Carl Legien

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Carl Legien
Büste Carl Legiens auf dem Denkmal am Legiendamm 32, in Berlin-Kreuzberg
Grab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

Carl Rudolf Legien (* 1. Dezember 1861 in Marienburg (Westpreußen); † 26. Dezember 1920 in Berlin) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär.

Legien war von 1893 bis 1898 sowie von 1903 bis 1920 Reichstagsabgeordneter.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Tod seiner Eltern wuchs Legien 1867 bis 1875 in einem Waisenhaus in Thorn auf. Von 1875 bis 1880 absolvierte er eine Drechslerlehre. Von 1881 bis 1884 leistete er seinen Militärdienst.

Von 1884 bis 1886 arbeitete er als Drechslergeselle in Berlin, Frankfurt am Main und Deutz bei Köln und ließ sich schließlich in Hamburg nieder.[1]

In Berlin war er erst Sekretär und ab 1913 Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes.

Legien starb am 26. Dezember 1920 in Berlin. Bestattet wurde er an der Ringmauer auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg.

Gewerkschaftliche und parteipolitische Arbeit[Bearbeiten]

Legien trat 1885 in Frankfurt am Main der SPD und 1886 dem Hamburger Fachverein der Drechsler und damit der Gewerkschaftsbewegung bei. Im gleichen Jahr wurde er Vorsitzender des örtlichen Vereins.[1] 1887 wurde unter seiner Leitung die Vereinigung der Drechsler Deutschlands gegründet. 1889 nahm er am internationalen Sozialistenkongress in Paris teil, der zur Gründung der Sozialistischen Internationale führte. Seit 1890 war er Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands mit Sitz in Hamburg und leitete in dieser Funktion den Halberstadter Kongress 1892. Er war langjährig Sekretär, dann ab 1913 erster Präsident des auf amerikanischen Wunsch umbenannten Internationalen Gewerkschaftsbundes. 1919 wurde er auf dem Nürnberger Gründungskongress des ADGB dessen Vorsitzender.

Während sich der Deutscher Metallarbeiter-Verband unter dem neuen Vorsitzenden Robert Dißmann nach der Novemberrevolution zum Rätesystem bekannte und die Kooperation der Gewerkschaften im Ersten Weltkrieg kritisierte, positionierte isch Legien gegen revolutionäre Bestrebungen.

Legien hatte im Weltkrieg den Beschluß auf Streikverzicht unterstützt und sah den Krieg als nationale Aufgabe, für die er jedoch Gegenleistungen des Staates erwartete. Er war bereits gegen Ende des Ersten Weltkrieges führend an den Verhandlungen um die Zentralarbeitsgemeinschaft mit Vertretern der Industrie beteiligt. Aufgrund dieser Verhandlungen wurden durch das Stinnes-Legien-Abkommens die Gewerkschaften in Deutschland erstmals von der Unternehmerschaft offiziell als Interessenvertreter der Arbeiter anerkannt und der Achtstundentag eingeführt. 1920 organisierte Legien den Generalstreik gegen den Kapp-Putsch. Im Juni 1920 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates.[1] Im März 1920 bot Friedrich Ebert ihm die Regierungsbildung an, was er jedoch ablehnte. Er verstarb im selben Jahr.

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Andreas Michaelis, Carl Legien (s. Weblinks)

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Blumenberg: Carl Legien. In: Kämpfer für die Freiheit. J. H. W. Dietz Nachf., Berlin / Hannover 1959, S. 100-108.
  •  Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Dirk Hainbuch/ Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 94 f.; ISBN print 978-3-86219-038-6, ISBN online 978-3-86219-039-3 (Online, PDF; 2,2 MB)
  • Karl-Christian Führer: Carl Legien 1865-1921. Ein Gewerkschafter im Kampf um ein "möglichst gutes Leben" für alle Arbeiter. Klartext, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0186-5
  • Heinrich Potthoff: Legien, Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 61–63 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Legien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien