Karl von Hessen-Kassel

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Dieser Artikel behandelt den nicht-regierenden Landgrafen Karl von Hessen-Kassel. Für den regierenden Landgrafen Karl (1654–1730), siehe Karl (Hessen-Kassel).
Karl von Hessen-Kassel
Karl von Hessen-Kassel

Karl von Hessen-Kassel, auch Carl von Hessen-Kassel,[1] (* 19. Dezember 1744 in Kassel; † 17. August 1836 auf Schloss Louisenlund in Güby) war nicht-regierender Landgraf von Hessen-Kassel und dänischer Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein.

Leben[Bearbeiten]

Der dritte Sohn des regierenden Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel und der Prinzessin Maria von Hannover, einer Tochter von König Georg II. von Großbritannien, wuchs in Dänemark in der Obhut seiner Tante, Königin Luise von Dänemark, auf, nachdem sein Vater, damals Erbprinz von Hessen-Kassel, 1747 zum katholischen Glauben konvertiert war und sich die Eltern daraufhin getrennt hatten. Auch nach dem frühen Tod der Tante 1751 blieb Karl in Dänemark.

Schon 1761 trat er in die dänische Armee ein und marschierte unter General St. Germain, Franzose in dänischen Diensten, nach Holstein, um der Armee des Zaren Peter III. in Mecklenburg entgegenzutreten. Schon 1764 wurde er Major, 1766 General der Infanterie und Präsident des Kriegsrates, Großmeister der Artillerie und Chef der Garden. Im gleichen Jahr bekam er das Ritterkreuz des Elefanten-Ordens. Zudem wurde er Statthalter in Norwegen (bis 1768; er besuchte nur 1772, 1773 und 1788 Norwegen[2] und residierte im übrigen auf Schloss Gottorf).

1768 wurde er als Nachfolger des Grafen Friedrich Ludwig von Dehn königlicher Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein und erhielt das Schloss Gottorf als Residenz zu gewiesen.

Auch 1768 kaufte er von der Familie von Edelsheim mit Einwilligung ihrer Lehnsherren, der Grafen von Hanau, das Lehen Gut und Dorf Rumpenheim. 1771 erweiterte er das dortige Herrenhaus zum Rumpenheimer Schloss.

1774 wurde er zum dänischen Feldmarschall ernannt. Im Bayerischen Erbfolgekrieg war er Freiwilliger im Heer von König Friedrich II. und genoss das Vertrauen des preußischen Königs.

Im September 1788 wurde er Oberkommandierender der dänischen Truppen gegen Schweden im „Preiselbeerkrieg“ (dän: Tyttebærkrigen). Als die Schweden im Russisch-Schwedischen Krieg Russland angriffen, musste Dänemark als Verbündeter Russlands Truppen stellen. Von Norwegen her griff eine dänische Armee Göteborg an. Auf Druck von England und Preußen wurde am 9. Oktober 1788 ein Waffenstillstand geschlossen, und die Dänen zogen sich nach Norwegen zurück.

Im Jahr 1790 hob Karl die Leibeigenschaft auf seinem Gut Gereby bei Kappeln auf. Ihm zu Ehren wurde dieser Ort am südlichen Ufer der Schlei 1807 in Karlsburg umbenannt. Ab 1820 ließ er das dortige Herrenhaus zum Schloss Karlsburg ausbauen.

Den Titel „Landgraf von Hessen-Kassel“ erhielt er am 25. Januar 1805. 1814 wurde er zum General-Feldmarschall ernannt, 1816 zum Großkommandeur des Dannebrog-Ordens.

Freimaurerei[Bearbeiten]

Die Freimaurerei erlangte durch Karl von Hessen-Kassel in Dänemark die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er war Begründer zahlreicher Freimaurerlogen und Meister vom Stuhl der vier vereinigten Hamburger Logen der Strikten Observanz, in der er neben dem General-Großmeister Herzog Ferdinand von Braunschweig das Amt des Koadjutors innehatte und später dessen Amt übernahm.

Die vom Grand Orient de France gegründeten und hauptsächlich aus jüdischen Mitgliedern bestehenden Freimaurerlogen Zur aufgehenden Morgenröte in Frankfurt am Main[3] und Zu den vereinigten Freunden in Mainz stellte er nach den Napoleonischen Kriegen unter seinen Schutz, erteilte ihnen eine neue Konstitution und erwirkte für die Loge Zur aufgehenden Morgenröte sogar ein Patent für die christlichen schottischen Hochgrade. Außerdem erteilte er 1817 der Frankfurter Loge Carl zum aufgehenden Licht eine Stiftungsurkunde.[4]

Durch die Auflösung der Strikten Observanz auf dem Wilhelmsbader Freimaurer-Konvent vom 16. Juli bis 1. September 1782 wurde er wie Herzog Ferdinand von Braunschweig zudem zu einem der wichtigsten Mitglieder des Illuminatenordens.[5]

Namensgeber[Bearbeiten]

Als Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein war Karl von Hessen-Kassel mit der Schreibweise Carl der Namensgeber der Büdelsdorfer Carlshütte.[6]

Nachkommen[Bearbeiten]

Prinzessin Louise von Dänemark und Norwegen

Am 30. August 1766 heirateten auf Schloss Christiansborg in Kopenhagen Karl von Hessen-Kassel und die dänische Prinzessin Louise, eine Tochter des dänischen Königs Friedrich V. Das Paar hatte folgende Kinder:

Literatur[Bearbeiten]

  • Ahlers, Jens (Hg.): Landgraf Carl von Hessen 1744–1836. Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein (Ausstellungskatalog. Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs 47), Schleswig 1996.
  • Carsten Erich CarstensKarl, Landgraf zu Hessen-Kassel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 296 f.
  • Alf Hermann: Geheimes Louisenlund. Einblicke in Europas bedeutendsten Freimaurerpark (mit Kapiteln über Karl von Hessen und seinen Freund, den Grafen von Saint-Germain), Kiel 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

  • http://www.loge-carl-zum-felsen.de/ – Joh. Loge „Carl zum Felsen“, heute noch aktive Loge, gegründet von Karl von Hessen-Kassel
  • Denkwürdigkeiten des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel: Von ihm selbst dictirt aus dem französischen, als Manuscript gedrucktem Original, übersetzt. Mit einer Einleitung von Dr. K. Bernhardi. Verlag von A. Freyschmidt, Kassel, 1866 (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Jessen-Klingenberg: Der Schleswig-Holsteinische Kanal − Eiderkanal. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Bd. 85, Heft 3/2010, S. 117
  2. Knut Mykland: Kampen om Norge 1784 – 1814. Cappelens Forlag 1978. S. 24.
  3. Die Heimkehr der Logenbrüder in: FAZ vom 30. September 2011, Seite 47
  4. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage 2006, Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2478-6.
  5. http://www.uni-muenster.de/PeaCon/conspiracy/Weishaupt.htm
  6. Manfred Jessen-Klingenberg: Der Schleswig-Holsteinische Kanal − Eiderkanal. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Bd. 85, Heft 3/2010, S. 117