Carl Heinrich Nicolai

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Carl Heinrich Nicolai (1739–1823)

Carl Heinrich Nicolai (* 26. November 1739 in Berlin; † 18. September 1823 in Lohmen) war Lehrer, Theologe, Wanderführer und Schriftsteller. Nicolai war einer der ersten Wanderführer in der Sächsischen Schweiz, er gilt zusammen mit Wilhelm Leberecht Götzinger als touristischer Erschließer dieser Region.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Die Kirche in Lohmen, ab 1797 Wirkungsstätte von Carl Heinrich Nicolai

Nicolai wuchs als Sohn des verarmten Schuhmachers Johann Christian Nicolai in Berlin auf. Aus finanziellen Gründen blieb ihm eine höhere Schulbildung sowie ein Studium verwehrt, stattdessen war er gezwungen, den väterlichen Beruf zu erlernen. 1758 erhielt er aber die Möglichkeit, an einer Realschule eine Ausbildung zum Lehrer aufzunehmen. Diese Tätigkeit entsprach seinen geistigen Interessen und bereits im folgenden Jahr konnte er eine Arbeit als Lehrer für Religion und Geographie in Döbernitz aufnehmen. 1762 kehrte er wegen einer Krankheit kurzzeitig nach Berlin zurück, nahm aber seine Anstellung als Dorfschullehrer in Döbernitz im gleichen Jahr bereits wieder auf. Nachdem er sein Wissen um die lateinische und griechische Sprache erweitert hatte, trat er 1764 eine Lehrerstelle in Dresden an. Hier gab er neben dem Schulunterricht auch zahlreiche Privatstunden. In seiner Freizeit setzte er bereits begonnene theologische und naturwissenschaftliche Studien fort. 1780 begann Nicolai mit dem Abhalten physikalischer Vorlesungen.

Seit 1784 arbeitete er als Lehrer am Freimaurerinstitut in der Friedrichstadt. Von 1789 bis 1797 wirkte er hier als Direktor des Lehrerseminars. Nicolai folgte Diakon Feigenhauer, dem ersten Direktor der Einrichtung, nach. Nach dem Tod seiner Frau (1797) gab er seinen Posten auf, legte mit 58 Jahren die Prüfung der Theologie ab und übernahm eine freigewordene Pfarrstelle in Lohmen. Rasch begann er mit der Erkundung der umliegenden Felsenwelt der Sächsischen Schweiz. Auf seinen Wander- und Ausflugstouren wurde er in zunehmendem Maße von Besuchern begleitet, die wie Nicolai von der Natur der Sächsischen Schweiz fasziniert waren. Wohl auf Vorschlag seiner Besucher gab Nicolai 1801 einen ersten Wegweiser durch die Sächsische Schweiz heraus. Bis 1825 erschien das Buch in fünf Auflagen und machte den Autor v.a. in Dresden bekannt. Sein Pfarrhaus in Lohmen war dadurch erste Anlaufstelle für Reisende in die Sächsische Schweiz. Der Ort galt zur damaligen Zeit als Tor zur Sächsischen Schweiz, da die Anreise noch nicht wie heute üblich, über Pirna und die Verkehrswege im Elbtal, sondern über Pillnitz, den Liebethaler Grund und Lohmen zur Bastei und weiter in die hintere Sächsische Schweiz erfolgte.

1821 erkrankte Nicolai an einem Augenleiden, welches ihn zum Niederlegen seiner Arbeit als Pfarrer zwang. Am 18. September 1823 starb Carl Heinrich Nicolai in Lohmen.

Familie[Bearbeiten]

Nicolai heiratete 1769 Henriette Marquardt, die 1797 starb. Der Tod seiner Frau war mit ausschlaggebend für Nicolais Umzug von Dresden nach Lohmen. Die ländliche Abgeschiedenheit der Sächsischen Schweiz half ihm, den Schmerz über den Verlust der ersten Frau zu verarbeiten. 1799 heiratete er erneut. Bei seinem Tod hinterließ er 5 Töchter und 4 Söhne.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Gedenktafel für Nicolai und Wilhelm Leberecht Götzinger an der Basteibrücke

Carl Heinrich Nicolai zählt zusammen mit Wilhelm Leberecht Götzinger zu den Erschließern der Sächsischen Schweiz. Ihm kommt das Verdienst zu, den ersten Reiseführer über die Region verfasst zu haben. Im Gegensatz zu Götzingers Beschreibungen aus den Jahren 1786 und 1804 verzichtete Nicolai auf umfangreiche heimat- und naturkundliche Darstellungen, obwohl sein Wissen dies zugelassen hätte. Stattdessen veröffentlichte Nicolai einen kurzen und handlichen Reiseführer, der sich v.a. unter den Dresdner Einwohnern großer Beliebtheit erfreute. Mit seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Wanderführer leistete er einen wesentlichen Beitrag zum Bekanntwerden der Sächsischen Schweiz und legte mit den Grundstein für eine touristische Entwicklung der Region.

Das 1973 restaurierte Grab Nicolais ist in unmittelbarer Nähe der Kirche auf dem Lohmener Friedhof zu finden. Außerdem erinnert ein nach ihm benannter „Nicolaiweg“ und eine Steintafel in der Nähe der Basteibrücke an das Wirken des Pfarrers.

Schriften[Bearbeiten]

Die umfassende Bildung des Pfarrers und Lehrers kommt in seinen Schriften zu völlig unterschiedlichen Themen zum Ausdruck. Neben dem berühmten Wanderführer schrieb Nicolai ein Buch zur Astronomie sowie eines zum Kalenderwesen. In einer Denkschrift zum Thema Blitzableiter veröffentlichte er seine Erfahrungen mit dem Bau und dem Betrieb derartiger Einrichtungen. Er hatte an Pfarrhaus und Kirche Blitzableiter selbst angebracht. Zuletzt verfasste Nicolai noch eine Autobiografie.

  • Gänzlich gehobene Bedenklichkeiten wegen Anlegung der Blitzableiter, nebst Anweisung, wie sie am leichtesten und wohlfeilsten angelegt werden können, Waltherische Hofbuchhandlung, Dresden 1800
  • Wegweiser durch die Sächsische Schweiz nebst einer Reisekarte, Pirna 1801
    • zweite Auflage, Dresden 1811 (Digitalisat)
    • Neuauflage Hellerau-Verlag, Reihe Kursächsische Wanderungen Heft 1, Dresden 2003, ISBN 3-910184-02-2)
  • Über die Seidenraupen, Leipzig 1801
  • Über die Hunde, Leipzig 1801
  • Wegweiser durch den Sternenhimmel, Dresden 1810
  • Die Umsicht im Sternenhimmel, Berlin 1812
  • Schlüssel zu den Geheimnissen der Kalender 1814
  • Glaubens-Bekenntniß, Pirna 1823
  • Der räthselhafte Mann – Lebensbeschreibung des Pastors Nikolai in Lohmen von ihm selbst im hohen Alter flüchtig entworfen, 1865

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Heinrich Nicolai – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien