Carl Johann Christian Zimmermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carl Johann Christian Zimmermann ca. 1880

Carl Johann Christian Zimmermann, genannt Hans Zimmermann (* 8. November 1831 in Elbing; † 18. März 1911 in Wandsbeck bei Hamburg) war ein deutscher Architekt und Baubeamter.

Leben[Bearbeiten]

Zimmermann wurde als Sohn eines der Bürgermeister und Bauräte von Elbing geboren. Zuerst studierte er Kunstgeschichte an der Universität Königsberg, bestand die Feldmesserprüfung und war beim Bau der Preußischen Ostbahn tätig (vermutlich am Streckenabschnitt BrombergThorn). 1854–1856 studierte Zimmermann an der Berliner Bauakademie, im Oktober 1856 schloss er sein Studium mit der Bauführerprüfung ab. Zweimal in der Folge gewann er 1860 und 1861 den Schinkelpreis. Ab 1862 arbeitete er bei der Ministerial- und Bau-Kommission in Berlin, wo er u. A. ein Gefängnis projektierte. Anschließend kam er 1864 nach Breslau, wo er im Mai dieses Jahres für die Leitung des Stadtbauamts gewählt wurde. Als Stadtbaurat teilte er sich diese Stelle vorerst mit Julius von Roux und ab 1866 mit Alexander Kaumann. Zimmermann war in Breslau für alle öffentliche Aufgaben der Stadt in Bereichen Hochbau, Stadtplanung und Leitungsnetze auf dem Stadtgebiet links der Oder zuständig − seine Amtskollegen übernahmen die Gebiete rechts der Oder. Seine Breslauer Schaffensphase ist sowohl durch Neogotik als auch Neorenaissance geprägt. Am 1. Januar 1872 legte er sein Amt nieder.

Von 1872 bis 1908 war Zimmermann Hamburger Baudirektor, er übernahm das seit dem Tod von Carl Ludwig Wimmel (1845) vakante Amt und wurde neben Franz Andreas Meyer zum einflussreichsten Gestalter Hamburgs. Er entwarf unter anderem das Museum für Kunst und Gewerbe, die Universitätsklinik Eppendorf, das Zentralgefängnis Fuhlsbüttel, sowie das Wilhelm-Gymnasium. Seine bevorzugte Stilrichtung war in dieser Zeit die Neorenaissance.

Als Nachfolger Zimmermanns im Amt des Baudirektors wurde 1908 Fritz Schumacher berufen, der dieses Amt nach einjähriger Vorbereitungszeit schließlich im Herbst 1909 antrat. Bereits in der Zeit der Jahrhundertwende hatte Zimmermann sich aus der aktiven Entwurfstätigkeit zurückgezogen und diese Aufgaben insbesondere dem 1901 ins Hamburger Hochbauwesen eingetretenen Albert Erbe übertragen, der schließlich nach Schumachers Amtsantritt 1911 nach Essen wechselte.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Evangelische Kirche A.B. in Triest

In Breslau:

  • Ab 1865: Zuschüttung des Inneren Stadtgrabens, der sog. Stadt- oder Schwarzen Ohle (heutiger Verlauf der Ost-West-Straße) und Bau der Kanalisation in der Altstadt
  • Ab 1865: Salvatorkirche auf den Teichäckern, Entwürfe ab 1865, Ausführung 1871–1876 unter Aufsicht anderer Architekten (neugotisch, zerstört während des Zweiten Weltkrieges)
  • 1865: Änderungen am Projekt des Wasserturms Am Weidendamm (ulica Na Grobli), Ursprungsentwurf von John Moore
  • 1865: Pfarrhaus der Elisabethkirche
  • 1865: Johannesgymnasium an der Paradiesstraße (1911-1912 von Fritz Behrendt erweitert; jetzt Maria-Dąbrowska-Gesamtschule für Wirtschaft und Verwaltung)
  • 1865: Bau der evangelischen und katholischen Oberschulen am Nicolai-Stadtgraben (später mehrmals umgebaut, heutzutage das XII. Allgemeinbildende Lyzeum "„Bolesław Chrobry“)
  • 1866–1868: Umbau des Königsplatzes (heute plac Jana Pawła IIPlatz des Johannes Paul II.) mit Abbau der Königsbrücke und Zuschüttung eines Teiles des Äußeren Stadtgrabens
  • 1867: Entwurf des Städtischen Friedhofs I in Breslau-Gräbschen mit Kapelle, Gebeinhaus und Gärtnerhaus (heute Park Grabiszyński / Gräbschener Park, Bauten zerstört)
  • 1869: Neubau des Maria-Magdalenen-Gymnasiums an der Schubrücke, 1869 (1945 zerstört)
  • 1869: Umbau und Aufstockung des Bernardinhospitals, des heutigen Architekturmuseums (Die meisten dieser Veränderungen wurden während des Zweiten Weltkrieges zerstört oder später beseitigt.)
  • 1870: Volksschule Lehmgrubenstraße 30 (ulica Gliniana) (Heute bildet die Zimmermannsche Schule den Nord-West-Flügel, da das Gebäude später von Stadtbaurat Richard Plüddemann (Südflügel entlang der Straße, 1888–90) und vom Architekten Karl Klimm (Turnhalle, 1906–1907) erweitert wurde.)

In Hamburg:

Literatur[Bearbeiten]

  • Daria Dorota Pikulska: Carl Johann Christian Zimmermann. Muzeum Architektury we Wrocławiu, Wrocław 2005, ISBN 83-89262-21-5.
  • Dieter Schädel: Carl Johann Christian Zimmermann (1831–1911). 36 Jahre Leiter des Hamburger Hochbauamtes. In: Dieter Schädel (Hrsg.): Wie das Kunstwerk Hamburg entstand. Hamburg 2006, ISBN 978-3-937904-35-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Johann Christian Zimmermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. DuMont, Köln 1989, ISBN 3-7701-1590-2, Seite 254.
  2. Julius Faulwasser: Der Erweiterungsbau der Kunsthalle in Hamburg. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Jg. 41, Nr. 29 (9. April 1921), urn:nbn:de:kobv:109-opus-54775, S. 349–351 (Teil 1) und urn:nbn:de:kobv:109-opus-52253, S. 178–181. (Elf Abbildungen)
  3. Erbe: Die Navigationsschule in Hamburg. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. XXVI, Nr. 71 (1. September 1906), urn:nbn:de:kobv:109-opus-39939, S. 448–450.
Vorgänger Amt Nachfolger
Julius von Roux Breslauer Stadtbaurat (links der Oder)
1864–1872
Johann Robert Mende
Carl Ludwig Wimmel Hamburger Baudirektor
1872–1909
Fritz Schumacher