Carl Weissner

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Carl Weissner (* 1940 in Karlsruhe; † 24. Januar 2012 in Mannheim) war ein deutscher Schriftsteller und literarischer Übersetzer.[1]

Leben[Bearbeiten]

Carl Weissner studierte Anglistik in Bonn und Heidelberg. Von 1965 bis 1967 gab er in Heidelberg die Literaturzeitschrift Klactoveedsedsteen in seiner PANic Press heraus.[2][3] Mit Jörg Fauser, Jürgen Ploog und Udo Breger publizierte Weissner 1970/71 die Zeitschrift UFO,[4] mit Fauser, dem Grafiker Walter Hartmann und Ploog ab 1972/73 die Literaturzeitschrift Gasolin 23.[5] Weissner ging 1966 für zwei Jahre mit einem Fulbright-Stipendium nach New York. Er hatte engen Kontakt zu amerikanischen Beat-, Cut-up- und Underground-Literaten. Weissner publizierte So Who Owns Death TV, eine Zusammenarbeit mit William S. Burroughs und Claude Pélieu, in Mary Beachs Beach Books Texts & Documents [6] und erschien auch in Zeitschriften wie der International Times. Er veröffentlichte zwei Texte in Jan Hermans Nova Broadcast Press. Weissner orientierte sich damals an Burroughs Cut-up-Methode.

Weissner übersetzte Andy Warhols A und J. G. Ballards Liebe + Napalm= Export USA, für Udo Bregers Expanded Media Editions, Mary Beach, Claude Pelieu, Charles Plymell, Allen Ginsberg und Harold Norses Beat Hotel. Er wurde bekannt mit seinen Übertragungen von William S. Burroughs, Nelson Algren und Charles Bukowski.[7] Bukowski, mit dem er befreundet war, etablierte Weissner in Deutschland. Er hat außerdem sämtliche Liedtexte von Bob Dylan und Frank Zappa übersetzt. Carl Weissner lebte zuletzt in Mannheim und hielt unter anderem Lesungen.[8] Zusammen mit dem früheren Cut-up-Schriftsteller Jürgen Ploog, dem Dichter Wolf Wondratschek und anderen arbeitete er an einer Filmdokumentation mit dem Titel „Cut-Up Connection - Die Algebra des Überlebens“.

Werke[Bearbeiten]

  • So Who Owns Death TV, Beach Books Texts & Documents, San Francisco 1967 (mit William S. Burroughs und Claude Pelieu). Deutsche Ausgabe:
  • Fernseh-Tuberkulose, Nova Press, Frankfurt am Main 1969 (zusammen mit William S. Burroughs und Claude Pelieu)
  • The Braille Film, Nova Broadcast Press, San Francisco 1970 (Mit einem Beitrag von W. S. Burroughs)
  • The Louis Project, The Nova Broadcast Press, San Francisco, 1970 (zusammen mit Jan Herman)
  • Cut Up or Shut Up, Agentzia, Paris, 1972 (mit Jan Herman und Jürgen Ploog, „ticker tape“ Einleitung von W. S. Burroughs).
  • Burroughs, Berlin 1994 (zusammen mit Michael Köhler)
  • Death in Paris. Datei, datiert im Text 7. Dezember 2007, online, Reality Studio blog.
  • Manhattan Muffdiver, Milena, Wien 2010
  • Die Abenteuer von Trashman, Milena, Wien 2011 (mit einem Nachwort von Thomas Ballhausen)
  • Eine andere Liga, Milena, Wien 2013 (herausgegeben von Matthias Penzel und Vanessa Wieser)

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Mary Beach: Die elektrische Banane. in Renate Matthaei Hg.: März Texte 1 & Trivialmythen. Area, Erftstadt 2004 ISBN 3-899960297, S. 32 - 43.
  • William S. Burroughs: Die Zukunft des Romans. Rede auf der Writers' Conference Edinburgh 1964. Aus dem Amerik. In ebd., S. 147 - 149.
  • James Graham Ballard: Liebe & Napalm. Joseph Melzer, 1970. Original 1969.
    • Neuaufl. Milena, Wien 2008. Vorwort von Thomas Ballhausen und Thomas Edlinger unter dem Titel "Liebe und Napalm. The Atrocity Exhibition." ISBN 3-852861667.
    • Auszug: Liebe & Napalm = Export USA. In: Klacto/23, Heidelberg 1967. Erneut in: März Texte 1, März, Frankfurt 1969. Repr. in: März-Texte 1 und Trivialmythen, Area, Erftstadt 2004 ISBN 3-899960297, S. 68 - 71.
  • mit Walter Hartmann: Songtexte 1962-1985. Bob Dylan. Zweitausendundeins, Frankfurt am Main 1975.

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

  • Cut-up; Der sezierte Bildschirm der Worte, Melzer, Darmstadt, 1969.
  • Charles Bukowski: Stories und Romane, Frankfurt 1977
  • Terpentine on the Rocks, Maro, Augsburg, 1978 (Hg. mit Charles Bukowski)
  • William S. Burroughs; Frankfurt:
    • Band 1. Junkie. Auf der Suche nach Yage. Naked lunch. Nova express, 1978
    • Band 2. Die wilden Boys. Port of Saints. Arbeitsjournal zu "Die wilden Boys", 1980
    • Band 3. Die Städte der roten Nacht, 1982
    • Band 4. Exterminator. Die letzten Worte des Dutch Schultz, 1987
    • Band 5. Homo. Briefe an Allen Ginsberg, 1989
  • Jörg-Fauser-Edition:
    • Band 1. Romane 1, 1990
    • Band 2. Romane 2, 1990
    • Band 3. Erzählungen 1, 1990
    • Band 4. Erzählungen 2, 1990
    • Band 5. Gedichte,1990
    • Band 6. Essays, Reportagen, Kolumnen 1, 1990
    • Band 7. Essays, Reportagen, Kolumnen 2, 1990
    • Band 8. Marlon-Brando-Biographie, 1990
    • Beiheft Informationen und Bilder, 1990
    • Ergänzungsband Das leise lächelnde Nein und andere Texte, 1994

Hörspiele[Bearbeiten]

  • Der nackte Astronaut. Mit: Christian Brückner, Günther Hoffmann, Matthias Ponnier, Margot Leonard u. a. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks, 1972.
  • Deadline USA. Eine Dokumentar-Show aus dem Underground-Museum der (19)60er Jahre. Mit: William Burroughs, Allen Ginsberg, Janis Joplin, The Fugs, Jim Lowell, Harold Norse und vielen anderen. Eine Co-Produktion des Hessischen Rundfunks (HR) Frankfurt und des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Köln. Erstsendung: 8. November 1973. Regie Hermann Naber.
  • Regie bei Die von der Reservebank oder Wenn wir drankommen, ist das Spiel hoffentlich verloren von Broder Boyksen und Jörg Fauser. Eine Produktion des Saarländischen Rundfunks, 1974.
  • Mitwirkend bei Die Rückkehr des Jerry Cornelius von Pierre Joris und Michael Moorcock. Regie: Hein Bruehl. WDR, 1973
  • Mitwirkend bei Café Nirwana von Jörg Fauser. Regie: Hein Bruehl. WDR, 1974
  • Mitwirkend bei Tod eines Endverbrauchers oder Wie finde ich denn das von Gábor Altorjay, Indulis Bilzens und Hein Bruehl. Regie: Bruehl. WDR, 1974

Interviews[Bearbeiten]

  • Peter Pisa: Weissner: Dieser Mann übersetzte Bukowski. Der legendäre Übersetzer von Charles Bukowski sprach in Wien über "knallharte Sauereien" und die "Abenteuer von Trashman" in Kurier, 22. November 2011
  • Markus Brandstetter: Carl Weissner im Gespräch in Stadtbekannt Wien, 20. November 2011
  • Frank Schäfer: "Deutsche sind Dumpfbacken." Interview mit C. W., dem legendären Übersetzer ... über seine erste eigenständige deutschsprachige Publikation, Nekrophilie und seinen Rochus auf den hiesigen Literaturbetrieb. in Konkret 6, 2010, S. 62f.
  • Thomas Koch: Übersetzerlegende Carl Weissner, im Gespräch mit dem Mannheimer Übersetzer. 'SWR2 Journal am Mittag, 27. Oktober 2009.
  • Lutz Debus: "Muss das jetzt sein" in Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 30. Oktober 2008.
  • Johanna Adorján: "Ich hätte jederzeit abgleiten können" -- Literatur als Schmerzmittel. in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. März 2006, S. 27
  • Franz Dobler: Ein Ex-Agent räumt auf. Die Übersetzer-Legende Carl Weissner hat mit Sean Penn den Sarg von Bukowski getragen und viel mehr zu erzählen. in junge Welt, 25. Februar 2006.
  • Iris Brennberger: "Sind wir hier bei Bukowski oder was?" in Berliner Zeitung, 18. August 2000, S. 28.
  • Matthias Penzel: "Beinharter Brotjob" in Heilbronner Stattzeitung 2, 1989, S. 18 ff.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Deutschlandfunk, "Cut Up or Shut Up", Zum 70. Geburtstag von Carl Weissner im Gespräch mit Martin Grzimek
  2. Klactoveedsedsteen Archiv an der Universität von Texas in Austin Englisch. Abgerufen am 27. September 2008
  3. Reality Studio, Death in Paris, eine schöne Übersicht über Carl Weissners Werk Englisch. Abgerufen am 19. August 2009
  4. Zeitschrift UFO in der Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus
  5. Nr. 2 – Nr. 9; Nova-Press, Frankfurt, 1972- 1986. C. W. im konkret-Interview: "Unsere erste Nr. kam im April 1972 heraus. Wir nannten sie Nr. 2 und eröffneten mit fingierten Leserzuschriften ... zu Nr. 1, die es nicht gab."
  6. So Who Owns Death TV? Faksimile
  7. Iris Brennberger: "Sind wir hier bei Bukowski oder was?" Übersetzer Carl Weissner las zum 80. des Suffpoeten unbekannte Briefe in Berliner Zeitung, 18. August 2000, S. 28, Abgerufen am 27. September 2008
  8. Lesungen von Carl Weissner. Abgerufen am 27. September 2008