Carl Rabitz

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Carl Rabitz (* 22. Dezember 1823 in Halle (Saale); † 10. April 1891 in Berlin) war ein deutscher Erfinder, Bautechniker, Bauunternehmer, Hofbaumeister und Pionier im begrünten Flachdachbau.

Leben[Bearbeiten]

Als Maurerlehrling bei Albert Dietrich Schadow erwarb er 1853 den Meisterbrief. Seit 1854 war er selbstständiger Maurermeister. 1864 erfand er die Technik des Feuersicheren Deckenputzes unter hölzernen Balken[1] und erhielt das Zusatzpatent für die Rabitzwand.[2] Diese Technik ist als Leichtbauwand (Drahtputzwand) bekannt.

In seiner 1867 verlegten Broschüre Naturdächer von vulkanischem Cement warb er für begrünte Flachdächer als Gartendach und stellte auf der Weltausstellung in Paris 1867 sein begrüntes Flachdach vor.

Carl Rabitz ist auf dem Invalidenfriedhof in Berlin begraben.

Vorläufer[Bearbeiten]

Tragende Putzträger waren Schilfrohr (verdrahtet), Rippenstreckmetall, Ziegeldraht und verschiedene Gewebe aus Metalldrähten. Verputzt wurde die Unterkonstruktion mit Mörtel, vor allem Gips- und/oder Zementmörtel. Das Gewerk zählt zu den Arbeiten des Stuckateurs.

Diese Technik soll seit 1840 bekannt und von Rabitz nach Deutschland importiert und überarbeitet worden sein.

Erfindung[Bearbeiten]

Ein Gerüst aus tragenden Rundeisen von fünf bis acht Millimeter liegt unterhalb der Überlegstangen und ist mit Bindedraht untereinander verbunden. Darauf wird ein etwa ein Millimeter dickes Metallgewebe mit der Konstruktion verdrahtet. Anschließend wird ein Gips- oder Zementputz aufgebracht. Entsprechend handelt es sich um Gipsrabitzdecken- und wände oder Zementrabitzdecken- und wände.

Zweckbestimmt ausgeführt werden die Brandschutzanforderungen erfüllt. Es konnten Decken heruntergezogen, Gewölbe, nichttragende Ständerwände, die Ummantelung von Pfeilern und Stützen, die Verblendung von Installationen und der Bau von Lüftungskanälen ausgeführt werden.

Ein weiterer Vorteil war, dass Platten auf der Baustelle liegend (horizontal) in Schalenformen vorgefertigt werden konnten, um dann an den Decken abgehängt oder als Zwischenwände aufgestellt zu werden. Damit waren sie bei der Anfertigung leichter zugänglich und konnten einfacher und von Hilfskräften hergestellt werden. Eine Vorproduktion in Fabriken nach Art des Plattenbaus war jedoch wegen fehlender Fahrzeuge und Straßen für einen schonenden Transport der zerbrechlichen Platten zur Hauptanwendungszeit nicht möglich.

Normen[Bearbeiten]

  • für große Rabitzdecken „Erlaß des früheren Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt“ vom 15. Dezember 1930 II C 2494 sowie die DIN 4121 vom August 1951,
  • für Rabitzwände die DIN 4103
  • in Technische Vorschriften für Bauleistungen DIN 1964, B, Ziffer 15, ist bezüglich dieser Arbeiten (dort Drahtputz) folgendes ausgeführt: „Drahtgeflecht ist mit Rund- oder Bandeisen, Klemmschrauben, Haken, geschmiedeten Nägeln oder Eisenschlaufen sachgemäß zu befestigen und straff zu spannen, so daß in den Flächen und an den Anschlüssen keine Risse entstehen. Aufhängeeisen sind in erforderlicher Zahl und Stärke anzubringen. Für den Putzkern ist Haarmörtel zu verwenden. Im übrigen gelten die Bestimmungen für Wand- und Deckenputze sinngemäß.[3]

Heute findet dieses Gewerk vor allem in der Denkmalpflege Anwendung. Diese Technologie unterstützt die Möglichkeit der freien Ausformung der Flächen. Sie eignet sich für moderne und innovative Innenraumgestaltung im Zusammenspiel mit Stuck.

Projekte[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Naturdächer von vulkanischem Cement oder Moderne Hängende Gärten, feuerfester, vorzüglicher, schöner, dauerhafter und billiger als jede andere Bedachungsart. 1867.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Binder, Fritz Schaumann, Meinrad Haas, Karl Läpple: Stukkateur Handbuch – Die Gipsfibel. 5. Auflage. Schäfer, Hannover 1996, S. 9 und 115–144. (Reprint von „Gipsfibel“ – Ein Leitfaden für die Berufsausbildung und zur Vorbereitung auf die Gesellenprüfung im Gipser (Verputzer) und Baustuvkateur-Handwerk. 3. Auflage, um 1955.)
  • Hans-Henning Zabel: Rabitz, Johann Christoph Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 73 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. am 19. Juli 1878 unter DRP 3789 patentiert
  2. am 6. August 1878 – unter der gleichen Patentnummer
  3. zitiert aus Werner Wirsing und Karl Albert Gollwitzer, 1962, S. 17.