Carlingue

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel in der rue Lauriston 93 im 16. Pariser Arrondissement zu Ehren der Opfer der französischen Gestapo[1]

Carlingue, auch Französische Gestapo (franz. Gestapo française oder Gestapo - Bande de la Rue Lauriston[2]), war der Kurzname für die französischen Hilfskräfte der Gestapo.

Die Zentrale der Carlingue war von 1941 bis 1944 in der Rue Lauriston 93 in Paris untergebracht.[3] Die Organisation wurde von dem ehemaligen Polizisten Pierre Bonny und dem mehrfach vorbestraften Henri Lafont geleitet, Berufsverbrecher wie Pierre Loutrel (auch bekannt als Pierrot le fou) gehörten ihr an.[4] Die Zahlenangaben über die Angehörigen der Organisation reichen je nach Quelle von 6.000 bis zu 32.000 Mitarbeitern[5]. Angehörige der Carlingue unterstützten im Januar und Februar 1944 deutsche Besatzungstruppen als Mitglieder der paramilitärischen Légion nord-africaine (LNA) unter Alexandre Villaplane in deutschen Uniformen bei den Kämpfen gegen französische Untergrundkämpfer in der Gegend um Tulle.

Viele Carlingue-Angehörige wurden während der Libération verhaftet, zum Tode verurteilt und noch 1945 hingerichtet. Nach 1945 machte der ehemalige Carlingue-Angehörige Georges Boucheseiche († 1967 in Marokko) im französischen Auslands-Geheimdienst Service de Documentation Extérieur et de Contre-Espionage Karriere.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten]

  • Jacques Delarue: Trafics et crimes sous l'Occupation. Livre de Poche, Paris 1968
  • Philippe Aziz: Tu trahiras sans vergogne, histoire de deux "collabos", Bonny et Lafont. Fayard, Paris 1970
  • Philippe Aziz: Au service de l'ennemi. La Gestapo française en province 1940-1944. Fayard, Paris 1972
  • Philippe Aziz: Le livre noir de la trahison: Histoires de la Gestapo en France. Ramsay, Paris 1984. ISBN 978-2859563592
  • Serge Jacquemard: La Bande Bonny-Lafont. Scènes de crimes, CH-1222 Vésenaz 2007 (zuerst erschienen bei La Fleuve Noire, Paris 1993). ISBN 978-2940349470
  • Martyn Cornick, Peter Morris: The French secret services, Kapitel The Second World War, S. 42–73. Bd. 6 der Reihe International Organizations Series. ABC-Clio Inc, New Jersey 1993. ISBN 978-1851091461
  • Jean-François Miniac: Les nouvelles affaires criminelles de l'Orne (über den Carlingue-Angehörigen Roger Griveau). Editions De Borée, Paris 2009. ISBN 978-2844949592

Belletristik[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Louis Malle erzählt in seinem Spielfilm Lacombe, Lucien (1974) nach einem Drehbuch von Patrick Modiano die Geschichte eines Jugendlichen, der 1944 Mitglied der Carlingue wird.
  • Unter dem Titel 93, rue Lauriston wurde am 14. Dezember 2004 auf Canal + (Wiederholung am 26. September 2006 auf France 2) ein Fernsehfilm ausgestrahlt, der sich in fiktiver Weise mit den Aktivitäten der Gestapo française beschäftigte, in dem auch die historischen Persönlichkeiten wie Lafont und Bonny auftreten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Zu Ehren der Widerstandskämpfer, die in diesem Haus während der Besatzungszeit 1940-1944 von französischen Hilfsagenten der Gestapo aus der Bonny-Lafont-Gruppe gefoltert wurden"
  2. Stefan Martens, Maurice Vaïsse (Deutsches Historisches Institut Paris): Frankreich und Deutschland im Krieg (November 1942-Herbst 1944), S. 882. Bouvier, Bonn 2000. ISBN 978-3416029087; Patrick Modiano: Ein Stammbaum. Hanser, München 2014 ISBN 9783446209220 S. 49, mit Bezug auf Henri Lafont
  3. Raymond Monange, Un du 93 rue Lauriston
  4. Le sort de 1.178 criminels nazis, complices et collaborateurs dont Bonny, Lafont
  5. Maurice Rajsfus: La Police de Vichy. Les forces de l'ordre françaises au service de la Gestapo. 1940/1944, S. 51. Le Cherche Midi éditeur, Paris 1995. ISBN 978-2862743585
  6. Le Nouvel Observateur: ... du pouvoir (zuletzt geprüft am 7. Juli 2012; PDF; 236 kB)
  7. Die Figur des "khédive" hat Züge von Henri Lafont und die des Philibert von Pierre Bonny. Das "Büro 3bis, square Cimarosa" in dem Roman ist der 93, rue Lauriston nachempfunden, wo Lafont und Bonny ihr Büro eingerichtet hatten, um im Hof und im Kellergeschoss Gefangene unbemerkt von der Nachbarschaft foltern zu können