Carl Moll

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Maler Carl Moll. Zu anderen Personen siehe Karl Moll.
Ludwig Michalek (zugeschrieben): Bildnis Carl Moll, 1905

Carl Moll (* 23. April 1861 in Wien; † 13. April 1945 ebenda) war ein österreichischer Maler des Jugendstils.

Genealogie[Bearbeiten]

Carl Moll stammt vom Großhändler, Fabrikaten und Mitglied des Wiener Gemeinderats Julius Moll (*1829; †1877) und Rosina Schmid (*1835) ab.

Seine väterlichen Großeltern waren Ignaz Moll (*1776; †1846) aus Linz, Besitzer der Apotheke „Zum weißen Storch“ in Wien und Eleonora Koller (*1796; †1834). Seine mütterlichen Großelter waren Anton Schmid (*1806; †1857), Bäckermeister in Wieden, und Rosina Fischer (*1814; †1847). Aus der mütterlichen Linie stammt auch sein Onkel Karl Schmid (*1837; †1871), Landschaftsmaler in Wien, der ihn schon früh beeinflusste und das Interesse an der Malerei weckte.


Carl Moll ehelichte 1895 die aus Hamburg stammende Schauspielerin und Sängerin Anna Bergen (*1857; †1938). Sie war die Witwe des 1892 verstorbenen Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler, dessen Schüler und Assistent Carl Moll war. Seine Frau brachte zwei Töchter in die Ehe mit, wovon eine die später berühmte Alma Mahler-Werfel war. Carl Moll adoptierte die beiden Töchter.[1]

Er selbst hatte mit Anna eine leibliche Tochter Maria (*1899 in Wien; † 13. April 1945 in Wien), später Ehefrau des Landgerichtsvizepräsidenten Dr. Richard Eberstaller (*12. April 1887 in Langenlois; † 13. April 1945 in Wien).[2]

Leben[Bearbeiten]

Moll studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien 1880/1881 bei Christian Griepenkerl. Er wurde später Schüler von Emil Jakob Schindler.

1897 war er einer der Mitbegründer der Wiener Secession. Die Secessionisten brachten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst nach Wien. 1901 baute Josef Hoffmann für Moll und Koloman Moser auf der Hohen Warte im 19. Wiener Gemeindebezirk ein großes Doppelhaus,[3] das erste einer geplanten Villenkolonie für wohlhabende Bauherren. Hier wohnte Moll mit der Adresse 19., Steinfeldgasse 8, dann bis zu seinem Tod.

Auf Betreiben Molls entstand im Jahre 1903 die Moderne Galerie, heute Österreichische Galerie Belvedere.

1905 trat Carl Moll gemeinsam mit der Gruppe um Gustav Klimt aus der Secession aus. Er trat als Leiter der Galerie Miethke auch als Förderer Klimts auf. Er organisierte Ausstellungen internationaler Künstler und brachte unter anderem erstmals Werke von Vincent van Gogh nach Wien.

In den 1930er Jahren wurde Moll zu einem überzeugten Nationalsozialisten. Seine Stieftochter Alma musste jedoch im Jahre 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland mit ihrem Mann, dem Dichter Franz Werfel, wegen dessen jüdischer Abstammung fliehen. Nur wenige Tage später holte Moll fünf Bilder, die Alma der Galerie im Belvedere geliehen hatte, im Namen seiner Tochter Maria Eberstaller ab. Das wertvollste der Bilder, Edvard Munchs Sommernacht am Strand, verkaufte Moll später an die Galerie zurück.

Als die Rote Armee Anfang April 1945 die Schlacht um Wien gewann, verfasste Moll einen mit 10. April datierten Abschiedsbrief mit dem Satz Ich schlafe reuelos ein, ich habe alles Schöne gehabt, was ein Leben zu bieten hat.[4] Zwei Tage später beging er zusammen mit seiner Tochter und deren Ehemann in seiner Villa Selbstmord. Er wurde auf dem Grinzinger Friedhof begraben.

Bedeutung[Bearbeiten]

Bekannt wurde Moll durch seine großformatigen Farblithographien und Holzschnitte. Der Stil seiner späteren Landschaftsbilder wandelte sich zunehmend von der flächenhaften Malerei der Secessionisten zu mehr Räumlichkeit, in den späteren Jahren näherte er sich immer mehr dem Expressionismus an.

Rekordpreise am Kunstmarkt[Bearbeiten]

Am 21. Juni 2013 wurde bei Auctionata ein Ölgemälde des Künstlers online für 297.000 Euro (395.000 US-Dollar) versteigert. Es handelt sich hierbei um den weltweit höchsten jemals für ein Bild dieses Malers erzielten Auktionspreis. [5][6]

Sammlungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Menges, Franz, „Moll, Carl“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 735-737
  2. Prof. Dr. Wladimir Aichelburg; 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861-2011; Die Opfer 1938-1945
  3. Eintrag im Design Info Pool (dip) des Museums für angewandte Kunst (MAK)
  4. Tim Bonyhady: Wohllebengasse. Die Geschichte meiner Wiener Familie, aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-552-05648-0, S. 339
  5. Systembedingtes Ignorieren. derstandard.at, abgerufen am 20. Juli 2013.
  6. Artprice Eintrag für Carl Moll. web.artprice.com, abgerufen am 20. Juli 2013.