Rotor 1927, Dampfkessel mit Fledermaus 1928). Fledermäuse, Affen und Vögel bevölkern Grossbergs puristische Industriebauten und erinnern an eine Re-Kolonialisierung der Moderne durch vor-soziale Lebensformen (Renaissance 1929). Erst zu Beginn der 1930er Jahre lässt Grossberg von seinen „Traumbildern“ ab. Es dominieren technologische Innenräume, die von jedem störenden Beiwerk befreit sind. Überdimensionierte Kessel mit rechtwinklig umlagernden Gerüst- und Rohrsystemen sind nun ebenso bildbestimmende Motive (Der gelbe Kessel 1933; Ölraffinerie 1933), wie Antriebs- oder Schwungradkonstruktionen (Schwungrad mit Triebriemen 1934). Grossbergs architektonisches Ethos begleitet seine Diktion stets und überführt industrielle Funktionsträger in isoliert künstliche Monumente. Entrückt von organisch-menschlicher Verbindlichkeit werden Räume aufgespannt und nach lediglich maschinellen Gesichtspunkten geordnet. Hier entfaltet sich die distanziert unterkühlte Bildersprache, jene zeitlos wirkende Sterilität, die Carl Grossbergs Originalität letztlich verbürgt und seinen Ruhm als Industriemaler und als Künstler der Moderne begründet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Fehlemann (Hrsg.): Carl Grossberg. Retrospektive zum 100. Geburtstag, Köln 1994
  • Michael Hasenclever (Hrsg.): Carl Grossberg. Bilder von Architektur und Industrie der Zwanziger und Dreissiger Jahre. Ausstellungskatalog, München 2006 (Dieser Katalog steht unter als Download zur Verfügung).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Grossberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien